Braunsche Villa

Die Heilpflege- und Erziehungsanstalt Levana in Baden bei Wien war eine der ersten Einrichtungen für behinderte Kinder in Österreich. Sie wurde 1854 (andere Quellen schreiben 1856 bzw. 1857) von den Pädagogen Jan-Daniel Georgens und Heinrich Marianus Deinhardt sowie der Schriftstellerin Jeanne Marie von Gayette gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Name

Erstens steht der Name Levana für die römische Schutzgöttin der Neugeborenen. Dann erinnert der Name an eine frühe der Aufklärung verpflichtete pädagogische Schrift von Jean Paul oder Johann Paul Friedrich Richter unter dem Titel Levana oder Erziehlehre aus dem Jahre 1807 (andere Quellen 1806). Er folgt bereits am Beginn des 19 Jh. der Idee einer heilenden Erziehung. Er zeichnet in der Tradition Goethes das Bild für die Erziehung einer wachsenden Pflanze. Die Begriffe Kindergarten und Erwachsener zeugen noch von dieser Tradition. Jeanne Marie von Gayette bezeichnete sich selbst als große Bewunderin der Literatur Jean Pauls.

Leitideen

  1. Der Mensch ist prinzipiell entwicklungsfähig
  2. Förderung der persönlichen Eigenart
  3. Bereitstellung sozialer und materieller Lebensgrundlagen

Geschichte

Einer Dissertation über Jan-Daniel Georgens von Selbmann (1982) zu Folge war der Start der Einrichtung für behinderte Kinder sehr schwer. Es war die erste Einrichtung dieser Art und so fehlten von Beginn an die Kinder für diese Einrichtung. Die Gründer mieteten die Braunsche Villa in Baden bei Wien und begannen für Kinder Freizeitaktivitäten zu organisieren. Ende 1856 trat das erste behinderte Kind, ein Mädchen aus dem Adel, in die Einrichtung ein. Daher ist auch die unterschiedliche Datumsangabe zu verstehen. Der öffentliche Erfolg war so groß, dass die Einrichtung in der Braunschen Villa bald zu klein wurde und die Levana nach Liesing umzog. Im Schloss Liesing war eine große Anlage mit Parkanlagen, die bis heute als geriatrisches Pflegeheim dient. Aus finanziellen Gründen musste die Einrichtung bereits nach drei Jahren 1859 geschlossen werden. 1860 wurde eine weitere Einrichtung am Kahlenberg eröffnet. Diese wurde aber bereits 1865 wieder geschlossen.

Was bleibt vom Konzept Levana?

Die pädagogische Orientierung gilt bis heute als Beginn von pädagogischer Kunsttherapie und Gartentherapie. Gerade die Einbeziehung des ganzen Menschen und seiner sozialen Alltagsbewältigung ist bis heute bedeutsam. Die künstlerische Arbeit und Erziehung war nicht abgehoben von anderen Lebenszusammenhängen und sozialen Beziehungen im Alltag.

Das Bild der Pflanze, die unterschiedliche Bedingungen benötigt, um zu wachsen, war symbolhaft für die Arbeit in der Levana. Menschliche Zuneigung, unterschiedliche Aktivitäten, künstlerische Bildung und Arbeit waren Basis für psychisches Wachstum der behinderten Kinder.

Literatur

  • Jan-Daniel Georgens, Heinrich Marianus Deinhardt: Heilpädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Idiotie und Idiotenanstalt zur Heil- u. Sonderpädagogik. Leipzig 1861
  • Medizinisch-pädagogisches Jahrbuch der Levana für das Jahr 1858
  • F. Selbmann: Jan-Daniel Georgens - Leben und Werk. Diss. Gießen 1982
  • Jean Paul: Levana oder Erziehlehre; 1807 (lt. wikipedia Jean Paul)

Weblinks


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