Braun Atelier

Atelier ist der Name einer Serie von HiFi-Komponenten der Firma Braun, die ab 1979 hergestellt wurden. Am 31. März 1991 stellte Braun die Produktion von HiFi-Geräten ein. Unter großer medialer Begleitung wurde eine letzte Edition vertrieben, die sich bis heute einer großen Liebhabergemeinde erfreut und im Museum of Modern Art (MoMa) ausgestellt ist.

Inhaltsverzeichnis

Braun-Unterhaltungselektronik

Braun Firmenkennzeichen, seit 1952 verwendete Form

Die Firmengeschichte der Braun GmbH begann 1921 mit der Produktion von Radio-Zubehörteilen. Schon in der Vorkriegszeit entwickelte das Unternehmen Radios und Plattenspieler. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Produktion von Rasierapparaten und Haushaltsgeräten, die bis zum heutigen Tage andauert. Die Herstellung von Unterhaltungselektronik blieb bis in die 1980er Jahre ein Schwerpunkt des Firmengeschäftes. Dabei zeichneten sich die Braun-Produkte durch ein unverwechselbares Design aus, welches international Anerkennung fand und in Fachkreisen als stilbildend für deutsches Design gilt.

Die Atelier-Serie

Braun Atelier Ausschnitt schwarze Ausführung
Braun Atelier Fernbedienung RC1 Grundfunktionen/aufgeklappt
Braun Atelier Anlage

Dieser Artikel beschäftigt sich hauptsächlich mit den Geräten der letzten Baureihen, der Atelier-Serie.

Schon im Jahre 1981 wurde der Bereich Unterhaltungselektronik aus dem seit 1967 zum Gillette-Konzern gehörenden Unternehmen ausgegliedert und von der Firma a/d/s übernommen. Die Produktion fand zunächst in denselben Produktionsstätten statt. Später wurden die Geräte teilweise als Auftragsproduktionen in Fernost hergestellt. Für das Design zeichneten aber weiterhin u.a. die Designer Dieter Rams und Peter Hartwein verantwortlich.

Prägend dabei waren die von Rams benutzen Begriffe "form follows function" sowie „weniger, aber besser“. Frei von jedem Verdacht der Beliebigkeit war es die Absicht der Designer, ein langlebiges Produkt zu schaffen, das sich durch eine moderne, zeitlose Form bei einfacher Bedienbarkeit auszeichnet.

Die Geräte wurden in schwarz und einem - für Unterhaltungselektronik ungewöhnlichen - kristallgrau produziert. Die Gehäuse sind flach, mit um 45° abgeschrägten Ecken. Blenden auf der Rückseite verdecken die Kabel. Selten benutzte Funktionen verbergen sich hinter klappbaren Panelen. Es gibt auch spezielle Geräteschränke.

Der modulare Aufbau sichert sowohl ästhetisch als auch technisch das Zusammenwirken der Komponenten. So haben alle Atelier-Bausteine (Ausnahme: Fernseher, VCR) einheitliche Rastermaße und sind so in vielfältiger Weise zu positionieren.

Diese Zusammengehörigkeit findet ihre Entsprechung auch in technischer Form. So bewirkt zum Beispiel das Einschalten des Fernsehers die Aktivierung des Verstärkers und die Tonwiedergabe über das HiFi-System. Alle Geräte der letzten Serien[1] lassen sich so vernetzen, dass sie mit nur einer Fernbedienung gesteuert werden können. Über einen Schieber der Fernbedienung wird das gewünschte Gerät gewählt. Dabei legen wechselnde Registerkarten die jeweils passende Tastenbeschriftungen und Funktionen frei. Die Registerkarten sind austauschbar und wurden jedem neuen Gerät beigefügt. So war die Ausbaubarkeit des Systems für die Zukunft vorgesehen. Die Auswahl ist zudem nicht nur geräte- sondern auch funktionsorientiert. So lässt sich zum Beispiel nach Wahl des CD-Spielers mit denselben Tasten das CD-Laufwerk steuern, die nach Auswahl von Kassettenrecorder oder Plattenspieler für diese zuständig sind.

Auch besitzen die Steuergeräte ab 1987 eine Schnittstelle zur vollständigen Steuerung zum Beispiel über einen Personalcomputer. Diese Möglichkeiten werden erst heute genutzt. So gibt es seit einiger Zeit entsprechende Steuerprogramme für den PC.

Die erfolgreiche Positionierung der Atelier-Geräte auf dem Markt war allerdings recht schwierig. Zum einen war die zugrundeliegende Philosophie ihrer Zeit voraus und daher nur einem begrenzten Teil der möglichen Kunden zugänglich, zum anderen waren die Geräte preislich in einer Region angesiedelt, welche die Absatzzahlen begrenzte. Die letzten Editionen wurden in Paketen von 10.000 DM, 7.000 DM, sowie 5.000 DM angeboten (Preis in schwarz ohne Lautsprecher, Fernseher bzw. Videorekorder oder Geräteschränke). Auch führte die Begrenzung der Gehäusemaße die damalige Technik an ihre Grenzen, so dass einige Geräte der Serie als reparaturanfälliger gelten als die vorher von Braun produzierten Serien. Heute sind diese Probleme bekannt und können von Fachleuten durch vergleichsweise kleine Umbauten beseitigt werden.

Das Ende der HiFi-Ära bei Braun wurde in einem Heft mit folgenden Worten begründet:

„Der Markt der Unterhaltungselektronik ist weltweit durch einen ruinösen Verdrängungswettbewerb geprägt. Besonders die japanischen Hersteller haben die Projektzyklen von HiFi-Bausteinen bedenklich verkürzt – Sie selbst wissen, daß Hersteller, die nicht spätestens alle 24 Monate eine Innovation oder wenigstens kosmetische Pseudoänderungen anbieten, schnell in den Verdacht der Veralterung geraten. Aus heutiger Sicht ist nicht zu erwarten, daß sich die Weltmarktsituation entspannen wird. Viel wahrscheinlicher ist eine Verschärfung des Wettbewerbes. Diese immer riskantere Entwicklung würde zum einen bedeuten, bestimmte Grundsätze der Braun-Design-Philosophie aufweichen zu müssen (zum Beispiel Ehrlichkeit, Langlebigkeit), zum anderen Finanzmittel einsetzen zu müssen, die in keinem Verhältnis zum Gesamtgeschäft der Braun AG stehen. Die historische Entscheidung fiel Ende Mai 1990. Braun wird diese Entwicklung nicht länger unterstützen. Braun HiFi wird Geschichte.“

Übersicht der Geräte und Produktionszahlen der Atelier-Serie

'damalige Preise in DM (schwarze/graue) Ausführung

Typ Jahr Preis* Fertigung Stückzahl
Empfänger-Vorverstärker
CC4 1987 1750/1850 11/87 - 1/90 3 500 (Sampo-Proz.)
CC4/2 1989 1750/1850 2/89 - 12/90 4 190 (Tatung-Proz.)
Empfänger
T1 1980 468 10/80 - 12/82
T2 1982 950 10/82 - 3/87 20 000
Verstärker
A1 1980 598 9/80 - 12/82
A2 1982 1050 10/82 - 3/87 21 000
PA4 1987 1750/1850 11/87 - 11/89 5 000
PA4/2 1990 1750/1850 1/90 - 12/90 2 000
Steuergeräte
R1 1981 1250 5/82 - 5/85 8 000
R2 1986 1500/1600 1/86 - 12/90 10 900
R4 1987 2500/2600 10/87 - 12/88 7 000 (Sampo-Proz.)
R4/2 1989 2500/2600 3/89 - 12/90 10 000 (Tatung-Proz.)
Plattenspieler
P1 1980 688 10/80 - 12/82
P2 1982 800 12/82 - 12/86
P3 1982 960/1098 12/83 - 12/86
P4 1984 1400/1550 5/84 - 12/90 18 500
Cassettenrecorder
C1 1980 848 10/80 - 12/82
C2 1982 1300 10/82 - 04/84 7 120
C3 1983 1800/1950 11/83 - 12/87 10 200
C4 1987 2200/2300 10/87 - 12/90 11 500
C2/3 1988 1250/1350 05/88 - 12/90 7 320
Compact-Disc-Spieler
CD3 1985 2500/2600 10/85 - 12/87 13 850
CD4 1986 2000/2100 12/86 - 05/89 11 470
CD2 1988 1300/1400 12/88 - 15 100
CD5 1988 2500/2600 05/88 - 10/89 3 400
CD 2/3 1989 1500/1600 - 12/90 10 000
CD 4/2 1989 2000/2100 11/89 - 12/90 3 300
CD 5/2 1989 2500/2600 12/89 - 12/90 3 100
Fernsehgerät / Videorecorder
TV 3 1986 3000/3100 12/86 - 12/89
VC 4 1988 3000/3100 12/88 - 12/89 9 200
RC1 1986 300/350 05/85 - 12/90 31 960
Fernsehlautsprecher/Rollboard
LTV (Flachlautsprecher) 1987 200/280
LSV (ehemals LS40) 1986 300
RB 1 1989
Geräteschränke/ Gerätefuß
GS 3 (Rollladen) 1984 350
GS 3V Rollladen (Video) 1988 350
GS 4 (offen) 1984 200
GS 5 1989 375
GS 6 (hoch) 1989 500
AF 1 1982 350 10/83 - 03/90 11 500

Heutige Situation

Die Geräte sind teilweise heute noch sehr gefragt und erzielen auf dem Gebrauchtwarenmarkt hohe Verkaufspreise.

Inzwischen gibt es auch private Neuanfertigungen, bei denen kleine Stückzahlen von Atelier-Gehäusen mit neuer Technik versehen, angeboten und verkauft werden. Diese Anfertigungen sind allerdings nicht von Braun autorisiert. Auch gibt es noch einzelne Händler, die über Restbestände an Ersatzteilen verfügen und den Verkauf bzw. die Reparatur von Braun-Geräten anbieten.

Einzelnachweise

  1. Fernsteuerung

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