Bramhar
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bawinkel
Bawinkel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bawinkel hervorgehoben
52.67.516666666666721Koordinaten: 52° 36′ N, 7° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Samtgemeinde: Lengerich
Höhe: 21 m ü. NN
Fläche: 20,34 km²
Einwohner: 2393 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 49844
Vorwahl: 05963
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 002
Adresse der Gemeindeverwaltung: Osterbrocker Str. 2
49844 Bawinkel
Webpräsenz:
Bürgermeister: Adolf Böcker (CDU)
Bawinkel, St. Alexanderkirche (1906)

Bawinkel ist eine Gemeinde im niedersächsischen Emsland nordöstlich von Lingen (Ems) und südwestlich von Haselünne. Der Ort war bis zur Gemeindereform von 1972 Verwaltungssitz der Gesamtgemeinde Bawinkel und ist seitdem Teil der Samtgemeinde Lengerich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Bawinkel liegt etwa 7 km östlich der Ems und des Dortmund-Ems-Kanals zwischen Lingen und Haselünne, im Norden des ehemaligen Kreises Lingen, an der Grenze zum früheren Kreis Meppen. Durch die Gemeinde Bawinkel verläuft ein alter Handelsweg – die flämische Landstraße. Diese wurde später zur B 213. Durch die Gemeinde fließt der Bawinkler Bach.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinde Geeste und die Stadt Haselünne, im Osten die Gemeinde Gersten, im Süden die Gemeinde Langen und im Westen die Stadt Lingen.

Gemeindegliederung

Der Ort Bawinkel hatte früher fünf Bauernschaften, die sich zum Teil selbst verwalteten: Groß-Bawinkel, Plankorth, Duisenburg, Clusorth und Bramhar. Seit 1974 hat sich Clusorth-Bramhar von Bawinkel getrennt und ist heute ein Stadtteil Lingens.

Herkunft der Ortsnamen

  • Bei „Bawinkel“ läßt sich das Bestimmungwort nicht sicher herleiten. Möglicherweise liegt ein Eigenname vor in Zusammenhang mit dem Junker Bar, der nach einer alten Überlieferung einer der ersten Anwohner gewesen sein soll. Auf diesen wird auch die Entstehung der Kirche zurückgeführt. Das Grundwort -winkel steht für niederdtsch. hoek = Ecke, was auf einen Grenzort hinweist. Dem entspricht, dass die Kirche zum Teil auf Bokeloher Grund errichtet worden sein soll. Für diese mündliche Überlierferung gibt es keinen schriftlichen Beweis. Die erste Kirche hat etwa dort gestanden, wo heute der evangelische Friedhof liegt.
  • Bei „Plankorth“ ist ebenfalls das Bestimmungswort nicht gesichert: entweder von plan = Fläche, freier Platz; vgl. mittelhochdtsch. plan, blan, lat. planum, altfrz. plain; oder nach einem um 1550 genannten Erbe Planke. Das Grundwort -orth hat die Bedeutung: Spitze, Phallus; vgl. germ. uzda, althochdtsch. ort, altsächs./altfries./engl. ord, altnord. oddr.
  • Das Bestimmungswort von „Duisenburg“ ist unklar. Das Grundwort -burg hat die Bedeutung: befestigter, hochgelegener, beschützter Ort und verweist auf einen Versammlungsort.
  • „Clusorth“ (früher auch: Clus). Das Bestimmungswort clus, auch klaus/klus hat die Bedeutung: schließen, sperren, schützen; aus kleve/cleve, vgl. althochdtsch. klusa, mittelhochdtsch. kluse, lat. clausa; das beschreibt den abgeschirmten, geschützten Charakter eines Ortes. Beispiele: Claustal, Klausaurach, Klausa, Klausheide. Das Grundwort verweist ähnlich wie bei Plankorth auf einen Kultplatz.
  • „Bramhar“ wird um 1000 im Werdener Urbar und im elften Jahrhundert noch einmal im Corveyer Heberegister als Teil des Venkigaus erwähnt. Das Bestimmungswort bram bedeutet Dorn, Stachel; aus indogerm. bhrom/bhrem = eine Spitze bilden; es beschreibt die Einhegung eines Ortes. Das Grundwort har/her = Frauenhaar, Göttin Ertha, Hera; aus germ. hera, vgl. althochdtsch./altsächs./altnord. har benennt einen Ort der Verehrung der (Erd)Göttin. Es handelte sich also vermutlich um einen ringsum mit Dornen umgebenen Kultplatz, an dem die Erdgöttin verehrt wurde.

Geschichte

Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Raumes Bawinkel in frühgermanischer Zeit. Die erste Kirche findet im Jahre 1325 ihre erste urkundliche Erwähnung. Sie stand auf dem heute noch vorhandenen alten Friedhof. 1767 wurde eine zweite Kirche mit Fachwerk errichtet. Das jetzige katholische Gotteshaus wurde im Jahre 1904 errichtet.

Bawinkel war während des 30-jährigen Krieges an der Schlacht bei Haselünne beteiligt. Bie Bawinkler standen auf der Seite des schwedischen Heeres mit ihrem Anführer Dodo Freiherr zu Innhausen und Knyphausen. Das schwedische Heer war mit 1000 Reitern und 300 Mann Fußvolk angetreten und kämpfte gegen die kaiserlichen Truppen, die in Haselünne lagen, und zu denen auch das benachbarte Klosterholte gehörte. Die Kaiserlichen verloren 700 Mann, die Schweden nur 20, aber auch ihren General von Knyphausen. Der Ort der Schlacht heißt heute noch Roter Märsch.

Im 2. Weltkrieg befand sich in Groß-Bawinkel/Drope ein (Feld)Flugplatz. Zurzeit ist die Gemeinde Bawinkel im Umkreis bekannt durch Ihren Sportverein, dem SV Bawinkel, der eine starke 1. Mannschaft vorweisen kann, die sich gut in der Bezirksliga schlägt. Bawinkel hat, trotz seiner verhältnismäßig kleinen Einwohnerzahl, einen der größten Karnevalsumzüge im Emsland.

Die 1950er Jahre

Bis 1952 hatte Bawinkel einen Bahnanschluss. Es gab ein Bahnhofsgebäude der Kleinbahn Lingen-Berge-Quakenbrück GmbH. Da der Ort im ländlichen Raum liegt wurde hier vor allem Holz und Vieh umgeschlagen. Großbawinkel war der kleinere Teil des Ortes. Die einzige öffentliche Einrichtung bestand aus der 1926 gebauten (Zwerg-) Volksschule, mit zuerst einer dann zwei Lehrkräften. In den Jahren 1971 und 1972 erfolgte die Schließung der Schulen in Groß-Bawinkel, Duisenburg, Bramhar und Klosterholte.

Noch in den 50er Jahren bis vereinzelt in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts war im Emsland das Heuerlingswesen verbreitet, das mit der Industrialisierung auszulaufen begann. In der Ortschaft Bawinkel war dies der Hof Schwindeler, dem mehrere kleine Heuerhöfe angehörten.

Straßenschild als Hinweis auf den ehem. Hofnahmen

Der Hof Schwindeler war zu damaliger Zeit eines der größten Anwesen im Kirchspiel Bawinkel. Erst Ende der 50er Jahre erhielten letzte Gehöfte einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz. Bis dahin wurden Petroleum- oder auch Carbidlampen im Haus für die Beleuchtung benutzt und die Lebensmittel wurden in (so vorhanden) kühlen Kellerräumen gelagert.

Vermögende Großbauern kühlten ihre Milchproduktion mit Eisblöcken, welche mit Pferdefuhrwerken oder neuzeitlichen, aber für heutige Verhältnisse urtümlichen Traktoren, Zündung mit glimmendem Docht Handkurbel und Schwungrad zur Kompressionserzeugung, mit Anhänger aus der Stadt ( Lingen, Haselünne, Meppen) herbei geschafft wurden. Zum eigenen Verbrauch wurde die Milch teilweise entrahmt, in Spezialkannen gestampft (buttern) und so zu Butter verarbeitet. Obst und Gemüse lieferte der Garten, alles, was nicht frisch verwendet werden konnte, wurde eingekocht oder gelagert. Brot oder der Kuchen zum Feiertag wurden grundsätzlich selbst gebacken.

Hausschlachtungen versorgten den Hof für das ganze Jahr. Die große Menge Fleischmaterial wurde zum größten Teil (Kühlproblematik siehe oben) zur Bevorratung hergerichtet, einkochen in Gläsern, einpökeln in Steingutgefäßen, Schinken und Würste kamen in den Rauch (Wiemen). Nach Tötung des jeweiligen Tieres (Rind oder Schwein) wurde das anfallende Blut aufgefangen, mit Getreideschrot und Gewürzen vermischt, die Masse wurde zu Kugeln geformt und ergab Wurstebrot („Wostebroot“). Die haltbaren, in Leinenbeuteln oder Papierdarm luftgetrockneten Kugeln, wurden vornehmlich im Winter als Mahlzeit zu bereitet. Zu Würfeln geschnitten, mit etwas Wasser Schmalz und Grieben angebraten, war es eine deftige Köstlichket. Dazu wurde Schwarzbrot gereicht.

Zum Beschlagen der Pferde erschien der Hufschmied.

Hufschmied um 1950

Geweckt wurde im Sommer recht früh, um 4 Uhr, im Winter eine Stunde später. Wenn das Herdfeuer angezündet war, gingen die Magd (oder Mägde, je nach Größe des Hofes) in den Kuhstall melken. Der Knecht (oder Knechte) fütterte die Pferde und Schweine. Schafe wurden selbst geschoren, die Wolle wurde mehrfach gewaschen, getrocknet, mit speziellen „Nagelkämmen“ fein gerissen, um dann mit dem Spinnrad zum Faden gesponnen zu werden. So entstanden grobe aber warme Stricksachen. Dies alles war Hand- Winter- und vor allem Frauenarbeit,an langen Abenden bei Petroleumbeleuchtung rund um den Herd. Die Küche, oftmals ein riesiger Raum, von dem nicht selten bis zu einem Dutzend Türen abgingen, war der Mittelpunkt des Hauses. In ihr wiederum, war der Herd dominierend. Aufwendigere Herde waren mit mehreren Kochlöchern, welche in mehreren Eisenringen variabel zu jeder Topfgröße angepasst werden konnten versehen. Außerdem befand sich in ihm Bratofen, Dörrofen und ein- oder beidseitige Wasserschiffe für die Warmwassererzeugung.

An Wintertagen erschien auch der Holzschuhmacher. Die Füße wurden neu vermessen, aus speziellem leichtem, abgelagerten Holzstücken wurden die Rohlinge geschnitten, ausgehöhlt und geglättet, sodann mit einer passend geflochtenen Stroheinlage versehen, und fertig waren die Schuhe (Klumpen, Holzkes) fürs nächste Jahr. Barfüßigkeit für Kinder im Sommer war Normalität.

Geheizt wurde in der Regel mit Torf oder mit schon vorrätigem geschlagenem Holz. Torf wurde im Moorboden in eigenen Parzellen gestochen, zum Trocknen aufgeschichtet, später dann auf die Höfe verbracht. Spezielle Kessel, für Tierfutter im Winter wurden mit so genanntem „Buschkenholz“ beheizt.

Bis auf wenige Industriegüter brauchte nichts gekauft zu werden. Wurden sonstige Käufe oder Verkäufe getätigt, beispielsweise Viehhandel (siehe Düstermühlenmarkt), kam der Abschluss per Handschlag zustande. Auch das so genannte Hamstern – in den weit entfernten Ballungsgebieten „Restdeutschlands“ hungerten zu Anfang der 50er Jahre noch viele Menschen – kam nicht ungelegen. So wurde manches Ersatzteil, etwa für die alte Singer- oder Pfaff-Nähmaschine, und war es auch nur eine fehlende Nadel oder das Nähgarn, buchstäblich für einen Apfel und ein Ei eingetauscht. Not gab es nicht, man war autark.

Befestigte Straßenverbindungen zwischen den einzelnen Anwesen existierten nicht, sofern sie nicht direkt an den lediglich gepflasterten, von sogenannten „Pädges“ für die Radfahrer gesäumten Überlandstraßen lagen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sah sich die Politik gezwungen, die Beseitigung der Rückständigkeit des Emslandes endlich umfassend anzugehen. Dafür gab es drei Gründe: Die große Zahl der aus dem deutschen Osten in das Emsland strömenden Flüchtlinge, niederländische Gebietsforderungen und namhafte Erdölfunde, die seit 1942 bereits ausgebeutet wurden. Am 5. Mai 1950 beschloss der Bundestag einstimmig den Antrag zur „Erschließung der Ödländereien des Emslandes“.

Einwohnerzahlen

1880 1900 1925 1933 1939 1950 2009[1]
Bawinkel 382 429 515 554 576 702 N/A
Plankorth 325 358 434 451 488 632 N/A
Duisenburg 172 184 201 209 198 236 N/A
Clusorth-Bramhar 383 449 520 475 505 659 889


Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat dreizehn gewählte Mitglieder. Ihm gehören als Ergebnis der Kommunalwahl vom 10. September 2006 drei Parteien an.

Wirtschaft und Infrastruktur

Es befinden sich in Bawinkel eine Vielzahl von gewerblichen Betrieben. Die ständige Erweiterung des Gewerbegebietes beweist, dass hier ein Wirtschaftsstandort mit Zukunft entsteht. Parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung ist die zügige Erschließung und Bebauung neuer Wohngebiete zu vermerken, die auch durch die verkehrsgünstige Anbindung der Gemeinde begründet sind.

Verkehr

Die Bundesstraße 213 führt direkt durch Bawinkel hindurch und führt Richtung Südwesten nach Lingen (Ems) und Richtung Nordosten nach Haselünne.

Literatur

  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück - Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1905
  • Werner Kaemling - Atlas zur Geschichte Niedersachsens, Gerd J. Holtzmeyer Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3
  • Hermann Abels - Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 1929
  • Chr. Oberthür, Fr. Busche, Fr. Barth , Heinrich Dünheuft - Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben, Verlag R. van Acken, Lingen/Ems 1953
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Herausgeber) - Altdeutsches Namenbuch, Band II, 1 und 2: Ortsnamen, Bonn 1913/1916 (Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4)
  • Statistik des Deutschen Reichs - Ergebnissen verschiedener Volkszählungen, Berlin 1883-1944
  • Niedersächsisches Amt für Landesplanung und Statistik - Statistisches Jahrbuch 1950, Hannover 1950

Anmerkungen

  1. Lingen.de -> Zahlen und Daten

Weblinks



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