Bratchäs
Raclette
Bild:Raclette2.jpg
Herstellungsland Schweiz, Frankreich
Herstellungsregion Kanton Wallis, Savoie
Milch Kuhmilch
Lagerungszeit 3-6 Monate
Raclette-Käse in Scheiben geschnitten
Ein Viertel eines Schweizer Dorfkäses

Das oder die Raclette (von französisch racler, „schaben, kratzen“) ist – neben dem Käsefondue – eines der Schweizer Nationalgerichte, die aus geschmolzenem Käse zubereitet werden. Auch der zur Zubereitung verwendete Käse wird oft (der) Raclette genannt.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Die erste erhaltene schriftliche Erwähnung von Raclette ist in mittelalterlichen Klosterhandschriften aus den Kantonen Obwalden und Nidwalden zu finden, wo von einem Bratchäs („Bratkäse“) als eine besonders nahrhafte Speise der Alphirten berichtet wird. Im bekannten Kinderbuch Heidi von Johanna Spyri wird Raclette als „Käsebraten am Spiess“ bezeichnet.

Zubereitung

Man reicht heute Gschwellti (schweiz., „Pellkartoffeln“), saure Gurken, Essigzwiebeln, Senffrüchte usw. dazu. Mittlerweile gibt es zahlreiche Sorten von Raclettekäse, die auch mit Knoblauch, Pfeffer oder Paprika oder aus Ziegenmilch hergestellt werden.

Raclette du Valais („Walliser Raclette“)

Nach urtümlicher Walliser Art wird ein halber Laib von besonders feinschmelzendem Vollfettkäse (Gommer Käse) so nahe ans Feuer gelegt, dass dieser langsam zu schmelzen beginnt. Sobald der Käse schmilzt, wird etwas davon auf einen Teller abgeschabt.

Seit den 1950er-Jahren wird Raclette nicht mehr hauptsächlich am Feuer gemacht, sondern hat in der Form von speziell dafür gebauten Tischöfen (Racletteöfen) seinen Weg nicht nur in schweizerische Esszimmer gefunden. Diese klassischen Elektro-Tischöfen bestehen hauptsächlich aus einer Heizspirale in einem horizontalen oder geneigten Gehäuse, einer Käsehalterung und einer Vorrichtung zur Höhenregulierung. Der Raclettekäse wird in die Halterung eingespannt und unter die Heizspirale geführt. Dann wird gewartet, bis die oberste Schicht zu schmelzen beginnt. Idealerweise sollte die Käseschicht leicht bräunen. Anschliessend wird der Käse von der Heizquelle entfernt, gekippt und „raclettiert“, d. h. mit einem entsprechenden Spachtel, dem so genannten Raclettemesser, auf einen Teller geschabt.

Racletteofen

Racletteofen mit Beilagen

Schon seit einiger Zeit, wenn auch weniger traditionell, gibt es Tischgeräte, die es erlauben, keine Käselaibe, sondern vorgeschnittene Scheiben von Raclettekäse zu schmelzen. Dazu ist in einem runden, viereckigen oder ovalen Gestell oben eine waagrechte Heizspirale montiert. Darunter können mehrere (Anzahl unterschiedlich) kleine Pfännchen eingeschoben werden, die individuell mit Käse belegt werden. Oberhalb der Heizspirale befindet sich meist eine Abdeckung aus Stein oder Metall, um vor direkter Berührung der heissen Spirale zu schützen und die Wärme im Gerät zu halten. Da die Abdeckung ebenfalls heiss wird, besitzen die Blechhauben oft Vertiefungen, die es erlauben, vornehmlich Fleisch oder Spiegeleier zu braten oder die Pfännchen vorzuheizen. Teilweise können auf dieser oft mit Teflon beschichteten Abdeckung auch Crêpes zubereitet werden.

Ein Vorteil dieser Geräte – wenn auch die Bezeichnung „Raclette“ im Sinne von „schaben“ nun nicht mehr stimmt – ist, dass in die Pfännchen auch Gemüse und andere Beilagen gelegt werden können, die dann quasi mit dem Käse gratiniert werden.

Im Handel in Deutschland wird neben dem schweizerischen auch französischer und deutscher Raclettekäse angeboten. Diese unterscheiden sich in Geschmack, Cremigkeit und Preis, zeichnen sich jedoch alle durch gute Schmelzeigenschaften aus.

Schweizer Raclettekäse

Die Schweizer Käsesorten Raclette Suisse und Valdor reifen mindestens drei Monate und haben einen würzigen Geschmack. Für eine optimale Schmelzbarkeit wird der Raclette-Käse im Gegensatz zu anderen Schweizer Käsesorten auch mit pasteurisierter Milch hergestellt statt ausschliesslich mit Rohmilch. Die Laibe des Raclette Suisse haben eine Runde oder eckige Form und wiegen zwischen 5,5 und 7,5 kg. Im Jahr 2007 wurden 11.609 Tonnen Raclette Suisse produziert, von denen 436 Tonnen in den Export nach Deutschland gingen. Damit ist Deutschland der größte ausländische Absatzmarkt[1]. Beim Valdor haben die Käselaibe eine Größe von 29 bis 31 cm Durchmesser. Ihr Gewicht liegt bei 4,8 bis 5,2 kg.

Namensschutz

Raclettekäselaibe

In der Schweiz sollte der Raclettekäse als Herkunftsbezeichnung (Appellation d’Origine Contrôlée, AOC) rechtlich geschützt werden – da das Raclette eine typische Walliser Speise sei, dürfe der Käse nur dann als „Raclettekäse“ verkauft werden, wenn er im Wallis hergestellt wurde.

Dies stiess auf einige Kritik: Zum Einen wird die grosse Mehrheit des schweizerischen Raclettekäses – einschliesslich des von den Schweizer Grossverteilern wie Migros oder Coop angebotenen Käses – gar nicht im Wallis hergestellt; so wurden z. B. 2005 rund 11 000 Tonnen Schweizer, aber nur 2000 Tonnen Walliser Raclettekäse hergestellt. Zum Anderen wird der typische Walliser Raclettekäse aus nicht pasteurisierter Rohmilch hergestellt. Damit Rohmilchkäse aber ohne gesundheitliche Bedenken verzehrt werden kann und einen vollen Geschmack entwickelt, dürfen die Milchkühe nicht mit Silagefutter ernährt und müssen daher über den Winter mit Heu versorgt werden. Heu benötigt jedoch mehr Lagervolumen als Silo-Futter und wird deshalb nur noch von wenigen Bauern im Winter verfüttert.

Im Juni 2006 entschied die Rekurskommission des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, der Begriff bezeichne ursprünglich nur ein Gericht und nicht den Käse selbst und sei somit nicht schützenswert.

Im November 2007 entschied das Schweizerische Bundesgericht, Raclette sei ein Gericht, aber keine schutzwürdige Ursprungsbezeichnung. Der Name „Raclette“ für einen Käse ist daher frei verwendbar. Allerdings verfügte das Bundesgericht auch, der im Wallis hergestellte Käse solle den Herkunftsschutz „Raclette du Valais AOC“ erhalten.

Varianten

Als Reblochonade (frz. Reblochade) wird eine spezielle Art des Raclettes mit dem aus dem Haute-Savoie stammenden Käse Reblochon bezeichnet.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise


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