Braunkohletagebau
Braunkohle-Tagebau Zwenkau. Der Abbau erfolgte gegen den Uhrzeigersinn.

Tagebau (in Österreich auch Tagbau) ist ein Oberbegriff aus dem Bergbau. Es handelt sich um eine Örtlichkeit, in der oberflächennah Bodenschätze gewonnen werden, ohne dass Schächte und/oder Stollen angelegt werden. Spezielle Bezeichnungen für Tagebaue lauten z. B. "Sandgrube", "Kiesgrube" oder "Steinbruch" (bei Festgesteinen). Grundsätzlich ist ein Tagebau ohne Wasserhaltung lediglich bis zum Grundwasserspiegel möglich. Die Gewinnung von Werksteinen im Tagebau lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen (Menhire).


Inhaltsverzeichnis

Technik

Eimerkettenbagger mit Zugbeladung im Braunkohletagebau Phoenix bei Altenburg im Jahr 1949
Schaufelradbagger

Als Tagebautechnik werden alle technischen Maßnahmen und Mittel zur Gewinnung von z. B. Braunkohle, Kiesen, Sanden und Festgesteinen verstanden.

Braunkohle, Kiese und Sande werden trocken oder nass durch Ausbaggerung gewonnen, Festgesteine aus der Lagerstätte herausgesprengt oder herausgesägt.

Die Gewinnung von Braunkohle, Kiesen und Sanden erfolgt durch die Kombination verschiedenster Gewinnungsgeräte mit nachgeschaltetem Transportgerät. Dabei ist die Form der Gewinnung grundsätzlich in kontinuierlich und diskontinuierlich zu unterteilen. Für die kontinuierliche Gewinnung werden Mehrgefäßbagger eingesetzt. Zu diesen zählen Eimerkettenbagger und Schaufelradbagger. In Deutschland haben sich zwei Gerätekombinationen durchgesetzt. Die Schaufelradbagger-Absetzer-Kombination (Rheinisches Revier) und der Abraumförderbrückenverband (Lausitzer Revier). Im Internationalen Bergbau lassen sich auch Geräte finden die durch Fräsen (Continuous Surface Miner) und durch Großbohrloch (Auger Miner) das Wertmineral gewinnen. Die kontinuierliche Gewinnung erfordert im Anschluss einen ebenso kontinuierlichen Abtransport. Daher erfolgt der Transport aus der dem Tagebau ausschließlich über Bandlagen, die an die Förderkapazität der Gewinnungsgeräte angepasst sind. Ein Transport per Gleis wie er bis zum Ende des 20. Jahrhunderts noch teilweise üblich war, ist heute nur noch selten anzutreffen. In Deutschland wird nur noch der Braunkohletagebau Cottbus-Nord mit diesem System betrieben. Bei der diskontinuierlichen Gewinnung werden Eingefäßbagger, Radlader und Flachbagger eingesetzt. Zu den Eingefäßbaggern zählen Hydraulikbagger, Seilbagger und Schürfkübelbagger (Dragline). Unter Flachbagger werden Planierraupe (Dozer), Scraper und Schürfkübelraupe verstanden. Im internationalen Bergbau werden groß dimensionierte Geräte mit hoher Förderleistung eingesetzt. In Deutschland rangieren diese Geräte eher im mittleren bis unteren Größenbereich. Als Transportgerät haben sich Schwerkraftwagen (SKW) und Dumper etabliert. Wobei diese Fahrzeuge nach Ihrem Gewicht unterschieden werden. Bis ca. 60 t Gesamtgewicht spricht man von Dumpern, darüber nennt man sie SKW. Die größten derzeit genutzten SKW haben ein Gesamtgewicht von ca. 600t (Liebherr T282B & CAT 797B). Der Transportweg endet immer an einem Vorbrecher. Dieser zerkleinert das gewonnen Material auf eine für die folgenden Prozesse nutzbare Größe. Die Größe der SKW und Dumper wird an die Ladegeräte Hydraulikbagger, Seilbagger und Radlader angepasst.


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Panoramaaufnahme des rheinischen Tagebaus Garzweiler mit diversen Schaufelradbaggern im Einsatz und den Kraftwerken Frimmersdorf (l.), Neurath (m.) und Niederaußem (r.) im Hintergrund
Panoramaaufnahme des rheinischen Tagebaus Garzweiler mit diversen Schaufelradbaggern im Einsatz und den Kraftwerken Frimmersdorf (l.), Neurath (m.) und Niederaußem (r.) im Hintergrund
Super Pit in Western Australia Australien
Tagebaurestloch bei Nachterstedt
Der Braunkohletagebau Garzweiler
Der Braunkohletagebau Hambach, Landsat-7-Aufnahme in Falschfarbendarstellung

Mit einem Tagebau, vor allem bei großflächigem und langjährigem Betrieb, geht zunächst eine einschneidende Landschaftsveränderung einher, da auch die Erdschichten oberhalb des zu fördernden Rohstoffes, das Deckgebirge, abgetragen werden. Das bedingt oft eine massive Absenkung des Grundwassers, welche sich auch auf die umliegenden Landschaften auswirkt. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels kann es in angrenzenden Regionen zu Absackungen des Erdreichs kommen, die Schäden an Gebäuden verursachen können. Das abgepumpte Grundwasser wird meist in die umliegenden Flüsse eingeleitet oder zur Erhaltung von Feuchtgebieten in Tagebaunähe versickert. Ein nicht unerheblicher Teil des gehobenen Grundwassers wird im Tagebau zu Immissionsschutzzwecken und als Lösch- und Brauchwasser verwendet.

Während des laufenden Tagebaubetriebes dient der anfallende Abraum in der Regel auf der Kippenseite des entstandenen Loches zur Wiederverfüllung. Danach erfolgt meist eine Rekultivierung der Landschaft unter Wiederherstellung von Agrarland, forstwirtschaftlichen Flächen oder es werden Naherholungsgebiete geschaffen. Wegen des Flächenbedarfs und den Einflüssen auf die Landschaft, ist die Einrichtung von Tagebauen oft umstritten. Zum Betrieb eines Tagebaus werden manchmal ganze Ortschaften umgesiedelt - siehe hierzu auch: Liste abgebaggerter Ortschaften.

Aus rekultivierten Tagebauen entstehen häufig "Biotope aus zweiter Hand", neue Seenlandschaften und Erholungsgebiete. Beispiele dafür sind der Geiseltalsee bei Merseburg, der Senftenberger See, das Leipziger Neuseenland, der Blausteinsee bei Eschweiler und die Sophienhöhe bei Jülich sowie das Oberpfälzer Seenland.

Der größte Tagebau der Welt befindet sich im chilenischen Chuquicamata.

Literatur

  • Wolfram Pflug (Hrsg.): Braunkohlentagebau und Rekultivierung. Landschaftsökologie - Folgenutzung - Naturschutz. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Budapest, Hongkong, London, Mailand, Paris, Santa Clara, Singapur und Japan 1998, ISBN 3-540-60092-2
  • Kay Löffler: Dorf der Wolkenmacher. Roman, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007

Siehe auch

Weblinks


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