Braunschweig-Klasse (2004)
FRG Naval Ensign
Korvette Braunschweig-Klasse
(Klasse 130)
Geschichte
Schiffsklasse: Korvette Klasse 130
Typschiff: Braunschweig
Einheiten: 5
Bauwerften: ARGE K130:
Kiellegung: 1. Dezember 2004 (130/01)

19. Mai 2005 (130/02)
22. September 2005 (130/03)
19. Januar 2006 (130/04)
14. April 2006 (130/05)

Stapellauf: 19. April 2006 (130/01)

6. September 2006 (130/02)
29. März 2007 (130/03)
28. Juni 2007 (130/04)
26. September 2007 (130/05)

Indienststellung: 16. April 2008 (130/01)

22. September 2008 (130/02)

Heimathafen: Rostock-Warnemünde
Daten
Verdrängung: 1840  t
Länge: 89,12 m
Breite: 13,28 m
Tiefgang: 3,40 m
Antrieb: 2 x MTU 1163 20V Diesel (je 7400 kW)

2 Wellen mit 2 Verstellpropellern

Geschwindigkeit: 26 kn
Seeausdauer:

ohne Tender
mit Tender

 
7 Tage

21 Tage

Fahrtstrecke: > 4000 Seemeilen bei 15 Knoten
Besatzung:

Spezialkräfte

58 Soldaten

+9 Soldaten

Bewaffnung
Sensoren: TRS-3D Multifunktions-Radar

2 Navigationsradare
MSSR 2000 i Freund-Feinderkennung
MIRADOR Elektrooptische Sensoren geplant: UAV Camcopter S-100

Schiffsgeschütze 1 x OTO Melara 76/62 Compact

2 x MLG 27

CIWS 2 x 21 Rolling Airframe Missile
Seezielflugkörper 2 x 2 RBS15 Mk3
Minenlegekapazität
Gegenmaßnahmen 2 Täuschkörperwurfanlagen TKWA/MASS

Elektronische Gegenmaßnahmen UL 5000 K

Die Korvetten der zweiten Braunschweig-Klasse (Klasse 130 bzw. K130) sind als Ergänzung für die Schnellboote der Deutschen Marine in der Beschaffung. Sie stellen eine neue Klasse zwischen „großen Schnellbooten“ und „kleinen Fregatten“ dar, verfügen über eine Reihe technischer Innovationen und sind somit ein für die Marine neues Waffensystem, was auch in der Klassifizierung als Korvette zum Ausdruck kommt.

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Wichtigste Aufgaben werden die Seeraumüberwachung, Aufklärung und Bekämpfung von See- und Landzielen sein. U-Jagd ist nicht vorgesehen, weshalb die Korvette K130 nicht mit einem Sonar zur Jagd von U-Booten ausgestattet ist. Erstmalig wird auf einem Schiff der Deutschen Marine eine nicht abgedunkelte Operationszentrale benutzt.

Im Unterschied zu den größeren Fregatten haben die Korvetten keinen Ersten Offizier und würden in der Marine deshalb eigentlich als „Boote“ bezeichnet. Die Führung des 1. Korvettengeschwaders bezeichnet die Korvetten aber als Schiffe und stellte klar, „dass die Korvetten in Größe, Bewaffnung, Seeausdauer und Einsatzgebiet den Kriterien eines Schiffes entsprechen“[1].

Entwicklung und Aufbau

Ursprünglich waren 15 Schiffe geplant, wovon aber aufgrund beschränkter Finanzmittel nur fünf beschafft werden. Diese ersten fünf Einheiten haben folgende Namen: Braunschweig, Magdeburg, Erfurt, Oldenburg und Ludwigshafen am Rhein.

Die Korvetten verfügen über Eigenschaften eines Stealth-Schiffs in Bezug auf Radar- und Infrarotsignatur[2] und bieten Platz für zwei Drohnen, deren Beschaffung eingeleitet worden ist. Für Unterbringung sowie Start und Landung der Drohnen sind ein kleiner Hangar und ein Landedeck, das auch von bemannten Hubschraubern genutzt werden kann, vorhanden. Technische Anlagen der Fregatte F124 (Sachsen-Klasse) wurden teils übernommen und weiterentwickelt.

Korvette Magdeburg (F 261)

Zur Bekämpfung von See- und Landzielen war ursprünglich das neue Waffensystem „Polyphem“, eine Boden-Boden-Rakete hoher Genauigkeit, geplant. Nachdem die Partnerländer Italien und Frankreich aus finanziellen Gründen aus dem Projekt ausstiegen, wurde es für Deutschland zu teuer, das System selbst fertigzustellen. Deshalb wird auf den neuen Korvetten nun der vorhandene schwere Seezielflugkörper RBS15 Mk3 installiert, der ebenfalls die Fähigkeit zur Landzielbekämpfung hat.[3] Eine zur Landzielbekämpfung optimierte Version RBS15 Mk4 befindet sich zur Zeit in der Entwicklung.[4]

Kiellegung des ersten Schiffs, der Braunschweig, war im Dezember 2004 auf der Werft Blohm + Voss in Hamburg. Weitere Mitglieder des Baukonsortiums sind die Friedrich Lürssen Werft in Bremen-Vegesack und die Nordseewerke GmbH in Emden. Am 16. April 2008 wurde die Braunschweig lss erstes Schiff in Dienst gestellt.

Mängel und Nachrüstungen

Technische Probleme

Aufgrund technischer Störungen und Mängel hat sich die Indienststellung der fünf Schiffe erheblich verzögert. Insbesondere die Leistung der Maschine, die Funktion der Ruderanlage sowie der computergesteuerten Bordsysteme erfüllten die von der Marine geforderten Parameter nicht und mussten überarbeitet werden. Bei der Braunschweig ereignete sich auf einer Probefahrt im Nord-Ostsee-Kanal zudem eine Grundberührung mit der steinernen Kanalböschung, die schweren Schaden an einem der beiden Propeller verursachte. Ersatzteile für die Reparatur werden von den anderen im Bau befindlichen Korvetten herangezogen, was wiederum deren Fertigstellung hinauszögern wird.[5]

Auch sollen die Schiffe nun doch mit einem ursprünglich aus Kostengründen gestrichenen Bugstrahlruder nachgerüstet werden, was ein seitliches Verschieben ermöglicht und die Havarie der Braunschweig wahrscheinlich verhindert hätte.

Weiterentwicklung

Camcopter S-100

Als zusätzlicher Sensor sollen Hubschrauberdrohnen des Typs Camcopter S-100 der österreichischen Firma Schiebel Elektronische Geräte beschafft werden. Ein Seriengerät dieses Typs wurde im August und September 2008 auf den Korvetten Braunschweig und Magdeburg ausgiebig erprobt.[6] Es soll mit einem elektro-optischen Sensor ausgestattet werden und sechs Stunden fliegen können. Um an Bord eingesetzt werden zu können, müssen die Camcopter angepasst werden. Sie sollen ein Landesystem mit Decksarretierung erhalten. Außerdem ist der Wankelmotor für den Betrieb mit Flugkraftstoff umzurüsten. Bis 2013 sollen drei Bodensegmente mit sechs fliegenden Plattformen beschafft werden.[7]

Die Marine beabsichtigt, mit hoher Priorität eine neue Korvettenklasse mit der Bezeichnung K 131 zu beschaffen.[8] Es ist noch nicht festgelegt, inwieweit sich diese neue Klasse von der Klasse 131 unterscheiden wird.

Einheiten, Geschwader und Standorte

  • F 260 Braunschweig (130/01): 1. Korvettengeschwader der Einsatzflottille 1 in Warnemünde. Das Typschiff der Klasse lief am 19. April 2006 bei der Hamburger Werft Blohm + Voss vom Stapel und wurde am 16. April 2008 in Warnemünde in Dienst gestellt.[2]
  • F 261 Magdeburg (130/02): 1. Korvettengeschwader der Einsatzflottille 1 in Warnemünde. Stapellauf war am 6. September 2006 bei der Bremer Lürssen-Werft, die Indienststellung am 22. September 2008 in Warnemünde.
  • F 262 Erfurt (130/03): 1. Korvettengeschwader der Einsatzflottille 1 in Warnemünde. Stapellauf war am 29. März 2007 bei den Nordseewerken in Emden.
  • F 263 Oldenburg (130/04): 1. Korvettengeschwader der Einsatzflottille 1 in Warnemünde. Stapellauf war am 28. Juni 2007 bei Blohm + Voss.
  • F 264 Ludwigshafen am Rhein (130/05): 1. Korvettengeschwader der Einsatzflottille 1 in Warnemünde. Stapellauf war am 26. September 2007 bei der Lürssen-Werft.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.presseportal.de/pm/67428/1339764/presse_und_informationszentrum_marine/rss
  2. a b Artikel über die Braunschweig-Klasse auf marine.de Abrufdatum: 13. Januar 2008, 18 Uhr
  3. Christiane Rodenbücher auf www.marine.de: Neue Aufgaben der Marine mit moderner Ausrüstung Abrufdatum: 13. Januar 2008, 18 Uhr
  4. Dieter Stockfisch in „Strategie und Technik“: Seeziel-Flugkörper RBS15 Mk4 Abrufdatum: 13. Januar 2008, 18 Uhr
  5. http://www.geopowers.com/Machte/Deutschland/Rustung/Rustung_2007/rustung_2007.html#K130Ungemach
  6. Marcus Bredick; Erfolgreiche UAV-Decklandeversuche; in: Marineforum 1/2-2009, S. 26
  7. Karl-Heinz Pitsch; Unbemanntes Aufklärungssystem für die deutsche Marine; in: Marineforum 5-2009, S. 11ff.
  8. Wolfgang E. Nolting; Bedeutung der Sicherheit zur See für freien Handel und politische Handlungsfähigkeit; in: Marineforum 3-2009, S. 3ff. [8f.]

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