Bradfordsches Gesetz

Bradfords Gesetz ist eine erstmals 1934[1] von Samuel C. Bradford statistische Gesetzmäßigkeit aus dem Bereich der Bibliometrie, die die Verteilung von Literatur zu einem Thema über verschiedene Fachzeitschriften beschreibt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Nach Bradfords Gesetz finden sich die gleiche Anzahl von Aufsätzen über ein festgelegtes Thema verteilt in jeweils in Gruppen von n0, n1, n2 etc. verschiedene Zeitschriften, wobei der Parameter n je nach Fachgebiet und Thema verschieden sein kann. Der Parameter n entspricht dem Verhältnis der Anzahl von Zeitschriften zwischen zwei aufeinander folgenden Gruppen. Aus Bradfords Gesetz ergibt sich die Einteilung in Kernzeitschriften, verwandten Zeitschriften und restlichen Zeitschriften für jedes Forschungsgebiet. Bradfords Gesetz wurde 1948[2] von Brian C. Vickery unter der Bezeichnung Bradford's Law of Scattering mathematisch formuliert und stellt ein Potenzgesetz dar, das auch auf andere Bereiche beispielsweise Webseiten und Sozialsysteme übertragen werden kann. Eine vereinfachte Variante einer vergleichbaren Verteilung ist als 80/20-Regel bekannt.

Beispiele

Wenn es beispielsweise in einem Fachgebiet 4 Kernzeitschriften gibt, die in einem bestimmten Zeitraum 10 relevante Artikel veröffentlichen und im selben Zeitraum 10 weitere Artikel in 12 anderen Zeitschriften stehen, dann beträgt der Faktor für das Fachgebiet n = 12 / 4 = 3. Für 10 weitere relevante Artikel müssen jeweils n mal mehr Zeitschriften durchsucht werden, also 4, 12, 36, 108... Außerdem kann es vorkommen, dass weitere relevante Artikel vorhanden sind, allerdings mit stark abfallender Wahrscheinlichkeit.

Bradford stellte sein Gesetz nach der Untersuchung einer Bibliografie zum Thema Geophysik mit insgesamt 326 Zeitschriften auf. Er stellte fest, dass 9 Zeitschriften 429 Artikel enthielten, 59 weitere 499 Artikel und die restlichen 258 noch 404 Artikel.

Anwendung

Aus Bradfords Gesetz lässt sich in etwa ablesen, ab welchem Punkt die Neugründung einer Zeitschrift für ein Fach sinnvoll ist (etwa die Hälfte aller Neugründungen gehen wieder ein). Da nicht alle relevanten Artikel in einer neuen Kernzeitschrift veröffentlicht werden, muss nach Bradfords Gesetz regelmäßig insgesamt entsprechend viele mehr Artikel mehr publiziert werden, bis sich die Neugründung tragen kann.

Auch zur Planung der Zeitschriftenerwerbung in Bibliotheken und dem Aufwand von Recherchen („Bradfordizing“) lässt sich das Gesetz einsetzen. Aus Bradfords Gesetz folgt, dass man sich nicht auf eine Kernzeitschrift beschränken sollte und der Erfolg von allgemeinen Fachzeitschriften wie Science und Nature lässt sich durch Interdisziplinarität erklären.

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Samuel Bradford: Sources of Information on specific subjects. In: Engineering 137, 1934, S. 85-86
  2. Brian C. Vickery: Bradford's Law of Scattering. In: Journal of Documentation 4, 1948, S. 198-203

Literatur

  • Ursula Lelle, Michaela Lambach, Barbara Kremmling: Samuel Clement Bradford und sein „Law of Scattering“. Frankfurt am Main: Gesellschaft für Information und Dokumentation mbH, 1984. Eine einführende Darstellung mit Auswahlbibliographie.
  • Stefan Hauff: Bradfords Gesetz. Hausarbeit an der FH Potsdam, 1999 [1]
  • Hjørland, Birger. Scattering. IN: Core Concepts in Library and Information Science: http://www.db.dk/bh/Core%20Concepts%20in%20LIS/articles%20a-z/scattering.htm
  • Hjørland, Birger; Nicolaisen, Jeppe (2005): Bradford’s Law of Scattering: Ambiguities in the Concept of "Subject". In: F. Crestani and I. Ruthven (Eds.): CoLIS 2005, LNCS 3507, pp. 96 – 106, 2005. [2]
  • dazu: Umstätter, Walther (2005): Anmerkungen zu Birger Hjørland und Jeppe Nicolaisen: Bradford’s Law of Scattering: Ambiguities in the Concept of "Subject" In: LIBREAS - Library Ideas 3/2005 Volltext

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