Braunschweig-Neustadt
Wappen der Neustadt
Das Weichbild Neustadt um 1400 (gelb dargestellt)

Das Weichbild Neustadt ist das nördlichste der fünf Weichbilde des mittelalterlichen Braunschweig. Es hatte seit spätestens 1257 eine eigene Ratsverfassung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

Die Neustadt wurde planmäßig etwa ab dem Jahre 1200 angelegt, wobei strittig ist, ob Heinrich der Löwe noch bei der Planung dieser Teilstadt mitgewirkt hatte. Die drei wichtigsten Straßen, die das neue Siedlungsgebiet zunächst prägten, waren die Lange-, die Weber- und die Beckenwerkerstraße, von denen die erste das Siedlungsgebiet mit dem Hagenmarkt verband, die beiden anderen aber gemeinsam in den neuen Wollmarkt mündeten. Die Beckenwerkerstraße setzte sich darüber hinaus bis zum Werderhafen fort, der sowohl der Neustadt als auch dem Weichbild Hagen dazu diente, die um und durch Braunschweig fließende Oker mit Frachtkähnen befahren zu können. Anfänglich soll der eigentliche Markt der Neustadt wohl zwischen dem Neustadtrathaus und der Oker gelegen habe, wurde aber aufgrund zunehmender Bautätigkeit schließlich Richtung Wollmarkt verlegt.

Bebauung und Bevölkerung

Die Neustadt wird optisch von ihrer Pfarrkirche St. Andreas dominiert, die ab ca. 1225 am Wollmarkt entstand. Im Jahre 1401 wurde nur ein paar Meter südlich daneben eine Waage erwähnt und wahrscheinlich an deren Standort schließlich 1543 die „Alte Waage“, eines der imposantesten Fachwerkgebäude der Stadt, erbaut. Dieses Haus wurde am 10. Februar 1944 durch mehrere Bombentreffer sowie den Feuersturm vom 15. Oktober vollständig zerstört und seine Trümmer nach dem Kriege beseitigt. Von 1991-1994 wurde es aber z. T. unter Verwendung originaler Bestandteile sowie unter Zuhilfenahme der originalen Baupläne wieder aufgebaut. Wiederum nur wenige Meter von der Andreaskirche entfernt, diesmal aber im Osten, befindet sich die zwischen 1412 und 1422 errichtete Liberei, das einzige Gebäude der Backsteingotik in Braunschweig und das wahrscheinlich älteste freistehende Bibliotheksgebäude nördlich der Alpen.

Ursprünglich bestand die Bebauung rund um den Wollmarkt fast ausschließlich aus Fachwerkhäusern, die eng beieinander standen, es waren nur wenige Steinbauten vorhanden, neben der Liberei, das Achtermannsche Haus und das Neustadt-Rathaus. Da die Neustadt teilweise direkt an die Oker grenzt und noch heute von einigen ihrer Nebenarme durchzogen wird, gab es auch zwei Mühlen in diesem Stadtviertel, die seit 1328 belegt sind, von ihnen existiert die steinerne Neustadtmühle am Neustadtmühlengraben noch heute.

Ebenfalls zur Neustadt gehörte das 1433 extra für diese Siedlung im Nordwesten erbaute Neustadt-Tor, das zwischen dem älteren Petri-Tor und dem Wenden-Tor lag und eine Brücke über die Oker sowie die Wallanlagen in ihrem Gebiet schützte. Es wurde 1569 erneuert und am 27. November 1693 für immer geschlossen, wobei die Brücke abgerissen wurde. 1793 wurde auch das Neustadt-Tor beseitigt.

Die Bevölkerung bestand früher hauptsächlich aus Handwerkern wie Wollwebern und Beckenwerkern, auch wohnten hier einige Kaufleute aus dem Weichbild Altstadt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Die Neustadt wurde durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges, insbesondere durch den Bombenangriff in der Nacht auf den 15. Oktober 1944, fast vollständig zerstört. Einige wenige Gebäude wurden bis in die 1990er Jahre wieder aufgebaut, darunter die Alte Waage, das Achtermannsche Haus, das Neustadtrathaus, die Neustadtmühle und die Liberei. Andere Wohnquartiere und Straßenzüge in der Neustadt wurden so vollkommen zerstört, dass sie heute völlig aus dem Stadtbild verschwunden sind, so die Straßen Nickelnkulk, Rehnstoben und Geiershagen mitsamt ihrer Bebauung.

Bilder aus der Neustadt

Literatur

  • Camerer, Garzmann, Schuegraf, Pingel: Braunschweiger Stadtlexikon, Braunschweig 1992
  • Manfred R. W. Garzman (Hrsg.): Die Alte Waage in der Braunschweiger Neustadt. Ausgrabungsbefunde, Geschichte des Weichbildes Neustadt, Rekonstruktion und Platzgestaltung, in: Braunschweiger Werkstücke, Band 87, Braunschweig 1993
  • Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen – ihre Namen und ihre Geschichten, Band 1: Innenstadt, Cremlingen 1995
  • Karsten Kablitz: Die Alte Waage in Braunschweig. Bericht über die siedlungs- und bauarchäologischen Ausgrabungen auf dem Geländer der Alten Waage in der Braunschweiger Neustadt von Oktober 1988 bis Juni 1989, Braunschweig 1992
  • Robert Slawski: St. Andreas – Neustadt – Braunschweig, Braunschweig 1996

52.26827777777810.5204722222227Koordinaten: 52° 16′ N, 10° 31′ O


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