Brake (Bielefeld)
Brake
Koordinaten: 52° 4′ N, 8° 36′ O52.078.606111111111192Koordinaten: 52° 4′ 12″ N, 8° 36′ 22″ O
Höhe: 92 m ü. NN
Fläche: 8,25 km²
Einwohner: 9.262 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. Jan. 1973
Postleitzahl: 33729
Vorwahl: 0521
Karte

Lage von Brake in Heepen

Brake ist ein Stadtteil von Bielefeld und gehört zum nordöstlichen Stadtbezirk Heepen. Bis 1972 war Brake eine eigenständige Gemeinde im Amt Heepen des Kreises Bielefeld.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt Bielefeld ist unterhalb der zehn Bezirke nicht weiter in administrative oder politische Einheiten gegliedert. Stadtteile sind in Bielefeld daher nur informelle Teilgebiete, deren Abgrenzung sich meist auf das Gebiet einer Altgemeinde bezieht. Zu statistischen Zwecken ist Bielefeld jedoch in 92 „statistische Bezirke“ eingeteilt. Die Altgemeinde Brake entspricht dabei in etwa den statistischen Bezirken Grafenheide, Welscher, Jerrendorf und Lämmkenstatt, die heute in etwa die Grenzen des informellen Stadtteils Brake definieren.

Brake liegt auf halbem Wege zwischen den Stadtzentren von Bielefeld und Herford. Am südlichen Rand des Stadtteils fließt von Westen kommend der Johannisbach, der nach der Einmündung der Lutter im Südosten von Brake Aa heißt. Der Punkt, wo die Aa das Gebiet von Brake verlässt, ist mit 73 m ü. NN der tiefstgelegene Punkt von Bielefeld. Am westlichen Rand des Stadtteils fließt die Jölle und bildet die Grenze zum Stadtteil Vilsendorf.

Geschichte

Evangelische Kirche Brake

Als älteste Ansiedlung auf dem Gebiet von Brake wurde um das Jahr 600 herum im Tal des Johannisbaches der Hof Meier zu Jerrendorf errichtet. Dort ließ sich eine Sippe der aus Norden eindringenden Sachsen nieder. 1151 wurde Brake zum ersten Mal urkundlich erwähnt.[1] Seit dem Mittelalter gehörte die Bauerschaft Brake zur Vogtei Schildesche in der Grafschaft Ravensberg. Während der Napoleonischen Zeit gehörte Brake zunächst zum Königreich Westfalen und dann von 1810 bis 1813 zum französischen Departement der Oberen Ems.[2] Nachdem das Ravensberger Land 1813 wieder an Preußen gefallen war, gehörte Brake seit 1816 zum Kreis Bielefeld und darin zunächst zur Bürgermeisterei Schildesche, aus der schließlich 1843 das Amt Schildesche gebildet wurde.[3][4]

Mit dem Bau der Köln-Mindener Eisenbahn von 1844 bis 1848 verbesserte sich die wirtschaftliche Situation in Brake erheblich. Am 18. August 1883 erhielt Brake sogar eine eigene Bahnstation. 1922 ließ sich der Fahrradrahmenbauer Rixe in Brake nieder. In den 1950er-Jahren stellte Rixe neben Fahrrädern auch Mopeds und Motorräder her. 1984 ging das Unternehmen Konkurs und die Produktionsanlagen wurden nach China verkauft.

Als das Dorf und Bauerschaft Schildesche im Oktober 1930 in die Stadt Bielefeld eingemeindet wurden, wurde gleichzeitig das Amt Schildesche aufgelöst. Brake wurde dem Amt Heepen zugeordnet und um das östlich der Jölle und nördlich des Johannisbachs gelegene Gebiet der Gemeinde Schildesche Bauerschaft erweitert.[5] Im Rahmen der letzten kommunalen Neugliederung des Raums Bielefeld wurde Brake am 1. Januar 1973 nach Bielefeld eingemeindet[6] und gehört seitdem zum Stadtbezirk Heepen.

Braker Giftmüllskandal

Nachdem 1983 bei Bauarbeiten in einer Wohnsiedlung an der Stedefreunder Straße giftige Schlämme in eine Baugrube eintraten, wurde festgestellt, das die gesamte Siedlung auf dem Gelände einer Giftmülldeponie errichtet worden war. Der Untergrund war mit schwer flüchtigen Kohlenwasserstoffen und Schwermetallen belastet. Das Gelände wurde in einem Gutachten als "ohne weitere Maßnahmen nicht bewohnbar" eingestuft.

Die Abfälle waren Anfang der 1960er Jahre auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei abgelagert worden. Eine ausreichende Sicherung der Deponie war aber unterlassen worden. Trotz der bekannten Belastungen wurde das Gelände 1971/1974 in einen Bebauungsplan einbezogen und nach Verfüllung ab 1979 bebaut.

Im Zuge der folgenden Sicherungsmaßnahmen mussten mehrere Häuser abgerissen werden. Die Anwohner wurden von der Stadt Bielefeld entschädigt.[7] Der Skandal erregte bundesweit mediale Aufmerksamkeit.

Zwei Bielefelder Schüler recherchierten den Braker Giftmüllskandal im Bielefelder Stadtarchiv und führten Gespräche mit Zeitzeugen. Mit ihrer Arbeit nahmen sie am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2010/2011 teil und errangen den ersten Preis auf Ebene des Landes Nordrhein-Westfalen.[8]

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1811 1.211[9]
1843 1.291[4]
1864 1.119[10]
1910 2.254[11]
1939 3.884[12]
1966 6.270[1]
2008 9.262[13]

Religion

Kirchlich gehörte Brake früher zum evangelischen Kirchspiel Schildesche. Eine eigene evangelische Kirchengemeinde besitzt Brake seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Am 13. Juni 1909 wurde die Braker Evangelische Kirche eingeweiht. Daneben besteht in Brake heute auch die katholische Kirchengemeinde Maria Königin mit der Heilig-Kreuz-Kirche.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Hof Meyer zu Jerrendorf am Jerrendorfweg 2, dessen Ursprünge bis in das Jahr 600 zurückreichen, ist die älteste Ansiedlung von Brake. Die Evangelische Kirche an der Braker Straße ist das Wahrzeichen von Brake.

Bahnhof Brake (b Bielefeld)

Verkehr

Brake liegt an der Bundesstraße 61 zwischen Bielefeld und Herford. Die Bundesautobahn A 2 kann an der drei Kilometer von Brake entfernten Anschlussstelle Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld-Altenhagen erreicht werden. Von dort soll zukünftig die Ostwestfalenstraße bis Brake verlängert werden.

Der Bahnhof Brake (b Bielefeld) an der Bahnstrecke Hamm–Minden wird im Stundentakt von den Regionalbahnen RB 61 Wiehengebirgsbahn BielefeldHerfordOsnabrückBad Bentheim (Betreiber: Westfalenbahn) und RB 71 Ravensberger Bahn (Lemgo–) Bielefeld–BündeRahden (Betreiber: Eurobahn) bedient.

Stadtbusse der Linie 51 fahren nach Schildesche und Milse (Stadtbahn). Die Linie 30 fährt über Baumheide- Heepen- Stieghorst(Stadtbahn) -Lämershagen -Sennestadt nach Heideblümchen - (Schloß Holte). Der Regionalbus 101 fährt von Schildesche (Stadtbahn) nach Herford. Brake gehört dem Verbundtarif „Der Sechser“ (OWL Verkehr GmbH) an.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Landkreis Bielefeld (Hrsg.): 150 Jahre Landkreis Bielefeld. 1966, S. 60.
  2. Albrecht Lasius: Der französische Kayserstaat unter der Regierung des Kaysers Napoleon des Großen. 1812, S. 204, abgerufen am 21. April 2010 (Digitalisat).
  3. Alfred Bruns (Hrsg.): Westfalenlexikon 1832-1835. (Nachdrucke zur westfälischen Archivpflege). Westfälisches Landesamt für Archivpflege, Münster 1978.
  4. a b Seemann: Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden. 1843, S. 52-57, abgerufen am 23. April 2010 (pdf).
  5. Gesetz über die Erweiterung des Stadtkreises Bielefeld. In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 11. Juni 1930, S. § 1, § 2, abgerufen am 14. April 2010 (pdf).
  6. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  7. Vincent Lüder, Janik Prophet: Chronik. In: Toxicity – Der Braker Giftmüllskandal. 2010, abgerufen am 21. Juli 2011.
  8. Preisträgerliste. 2011, abgerufen am 21. Juli 2011 (PDF).
  9. Albrecht Lasius: Der französische Kayserstaat unter der Regierung des Kaysers Napoleon des Großen. 1812, S. 204, abgerufen am 21. April 2010 (Digitalisat).
  10. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden. 1866, S. 12, abgerufen am 22. April 2010 (Digitalisat).
  11. Uli Schubert: Deutsches Gemeindeverzeichnis 1910. Abgerufen am 22. Mai 2009.
  12. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 22. April 2010.
  13. Sozialleistungsbericht 2008. Stadt Bielefeld, 31. Dezember 2008, S. 185, abgerufen am 25. Mai 2010 (pdf): „Einwohnerzahl der Statistischen Bezirke 660 Grafenheide, 661 Lämmkenstatt, 662 Welscher und 663 Jerrendorf“

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