Bratschenwitz

Dem Bratscherwitz kommt unter Musikern ein ähnlicher Stellenwert zu wie allgemein in Deutschland dem Ostfriesenwitz, er ist also ein typischer Randgruppenwitz. Das trottelige Image des Bratschers rührt daher, dass die Bratsche im klassischen Orchester (anders als in der Kammermusik) bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nur eine untergeordnete Stellung innehatte und für dieses Instrument relativ wenig Sololiteratur existiert.

Die Orchesterstimme der Bratsche in älteren Kompositionen gilt deshalb als vergleichsweise leicht zu spielen. Wegen ihrer baulichen Ähnlichkeit mit der Violine (Geige), von der sie sich nur durch ihre Größe und die um eine Quinte tiefere Stimmung unterscheidet, kann sie nach relativ kurzer Umgewöhnung auch von Geigern gespielt werden. Deswegen hat man früher oft schlechtere Geiger die Bratsche spielen lassen. Im hoch- und spätromantischen Orchester (etwa bei Richard Wagner) hat die Bratsche eine Aufwertung erfahren, wird wegen ihres gedämpft-melancholischen Klangs allerdings exponiert hauptsächlich in langsamen, getragenen Passagen eingesetzt. Aus alledem entstand ein nicht ganz ernst gemeintes Klischee, demzufolge Bratscher nicht richtig spielen können, nie üben und insgesamt langsam und begriffsstutzig sind.

In Rockmusikerkreisen werden viele bewährte Bratscherwitze auf Bassisten adaptiert.

Inhaltsverzeichnis

Beispiele

Echte Bratscherwitze

Als echte Bratscherwitze können Witze angesehen werden, die in sachlichem Bezug zum Orchesterleben und der Bratsche stehen:

  • Warum fürchten sich Bratscher auf Friedhöfen? Zu viele Kreuze.
  • Wie ist die kleine Sekunde definiert? Zwei Bratscher spielen unisono.
  • Ein beliebtes Klischee über Bratscher ist das allgemeiner Langsamkeit. Frage: „Wie heißt die Teufelstrillersonate (Sonate für Violine von Giuseppe Tartini) für Bratsche?“ – Antwort: „Für Elise“ (mit einer langsamen, chromatischen Bewegung beginnende Komposition).
  • Außerdem werden Bratschern oft auch erhebliche Schwierigkeiten im Zusammenspiel nachgesagt. Eine Gemeinsamkeit der Bratschengruppen vieler Orchester mit den Beatles soll darin bestehen, dass sie 1970 das letzte Mal zusammen waren.
  • Die Bratsche sei zudem als Instrument sehr unbeliebt, und man könne den Diebstahl einer wertvollen Geige unwahrscheinlicher machen, indem man sie in einem Bratschenkasten aufbewahrt.
  • Selbiges bringt auch dieser fiktive Dialog zum Ausdruck. Frage: „Warum heißt die Bratsche Bratsche?“ – Antwort: „Weil es 'bratsch!' macht, wenn man darauf tritt.“

Umgemünzte Witze

Hinzu kommen vermehrt allgemein herabsetzende Witze, die auf Bratscher umgemünzt werden, jedoch in anderen Varianten auch auf andere Berufsgruppen oder Minderheiten wie Ostfriesen bezogen wurden. Sie sind meist weniger originell:

  • Ein Bratscher und ein Schlagzeuger gehen durch den Park. „Schau“, sagt der Schlagzeuger, „eine tote Krähe.“ Der Bratscher schaut in den Himmel und fragt: „Wo?“
  • Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer Bratsche und einer Zwiebel? – Antwort: Niemand weint, wenn man eine Bratsche zerschneidet.

Wie viele Witzkategorien, so neigt auch der Bratscherwitz zur Sexualisierung. (Zoten kommen jedoch seltener vor.) Dies bringt dem Bratscher – der allgemein als Verlierer gilt – einen Ruf als sexueller Opportunist ein.

  • Während eines Konzerts flüstert ein Bratscher mit seinem Pultnachbarn: „Ist das wahr, dass dein Vertrag für die nächste Spielzeit nicht verlängert wird?“ – „Ja, stimmt, und zwar nur deshalb, weil ich während einer Probe geschlafen habe.“ – „Aber das tun wir doch alle!“ – „Aber nicht mit der Frau des Dirigenten!“
  • Konzertmeister zum Bratscher: „Warum waren Sie gestern nicht bei der Probe?“ – „Hexenschuss, Herr Konzertmeister.“ – „Ja, das war wirklich eine schöne Hexe, mit der sie an mir vorbeigeschossen sind.“

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