Braniewo
Braniewo
Wappen von Braniewo
Braniewo (Polen)
Braniewo
Braniewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Braniewo
Fläche: 12,4 km²
Geographische Lage: 54° 23′ N, 19° 50′ O54.38333333333319.833333333333Koordinaten: 54° 23′ 0″ N, 19° 50′ 0″ O
Einwohner:

17.457
(31. Dez. 2010)[1]

Postleitzahl: 14-500 bis 14-506
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NBR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 54: Chruściel ↔ Gronowo (- Mamonowo - Kaliningrad)
DW 504: Elbląg - Frombork - Braniewo
DW 507: Braniewo - Pieniężno - Orneta - Dobre Miasto
Schienenweg: PKP-Linie 204: Malbork - ElblągMamonowo - Kaliningrad
PKP-Linie 221: Braniewo - Gutkowo (- Olsztyn)
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 12,4 km²
Einwohner:

17.457
(31. Dez. 2010) [2]

Bevölkerungsdichte: 1412 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2802011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Henryk Mroziński
Adresse: ul. Kościuszki 111
14-500 Braniewo
Webpräsenz: www.braniewo.pl
Braunsberg 1684
Braunsberg um 1900
Die gotische Katharinenkirche mit ihrem für das Ermland typischen massigen Turm, eine der größten Kirchen des Ermlands

Braniewo [braˈɲɛvɔ] (deutsch Braunsberg (Ostpr.)) ist eine Stadt im Powiat Braniewski in der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen im früheren Ostpreußen.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Etwa sieben Kilometer vor der Mündung des Flusses Passarge (Pasłęka) in das Frische Haff liegt Braniewo im Nordwesten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die polnisch-russische Grenze verläuft sechs Kilometer nördlich, und das 60 Kilometer nordöstlich gelegene Kaliningrad ist über die Landesstraße 54 und 504 (beide führen über die Trasse der ehemaligen Reichsstraße 1) oder mit der Eisenbahn zu erreichen. 51 Kilometer südwestlich liegt Elbląg (Elbing).

Stadt Braniewo (Braunsberg)

Geschichte

Der Ortsname ist eine Verformung von prußisch Brusebergue (Preußenlager) und steht in keinem Zusammenhang mit dem Missionar Bruno von Querfurt. Der Ort nahe dem Ausfluss der Passarge (Pasłęka) ins Frische Haff vermittelte schon in Vorordenszeiten den Ein- und Ausfuhrhandel über See. Bei Groß Tromp wurde in einem Grab ein reicher Fund römischer Goldmünzen gemacht. Ein großer Stein in der Passarge bei Grunenberg wurde bis in jüngste Zeit als Opferstein bezeichnet. Bei der Schreit führte eine Furt durch die Passarge, die von Einheimischen als „Cucke“ oder „Cuckumbrasch“ benannt wurde („unterirdische“ Durchfahrt). In der Umgebung sind etliche prußische Wallanlagen, Schanzen und Burgen belegt.

Braunsberg entstand um eine Burg des ermländischen Domkapitels und später des Bischofs von Ermland am Ufer des Flusses Passarge (polnisch Pasłęka), gegründet von Johannes Fleming, dem Sohn eines Lübecker Ratsherrn. In der Friedensurkunde vom 7. Februar 1249 wird den sich unterwerfenden Prußen die Verpflichtung auferlegt, in ihrem Gebiet besondere Kirchen zu bauen, darunter eine in Brusebergue. Bischof Anselm gab der Stadt Braunsberg (früher Brusberg, auch Brunsberg) 1254 Stadtrechte nach Lübischem Recht.[3] 1250 richtete Bischof Anselm aus Meißen dort das ermländische Domkapitel ein. Während des großen Aufstandes in den 1270er-Jahren zerstörten die einheimischen Prußen die Stadt. Bischof Heinrich I. (1278–1300) musste das Kapitel nach Frauenburg verlegen, wo es bis zum 20. Jahrhundert blieb. Als wichtigste ermländische Handels- und Hafenstadt wurde Braunsberg Mitglied der Hanse.

Während das umliegende Herzogtum Preußen 1525 protestantisch wurde, führte nach 1551 der ermländische Bischof Stanislaus Hosius die Stadt, die als Teil des Ermlandes unter dem Lehen der polnischen Könige stand (Preußen Königlichen Anteils), zum katholischen Glauben zurück; dazu gründete er das Lyceum Hosianum. 1552 wurde Regina Protmann in Braunsberg geboren. 1578 wurde hier ein katholisches Seminar für die Missionierung der nordischen Länder gegründet. Während des Ersten Nordischen Krieges war die Stadt für mehrere Jahre von Schweden besetzt.

Bis 1945 gehörte die Stadt zu Preußen bzw. seit 1871 zum Deutschen Reich und war Sitz des Landkreises Braunsberg. 1848 waren im Hafen von Braunsberg vier Handelsschiffe beheimatet.[4] 1853 wurde die Eisenbahn nach Königsberg eröffnet (siehe Preußische Ostbahn). Durch die Verkehrslage begünstigt, blieb Braunsberg eine der größeren und wirtschaftlich bedeutendsten Städte im südlichen Ostpreußen und war nach Allenstein die zweitgrößte Stadt des Ermlands.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt wochenlang schwer umkämpft. Dabei wurde sie zu 80 Prozent zerstört. Die bis dahin gut erhaltene historische Altstadt mit dem altstädtischen Rathaus, den so genannten Hanse-Speichern und den Laubenhäusern am Markt ging in Flammen auf. Der Turm der Katharinenkirche wurde als wichtige Landmarke von deutschen Pionieren gesprengt. Nur die evangelische Kirche aus der Schule Schinkels blieb erhalten. Am 20. März 1945 wurde die Stadt von der sowjetischen Armee erobert und anschließend polnischer Verwaltung unterstellt. Es begann die Zuwanderung von Polen und Ukrainern. Diese kamen zunächst vorwiegend aus den Gebieten östlich der Curzon-Linie, die nach dem Ersten Weltkrieg bis 1923 von Polen unter dem General Józef Piłsudski erobert worden waren. Die Neusiedler waren an ihrem Heimatorten im allgemeinen von der zuständigen Sowjetkommandantur vor die Wahl gestellt worden, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Die verbliebene deutsche Bevölkerung wurde aufgrund der Bierut-Dekrete in der Folgezeit vertrieben.

Bedingt durch die Randlage an der neuen Grenze zur Oblast Kaliningrad hat die Stadt sich bis heute nicht erholen können. Eine deutliche wirtschaftliche Belebung erfolgte erst Dank der Öffnung der Grenze am Ende des 20. Jahrhunderts. Der erst in den 1980er-Jahren erfolgte Wiederaufbau der Katharinenkirche mit ihrem gewaltigen Turm ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel polnischer Restaurationskunst.

Bauwerke

  • Katharinenkirche, gotisch, mit einem für das Ermland typischen, massigen Turm, eine der größten Kirchen des Ermlands, 1945 stark zerstört, vollständig wiederhergestellt.
  • Dreifaltigkeitskirche, spätgotisch, heute orthodox.
  • Evangelische Kirche aus der Schule von Karl Friedrich Schinkel, heute katholisch.
  • Fachwerkspeicher am Ufer der Passarge, einzelne blieben nach 1945 erhalten
  • Sog. Steinhaus, Teil des früheren Priesterseminars, galt seinerzeit als bedeutendstes Bürgerhaus in ganz Ostpreußen
  • Burgtor, einziger Überrest der Bischofsburg
  • Mittelalterliche Stadtmauer und Türme

Einwohnerentwicklung

  • 1875: 10.796
  • 1880: 11.542
  • 1900: 12.497
  • 1910: 13.601
  • 1925: 13.893
  • 1933: 15.325
  • 1939: 21.142
  • 2001: 18.800

Wirtschaft und Infrastruktur

Fernverkehr

Von Berlin aus ist Braniewo mit einer täglichen Direktverbindung (während der Sommersaison) per Schlafwagen zu erreichen (weiter nach Kaliningrad).

Persönlichkeiten

  • Stanislaus Hosius, 1504–1579, Fürstbischof von Ermland, gründete das noch heute existierende Lyceum Hosianum in Braunsberg
  • Regina Protmann, * 1552 in Braunsberg; † 1613 ebenda, Gründerin der Katharinenschwestern, Selige
  • Josef Annegarn Theologe, Pädagoge und Professor am Lyceum Hosium für Kirchengeschichte und Kirchenrecht, * 13. Oktober 1794 in Ostbevern; † 7. Juli 1843 in Braunsberg
  • August Willich, 1810–1878, deutscher Revolutionär und General der Unionsarmee im amerikanischen Sezessionskrieg
  • Hermann Romahn (1814-1882), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
  • Karl Weierstraß, 1815–1897, deutscher Mathematiker, war in Braunsberg als Lehrer tätig
  • Gustav von Tempsky (* 15. Februar 1828 Braunsberg, Ostpreußen[1]; † 8. September 1868 bei Te Ngutu o te Manu, Taranaki, Neuseeland), Preußischer Abenteurer, Aquarellmaler
  • Paul Trint (1876-1965), Oberstaatsanwalt in Elbing, Richter in Berlin
  • Philipp Funk, 1884–1937, Professor für Geschichte an der Staatlichen Akademie in Braunsberg
  • Hermann Hefele, 1885–1936, Professor für Geschichte an der Staatlichen Akademie in Braunsberg
  • Maria Czygan, etwa 1885-?, deutsche Schriftstellerin
  • Karl Eschweiler, * 1886 in Euskirchen, † 1936 in Berlin, von 1928 bis 1936 Professor für Dogmatik an der Staatlichen Akademie in Braunsberg, Rektor der Akademie
  • Konrad Zuse, (1910–1995), deutscher Bauingenieur, Erfinder und Unternehmer (Zuse KG), lebte als Kind von 1912 bis 1923 in Braunsberg
  • Karl Kunkel * 9. November 1913 kath. Priester
  • Rainer Barzel (* 20. Juni 1924 in Braunsberg; † 26. August 2006 in München), deutscher Politiker (CDU)
  • Hartmut Bagger, * 17. Juli 1938 in Braunsberg, ehemaliger deutscher General und Generalinspekteur der Bundeswehr
  • Reinhold Huhn (* 1942 in Braunsberg; † 1962 in Berlin), Todesopfer der Berliner Mauer
  • Werner Widder, * 1944 in Braunsberg, Generalmajor a.D. der Bundeswehr

Gmina Braniewo

Allgemeines

Die Gmina Braniewo ist eine Landgemeinde im Powiat Braniewski in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie umfasst eine Fläche von 306,93 km² und zählt 6.428 Einwohner (30. Dezember 2004). Sitz der Gemeindeverwaltung ist Braniewo (ohne dass jedoch das Stadtgebiet zur Landgemeinde dazugehört).

Nachbarorte der Gmina Braniewo sind:

  • Stadt Braniewo
  • Gmina Frombork (Frauenburg)
  • Gmina Lelkowo (Lichtenfeld)
  • Gmina Pieniężno (Mehlsack)
  • Gmina Płoskinia (Plaßwich)
  • Stadt Mamonowo (Heiligenbeil)/Russland

Gemeindegliederung

Die Gmina Braniewo ist in 22 Ortsteile (Sołectwo) untergliedert, auf die sich insgesamt 55 Ortschaften verteilen (in Kursiv-Schrift: Ortsnamen vor 1945):

  • Bobrowiec (Klein Amtsmühle)
  • Garbina (Willenberg)
  • Gronowo (Grunau)
  • Grzechotki (Rehfeld)
  • Jarocin (Herzogswalde)
  • Klejnowo (Klenau)
  • Krasnolipie (Schönlinde)
  • Krzewno (Hohenwalde)
  • Mikołajewo (Blumberg)
  • Nowa Pasłęka (Neu Passarge)
  • Pęciszewo (Waltersdorf)
  • Podgórze (Huntenberg)
  • Rodowo (Radau)
  • Rogity (Regitten)
  • Rusy (Rossen)
  • Stępień (Stangendorf)
  • Szyleny (Schillgehnen)
  • Świętochowo (Sonnenstuhl)
  • Wola Lipowska (Breitlinde)
  • Zakrzewiec (Vogelsang)
  • Zawierz (Zagern)
  • Żelazna Góra (Eisenberg)

Sie vereinen Ortschaften bzw. Siedlungen: Bemowizna (Böhmenhöfen), Brzeszczyny (Schwillgarben), Cielętnik (Kälberhaus), Działy (Albertshof), Elżbiecin (Lisettenhof), Glinka (Hermannshof), Goleszewo (Wilhelmshof), Grodzie, Gronówko (Grunenfeld), Grzędowo (Rödersdorf), Józefo (Josephsau), Kalina (Kayling), Kalinówek (Einigkeit), Kiersy (Kirschdorf), Klejnówko (Gut Klenau), Lipowina (Lindenau), Maciejewo (Maternhöfen), Marcinkowo (Anticken), Młoteczno (Hammersdorf), Podleśne (Vorderwalde), Prątnik (Marienfelde), Prętki (Marienhöhe), Różaniec (Rosenort), Rudłowo (Rodelshöfen), Rydzówka, Stara Pasłęka (Alt Passarge), Strubiny (Strauben), Ujście (Pfahlbude), Ułowo (Auhof), Wielewo (Fehlau), Wikielec (Winkelsdorf), Wilki (Birkenau), Zgoda (Gerlachsdorf).

Verweise

Literatur

  • Franz Buchholz: Braunsberg im Wandel der Jahrhunderte. Festschrift zum 650jährigen Stadtjubiläum am 23. und 24. Juni 1934. Ermländische Zeitungs- und Verlagsdruckerei, Braunsberg 1934.

Weblinks

 Commons: Braniewo – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2010. Główny Urząd Statystyczny (GUS), abgerufen am 23. Juni 2011.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2010. Główny Urząd Statystyczny (GUS), abgerufen am 23. Juni 2011.
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassunsg- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelaltere, Erlangen 1863, S. 281, rechte Spalte unten, bis S. 285 und S. 973.
  4. Übersicht der Preußischen Handelsmarine (E. Wendt & Co., Hrsg.), Stettin 1848, S. 4.

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