Branle

Die Branles (auch: Bransles) sind historische Tänze, deren erste schriftliche und somit genaue Beschreibung aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die Tanzschritte wurden zeitgleich und davor von allen Bevölkerungsschichten in verschiedenen Tänzen angewandt.

Branles sind Reigentänze, deren anführende Person somit eine hervorgehobene Rolle hat ( – wir wissen, dass Branles von Geistlichen, Staatspersonen etc. angeführt wurden). Die Tanzrichtung aller Branles geht nach links. Bilder und Stiche dieser Zeit zeigen eine Praxis, bei der der Anführende mit erhobener Hand oder mit seinem Hut an einem Stab tanzte.

Die Branles haben als Grundschritt den sogenannten Pas Double (4 Zeiten), welcher bei manchen Tänzen mit einem oder mehreren Pas Simples (2 Zeiten) kombiniert werden kann. Weitere Kombinationen des Doubles können mit Drehungen, Sprüngen, Fußstampf u. Ä. gestaltet sein.

Hörbeispiel einer 'Branle gay' aus den Tanzbüchern von Pierre Attaignant:

Branle gay V bei Attaignant?/i

Überliefert sind einige Branles durch das von Thoinot Arbeau 1589 veröffentlichte Tanzbuch "Orchésographie et traité en forme de dialogue", in dem Branles zahlenmäßig den Schwerpunkt bilden. In der Beschreibung der Lieblingstänze der Jugendzeit dieses Autors (übrigens Domherr) in der "Orchésographie" finden wir die erste choreographische und somit verlässliche Schrift über die Tanzabfolge, Stil und Schrittausführung. Diese Branles sind uns als erste somit sicher nachvollziehbar überliefert. Getanzt und bekannt waren sicherlich mehr als die von ihm erwähnten Branles (zumal es noch andere und ungenaue Tanzschriften und einige Notensätze gibt), denn die Kombinationsmöglichkeiten des Doubles mit anderen Schritten sind vielfältig und nahezu unendlich. Es ist dadurch zu vermuten, dass es somit ein wesentlich größeres Repertoire als das uns heute bekannte gegeben hat. Arbeau selbst beschreibt uns nur eine Praxis der höheren Gesellschaft. Seine Branles werden in „Suiten“ aufgeführt.

Noch Mitte des 17. Jahrhunderts wurden zur Eröffnung von Bällen Branles getanzt. Der Tanz entwickelte sich weiter mit komplexerer Beinarbeit. Während bei Arbeau der heitere und verspielte Charakter im Vordergrund zu stehen scheint, waren die Branles im 17. Jahrhundert durch ihren höfischen Kontext geprägt, der sich in einem eher ernsten und repräsentativen Charakter wiederfindet. Die höfische Gesellschaft hatte seit dem 15 Jh. immer mehr die Tendenz gezeigt, eine eigene Tanz-Formensprache zu entwickeln. Der Tanz als Medium wurde in diesem Sinne "staatstragend" eingesetzt und entwickelte sich eigenständig fort und von den Branles weg.

Heute entstehen neue Choreographien und Kompositionen. Hier ist sicherlich das Werk von Danyèle Besserer und Gilles Péquignot der elsässischen Gruppe Au Gré des Vents zu nennen. Diese neuen Choreographien, welche auf den Kenntnissen der historischen Basis ruhen, werden in Deutschland und Frankreich unterrichtet und bei den Bal Folks gerne getanzt.

Weblinks

  • Tanzgruppe "Danserey Landshut" mit Video des Tanzes Branle d´écosse- Die hier gezeigte Praxis entspricht jedoch nicht authentisch dem von Arbeau beschriebenen Tanzstil. Auch entsprechen die Aussagen dieser Homepage oft nicht historisch gesicherten Kenntnissen und diese ist diesbezüglich kritisch zu betrachten.
  • Noten und Tanzschritte

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Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • branle — [ brɑ̃l ] n. m. • XIIe; de branler ♦ Vx ou en loc. 1 ♦ Ample mouvement d oscillation. ⇒ balancement. Mettre en branle une cloche. Sonner en branle : donner aux cloches leur balancement maximum (cf. À toute volée). 2 ♦ Fig. Première impulsion.… …   Encyclopédie Universelle

  • Branle — Saltar a navegación, búsqueda El branle (o bransle) es un estilo de danza y forma musical del siglo XVI originario de Francia en el que el movimiento principal es lateral, y se bailaba en parejas o en un grupo formando líneas o círculos.… …   Wikipedia Español

  • branle — BRANLE. s. m. Agitation de ce qui est remué, tantôt d un côté, tantôt de l autre. Le branle du carrosse lui fait mal. Cela a un grand branle. Mettre les cloches en branle. Sonner en branle.Branle. Première impulsion donnée à une chose. Suivre le… …   Dictionnaire de l'Académie Française 1798

  • Branle —   [brã:l; von französisch branler »schwanken«, »wanken«] der, , Bransle [brãːl], im 15./16. Jahrhundert eine Schrittfigur der Basse Danse; im 16./17. Jahrhundert (seit etwa 1530 belegt) ein stilisierter Tanz, der in vielen Abwandlungen (1588… …   Universal-Lexikon

  • branlé — branlé, ée (bran lé, lée) part. passé. Un javelot branlé par le bras qui va le lancer. Sa tête branlée à chaque nouvelle demande …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

  • Branle — (spr. Brangl, Carola), polonaisenmäßiger Tanz von vielen Personen wie Menuet getanzt u. mit Liedern (Caroles) begleitet. Das vordere Paar tanzt vor, fällt dann ab u. schließt sich hinten an, bis jedes Paar an die Reihe gekommen ist. Zu Ludwigs… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Branle — (Bransle, spr. brangl ), altfranz. Reihentanz (Reigen) mit Gesang, von mäßiger Bewegung im geraden Takt, mit einem nach jeder Strophe wiederkehrenden Refrain …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Branle — (frz. Brangʼl), franz. Tanz. unter Ludwig XIV. Mode, der Menuet ähnlich …   Herders Conversations-Lexikon

  • branle — (izg. brȁnl) m DEFINICIJA glazb. pov. 1. niz vrlo popularnih francuskih plesova u 16. st. (o. 26 vrsta) 2. grupni ples poput kola, izvodio se određenim pokretima tijela i ruku ETIMOLOGIJA fr. ← branler: ljuljati se …   Hrvatski jezični portal

  • Branle — A branle (also bransle , pronounced brawl) is a 16th century French dance style which moves mainly from side to side, and is performed by couples in either a line or a circle.Its etymology derives from branler (to shake) and brander (to brandish) …   Wikipedia

  • branle — (bran l ) s. m. 1°   Mouvement d un corps qui va tantôt d un côté tantôt de l autre. Le branle d une cloche. Sonner en branle, donner aux cloches tout le va et vient qu elles peuvent avoir. à l église c était grande cérémonie. •   cierges allumés …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

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