AV-Überleitung
Klassifikation nach ICD-10
I44.- Atrioventrikulärer Block und Linksschenkelblock
I44.0 Atrioventrikulärer Block 1. Grades
I44.1 Atrioventrikulärer Block 2. Grades
I44.2 Atrioventrikulärer Block 3. Grades
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Ein AV-Block (atrioventrikulärer Block) ist eine häufige Herzrhythmusstörung. Dabei ist die Erregungsleitung zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern am Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) des Herzens verzögert, zeitweise oder dauerhaft unterbrochen.

Leichtere Formen des AV-Blockes können unbemerkt bleiben und bedürfen keiner Behandlung. Schwerere Formen führen zu einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie, Bradyarrhythmie). Im Extremfall kann es sogar zu einem kompletten Stillstand der Kammern kommen, was dann einer notfallmäßigen Medikamenten- und Herzschrittmacherbehandlung bedarf.

Inhaltsverzeichnis

Formen

1. AV-Block I. Grades

Hierbei ist die Erregungsleitung verzögert und es kommt zu einer verspätet einsetzenden Kontraktion der Herzkammern. Diese Störung ist an einer Verlängerung der PQ-Zeit (über 200 ms) im EKG oder an einer Verkürzung des Abstandes zwischen der bei der Füllung der linken Herzkammer entstehenden E- und A-Welle im Echo erkennbar. Sie bleibt oft subjektiv unbemerkt und bedarf meist keiner Behandlung.

2. AV-Block II. Grades

Die Erregungsleitung fällt teilweise aus. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Die PQ-Zeit wird immer länger. Schließlich wird sie so lang, dass eine Vorhoferregung gar nicht mehr übergeleitet wird und eine einzelne Kammerkontraktion ausfällt. Die darauf folgende Kammerkontraktion wird wieder normal übergeleitet. Dann beginnt die PQ-Zeit-Verlängerung wieder von neuem (Wenckebachperiodik). Die wissenschaftliche Definition eines Wenckebach-Blockes besagt, dass eine P-Welle nicht übergeleitet wird und die AV-Zeit der P-Welle vor dem Ausfall länger ist als die AV-Zeit der P-Welle nach dem Ausfall.
  • Plötzliches und unerwartetes Ausbleiben einer Kammeraktion auf eine Vorhoferregung, ohne dass das PQ-Intervall zuvor verlängert gewesen sein muss. Dabei kann auch regelmäßig nur jede 2., 3. oder 4. Vorhofaktion auf die Kammer übertragen werden (2:1- oder 3:1- oder 4:1-Block). Diese meist im His-Bündel lokalisierte Blockform wird als Mobitz-Block bezeichnet. Die Prognose ist im Vergleich zum Wenckebach-Block ungünstiger, da die Gefahr besteht, dass der Rhythmus in einen totalen AV-Block übergeht.
EKG bei AV-Block III. Grades.
P-Wellen (rote Pfeile) und QRS-Komplexe (blaue Pfeile) treten völlig asynchron auf.

3. AV-Block III. Grades

Vollständiger Ausfall der Erregungsleitung zwischen Vorhof und Kammer. Die Kammer bleibt stehen oder schlägt in einem langsamen Ersatzrhythmus asynchron zu den Vorhöfen weiter (sekundäre Schrittmacherzellen). Als Ersatzzentren kommen der AV-Knoten (Frequenz zwischen 40 und 55/min, schmale QRS-Komplexe) oder Muskelanteile in den Herzkammern (Frequenz zwischen 20 und 40/min, breite QRS-Komplexe) in Frage. Ein totaler AV-Block ist eine typische Indikation zur Implantation eines Herzschrittmachers.

Alle Formen des AV-Blocks können mittels Elektrokardiogramm (EKG) erkannt werden.

Ursachen eines AV-Blocks

Therapie

  • Keine bei asymptomatischen Formen (Patient ist beschwerdefrei)
  • Medikamentös mit Atropin oder Adrenalin nur kurzzeitig zur Überbrückung bis zur definitiven Versorgung mit einem Herzschrittmacher. Eine Dauertherapie mit Medikamenten ist unsicher, nebenwirkungsreich und gilt als veraltet.
  • Passagerer oder permanenter Herzschrittmacher bei Patienten mit Beschwerden

Siehe auch

Weblinks

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