Bratislawa
Bratislava
Wappen Karte
Wappen von Bratislava
Bratislava (Slowakei)
DEC
Bratislava
Bratislava
Basisdaten
Landschaftsverband (Kraj): Bratislavský kraj
Bezirk (Okres): Bratislava
Region: Bratislava
Fläche: 367,584 km²
Einwohner: 426.927 (31. Dezember 2007)
Bevölkerungsdichte: 1.161,44 Einwohner je km²
Höhe: 140 Meter
Postleitzahl: 800 00–899 00
Telefonvorwahl: 0 2
Geographische Lage: 48° 9′ N, 17° 9′ O48.15472222222217.145555555556140Koordinaten: 48° 9′ 17″ N, 17° 8′ 44″ O
Kfz-Kennzeichen: BA
Gemeindekennziffer: 582000
Struktur
Gemeindeart: Stadt
Gliederung Stadtgebiet: 5 Bezirke mit 17 Stadtteilen
Verwaltung (Stand: Dezember 2008)
Oberbürgermeister: Andrej Ďurkovský
Adresse: Magistrát hlavného mesta SR Bratislavy
Primaciálne námestie 1
81499 Bratislava
Webpräsenz: www.bratislava.sk
Gemeindeinformation
auf portal.gov.sk
Statistikinformation
auf statistics.sk

Bratislava ( slowakische Aussprache?/i: [ˈbracɪslava]; deutsch: Pressburg, ungarisch: Pozsony) ist die Hauptstadt der Slowakei und mit rund 427.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Im äußersten Südwesten des Landes am Dreiländereck mit Österreich und Ungarn gelegen, ist sie die einzige Hauptstadt der Welt, die unmittelbar an zwei Staaten grenzt.

Als politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes ist Bratislava Regierungssitz der Slowakei sowie Standort mehrerer Universitäten, Museen, Theater und weiterer wirtschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Institutionen.

Die Geschichte der Stadt wurde von zahlreichen Ethnien geprägt, wie Kelten, Römern, Awaren, Deutschen, Magyaren, Juden und Slowaken. Bratislava war im Laufe seiner Geschichte eines der wichtigsten wirtschaftlichen und administrativen Zentren Großmährens, des Königreichs Ungarn (auch im Rahmen der österreichischen Monarchie beziehungsweise Österreich-Ungarns) und der Tschechoslowakei. Es war 1536–1783/1848 Hauptstadt des Königreichs Ungarn sowie 1939–1945 Hauptstadt der (ersten) Slowakischen Republik. 1968 wurde Bratislava Hauptstadt des Teilstaates Slowakische Sozialistische Republik (slow.: SSR) in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR) und kurz (1990–1992) in der Tschechischen und Slowakischen Föderalen Republik (ČSFR). Seit 1993 ist sie Hauptstadt des selbstständigen Staates Slowakei.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage

Bratislava auf einem Satellitenfoto von 2003

Die Stadt liegt im Südwesten des Landes im Landkreis Bratislava. Die Grenze zu Tschechien liegt 62 km nördlich. Wien, die Hauptstadt Österreichs, befindet sich 60 km westlich von Bratislava. Beide Städte werden neuerdings auch als Twin City, Zwillingsstadt, bezeichnet und bilden den Mittelpunkt der Europaregion Centrope.

Bratislava befindet sich beiderseits der Donau (slow. Dunaj), welche das Stadtgebiet von West nach Südost durchfließt. Im Westen des Stadtgebiets liegt die Thebener Pforte (Devínska brána), das Durchbruchstal zwischen dem Braunsberg am südlichen, dort österreichischen und dem Thebener Kogel am nördlichen, slowakischen Ufer. An dieser Stelle mündet der Grenzfluss March (Morava) von Norden kommend in die Donau; der Mündungsbereich der March umfasst einen kleinen Anteil der Landschaft Záhorie. Die Pressburg in der Mitte der Stadt markiert den Beginn der zumeist nord- oder linksufrigen slowakischen Donautiefebene (Podunajská nížina), auf der sich der östliche und südliche Teil des Stadtgebiets erstreckt. An der östlichen Stadtgrenze zweigt die Kleine Donau (Malý Dunaj) ab, ein linker Seitenarm der Donau in der Donautiefebene und bildet mit der Donau die Große Schüttinsel (Žitný ostrov). Drei Viertel des Stadtgebiets zählen zum Tiefland.

Das restliche Viertel ist von bergiger Landschaft geprägt; der Gebirgszug der Karpaten beginnt im Stadtgebiet von Bratislava mit den Thebener Karpaten, dem südwestlichsten Abschnitt der Kleinen Karpaten (Malé Karpaty). Der südliche Abschnitt des Gebirges sind die Bösinger Karpaten, zu denen mit dem Berg Kamzík (439 m ü. M.) auch eines der Wahrzeichen der Stadt gehört. Im Gebirge entspringt mehrere Bäche, von denen die Vydrica der größte und wasserreichste ist. Die Stadt bedeckt eine Fläche von 367,58 km², womit sie nach Vysoké Tatry die flächenmäßig zweitgrößte Gemeinde des Landes ist. Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt auf 126 m ü. M. an der Donau bei Čunovo, die höchstgelegene Stelle ist der Gipfel des Thebener Kogels (Devínska Kobyla) auf 514 m ü. M.

Auf dem Stadtgebiet befinden sich mehrere Schutzgebiete, davon zwei Naturschutzgebiete (Chránené krajinné oblasti) in den Kleinen Karpaten und in den Donauauen (Dunajské luhy) am südlichen Rand der Stadt plus neun kleinere Schutzgebiete wie zum Beispiel Thebener Kogel.

Bratislava grenzt an folgende Gemeinden: Stupava, Borinka und Svätý Jur im Norden, Ivanka pri Dunaji und Most pri Bratislave im Osten, Rovinka, Dunajská Lužná und Šamorín im Südosten, das ungarische Rajka im Süden sowie im Westen die österreichischen Gemeinden Deutsch Jahrndorf, Pama, Kittsee, Wolfsthal und Hainburg südlich sowie Engelhartstetten und Marchegg nördlich der Donau.

Panorama von der Burg Bratislava aus mit der Altstadt (links) und dem Stadtteil Petržalka (rechts)

Klima

Bratislava liegt in der gemäßigten Zone und im Bereich des Kontinentalklimas mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Sommer sind in der Regel warm und trocken, die Winter kalt und feucht. Insgesamt weist Bratislava mit jährlich 667 mm nur geringe Niederschlagsmengen auf. Es verzeichnet zudem längere Trockenperioden und liegt in einer der wärmsten und trockensten Gegenden des Landes, die sich sehr gut zum Weinbau eignet.[1] Die mittlere Lufttemperatur beträgt im Stadtzentrum durchschnittlich 10,7 °C. Die Übergangszeit im Frühling und Herbst ist meist nur kurz. Devín und Devínska Nová Ves sind regelmäßig durch Überschwemmungen gefährdet.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Klimawerte:

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bratislava
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,8 3,4 9,1 15,7 20,7 24,1 26,4 25,8 22,1 15,1 7,7 3,2 Ø 14,5
Min. Temperatur (°C) -4,7 -3,3 0,3 5,0 9,3 12,6 14,6 13,9 10,4 5,7 2,2 -1,7 Ø 5,4
Niederschlag (mm) 45 45 46 43 69 66 79 67 40 63 60 53 Σ 676
Sonnenstunden (h/d) 2,2 3,2 5,0 7,1 8,5 9,5 9,6 8,9 7,1 4,7 2,1 1,7 Ø 5,8
Regentage (d) 8 8 7 8 9 8 9 8 6 8 9 9 Σ 97
Wassertemperatur (°C) 1 2 5 9 13 16 18 18 15 11 6 3 Ø 9,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
0,8
-4,7
3,4
-3,3
9,1
0,3
15,7
5,0
20,7
9,3
24,1
12,6
26,4
14,6
25,8
13,9
22,1
10,4
15,1
5,7
7,7
2,2
3,2
-1,7
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
45 45 46 43 69 66 79 67 40 63 60 53



Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Bratislavas

Eine keltische Münze und deren Nachbildung in Form einer modernen 5-Kronen-Münze

Die erste nachgewiesene dauerhafte Besiedlung der Gegend erfolgte in der Jungsteinzeit um 5700 v. Chr. durch Angehörige der Kultur der Linearbandkeramiker. Nach vielen weiteren archäologischen Kulturen besiedelten im 5. Jh. die Kelten das Stadtgebiet. Der keltische Stamm der Boier gründete in der heutigen Stadtmitte um etwa 115 v. Chr. eine befestigte Siedlung (Oppidum), wobei auch eine Münzprägestätte nachgewiesen werden konnte. Vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. stand die Gegend unter der Herrschaft der Römer (im Süden) und der Germanen (im Norden). Der Donaulimes verlief durch das heutige Stadtgebiet, bei Rusovce befand sich das Militärlager Gerulata.

Die Slawen erreichten das Gebiet um das Jahr 500, gegen Ende der Völkerwanderung. Als Reaktion auf die Vorherrschaft der benachbarten Awaren rebellierten die lokalen slawischen Stämme und gründeten im Jahr 623 das Reich des Samo; dieses erste bekannte slawische Staatengebilde hatte bis 658 Bestand. Vom Ende des 8. Jahrhundert bis 833 waren die Burgen von Bratislava und Devín wichtige Zentren des Neutraer Fürstentums und nach 833 Großmährens. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Stadt (abgesehen von der neuzeitlichen auf etwa 805 bezogenen Erwähnung durch Johannes Aventinus) erfolgte im Jahr 907 im Zusammenhang mit den Schlachten von Pressburg zwischen Bajuwaren und den Magyaren, aus denen letztere als Sieger hervorgingen.

Die politische Entwicklung im 10. Jahrhundert ist unklar, es wird aber meistens davon ausgegangen, dass die Stadt seit etwa 907 (spätestens seit etwa 925) unter magyarischer (ungarischer) Oberherrschaft stand. Das Komitat Pressburg wurde wahrscheinlich entweder Ende des 10. Jahrhunderts oder erst im 11. Jahrhundert gegründet. Nach manchen Autoren gelangte die Stadt um 990 zu Bayern, kam aber kurz danach als Mitgift von Gisela von Bayern bei ihrer Heirat mit dem ungarischen König Stephan I. zum ungarischen Staat. Um 1001 wurde die Stadt zusammen mit der gesamten Slowakei wiederum von Polen erobert, bis sie 1030 endgültig an das Königreich Ungarn fiel.

In der Folge entwickelte sich unterhalb der Burg eine Marktsiedlung, die aufgrund ihrer strategischen Lage wiederholt Angriffen anderer Mächte ausgesetzt war. Nach der Verwüstung des Umlands durch die Mongolen („Tataren“) im Jahr 1241 wurden zahlreiche deutsche Kolonisten angesiedelt, die spätestens seit der Neuzeit die Bevölkerungsmehrheit der Stadt bildeten. 1291 verlieh der ungarische König Andreas III. das Stadtrecht. 1405 erklärte Kaiser Sigismund von Luxemburg Bratislava zur königlichen Freistadt. 1465 wurde die Universitas Istropolitana gegründet.

Bratislava im Jahr 1787

Nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526 mussten weite Teile des Königreichs Ungarn an die Osmanen abgetreten werden, weshalb Bratislava 1536 zur Hauptstadt des als Königliches Ungarn bezeichneten Restterritoriums erklärt wurde, das nunmehr von den Habsburgern regiert wurde. Das Königliche Ungarn umfasste ungefähr die heutige Slowakei, das Burgenland und das westliche Kroatien. Bratislava wurde 1536 zum Sitz aller wichtigen Behörden und Institutionen und ab 1543 auch Sitz des Erzbischofs von Gran (das nunmehr vom Osmanischen Reich besetzt war). Zwischen 1563 und 1830 fanden zudem im Martinsdom die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen aus dem Hause Habsburg zu Monarchen des Königreichs Ungarn statt. Das 17. Jahrhundert war außerdem gekennzeichnet durch eine Reihe von Pestepidemien, Hochwasserkatastrophen, weitere Kämpfe mit den Türken, Widerstand gegen die Ausbreitung der Reformation sowie mehrere anti-habsburgische Aufstände.

Im 18. Jahrhundert, insbesondere während der Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia, erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Bratislava wurde zur größten Stadt und einer der wichtigsten Städte des gesamten Königreichs Ungarn. Die Bevölkerungszahl verdreifachte sich. Es entstanden zahlreiche neue Paläste, Klöster und Landgüter. Auch das kulturelle und öffentliche Leben gewann stark an Dynamik. Unter Maria Theresias Sohn Joseph II. setzte jedoch ein Bedeutungsverlust ein, insbesondere nach der Überführung der Kronjuwelen nach Wien im Jahr 1783 und der Verlegung der Verwaltung nach Ofen (heute ein Teil von Budapest). Bratislava entwickelte sich in der Folge zum Zentrum der slowakischen Nationalbewegung.

Stadtplan von 1895 (ungarisch)

1805 unterzeichneten im Primatialpalais Diplomaten Österreichs und Frankreichs nach Napoléons Sieg in der Schlacht von Austerlitz den Frieden von Pressburg. Nachdem sich aber 1809 das Kaisertum Österreich zusammen mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland wieder gegen das Kaiserreich Frankreich stellte, belagerten und bombardierten französische Truppen die Stadt, wobei sie u. a. die Burg Devín sprengten. Zwei Jahre später wurde bei einem Brand auch die Burg Bratislava zerstört. Als Reaktion auf die Revolution von 1848/49 und den slowakischen Aufstand verabschiedete der ungarische Landtag in Bratislava die Märzgesetze, mit denen unter anderem die Leibeigenschaft abgeschafft wurde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Bratislava hinter Budapest die am zweitstärksten industrialisierte Stadt des Königreichs Ungarn. Die erste Eisenbahn im Königreich Ungarn war die im Jahr 1840 eröffnete (anfangs nur Pferde-)Bahn von Bratislava nach Svätý Jur. Die Bahnverbindungen nach Wien und Pest kamen 1848 und 1850 hinzu.

Am Ende des Ersten Weltkrieg beschlossen die Alliierten, die Stadt der am 28. Oktober 1918 neu gegründeten Tschechoslowakei zuzuteilen. Im Januar 1919 eroberten die Truppen der Tschechoslowakischen Legionen und der Alliierten die Stadt, im August desselben Jahres auch das auf der Südseite der Donau gelegene Petržalka (siehe Bratislavaer Brückenkopf). Bratislava wurde zur faktischen Hauptstadt des slowakischen Teils der Tschechoslowakei, anstatt z. B. Martin oder Nitra, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung, Größe und Lage in Bezug auf Böhmen. Viele ungarische Einwohner verließen die Stadt, da sie hier als Beamte oder Lehrer nicht mehr benötigt wurden und auch den tschechoslowakischen Staat ablehnten. 1919 wurde die Comenius-Universität gegründet.

Zerstörte Apollo-Raffinerie nach Luftangriffen der Alliierten, September 1944

Nach dem Anschluss wurde das benachbarte Österreich am 13. März 1938 Teil des von den Nationalsozialisten beherrschten Deutschen Reichs. Infolge des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 annektierte das Deutsche Reich auch die damals noch eigenständigen Gemeinden Petržalka und Devín. Ab Oktober 1938 war Bratislava Sitz der Regierung der autonomen Slowakei, ab 14. März 1939 Hauptstadt der ersten slowakischen Republik. Die slowakische Regierung wies die meisten der in Bratislava lebenden Juden aus der Slowakei aus und überließ sie dem nationalsozialistischen Regime im Deutschen Reich. Von Ende November 1944 bis Ende März 1945 bestand im damals dem Deutschen Reich angehörenden Engerau (Petržalka) ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter. Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Bratislava die Comenius-Universität und die 1939 hierher umgesiedelte Slowakische Technische Universität um zahlreiche Fakultäten erweitert, 1940 wurde die Wirtschaftsuniversität und 1942 die „Slowakische Akademie der Wissenschaften und Künste“ gegründet. Außerdem nahm man zahlreiche Bauvorhaben in Angriff. Die Stadt wurde am 4. April 1945 von der Roten Armee erobert. Viele deutschsprachige Einwohner wurden noch vor Kriegsende von den deutschen Behörden der Stadt evakuiert, die verbliebenen Deutschen später aufgrund der Beneš-Dekrete aus ihrer Heimat vertrieben.

Neue Brücke (Nový most) und Petržalka

1944 und 1946 vergrößerte sich das nun fast nur noch von Slowaken bewohnte Bratislava durch mehrere Eingemeindungen. Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei, die im Februar 1948 an die Macht gelangte, entstanden ausgedehnte Plattenbausiedlungen, insbesondere in Petržalka. Nach Kriegsende wurde die Stadt architektonisch sowie wirtschaftlich beträchtlich modernisiert, manchmal auf Kosten der historisch gewachsenen Bausubstanz. Am 1. Januar 1968 wurde Bratislava formell zur Hauptstadt der Slowakei erklärt, die ab 1969 als Slowakische Sozialistische Republik bezeichnet wurde und eine der beiden Teilstaaten innerhalb des föderativen tschechoslowakischen Staates war. 1972 erfolgten weitere Eingemeindungen auf beiden Seiten der Donau.

Ende 1989 war Bratislava eines der Zentren der Samtenen Revolution, die zum Sturz des kommunistischen Regimes führte. Seit dem 1. Januar 1993 ist Bratislava Hauptstadt der unabhängigen Slowakei. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfährt die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, der seit den 1990ern durch ausländische Investitionen gefördert wird.

Namen

Altstadt mit Martinsdom

Johannes Aventinus schrieb im 16. Jahrhundert, dass die Stadt Anfang des 9. Jahrhunderts vom slawischen Fürsten Vratislav (Uratislaus) aus einer römischen Festung wieder erbaut wurde und entsprechend nach diesem Fürsten Uratislaburgium/Vratissolaoburgium/Wratisslaburgium benannt wurde. Er nennt auch den lateinischen Namen Pisonium. Die Verlässlichkeit dieser Angabe ist umstritten.

Die erste direkt erhaltene urkundliche Erwähnung der Stadt als Brezalauspurc erfolgte in den Salzburger Annalen (Annales Juvavenses maximi), im Zusammenhang mit den Schlachten von Pressburg zwischen Bayern und Magyaren unweit der Burg Bratislava im Jahr 907. Aventinus gibt für dieses Ereignis (mit Verweis auf die Annales Juvavenses antiqui) den Namen Braslavespurch an, andere Quellen geben auch Pressalauspruch an. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde überwiegend die Ansicht vertreten, dass der Name Pressburg vom Namen Predslav (vermutlich mit „Predeslaus“, dem gleichnamigen Sohn von Sventopluk identisch) abgeleitet ist. Im 20. Jahrhundert leitete jedoch der bedeutendste slowakische Slawist des 20. Jh. Ján Stanislav in seinen Werken sprachwissenschaftlich ausführlich her, dass der Name nicht vom Namen Predslav, sondern nur vom Namen eines slawischen Fürsten namens Braslav abstammen kann, der in der Stadt im 9. Jh. regierte (*Braslavь).[2] Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden jedoch Münzen aus der Zeit um 1000 mit der Inschrift Preslav(v)a Civitas[3] gefunden, was dann doch eher für die Predslav-Variante spricht (andererseits hat Ján Stanislav auch diese Variante dank der von 1052 erhalteten Namenserwähnung Preslawaspurch in seinen Überlegungen berücksichtigt).

Über verschiedene Zwischenstufen entwickelten sich in den folgenden Jahrhunderten der deutsche Name Preßburg (bzw. Pressburg) und davon abgeleitet die slowakische Bezeichnung Prešporok/Prešpurek u. Ä. Bis 1919 verwendeten die meisten englischsprachigen Autoren ebenfalls die Bezeichnung Pressburg,[4] während im französischen Sprachraum Pres(s)bourg üblich war. Der ungarische Name Pozsony (in dieser Form erstmals 1773 nachgewiesen) stammt wahrscheinlich von Božan ab, einem Herrscher auf Burg Bratislava im 11. Jahrhundert (*Božänjь);[5] andere Theorie leitet der Name vom ungarischen Eigennamen Poson ab. Daher kommt die seltene slowakische Form Požúň her. Daneben waren auch das lateinische Posonium und das altgriechische Istropolis („Donaustadt“) üblich, insbesondere während der Renaissance. Die Form Istropolis stammt aus der Christianisierungszeit (9. Jahrhundert).

Einige slowakische Autoren verwendeten in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in Anlehnung an Aventinus die Form (Tatranská) Vratislava (z. B. Jan Kollár, 1830). Bratislava, der heutige Stadtname, hat wohl seinen Ursprung im Jahr 1837, als der Wissenschaftler Pavel Jozef Šafárik (in: Slovanské starožitnosti, 1837) in der Form Brecisburg (1042) die slowakische Form *Bracislaw / *Brecislaw sah und irrtümlich annahm, dass die Stadt vom böhmischen König Břetislav gegründet worden sei. Danach verwendeten Anhänger der slowakischen Nationalbewegung die Formen Břetislav (Jan Kollár, 1838), Břetislava (Jan Kollár, Ľudovít Štúr, 1838), Breťislava (Martin Hamuljak, 1838) u. Ä. und nach der Einführung der neuen Sprachnorm tauchte 1843 die Variante Braťislava (nad Dunajom) (Janko Francisci) auf,[6] wobei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch wieder die Formen Břetislav und andere Varianten verwendet wurden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch überwiegend die Form Prešporok und entsprechende Varianten verwendet.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde für kurze Zeit die Bezeichnung „Wilsonovo mesto“ (Wilson-Stadt) verwendet, nach dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (nach manchen Quellen wurde jedoch dieser Name ausschließlich von tschechoslowakischen Legionen in Italien Anfang 1919 auf militärischen Karten verwendet). Vom 22. Februar bis 6. März 1919 hieß die Stadt offiziell Bratislav. Dies wurde jedoch in Bratislava geändert, da die Endung -av tschechisch ist.

Stadtbild und Architektur

Das Palais Grassalkovich, die Residenz des Präsidenten
Das Alte Rathaus in der Altstadt

Zentrum

Die meisten historischen Gebäude konzentrieren sich in der Altstadt (Staré Mesto). Das von drei Gebäuden gebildete Alte Rathaus (Stará radnica) aus dem 14./15. Jahrhundert ist eines der ältesten erhaltenen Häuser der Stadt. Das Michaelertor (Michalská brána) ist heute das einzige erhaltene Tor von den vier Toren der mittelalterlichen Stadtbefestigung, unmittelbar daneben steht das schmalste Haus Europas mit einer Breite von 130 cm.[7] Im 1756 erbauten Gebäude der Universitätsbibliothek war von 1802 bis 1848 der Landtag des Königreichs Ungarn untergebracht.

Charakteristisch für das Stadtzentrum sind die zahlreichen Palais im barocken Stil. Das um 1760 erbaute Palais Grassalkovich (Grasalkovičov palác) ist die Residenz des Präsidenten der Slowakei, während das benachbarte, wenige Jahre später entstandene Erzbischöfliche Sommerpalais (Letný arcibiskupský palác) der Sitz der Regierung ist. Im 1781 erbauten Primatialpalais (Primaciálny palác), dem heutigen Sitz des Bürgermeisters, wurde 1805 der vierte Frieden von Pressburg unterzeichnet.

Zu den bekanntesten Sakralbauten gehört der gotische Martinsdom (Katedrála svätého Martina) aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, in dem von 1563 bis 1830 Könige des Königreichs Ungarn aus dem Hause Habsburg gekrönt wurden. In der Franziskanerkirche (Františkánsky kostol) aus dem späten 13. Jahrhundert wurden im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten ausgewählte Personen zum Ritter geschlagen. Die Sankt-Elisabeth-Kirche (Kostol svätej Alžbety), aufgrund der Farbgebung der Außenfassade auch als „Blaue Kirche“ bekannt, wurde 1907/08 gänzlich im Jugendstil erbaut. Weitere Sakralbauten im Zentrum sind die gotische Klarissenkirche (Kostol klarisiek) aus dem 14. Jahrhundert mit einem fünfseitigen Turm und die heute als Konzert- und Theatersaal dient, die barocke Trinitarierkirche (Kostol trinitárov) aus dem 18. Jahrhundert mit der Rokokodekoration innen und eine Synagoge im Moderne-Stil aus den Jahren 1923–26, die als einzige von den drei ehemaligen Synagogen erhalten geblieben ist.

Ein Kuriosum ist der restaurierte Teil des unterirdischen (ursprünglich ebenerdigen) jüdischen Friedhofs. Dieser befindet sich am Fuße des Burghügels nahe dem Portal des Straßenbahntunnels;[8] heute befindet sich dahin das Mausoleum des Moses Sofer, ein Wallfahrtsort für Juden aus der ganzen Welt. Einziger Militärfriedhof ist der westlich der Altstadt auf einem Hügel gelegene Slavín, der 1960 zu Ehren der Soldaten der Roten Armee eingeweiht wurde und über einen 39,5 m hohen Obelisken verfügt. Dieser Friedhof ist auch ein beliebter Aussichtspunkt.[9]

Weitere bedeutende Bauwerke aus dem 20. Jahrhundert sind die Neue Brücke (Nový Most) mit einem Scheibenförmigen Restaurant auf dem Pylon in 80 Metern Höhe, der einer umgestülpten Pyramide ähnelnde Hauptsitz des slowakischen Rundfunks und der 200 m hohe Kamzík-Fernsehturm mit einer Aussichtsplattform und einem Drehrestaurant. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts haben Bauwerke wie die Apollo-Brücke und das neue Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters das Stadtbild verändert, ebenso einige Bürohochhäuser.

Burg Bratislava

Burg Bratislava

Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die Burg Bratislava (Bratislavský hrad) westlich der Altstadt auf einem Felsen 85 Meter über der Donau. Der Burghügel war bereits während der Kupfersteinzeit von Angehörigen der Badener Kultur besiedelt. Nachher diente er als Standort eines Oppidum der keltischen Boier, als Teil des römischen Donaulimes. Er war Standort einer befestigten Siedlung der Slawen sowie später ein bedeutendes Zentrum des Großmährischen Reiches. Eine erste steinerne Burg wurde im 10. Jahrhundert errichtet. Kaiser Sigismund von Luxemburg ließ die Burg um 1430 zu einer Festung im gotischen Stil ausbauen. Kaiser Ferdinand I. ordnete den Umbau im Renaissance-Stil an; um 1650 erhielt die Burg ihr heutiges barockes Aussehen. Kaiserin Maria Theresia erhob die Burg 1740 zur Residenz in der ungarischen Reichshälfte. Im Mai 1811 brannte die Burg bis auf die Grundmauern nieder. Während mehr als 140 Jahre erhoben sich lediglich Ruinen über der Stadt. Von 1953 bis 1968 wurde die Burg originalgetreu wiederaufgebaut, heute dient sie als Museum und für repräsentative Zwecke.

Burg Devín

Burg Devín

Die Ruine der Burg Devín (Devínsky hrad) befindet sich im Stadtteil Devín auf einem Felsen oberhalb der Mündung der March in die Donau an der slowakisch-österreichischen Grenze. Aufgrund ihrer strategischen Lage war Devín eine bedeutende Grenzbefestigung des Großmährischen Reiches und des frühen ungarischen Staates. Die Burg wurde 1809 durch napoleonische Truppen gesprengt und entwickelte sich in der Folge zu einem bedeutenden Symbol des slowakischen Nationalbewusstseins. Heute ist die Burg eine der bedeutendsten archäologischen Stätten des Landes und Bestandteil eines Freilichtmuseums.

Rusovce

Das (seit einigen Jahren geschlossene) Schloss Karlburg (Rusovský kaštieľ) mit seinem englischen Landschaftspark befindet sich im südlich des Zentrums gelegenen Stadtteil Rusovce. Das Gebäude war ursprünglich im 16. Jahrhundert entstanden und wurde zwischen 1841 und 1844 zu einem neugotischen Landsitz im englischen Stil umgebaut. Rusovce ist auch bekannt als Standort der Ruinen des römischen Militärlagers Gerulata, das vom 1. bis 4. Jahrhundert besetzt war und einen Teil des Donaulimes bildete.

Parkanlagen und Seen

Park Janko Kráľ in Petržalka, eine der ältesten öffentlichen Parkanlagen Europas

Aufgrund der Lage am Fuße der Kleinen Karpaten und der Nähe zur Auenlandschaft an der Donau besitzt Bratislava Wälder, die fast bis ins Stadtzentrum reichen. Die Gesamtfläche der öffentlich zugänglichen Grünflächen beträgt 46,8 km² oder 110 m² je Einwohner.[10] Größter Stadtpark ist der Horský park (wörtlich: Bergpark) in der Altstadt. Der Bratislavský lesný park (Waldpark Bratislava) ist ein beliebtes Ausflugsziel in den Kleinen Karpaten. Er bedeckt eine Fläche von 27,3 km² (davon 96 % bewaldet) und besitzt viel ursprüngliche Fauna und Flora wie z. B. Dachse, Rotfüchse und Europäische Mufflons. Am rechten Ufer der Donau, in Petržalka, befindet sich der 1774–76 angelegte Park Janko Kráľ (Sad Janka Kráľa), einer der ältesten öffentlich zugänglichen Parks in Europa. Ein neuer Stadtpark ist in Petržalka zwischen den Seen Malý Draždiak und Veľký Draždiak geplant.[11]

Der Zoologische Garten (Bratislavská zoologická záhrada) befindet sich in Mlynská dolina (Mühltal), in der Nähe des Hauptsitzes des Slowakischen Fernsehens. Der 1960 gegründete Zoo zeigt mehr als 150 Tierarten. Der von der Comenius-Universität betriebene Botanische Garten am Ufer der Donau besitzt mehr als 120 einheimische und exotischen Pflanzensorten.

Im Stadtgebiet befinden sich zahlreiche natürliche und künstlich angelegte Seen, von denen die meisten öffentlich zugängliche Naherholungsgebiete sind. Beispiele sind der Štrkovec (Stierau) in Ružinov, der Kuchajda (Kuhheide) in Nové Mesto, Zlaté Piesky und Vajnory-Seen im Nordosten sowie mehrere Seen in Rusovce im Süden.

Ein Kuriosum ist der Sandberg in Devínska Nová Ves; er ist von den Gesteinsresten des Tertiärmeers gebildet und ist eine Fundstelle verschiedenen Versteinerungen von Meereslebewesen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung[12]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1450 (5.000) 1921 93.200
1720 (11.000) 1930 123.800
1786 31.700 1939 138.500
1802 29.600 1950 184.400
1820 34.400 1961 241.800
1846 40.200 1970 291.100
1869 46.500 1980 380.300
1890 52.400 1991 442.197
1900 61.500 1996 452.288
1910 78.200 2001 428.672

Laut der Volkszählung 2001 hatte die Stadt 428.672 Einwohner (für das Jahr 2007 lautet die Schätzung auf 426.927).[13] Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrug 1.157 Einw./km². Der bevölkerungsreichste der fünf Bezirke ist Bratislava V mit 121.259 Einwohnern, gefolgt von Bratislava II mit 108.139, Bratislava IV mit 93.058, Bratislava III mit 61.418 und Bratislava I mit 44.798. Die größte Ethnie sind die Slowaken mit 391.767 Einwohnern (91,37 %), gefolgt von Magyaren mit 16.541 (3,84 %), Tschechen mit 7.972 (1,86 %) und Deutschen mit 1.200 (0,28 %). Weitere ethnische Gruppen sind Mährer (635 Einw.), Kroaten (614 Einw.), Russinen (461 Einw.), Ukrainer (452 Einw.), Roma (417 Einw.) und Polen (339 Einw.).[14][15]

Im Jahr 2001 waren 243.048 Einwohner (56,7 %) Römisch-Katholiken, 24.810 (5,8 %) Lutheraner, 3.163 (0,7 %) Griechisch-Katholiken, 1.918 Calvinisten, 1.827 Zeugen Jehovas, 1.616 Orthodoxe, 748 Juden, 737 Methodisten und 613 Baptisten. 125.729 Einwohner (29,3 %) bezeichneten sich als Atheisten oder machten keine Angaben.[16]

Im Mittelalter wurde die Stadt überwiegend von Slowaken bewohnt. In der Neuzeit, bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren die Deutschen die dominierende ethnische Gruppe der Stadt.[17] Gemäß der Volkszählung von 1850/51 hatte Bratislava 42.238 Einwohner. Davon waren 31.509 (74,59 %) Deutsche, 7.586 (17,9 %) Slowaken und 3.154 (7,4 %) Magyaren. Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 setzte eine intensive, von der ungarischen Regierung geförderte Magyarisierung ein. 1890 wurden 52.441 Einwohner gezählt, davon 31.404 (59,9 %) Deutsche, 10.433 (19,9 %) Magyaren und 8.709 (16,6 %) Slowaken. Unmittelbar nach der Gründung der Tschechoslowakei wurden im August 1919 36 % Deutsche, 33 % Slowaken, 29 % Magyaren und 1,7 % andere gezählt. 1930 wurden bereits 25 % Deutsche, 33 % Slowaken, 23 % Tschechen, 16 % Magyaren und 3,833 % Juden gezählt, d. h. die Bevölkerungsstruktur wurde vor allem durch Zuzug von Tschechen und Erfassung von Juden verändert. Die Gründung der ersten slowakischen Republik im Jahr 1939 hatte die Ausweisung vieler Tschechen und Juden zur Folge. Vor dem Kriegsende wurden zudem die meisten deutschen Einwohner von den deutschen Behörden evakuiert und die wenigen verbliebenen deutschen, teilweise auch ungarischen Einwohner wurden später auf Grundlage der Beneš-Dekrete vertrieben. Dadurch verlor die Stadt ihren multikulturellen Charakter. Seit den 1950er Jahren bilden die Slowaken die dominierende ethnische Gruppe mit einem Anteil von über 90 %.[17] Nach der Samtenen Revolution 1989/90 und dem Fall des eisernen Vorhangs gewann die deutsche Sprache aufgrund der Lage der Stadt an der Sprachgrenze sowie auch aus wirtschaftlichen und touristischen Gründen wieder an Bedeutung. Die Öffnung nach Westen führte auch zu einem Einzug des Englischen in alle Lebensbereiche.

Siehe hierzu auch die Tabelle im Artikel Geschichte Bratislavas.

Politik und Verwaltung

Sitz des Nationalrats der Slowakischen Republik bei Burg Bratislava

Die Stadt ist Sitz des Nationalrats der Slowakischen Republik (Národná rada Slovenskej republiky), des Präsidenten, der Ministerien, des Obersten Gerichts (Najvyšší súd) und der Nationalbank der Slowakei (Národná banka Slovenska). Bratislava ist Hauptstadt des Landschaftsverbandes Bratislavský kraj mit rund 560 000 Einwohnern sowie Sitz zahlreicher diplomatischer Vertretungen.

Die gegenwärtige Struktur der Stadtverwaltung existiert seit 1990. Sie besteht aus dem Oberbürgermeister (primátor), dem Stadtrat (Mestská rada), der Stadtvertretung (Mestské zastupiteľstvo), den Kommissionen der Stadtvertretung (Komisie mestského zastupiteľstva) und dem Magistrat (Magistrát).

Der Oberbürgermeister ist das oberste Organ der Exekutive, residiert im Primatialpalais und wird für eine vierjährige Amtszeit gewählt. Amtierender Oberbürgermeister ist Andrej Ďurkovský, der im Dezember 2006 als Kandidat der liberal-konservativen KDH-SDKÚ–DS-Koalition zum zweiten Mal gewählt wurde.[18]

Die Stadtvertretung ist die Legislative der Stadt. Er tritt üblicherweise einmal im Monat zusammen und besteht aus 80 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Zahlreiche Aufgaben der Legislative werden in ihrem Auftrag von den Kommissionen der Stadtvertretung wahrgenommen. Der 28-köpfige Stadtrat besteht aus dem Oberbürgermeister und seinen Stellvertretern, den Bürgermeistern der einzelnen Stadtteile und bis zu zehn Mitgliedern der Stadtvertretung. Der Stadtrat ist einerseits Aufsichtsorgan der Stadtvertretung, andererseits Beratungsorgan des Oberbürgermeisters.

Sitzverteilung in der Stadtvertretung

Das Primatialpalais, Sitz des Oberbürgermeisters
Gebäude des Magistrats (Neues Rathaus)

Die letzten Kommunalwahlen fanden im Dezember 2006 statt; die KDH-SDKÚ–DS-Koalition hat die meisten Stimmen bekommen. Die nächsten Wahlen werden im Jahr 2010 stattfinden (mit 45 Sitzen zu vergeben).

Die Ergebnisse der letzten zwei Wahlen (beide 80 Abgeordnete):[19][20]

Partei / Koalition 2006 Partei / Koalition 2002
KDH-SDKÚ–DS 57 DS-DÚS-KDH-SZS 37
ĽS–HZDS-SF-SMER-SMK–MKP-SZ 9 ANO-OKS-SDKÚ-SMK–MKP 30
NF 6 Unabhängige 4
Unabhängige 3 NF 3
SNS 2 SMER 2
DSS-NÁDEJ-OKS-OL 2 HZD 1
DÚS 1 HZDS 1
- - SNS-PSNS 1
- - SDA 1

Stadtgliederung

Administrativ wird Bratislava in fünf Bezirke (okresy) unterteilt: Bratislava I im Stadtzentrum, Bratislava II im Osten, Bratislava III im Nordosten, Bratislava IV im Westen und Norden sowie Bratislava V im Süden auf der rechten Seite der Donau. Die Selbstverwaltung ist in 17 Stadtteile (mestské časti) unterteilt, die alle über einen eigenen Bürgermeister und eine eigene Lokalvertretung (miestne zastupiteľstvo) verfügen. Die Größe der Lokalvertretung hängt jeweils von der Größe und der Bevölkerungszahl des Stadtteils ab. Jedes der Stadtteile entspricht einer der 20 Katastralgemeinden (katastrálne územie), es gibt allerdings zwei Ausnahmen: Nové Mesto ist weiter unterteilt in die Katastralgemeinden Nové Mesto und Vinohrady, während Ružinov weiter in Ružinov, Nivy und Trnávka unterteilt ist.

Nachfolgend eine Aufstellung der fünf Bezirke und 17 Stadtteile. Deutsche Bezeichnung in Klammern, soweit vorhanden bzw. bekannt:

Karte mit den Bezirken und Stadtteilen Bratislavas
Stadtteile von Bratislava
Okres Stadtteil weitere Unterteilung
Bratislava I Staré Mesto (Altstadt) -
Bratislava II Ružinov (Rosenheim) Nivy (Mühlau), Ostredky, Pošeň (Poschen), Prievoz (Oberufer), Trávniky, Štrkovec (Stierau), Vlčie hrdlo (Wolfsdrüssel), Trnávka (Dornkappeln)
Vrakuňa (Fragendorf) Dolné hony, Ketelec, Lieskovec
Podunajské Biskupice (Bischdorf) -
Bratislava III Nové Mesto (Neustadt) Ahoj (Rössler), Jurajov dvor (Georgshof), Koliba (Strohhütte), Kramáre (Kramer Berg), Mierová kolónia, Pasienky/Kuchajda (Kuhweiden, Kuhhaide), Vinohrady (Weinberge)
Rača (Ratzersdorf) Krasňany, Rača (Ratzersdorf), Východné
Vajnory (Weinern) -
Bratislava IV Karlova Ves (Karlsdorf) Dlhé diely (Langetheile), Kútiky, Mlynská dolina (Mühltal), Rovnice
Dúbravka (Kaltenbrunn, Kaltendörfl) Podvornice, Záluhy, Krčace
Lamač (Blumenau, Lamatsch) Podháj (Hay, Raagers Hauffen), Rázsochy
Devín (Theben) -
Devínska Nová Ves (Theben-Neudorf) Devínske Jazero (Thebensee), Kostolné, Podhorské, Paulinské, Sídlisko Stred, Vápenka
Záhorská Bystrica (Bisternitz) -
Bratislava V Petržalka (Engerau) Dvory, Háje, Janíkov dvor (Antonienhof), Lúky, Ovsište (Habern), Kopčany (Kittsee), Zrkadlový háj (Spiegelhagen), Starý háj (Alte Au)
Jarovce (Kroatisch-Jahrndorf, Horvát-Járfalu) -
Rusovce (Karlburg, Oroszvár) -
Čunovo (Sarndorf, Dunacsún) -

Symbole

Die Flagge Bratislavas

Die Symbole Bratislavas sind das Wappen, die Flagge und das Siegel. Das Wappen ist seit 1436 in Gebrauch, als Kaiser Sigismund von Luxemburg der Stadt das Recht gewährte, ein eigenes Wappen zu führen. Es zeigt in Silber auf rotem Hintergrund eine dreitürmige Festung mit einem Tor in der Mitte. Auf jedem der drei Türme sind je zwei goldene Kuppeln abgebildet, das Tor weist ein halb hochgezogenes Fallgitter auf. Das Wappen zeigt entgegen einer weitverbreiteten Meinung weder die Burg Bratislava noch eines der ehemals vier mittelalterlichen Stadttore. Vielmehr ist es einfach eine symbolische Abbildung einer mittelalterlichen Stadt.[21]

Die Flagge besteht aus zwei gleich breiten, waagerechten Streifen, die obere ist weiß, die untere ist rot. Das Verhältnis der Höhe zur Länge ist 2 : 3 und die Flagge wird mit einem Einschritt beendet, der bis zum Drittel der Länge greift.

Das Siegel wird vom Wappen mit der Zirkelschrift "pečať mesta Bratislavy" (Siegel der Stadt Bratislava) auf slowakisch und lateinisch gebildet.[22]

Partnerstädte

Bratislava unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:[23]

  • Cleveland, Ohio, Vereinigte Staaten (seit 1990)
  • Kiew, Ukraine (seit 1969)
  • Krakau, Polen (seit 1987, erneuert 2003)
  • Ljubljana, Slowenien (seit 1967, erneuert 2002)
  • Perugia, Italien (seit 1962)
  • Rotterdam, Niederlande (seit 1991)
  • Turku, Finnland (seit 1976)
  • Ulm, Deutschland (Donau-Partnerschaft, seit 1998)
  • Wien, Österreich (seit 1993, erneuert 2003)

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Hochhäuser im Stadtviertel Nivy

Der Bratislavský kraj ist die wohlhabendste und wirtschaftlich prosperierendste Region der Slowakei. Obschon sie die kleinste aller acht Regionen ist und am zweitwenigsten Einwohner hat, erwirtschaftet sie fast 25 % des slowakischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).[24] Das BIP pro Kopf (Kaufkraftparität) lag 2005 bei 33.124 € und betrug damit 147,8 % des EU-Durchschnitts. Nach Prag ist Bratislava somit die zweitreichste Region derjenigen Länder, die der EU 2004 und 2007 beitraten.[25]

Im Januar 2009 betrug die erfasste Arbeitslosenquote in Bratislava 1,99 %,[26] und der durchschnittliche Bruttolohn lag in 2008 bei 943,5 € (slowakischer Durchschnitt: 723,03 €).[27] Viele Regierungsinstitutionen und Privatunternehmen haben ihren Hauptsitz in Bratislava. Mehr als 75 % der Erwerbstätigen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, der sich hauptsächlich aus Handel, Banken, Informationstechnik, Telekommunikation und Tourismus zusammensetzt; der ganze Tertiärsektor macht fast vier Fünftel der regionalen Wirtschaft aus. Der Sekundärsektor bildet rund 20 %; wichtigste Zweige sind die Automobil- und Chemie-, dann die Maschinenbau-, Lebensmittel- und elektrotechnische Industrie. Die Landwirtschaft hat nur eine Anzahl von 1 %.[28]

Der Automobilhersteller Volkswagen betreibt seit 1991 in Bratislava eine Fabrik (vorher hatte sie andere Besitzer). Das Gelände liegt nordöstlich von Devínska Nová Ves unweit der Autobahn Richtung Prag. Zurzeit konzentriert sich die Produktion auf die Herstellung von Sport Utility Vehicles und Getrieben. In Bratislava wird der VW Touareg hergestellt, teilweise auch der Porsche Cayenne und der Audi Q7. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 248.378 Fahrzeuge hergestellt.[29]

In den letzten Jahren erleben insbesondere Dienstleistungs- und Hightech-Unternehmen einen Aufschwung. Zahlreiche Weltkonzerne, darunter IBM, Dell, Lenovo, AT&T, SAP, Qimonda und Accenture haben in Bratislava Servicezentren eröffnet oder planen dies in naher Zukunft. Gründe für den vermehrten Zuzug multinationaler Unternehmen sind unter Anderem die Nähe zu den westeuropäischen Märkten, gut ausgebildete Mitarbeiter und die hohe Dichte an Universitäten und Forschungseinrichtungen. Beispiele weiterer Großunternehmen mit Sitz in Bratislava sind Slovak Telekom, Orange Slovensko, Telefónica O2 Slovakia, Slovenská sporiteľňa, Tatra Banka, Doprastav, Hewlett-Packard Slovakia, Slovnaft, Henkel Slovensko, Slovenský plynárenský priemysel, Kraft Foods Slovakia, Whirlpool Slovakia, Železnice Slovenskej republiky und Tesco Slovakia.

Seit den 1980ern wurden in Bratislava zahlreiche bedeutende Bauprojekte verwirklicht oder sind in Planung.[30] Zu den Gebieten mit reger Bautätigkeit gehören um das Jahr 2007 das Donauufer, die Umgebung des Hauptbahnhofs, das ehemalige Industriegebiet bei der Altstadt sowie die Stadtteile Petržalka, Nové Mesto und Ružinov.

Verkehr

Eingang zum Hauptbahnhof
Straßenbahn der DPB

Bratislava entstand an jener Stelle, wo sich einst die Bernsteinstraße und die Donau, zwei der wichtigsten Verkehrswege Mitteleuropas, kreuzten sowie in einem Gebiet, das einen Durchgang zwischen den höheren Bereichen der Alpen und der Karpaten ermöglicht. Heute ist die Stadt ein bedeutender Knotenpunkt für den Straßen-, Eisenbahn- und Luftverkehr sowie für die Schifffahrt.

Die Stadt ist Ausgangspunkt mehrerer Autobahnen. Die Autobahn D1 führt ostwärts nach Žilina (Verlängerung nach Košice geplant), während die Autobahn D2 Bratislava mit Prag, Brno und Budapest verbindet. Die Ringautobahn D4 ist bis jetzt nur zu einem kleinen Teil verwirklicht, die daran anschließende österreichische Nordost Autobahn in Richtung Wien wurde am 19. November 2007 eröffnet.[31]

Fünf Straßenbrücken überqueren die Donau im Stadtgebiet; es sind dies (flussabwärts gesehen) die Lafranconi-Brücke (Most Lafranconi), die Neue Brücke (Nový most), die Alte Brücke (Starý most), die Apollo-Brücke (Most Apollo) und die Hafenbrücke (Prístavný most); letztere dient auch dem Eisenbahnverkehr. Eine weitere Brücke, die Rusovce-Brücke (Rusovský most) ist in Planung.

Bratislava ist Knotenpunkt von fünf Eisenbahnhauptlinien. Vom Hauptbahnhof (Bratislava hlavná stanica) nördlich der Altstadt aus verkehren Züge in Richtung Košice, Prag, Budapest und Wien. Auch vom Bahnhof Bratislava-Petržalka südlich der Donau besteht eine Verbindung nach Wien. Die direkteste Bahnverbindung in die österreichische Hauptstadt, die Pressburger Bahn, ist seit 1945 unterbrochen.

Für den Güterverkehr stellt der Flusshafen von Bratislava zusätzliche Verbindungen her, über die Donau zum Schwarzen Meer und über den Main-Donau-Kanal zur Nordsee. Darüber hinaus verkehren zahlreiche Kreuzfahrtschiffe und der Schnellkatamaran Twin City Liner nach Wien auf dem Fluss. Der Flughafen Bratislava M. R. Štefánik, der größte Flughafen der Slowakei, befindet sich neun Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Im Jahr 2008 wurden 2 220 000 Passagiere abgefertigt, rund sieben Mal mehr als 2001.[32][33]

Der seit 1895 existierende öffentliche Personennahverkehr wird durch die städtische Verkehrsgesellschaft Dopravný podnik Bratislava (DPB) betrieben. Das Liniennetz besteht aus 66 Buslinien, 12 Obuslinien und 13 Straßenbahnlinien (Spurweite 1000 mm, 39,5 km langes Netz). Den Nachtverkehr übernehmen 20 Buslinien.[34] Seit 1983 ist ein rund 800 m langer Straßenbahntunnel (ehemaliger Straßentunnel) unter dem Burghügel in Betrieb. Am Ende der 1980er wurde mit dem Bau einer U-Bahnlinie begonnen, die vom Hauptbahnhof nach Petržalka südlich der Donau hätte führen sollen. Nach der Wende 1989 wurde das Projekt jedoch aus finanziellen Gründen aufgegeben, allerdings soll demnächst größtenteils auf der gleichen Strecke das Straßenbahnnetz vom linken Donauufer nach Petržalka in Form einer „Schnellstraßenbahn“ verlängert werden.

Außerdem es gibt eine Sesselbahn im Bratislavaer Waldpark im Stadtteil Nové Mesto; sie ist fast 1 km lang und wurde ursprünglich 1972 eröffnet, dann 1989 stillgelegt und nach einen Umbau seit 2005 wieder im Betrieb.

Tourismus

Anlegestelle des Twin City Liners an der Donau

Ein wichtiger Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Im Jahr 2006 verfügte Bratislava über 77 kommerzielle Übernachtungsmöglichkeiten (davon 45 Hotels) mit einer Kapazität von 9.940 Betten. Die Stadt verzeichnete Übernachtungen von 735.138 Besuchern, davon 482.548 Ausländern. Insgesamt waren 1.461.091 Logiernächte zu verzeichnen (Stand 2007). Ein bedeutender, nicht näher bezifferbarer Anteil der Besucher sind jedoch Tagestouristen, meist in Zusammenhang mit einem Besuch in Wien oder Budapest. Den größten Anteil ausländischer Besucher stellen nacheinander Tschechien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Polen, Österreich, Frankreich, die USA, Japan und Ungarn.[35][36]

Neben anderen Faktoren trägt vor allem die Tatsache, dass Bratislava zunehmend ein Ziel von Billigfluggesellschaften (allen voran SkyEurope) ist, dazu bei, dass hauptsächlich Besucher aus Großbritannien hier immer öfter Stag Partys abhalten. Diese machen einen spürbaren Anteil der Tourismusbranche aus, doch stoßen kulturelle Differenzen und im Alkoholrausch verübter Vandalismus bisweilen auf wenig Verständnis.[37]

Bildung und Wissenschaft

Hauptgebäude der Comenius-Universität

Die erste Universität in Bratislava und die erste auf dem Gebiet der heutigen Slowakei war die 1465 von Papst Paul II. auf Anfrage des ungarischen Königs Matthias Corvinus gegründete Universitas Istropolitana. Sie wurde etwa 1490 nach Corvinus’ Tod wieder geschlossen.

Bratislava ist heute Sitz mehrerer Universitäten und Hochschulen. Dazu gehören die 1919 gegründete Comenius-Universität (die größte Universität der Slowakei), die 1937 gegründete Slowakische Technische Universität (die größte technische Universität des Landes) sowie die beiden ältesten Kunsthochschulen des Landes, die Hochschule für Musische Künste und die Hochschule für Bildende Künste (beide 1949 gegründet). Weitere Einrichtungen für Hochschulbildung sind die zum Beispiel die Wirtschaftsuniversität Bratislava (1940), die Slowakische Medizinische Universität (2002), die private Hochschule für Rechtswissenschaft (2004) und eine Wirtschaftsfakultät der City University of Seattle (1993). Insgesamt gibt es in Bratislava rund 57 500 Studenten (Stand 2007).[38]

Es gibt 65 öffentliche, neun private und zehn konfessionelle Grundschulen mit insgesamt 25.821 Schülern. Das System der weiterführenden Schulen in der Stadt umfasst 39 Gymnasien mit 16.048 Studenten, 37 spezialisierenden weiterführenden Schulen mit 10.373 Studenten und 27 Berufsschulen mit 8.863 Studenten (Stand 2007).[38]

Die Slowakische Akademie der Wissenschaften hat ihren Sitz ebenfalls in Bratislava. Im Stadtteil Vajnory entsteht der Wissenschafts- und Technologiepark CEPIT mit öffentlichen und privaten Forschungs- und Bildungseinrichtungen, die Bauarbeiten sollen im Jahr 2009 beginnen.[39]

Medien

Hauptsitz der Rundfunkgesellschaft Slovenský rozhlas

Als Hauptstadt ist Bratislava auch Zentrum der slowakischen Medien. Bedeutende Fernsehstationen mit Sitz in der Stadt sind die öffentlich-rechtliche Slovenská televízia sowie die Privatsender TV Markíza, TV JOJ und TA3. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft Slovenský rozhlas und haben ihren Sitz ebenfalls in Bratislava. Die wichtigsten Zeitungen sind SME, Pravda, Nový čas, Hospodárske noviny (Wirtschaftszeitung) und Slovak Spectator (englischsprachige Zeitung). Ferner sind hier zwei Nachrichtenagenturen vertreten, die staatliche Tlačová agentúra Slovenskej republiky (TASR) und die private Slovenská tlačová agentúra (SITA).

Kultur

Theater, Musik und Film

Altes Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters am Hviezdoslav-Platz

Bratislava ist Sitz des Slowakischen Nationaltheaters (Slovenské národné divadlo), das auf zwei Gebäude verteilt ist. Das erste entstand 1885/86 im Neorenaissance-Stil am Hviezdoslav-Platz in der Altstadt. Das neue Gebäude am Donauufer wurde 2007 eröffnet. Das Nationaltheater vereint die drei großen Bühnenkünste Schauspiel, Oper und Ballett. Kleinere Theater sind unter Anderem das Bratislavaer Puppentheater (Bratislavské bábkové divadlo), das Astorka Korzo '90, das Arena-Theater (Divadlo Aréna), das L+S Studio und das Naive Theater Radošina (Radošinské naivné divadlo).

Das 18. Jahrhundert war in Bratislava die Blütezeit der Musik. Das Geschehen war eng mit jenem im nahen Wien verbunden. Wolfgang Amadeus Mozart besuchte die Stadt erstmals im Alter von sechs Jahren. Weitere bekannte Komponisten, die in Bratislava gastierten, waren Joseph Haydn, Franz Liszt, Béla Bartók and Ludwig van Beethoven. Hier geboren wurde der Komponist Johann Nepomuk Hummel. Die Stadt ist Sitz der Slowakischen Philharmonie. Jedes Jahr finden mehrere Musikfestivals statt. Zu diesen gehören das Bratislava Music Festival (klassische Musik), die Bratislava Jazz Days (Jazz) und das Wilsonic Festival (Hiphop, Indie-Rock, Alternativmusik und Popmusik).

Das erste Kino in der Stadt wurde 1905 eröffnet und die ersten Kurzfilme wurden auch damals produziert, noch in der Habsburgermonarchie. Heute ist Bratislava das Zentrum der slowakischen Filmindustrie, Sitz des Filmstudios Koliba und des Slowakischen Filminstituts. Mehrere Filmfestivals findet in der Stadt statt, wie zum Beispiel das seit 1999 stattgefundene International Film Festival[40] oder spezialisierte Festivals wie Ekotopfilm (Ökologie) und Febiofest (Alternative). In der Stadt befinden sich zwei Multiplex-Kinos und etwa 20 traditionellen Kinos und Filmclubs.

Museen und Galerien

Haus zum Guten Hirten mit Uhrenmuseum

Das 1961 gegründete Slowakische Nationalmuseum (Slovenské národné múzeum) befindet sich in der Altstadt am Ufer der Donau. Das Nationalmuseum ist die bedeutendste kulturelle Institution des Landes. Es betreibt 16 weitere spezialisierte Museen in der gesamten Slowakei; in Bratislava sind dies neben sechs weiteren Museen zum Beispiel das Naturhistorische Museum (Prírodovedné múzeum) und das Archäologische Museum (Archeologické múzeum). Das Städtische Museum (Múzeum mesta Bratislavy) befasst sich mit der Geschichte der Stadt. Es wurde 1868 gegründet und ist das älteste existierende Museum des Landes. Neben der Hauptausstellung im Alten Rathaus umfasst das Museum sieben Außenstandorte, darunter das Waffenmuseum im Turm des Michaelertors und das Uhrenmuseum im Haus zum Guten Hirten (Dom U dobrého pastiera).

Die 1948 gegründete Slowakische Nationalgalerie (Slovenská národná galéria) ist ein Verbund verschiedener Kunstmuseen in der Slowakei. In der Bratislavaer Altstadt befinden sich zwei Ausstellungen, im Palais Esterházy (Esterháziho palác) und in der angrenzenden Wasserkaserne (Vodné kasárne) am Ufer der Donau. Die Städtische Galerie (Galéria mesta Bratislava), gegründet 1961, ist der zweitgrößte Museenverbund, mit Ausstellungen im Pálffypalais (Pálfiho palác) und im Mirbachpalais (Mirbachov palác). Auf moderne Kunst spezialisiert ist das Danubiana Meulensteen Art Museum im südlich der Donau gelegenen Stadtteil Čunovo.

Weitere Museen sind das Verkehrsmuseum, welches sich mit den Wagen und Zügen in der Slowakei bis zu den 1970er Jahren befasst, das pharmazeutische Museum, das Jüdische Museum, eine Exposition des Schiffsmuseums und andere.

Sport

Stadion Tehelné pole in Nové Mesto

In der höchsten slowakischen Fußball-Liga, der Corgoň liga, sind gegenwärtig zwei Vereine aus Bratislava vertreten. Der 1919 gegründete ŠK Slovan Bratislava spielt im Stadion Tehelné pole und ist der erfolgreichste slowakische Verein überhaupt; größter Erfolg war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger im Jahr 1969. Der FC Artmedia Petržalka (gegründet 1898) ist der älteste Verein der Stadt und trägt seine Heimspiele im Petržalka-Stadion aus. Ein weiterer bekannter Verein ist der seit 1945 bestehende FK Inter Bratislava, der in der zweiten Liga vertreten ist und im Pasienky-Stadion spielt.

Bratislava besitzt drei Hallen für Wintersportarten. Der HC Slovan Bratislava vertritt die Stadt in der höchsten Eishockey-Liga des Landes, der Extraliga, und ist mehrfacher slowakischer Meister. Er trägt seine Heimspiele in der Samsung-Arena aus. Die Eishockey-Weltmeisterschaften 1959 und 1992 fanden gemeinsam mit Prag in Bratislava statt. Als Austragungsorte der Weltmeisterschaft 2011 sind Bratislava und Košice vorgesehen.

Čunovo in der Nähe des Kraftwerks Gabčíkovo ist ein bedeutendes Zentrum für Wassersportarten wie Rafting und Kanuslalom. Im dortigen Wassersportzentrum werden jedes Jahr zahlreiche nationale und internationale Kanu- und Kajak-Wettbewerbe ausgetragen. Das nationale Tenniszentrum mit der Sibamac-Arena ist Austragungsort zahlreicher kultureller und sportlicher Veranstaltungen, unter anderem fand dort 2005 das Finale des Davis Cup statt. Die Stadt ist in den obersten slowakischen Ligen für Basketball, Handball, Volleyball und Wasserball vertreten. Der seit 1921 jährlich stattfindende Nationallauf Devín–Bratislava (Národný beh Devín-Bratislava) über 11,6 km ist die älteste Leichtathletik-Veranstaltung der Slowakei,[41] der Bratislava-Marathon findet seit 2006 statt.[42] Petržalka ist Standort einer Rennstrecke für Pferderennen und Windhundrennen.

Persönlichkeiten

Bratislava ist Geburtsort zahlreicher Persönlichkeiten. Aufgrund der ethnischen Vielfalt der Stadt insbesondere vor Ende des 19. Jahrhunderts sind in der Liste der Persönlichkeiten aus Bratislava neben Slowaken auch zahlreiche Personen deutscher, österreichischer und ungarischer Nationalität vertreten.

Weiterführende Informationen

Literatur

  • V. Horváth, D. Lehotská, J. Pleva et al.: Dejiny Bratislavy. Obzor, Bratislava 1979.
  • Igor Janota: Bratislavské rarity. Vydavateľstvo PT, Bratislava 2006. ISBN 80-89218-19-9.
  • Dušan Kováč: Bratislava 1939–1945 – Mier a vojna v meste. Vydavateľstvo PT, Bratislava 2006. ISBN 80-89218-29-6.
  • Dušan Kováč et al.: Kronika Slovenska 1. Fortuna Print, Bratislava 1998. ISBN 80-7153-174-X.
  • Dušan Kováč et al.: Kronika Slovenska 2. Fortuna Print, Bratislava 1999. ISBN 80-88980-08-9.
  • Ján Lacika: Bratislava. DAJAMA, Bratislava 2000. ISBN 80-88975-16-6.
  • Anton Špiesz: Bratislava v stredoveku. Perfekt, Bratislava 2001. ISBN 80-8046-145-7.

Einzelnachweise

  1. Lacika, „Bratislava“, S. 10
  2. z. B. in: Stanislav, Ján: Slovenský juh v stredoveku, 2. Aufl. 1999; Es ist auch hierbei vor allem zu beachten, dass ‚B‘ und ‚P‘ im Bairischen denselben Laut bezeichnen.
  3. Historical melting pot of cultures, The Slovak Spectator, 2001
  4. Pressburg, Encyclopædia Britannica Eleventh Edition, 1911
  5. Stanislav, Ján: Slovenský juh v stredoveku, 2. Aufl. 1999
  6. Stanislav, Ján: Slovenský juh v stredoveku, 2. Aufl. 1999, Nachwort
  7. Das engste Haus Europas – Kultur- und Informationszentrum Bratislava
  8. Lacika, „Bratislava“, S. 179
  9. Lacika, „Bratislava“, S. 135
  10. Umwelt – Stadtverwaltung Bratislava
  11. Bratislava’s mayors lay out real estate plans – The Slovak Spectator, 29. Januar 2007
  12. Historische demografische Daten – populstat.info
  13. Statistisches Amt der Slowakei - Okresy (Stand 31. Dezember 2007)
  14. Zusammenfassung Volkszählung 2001 – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  15. Volkszählung 2001: Ständige Wohnbevölkerung nach Ethnie – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  16. Ständige Wohnbevölkerung nach Religion – Statistisches Amt der Slowakischen Republik
  17. a b Peter Salner: Ethnic polarisation in an ethnically homogeneous town, Czech Sociological Review 9 (2): S. 235–246 (2001)
  18. Bratislava remains blue, Ďurkovský in charge – The Slovak Spectator, 11. Dezember 2006
  19. Statistisches Amt der Slowakei - Ergebnisse der Kommunalwahlen 2002 in Bratislava und Košice (englisch)
  20. Statistisches Amt der Slowakei - Ergebnisse der Kommunalwahlen 2006 in Bratislava und Košice (englisch)
  21. Beschreibung des Wappens – Stadtverwaltung Bratislava
  22. Statut der Hauptstadt der Slowakischen Republik Bratislava, Art. 92−95 (PDF, slowakisch) – Stadtverwaltung Bratislava
  23. u. a. Partnerské mestá – Stadtverwaltung Bratislava
  24. Regionaler BIP 2005 - Statistisches Amt der Slowakei
  25. Regionaler BIP je Einwohner in der EU27 – Eurostat
  26. Aktuelle Arbeitslosenstatistik - Zentralbüro für Arbeit, Soziales und Familien, September 2008
  27. Koľko bral vlani priemerný Slovák? 21 782 Sk (723,03 eur), Pravda.sk, 5. März 2009
  28. Bratislavsky kraj economy – Eurostat, Februar 2004
  29. Volkswagenwerk Bratislava – Volkswagen Media Services, 2007
  30. Lage des Immobilienmarkts – Stadtverwaltung Bratislava, 2007
  31. Projektbeschreibung Nordost Autobahn – ASFiNAG
  32. Statistik Flughafen Bratislava (siehe unter „Statistical data“)
  33. Bratislavské letisko vlani zvýšilo počet cestujúcich o desatinu, Zeitung SME (slowakisch)
  34. MHD Bratislava(siehe unter „Mapy a trasy“ > „Trasy liniek“)
  35. Tourismusstatistik – Stadtverwaltung Bratislava, 23. Mai 2007
  36. Annual Report City of Bratislava 2007 - Stadtverwaltung Bratislava, 3. November 2008]
  37. Bratislava wearies of stag tourism – The Slovak Spectator, 29. Mai 2006
  38. a b Daten von Ústav informácii a prognóz školstva (Institut der Informationen und Prognosen des Schulwesens)
  39. Vajnorský Cepit rieši sieťové ťažkosti, E-TREND, 18. Dezember 2008 (slowakisch)
  40. International Film Festival Bratislava
  41. Národný beh Devín-Bratislava
  42. Bratislava-Marathon

Weblinks


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