Brigitte Reimann

Brigitte Reimann (* 21. Juli 1933 in Burg (bei Magdeburg); † 20. Februar 1973 in Ost-Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin.

Brigitte Reimann (1963)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Brigitte Reimann wurde 1933 in Burg bei Magdeburg geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie zunächst als Lehrerin, 1955 begann sie zu schreiben. Als Schriftstellerin vertrat sie den Bitterfelder Weg, nach dem Autoren versuchen sollten, durch Arbeit in Betrieben einen engeren Kontakt zum Volk herzustellen. Walter Ulbricht berief die Autorin in die Jugendkommission beim Zentralkomitee der SED.[1] 1960 zog sie nach Hoyerswerda, wo sie bis 1968 wohnte. Während der Jahre in Hoyerswerda arbeitete sie im Kombinat Schwarze Pumpe. Aus dieser Tätigkeit heraus schrieb sie 1961 den Kurzroman Ankunft im Alltag. Er gab der so genannten Ankunftsliteratur den Namen. Sie war in dieser Zeit (1959 bis 1964) mit Siegfried Pitschmann verheiratet, mit dem sie mehrere gemeinsame Werke schuf. Von 1968 bis zu ihrem Tod 1973 wohnte sie in Neubrandenburg.

Brigitte Reimann erfuhr postum zahlreiche Ehrungen anlässlich ihres 70. Geburtstages im Jahr 2003. Unter anderem wurde in Hoyerswerda die Stadtbibliothek nach ihr benannt und in Neubrandenburg eine Brigitte-Reimann-Gedenkstätte eingerichtet. Ende März 2011 gab der Kunstverein Hoyerswerda bekannt, man sammle Geld, um in Hoyerswerda ein Denkmal für Brigitte Reimann zu errichten; genauere Pläne zur Ausgestaltung gebe es bereits.[2] Die Stadtbibliothek ihrer Geburtsstadt Burg trägt seit dem 20. Februar 1986 ihren Namen. 2004 wurde Reimanns Leben in der Fernsehproduktion Hunger auf Leben mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmt.

Auszeichnungen

Werke

Veröffentlichungen zu Lebzeiten

Posthum veröffentlicht

  • 1974: Franziska Linkerhand (Roman, unvollendet)
  • 1983: Brigitte Reimann in ihren Tagebüchern und Briefen (Auswahl, hrsg. von Elisabeth Elten-Krause und Walter Lewerenz)
  • 1993: Sei gegrüßt und lebe (Briefwechsel 1964 bis 1973 mit Christa Wolf)
  • 1997: Ich bedaure nichts (Tagebücher 1955 bis 1963)
  • 1998: Alles schmeckt nach Abschied (Tagebücher 1964 bis 1970)
  • 1998: Franziska Linkerhand (Roman, vollständige Ausgabe nach dem überlieferten Typoskript mit einem Nachwort von Withold Bonner und einem Beitrag von Angela Drescher)
  • 1999: Aber wir schaffen es, verlaß Dich drauf! (Briefe an eine Freundin im Westen)
  • 2001: Mit Respekt und Vergnügen (Briefwechsel mit Hermann Henselmann, hrsg. v. Ingrid Kirschey-Feix)
  • 2003: Grüß Amsterdam (Briefwechsel 1956 bis 1973 mit Irmgard Weinhofen)
  • 2008: Jede Sorte von Glück. Briefe an die Eltern.

Der Roman Franziska Linkerhand

Den Roman Franziska Linkerhand hinterließ Brigitte Reimann unvollendet.[5] Einige Literaturwissenschaftler hegten den Verdacht, dass dieses Werk vor der Veröffentlichung 1974 im Auftrag von SED-Funktionären teilweise verändert und einzelne Teile gestrichen worden waren. Im Jahre 1981 wurde der DEFA-Film Unser kurzes Leben nach Motiven des Romans gedreht und aufgeführt. Eine nach dem überlieferten Typoskript herausgegebene vollständige Ausgabe des Buches erschien 1998. Das Nachwort von Withold Bonner beschäftigt sich detailliert mit den Abweichungen zwischen dem Typoskript und der Ausgabe von 1974. Tatsächlich waren etwa 4% des Gesamttextes gestrichen worden, darunter viele Passagen, die sich kritisch mit der DDR auseinandersetzten.

Hörbücher

  • 2000: Ich bedaure nichts – Tagebücher 1955–1963. (Gelesen von Jutta Hoffmann.)
  • 2000: Alles schmeckt nach Abschied – Tagebücher 1964–1970. (Gelesen von Jutta Hoffmann.)
  • 2004: Ich bin so gierig nach Leben – akustisches Porträt. (Tagebuchauszüge und Passagen aus Franziska Linkerhand.)
  • 2006: Franziska Linkerhand. (Gelesen von Johanna Wokalek)

Verfilmungen

  • 1981: Unser kurzes Leben. Nach Motiven des Romans Franziska Linkerhand. Regie: Lothar Warneke, mit Simone Frost als Franziska Linkerhand.
  • 1990: Erster Verlust. Nach Motiven der Erzählung Die Frau am Pranger.
  • 2004: Hunger auf Leben basierend auf den Tagebüchern von Brigitte Reimann. Regie: Markus Imboden, mit Martina Gedeck als Brigitte Reimann.

Vertonungen

  • 2009: Linkerhand. Oper nach Motiven des Romans Franziska Linkerhand. Von Andrea Heuser (Libretto) und Moritz Eggert (Musik). UA Hoyerswerda/Görlitz (Regie: Sebastian Ritschel), Mai 2009.

Literatur

  • Margrid Bircken und Heide Hampel (Hrsg.): Brigitte Reimann – Eine Biographie in Bildern. Berlin 2004.
  • Heide Hampel: Reimann, Brigitte. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 334 f.
  • Heide Hampel (Hrsg.): Wer schrieb Franziska Linkerhand? – Brigitte Reimann 1933–1973 – Fragen zu Person und Werk. Literaturzentrum Neubrandenburg e.V., Neubrandenburg 1998.
  • Dorothea von Törne: Brigitte Reimann – Einfach wirklich leben. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-7466-1652-2.
  • Sabine Ranzinger: Und trotzdem haben wir immerzu geträumt davon. Siegfried Pitschmann über Leben, Lieben und Arbeiten mit Brigitte Reimann. Hörbuch. 1998.
  • Kunstverein Hoyerswerda: Brigitte Reimann - Spaziergang durch Hoyerswerda. 2003, ISBN 3-9808957-1-8.
  • Matthias Braun: Bücher waren ihr Alltag, Schreiben war ihr Leben. Brigitte Reimann im Spiegel der Stasi-Akten. In: Deutschland-Archiv, Bd. 38, 2005, 4, S. 625–633, ISSN 0012-1428, Deutschland-Archiv online
  • Hunger auf Leben – Das Leben der Brigitte Reimann. Fernsehfilm. MDR 2003. (Regie: Markus Imboden, mit Martina Gedeck als Brigitte Reimann.)
  • Barbara Wiesener: Von der bleichen Prinzessin, die ein purpurrotes Pferd über den Himmel entführte - das Utopische im Werk Brigitte Reimanns. Univ. Diss. Dr. phil., Potsdam 2003.
  • Helene und Martin Schmidt: Brigitte Reimann - Begnungen und Erinnerungen. 2006.
  • Kunstverein Hoyerswerda, Helene und Martin Schmidt: Was ich auf dem Herzen habe - Begegnungen mit Brigitte Reimann - Zeitzeugen berichten. 2008, ISBN 978-3-9808957-2-9.

Weblinks

 Commons: Brigitte Reimann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Angela Drescher in der Neuausgabe 1998 der „Franziska Linkerhand“, S. 633, 15. Z.v.o.
  2. Neues Deutschland, 29. März 2011, S. 35.
  3. Wiesener, S. 117, 15. Z.v.o.
  4. Wiesener, S. 128, 6. Z.v.u.
  5. Inhaltsangabe bei Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (zum)

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