AWO 700

Das Motorrad AWO 700 des Herstellers Awtowelo ist eine Weiterentwicklung des Wehrmachtsgespanns BMW R75, das in Eisenach bis Ende 1944 gebaut wurde. Entwickelt wurde die AWO 700 ursprünglich bei EMW (Eisenacher Motoren Werke) auf Basis der BMW R75 mit der Typenzeichnung 275 3. Es wurde nur eine Kleinserie hergestellt die nach der Erprobung durch die KVP dann doch nicht in Produktion ging.

Im Jahr 1951-52 erhielt das EMW Werk, Nachfolger des BMW-Werk in Eisenach, den Auftrag auf Grundlage der BMW R75, die bis 1944 in diesem Werk gefertigt wurde, eine neue verbesserte Ausführung zu konstruieren. Als wirkliche Neuerung darf die erfolgte Neukonstruktion des Motors angesehen werden. Der Motor erhielt ca. 700 cm³, wobei die Zylinder jeweils um 7° angehoben wurden, um mehr Bodenfreiheit zu erlangen.

Die Verbesserungen wurden auf Grund der Erfahrungen, welche mit den Wehrmachtsgespannen BMW R75 und Zündapp KS 750 erlangt wurden, durchgeführt. Das Boot wurde vorn verkürzt. Dies ist sinnvoll, damit man mehr Bodenfreiheit erhält beim Durchfahren von tiefen Bodenwellen. Die Zylinder wurden über das bei Zündapp KS 750 bereits vorgenommene Maß angehoben, um auch dort mehr Bodenfreiheit zu erlangen. Das Zündmagnet wurde absolut gekapselt untergebracht wie auch die Lichtmaschine.

Aber es wurden auch Teile bei der Vereinfachung verschlechtert. Das Kardangelenk wurde durch die einfache Gummischeibe wie bei den russischen Motorräder üblich ersetzt. Diese waren aber viel zu schwach und rissen häufig ab. Auch das Zündmagnet war keine solide Konstruktion.

Nur zehn Motorräder in verschiedener Ausführung sowie 14 Motoren sind beim Simson Werk (AWO) in Suhl hergestellt worden. Nach Aussagen von Simson Mitarbeitern, die an der Herstellung der Funktionsmuster beteiligt waren, erfolgte die Herstellung unter völliger Abschirmung in einer gesonderten Abteilung bei AWO, da es sich um die geheime Entwicklung eines militärischen Fahrzeuges handelte. Die KVP, das ist die Kasernierte Volkspolizei, holte alle Motorräder, Motoren und Unterlagen zur Erprobung ab und brachte sie zur Zentralen Entwicklungsstelle für Militärtechnik nach Hohenstein-Ernstthal.

Es blieb bei dieser Kleinserie der Versuchsfahrzeuge.

Die Versuchsfahrzeuge wurden in einer abgeschirmten Abteilung unter militärischer Geheimhaltung bei AWO in Suhl hergestellt und als AWO 700 an die KVP zur Erprobung ausgeliefert. Nach Aussagen von ehemaligen Mitarbeitern, die an der Herstellung bei AWO beteiligt waren, übernahm die KVP alle Kräder, Motoren und Unterlagen.

Ein ehemaliger Oberst der KVP erinnert sich, dass der neu konstruierte Motor und auch die umgestaltete Kardanwelle Probleme bereiteten. Die Kurbelwelle war nicht ausgereift und brach häufig direkt an der Schwungscheibe. Auch das vereinfachte Kardangelenk, welches von der russischen MK übernommen wurde, war zu schwach ausgelegt und riss häufig ab. Die AWO 700 wurde nach mehrmonatiger Erprobung als nicht truppentauglich beurteilt. Eine Weiterentwicklung ist dann aus unbekannten Gründen nicht mehr vorgenommen worden.

Bei AWO/Simson hat man nichts von dem Ergebnis der Erprobung und dem weiteren Verbleib der Kräder erfahren. Nach der Wende 1990 wurde vom Chef eines westdeutschen Kabelverlegungsunternehmens, welches im Osten Arbeiten ausführte, noch eine komplette AWO 700 in einem Bauernhof entdeckt und aufgekauft. Dieses Gespann besitzt heute ein Sammler im Rheinland. Der normalerweise üblichen Verschrottung nach der Erprobung entgingen einige Exemplare. Zwei sollen nach Schweden verkauft worden sein. Aber es wurde nie mehr was von ihnen gehört. Nur eine komplette originale AWO 700 überlebte in der DDR.

Der Motor

Der Motor ist eine Eigenkonstruktion der EMW. Aus der jahrelangen Erfahrung mit der BMW R75 (180° Motor) und der Zündapp KS 750 (170° Motor) hatte man den Schluss gezogen, dass es sinnvoll wäre die Zylinder höher zu setzen, um eine größere Bodenfreiheit unterhalb der Zylinderköpfe zu erreichen. Als Motor wurde deshalb ein 2-Zylinder-Boxer-Motor mit 166° Zylinderversatz konstruiert.

Technische Daten

  • 2-Zylinder-Boxermotor (166° Zylinderwinkel) mit 698 cm³ Hubraum und 30 PS
  • Getriebe und andere Daten sind wie bei der BMW R75
  • Das Zündmagnet ist von VEB Elektrik Karl-Marx-Stadt
  • Die Reifen von Reifenwerk Riesa
  • Die Vergaser sind von der Berliner Vergasergesellschaft

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