Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG

52.22335277777811.0103166666677Koordinaten: 52° 13′ 24,1″ N, 11° 0′ 37,1″ O

Unternehmenslogo der BKB

Die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG (BKB) war ein ehemaliges Bergbau- und Energieerzeugungsunternehmen mit Sitz in der niedersächsischen Kreisstadt Helmstedt in Deutschland. Seit dem 31. März 2008 wird die Geschäftssparte der Abfallverbrennung unter der Firmierung E.ON Energy from Waste AG weitergeführt.[1] Gleichzeitig wurde im Rahmen einer Umstrukturierung innerhalb des E.ON-Konzerns der Bergbau- und Kraftwerksbetrieb der BKB ausgegliedert und direkt der E.ON Kraftwerke GmbH zugeordnet.

Die BKB konnte auf eine über 130-jährige Geschichte der Braunkohlegewinnung und - verstromung verweisen. Im Bereich der Abfallverbrennung hatte das Unternehmen seit den 1990er Jahren die Marktführerschaft in Deutschland übernommen. Die BKB war zudem über viele Jahre das kleinste deutsche Unternehmen, das Braunkohle in Tagebauen gewann.[2]

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte

Verwaltungszentrale in Helmstedt im Jahr 2006

Die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG wurde am 26. Januar 1873 als Braunkohleförderungsunternehmen durch ein Berliner Bankenkonsortium in Helmstedt gegründet. Die Kohleförderung erfolgte ursprünglich sowohl im Tief- als auch im Tagebau-Verfahren in der Region zwischen Helmstedt und Staßfurt. Im Jahr 1888 begann die erste Stromerzeugung. In den Folgejahren wurden weitere Kraftwerke aufgekauft oder erbaut. Aus wirtschaftlichen Gründen erfolgte die Kohleförderung seit 1925 nur noch durch den Abbau in den umliegenden Tagebauen. Ende der 1920er Jahre übernahmen die PreussenElektra und die Elektrowerke AG Berlin die Aktienmehrheit an der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke AG.

Im Jahr 1950 wurde mit 7000 Beschäftigten die höchste Mitarbeiterzahl der Unternehmensgeschichte erreicht. Allerdings ergab sich gleichzeitig eine schwierige Situation für die BKB durch die direkte Lage ihrer Betriebe an der Innerdeutschen Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg. Dem Unternehmen gingen nach der endgültigen Grenzschließung am 26. Mai 1952 sowohl Abraumflächen als auch das Kraftwerk Harbke verloren, da diese auf dem Gebiet der DDR lagen und zum Volkseigentum erklärt wurden. In den Folgejahren mussten diese Defizite durch eigene Kraftwerksbauten auf westdeutscher Seite ersetzt werden. Bereits im Jahr 1954 konnte der erste Block des Kraftwerkes Offleben in Betrieb genommen werden.

Im Zuge der deutsch-deutschen Entspannungspolitik in den 1970er Jahren einigten sich beide deutsche Staaten erstmalig auf einen gemeinsamen Abbau der im Grenzverlauf liegenden Kohleflöze. Der Tagebau Helmstedt wurde daraufhin 1973 erschlossen.

Im Jahr 1985 ging das umstrittene Braunkohlekraftwerk Buschhaus ans Netz, das zwei Jahre später mit einer innovativen Rauchgasentschwefelungsanlage ausgerüstet wurde. 1986 wurde PreussenElektra zum alleinigen Mehrheitsaktionär der BKB.

Mit zunehmender Auskohlung der umliegenden Kohleförderungsstätten wurde seit 1990 verstärkt das Geschäftsfeld der Abfallverbrennung ausgebaut. Durch weitere Eingliederungen oder Neugründungen weiterer Entsorgungsbetriebe und Müllheizkraftwerke entwickelte sich die BKB-Gruppe zum bundesdeutschen Marktführer im Bereich der Abfallverbrennung und der daraus gewonnenen Strom- und Fernwärmeerzeugung.

Nach der Übernahme der PreussenElektra durch die E.ON Energie AG wurde auch die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG im Jahr 2000 ein Teil des E.ON-Verbundes. Im Zuge einer konzerninternen Umstrukturierung zum 31. März 2008 wird seitdem das Geschäftsfeld des Braunkohleabbaus und dessen Verstromung direkt von der E.ON Kraftwerke GmbH betrieben, die Energiegewinnung aus der Abfallverbrennung wird unter dem neuen Namen E.ON Energy from Waste AG fortgeführt.

In dem letzten Geschäftsbericht der BKB AG aus dem Jahr 2007 wurde eine Jahresumsatz von 191 Millionen Euro ausgewiesen, der von ca. 700 Mitarbeitern erwirtschaftet wurde.[3]

Betriebsanlagen und Tagebaustätten

Braunkohlekraftwerk Buschhaus

Im Laufe der über 130-jährigen Unternehmensgeschichte wurden u.a. folgende Anlagen betrieben:

Kraftwerke
  • Kraftwerk Harbke: erbaut 1908 und 1915 von der BKB übernommen, im Jahr 1952 von der DDR verstaatlicht und 1990 stillgelegt
  • Kraftwerk Offleben: erbaut in drei Kraftwerksblöcken (A, B und C) zwischen 1954 und 1972, stillgelegt 2002
  • Kraftwerk Buschhaus: seit 1985 in Betrieb; seit 2008 im Eigentum der E.ON Kraftwerke GmbH
Tagebaue
  • Tagebau Trendelbusch (1874-1916)
  • Tagebau Treue (1881-1993)
  • Tagebau Viktoria (1902-1963)
  • Tagebau Harbke (1922-1926)
  • Tagebau Anna (1922-1935)
  • Tagebau Jakobsgrube (1926-1931)
  • Tagebau Wulfersdorf (1936-1952)
  • Tagebau Alversdorf (1962-1991)
  • Tagebau Helmstedt (1973-2002)
  • Tagebau Schöningen (seit 1978)

In Klammern der Zeitraum der Nutzung.

Literatur

  • Werner Vogt, Andrea Dreifke-Pieper: Die Braunschweigische Kohlen- Bergwerke AG. Industriegeschichte des Helmstedter Reviers, Econ-Verlag, 2000, ISBN 3-43011-487-X

Einzelnachweise

  1. Mitteilung der Umfirmierung auf der Webpräsenz von E.ON Energy from Waste
  2. Tagebau und Rekultivierung bei der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke AG, VDI AK Umwelttechnik vom 12. Dezember 2003
  3. Geschäftsbericht 2007

Weblinks


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