Branchweilerhof

Der Branchweilerhof ist ein Viertel der pfälzischen Stadt Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz).

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Das Stadtviertel liegt südöstlich des Stadtkerns und südlich des Speyerbachs. Der Name stammt von einem ehemaligen Gutshof, der dort Jahrhunderte hindurch betrieben wurde und mit umliegenden Gebäuden einen Weiler bildete.

Geschichte

Anfänge

Der erste urkundliche Nachweis des Branchweilerhofes, damals „Brunchwilre“ genannt, geht auf das Jahr 1190 zurück; in einer Urkunde aus dem Jahre 1225 ist das Gehöft als „Branchvillare“ verzeichnet. Aus der Bezeichnung „Weiler“ lässt sich schließen, das schon damals der eigentliche Hof von weiteren Gebäuden umgeben war.

Spital

1275 ließ Pfalzgraf Ludwig der Strenge beim Branchweilerhof ein Spital für das noch junge Neustadt erbauen; in jener durch Seuchen gefährdeten Zeit war man bemüht, solche Häuser möglichst abseits von größeren Ansiedlungen zu errichten. Pfalzgraf Johann Casimir überließ 1578 die Nutznießung des Branchweilerhofes der Neustadter Universität Casimirianum; aus dem Hofertrag waren dem Casimirianum jährlich 11 Fuder Wein und 300 Malter Getreide zu zollen.

Im Jahre 1597 wurde der große Mittelbau mit dem Turm auf den alten Fundamenten des Hofes neu erbaut. Der Treppenturm mit dem Renaissanceportal, das eine Höhe von 2,5 Meter und eine Breite von 1 Meter aufweist, ist mit Rundstäben profiliert, die sich an den Ecken überschneiden. Das Portal hat einen Aufsatz mit großer Muschel und Rosetten. Darüber eingemauert ist eine Renaissance-Adikula mit zwei Säulchen aus rotem Sandstein, die stark beschädigt sind. Folgende lateinische Inschrift befand sich hier, die den Kurfürsten Friedrich IV. betraf:

„Fridericus IIII D. G. com. pal. reni utri. Bavar. dux sac. rom. imp. archidapifer elect. sept.“

„Friedrich IV., von Gottes Gnaden Pfalzgraf beiderseits des Rheins, Herzog von Bayern, des Heiligen Römischen Reiches siebter erwählter Erz-Truchseß

Mennoniten

1671 ließen sich aus der Schweiz vertriebene Mennoniten als „Temporalbeständer“, also als Pächter, hier nieder und bildeten eine mennonitische Gemeinde. Es waren zunächst drei Familien mit ihren Kindern: Fritz Dester und seine Frau Elisabetha, Jakob Weber und seine Frau Barbara sowie Daniel Stauffer und seine Frau Anna. Sie bearbeiteten die umliegenden Ländereien, die teilweise noch vom Dreißigjährigen Krieg her verödet waren. Nach elf Jahren war es den Siedlern möglich, den Branchweilerhof in Erbpacht zu übernehmen. Der Erbbestandsbrief vom 28. September 1682 war von Kurfürst Karl II. ausgestellt. Im Jahre 1732 war die Gemeinde auf 25 Familien angewachsen.

Erstmals 1740 und auch später gelegentlich beschuldigte man die Mennoniten, „heimliche Zusammenkünfte“ abzuhalten. Die Jesuiten in Neustadt, von 1700 bis 1773 Eigentümer des Hofgutes, stellten ihnen jedoch positive Zeugnisse aus, die vor allem ihren landwirtschaftlichen Eifer lobten und sich nur milde von ihren religiösen Gebräuchen distanzierten.

Die Mennonitengemeinde im Branchweilerhof besteht nach mehr als drei Jahrhunderten weiterhin.

Eingemeindung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als das benachbarte Winzerdorf Winzingen ebenfalls nach Neustadt eingemeindet wurde, wuchs auch der Branchweilerhof mit der Stadt zusammen. Später wurde der Stadtteil im Amtsdeutsch vorübergehend „Neustadt-Ost“ genannt; der volkstümliche Name hat diese Bezeichnung jedoch überdauert.

Projekt „Soziale Stadt“

In den 1970er Jahren wurden in der Neusatz- und Allensteiner Straße Wohnblocks errichtet, die als Wohnquartier für mittlere bis einfache Bürgerschichten dienten. Der Druck, deren Wohnqualität zu verbessern, verstärkte sich in der Folgezeit, insbesondere als nach dem Fall der Berliner Mauer gegen Ende des 20. Jahrhunderts vermehrt Einwanderer aus den osteuropäischen Staaten zuzogen. Deshalb wurde Neustadt 2006 in das auf längere Dauer angelegte Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen; Ziel des lokalen Projekts ist die Aufwertung des Stadtteils Branchweilerhof.

Weblinks


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