A Study in Scarlet
Erste Veröffentlichung in Beeton's Christmas Annual, 1887

Eine Studie in Scharlachrot (engl. A Study in Scarlet) ist ein Kriminalroman von Arthur Conan Doyle und der erste Auftritt seines Detektivs Sherlock Holmes.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Die erste Buchausgabe von 1888

Arthur Conan Doyle schrieb die Studie in Scharlachrot im Alter von 27 Jahren. Er praktizierte damals noch als Arzt in Southsea in der Nähe von Plymouth, hatte aber schon einige Geschichten an Zeitschriften verkauft. Die Studie wurde mehrfach abgelehnt, bevor er 1886 mit Ward, Lock & Co. einen Verlag fand. Seine Verleger wiesen ihn aber darauf hin, dass der Markt mit billiger Prosa überschwemmt und eine baldige Veröffentlichung nicht zu erwarten sei. Doyle verkaufte die Rechte für £25, eine vergleichsweise geringe Summe. Der ursprünglich vorgesehene Titel war A Tangled Skein (dt. Ein verworrener Faden). Der Roman erschien erstmals im November 1887 im Magazin Beeton's Christmas Annual als Titelgeschichte. Das Magazin kostete einen Schilling und enthielt noch zwei Beiträge anderer Autoren. Bis Weihnachten war es ausverkauft. Von dieser Ausgabe des Beeton's Christmas Annual existieren heute nur noch 28 bestätigte Exemplare, die unter Sammlern einen hohen Wert haben. Eine vollständige, aber leicht beschädigte Ausgabe erzielte 2004 bei einer Versteigerung von Sotheby's in New York einen Preis von $153,600.[1] Die Fachpublikation Antique Trader Vintage Magazines Price Guide klassifizierte diese Ausgabe deshalb als das teuerste Magazin der Welt.[2]

Als Buch erschien die Studie zum ersten Mal 1888 beim selben Verlag, die Illustrationen stammten von Charles Altamont Doyle, dem Vater Arthur Conan Doyles. Eine zweite Auflage kam nur ein Jahr später heraus, diesmal mit Illustrationen von George Hutchinson.

Die erste deutschsprachige Ausgabe brachte der Verlag Lutz aus Stuttgart 1894 unter dem Titel Späte Rache in einer Übersetzung von Margarete Jacobi heraus.

Inhalt

Der Roman besteht aus zwei Teilen: Der erste stellt Watsons Aufzeichnungen dar. Watson berichtet wie er Sherlock Holmes kennenlernt, und ihn bei der Aufklärung eines Mordfalls begleitet und unterstützt.

Im zweiten Teil wird die Vorgeschichte des Mordes erzählt. Sie spielt in einer Mormonengemeinde in Utah.

Zum Abschluss spricht noch einmal Watson, und bringt durch seine abschließenden Bemerkungen beide Teile zusammen.

Teil I

Der erste Teil trägt die Überschrift „Aus den Erinnerungen von Dr. John H. Watson M.D., ehemals Mitglied des Medizinischen Dienstes der Armee“.

Watson und Holmes lernen sich 1881 kennen und beziehen gemeinsam eine Wohnung in der Baker Street. Dies ist der Beginn der berühmten Freundschaft zwischen ihnen.

Während sie sich noch miteinander vertraut machen, trifft ein Brief von Tobias Gregson ein, der Holmes bittet, ihm bei einem ungeklärten Todesfall nahe der Brixton Road in Lauriston Gardens zu helfen. Drebber, der Ermordete, liegt in einem verlassenen Haus. An der Wand steht das deutsche Wort „Rache“, geschrieben mit Blut. Bei dem Toten findet Holmes den Ehering einer Frau. In den Räumen ist Blut, jedoch nicht Drebbers, da dieser völlig unverletzt scheint.

Um dem Täter eine Falle zu stellen, gibt Holmes eine Zeitungsannonce auf, in der er angibt, einen Ehering gefunden zu haben, abzuholen bei Dr. Watson. Eine alte Frau, Mrs. Sawyer, kommt in die Baker Street, um den Ring abzuholen, den angeblich ihre Tochter verloren hat. Holmes folgt ihr, indem er auf ihre Droschke springt, da er sicher ist, dass sie ihn zum Mörder führt. Als die Droschke anhält, ist die Frau nicht mehr darin, und die von ihr genannten Adressen stellen sich als falsch heraus. Holmes folgert daraus, dass die alte Dame ein junger Mann ist, der sich verkleidet hat, um ihn zu täuschen.

Während Sherlock Holmes noch über diese Niederlage nachdenkt, erscheint Inspektor Gregson von Scotland Yard am nächsten Tag, um mitzuteilen, dass er Arthur Charpentier, den Sohn der Pensionsbesitzerin, bei der Drebber gewohnt hat, als Tatverdächtigen verhaftet hat. Kurz darauf kommt Inspektor Lestrade, ebenfalls von Scotland Yard, und erzählt von der Ermordung Stangersons, Drebbers Privatsekretärs und Reisegefährten, in der Pension. Lestrade fand in Stangersons Hotelzimmer zwei Pillen, an denen Holmes demonstriert, wie Drebber mit Gift in eben solchen Pillen ermordet wurde. Stangersons Leiche weist jedoch Gewalteinwirkungen auf, er wurde durch einen tiefen Einstich auf der linken Seite umgebracht.

Als es an der Tür klopft, kommt das Straßenkind Wiggins, Teil der „Baker-Street-Spezialeinheit“, mit einem Kutscher herein. Holmes legt dem Kutscher Handschellen an und verhaftet ihn als Jefferson Hope, den Mörder von Drebber und Stangerson.

Teil II

Der Titel des zweiten Teils lautet „Das Land der Heiligen“.

Im US-Bundesstaat Utah droht die Liebe zwischen Jefferson Hope und Lucy Ferrier an den religiösen Machtstrukturen ihrer Gemeinde zu scheitern. Drebber und Stangerson wollen beide Lucy zur Frau gewinnen; sie haben Einfluss und Macht, ihre Werbung gegen die von Hope durchzusetzen.

Hope versucht, mit Lucy und ihrem Vater zu fliehen. Als er das Lager verlässt, werden Lucy und ihr Vater von den Verfolgern eingeholt. Ihr Vater kommt ums Leben und Lucy wird zur Ehe mit Drebber gezwungen. Sie stirbt kurz darauf, während Hope Rache schwört. Drebber und Stangerson flüchten bis nach England, wohin Hope ihnen schließlich folgt.

Rezeption

Eine Studie in Scharlachrot ist einer von nur vier Romanen über Sherlock Holmes. Die weiteren Fälle seines Helden beschrieb Doyle in 56 Kurzgeschichten.

Der Roman weist einige kleine Abweichungen von späteren Sherlock-Holmes-Geschichten auf, zum Beispiel berichtet Watson hier von einer Schulterwunde, die er in Afghanistan im Krieg erhalten hat, in späteren Erzählungen handelt es sich um eine Beinwunde.

Der englische Autor Neil Gaiman veröffentlichte in der Doyle gewidmeten Kurzgeschichtensammlung Schatten über Baker Street eine autorisierte Pastiche mit dem Titel Eine Studie in Smaragdgrün. Dort treffen die Helden von Doyle auf die Welt von H. P. Lovecraft.

Illustrationen

Sherlock Holmes gezeichnet von Friston

Von Beginn an ließen die Verleger mit wenigen Ausnahmen die Ausgaben von Sherlock Holmes-Werken illustrieren. Neben dem inhaltlichen Kanon hat sich deshalb auch ein Bilder-Kanon etabliert, der das Bild von Sherlock Holmes nachhaltig geprägt hat. Die Studie in Scharlachrot haben mehrere Zeichnergenerationen über 120 Jahre hinweg immer neu interpretiert, mit zum Teil großen stilistischen und auch qualitativen Unterschieden.

Für die Ausgabe des Beeton's Christmas Annual steuerte der Illustrator D. H. Friston insgesamt vier Zeichnungen bei, darunter die erste bildliche Darstellung von Sherlock Holmes überhaupt. Holmes hält dabei schon sein typisches Requisit, die Lupe, in Händen.

Für die erste Buchausgabe verpflichtete der Verlag den Vater von Arthur Conan Doyle, Charles Altamont Doyle, der zwar ein ambitionierter, aber weder ein professioneller noch sehr talentierter Zeichner war. Auch er illustrierte die Geschichte mit vier Zeichnungen, die jedoch qualitativ weder an Friston noch an seine Nachfolger heranreichen. Der Verlag ersetzte ihn bei der zweiten Auflage durch George Hutchinson.

Waren Friston und Doyle noch mit vier Zeichnungen ausgekommen, bebilderte Hutchinson die Handlung mit 40 Zeichnungen. James Greig illustrierte die Geschichte 1895 für das Windsor Magazine, in dem sie als Fortsetzungsroman veröffentlicht wurde und fasste sie in 7 Bildern zusammen.

Die ersten deutschen Illustrationen kamen von Richard Gutschmidt. Er zeichnete 24 Bilder für die Ausgabe des Stuttgarter Lutz-Verlages im Jahr 1902. Er illustrierte später noch 6 weitere Holmes-Geschichten.

Eine moderne Interpretation stammt vom dänischen Künstler Nis Jessen, dessen Ausgabe von A Study of Scarlet mit über 600 Zeichnungen erstmals komplett bebildert ist.


Verfilmungen

Eine Studie in Scharlachrot wurde mehrfach verfilmt, aber selten vollständig, meist lag die Betonung auf dem ersten Teil, der die erste Begegnung von Holmes und Watson beschreibt.

Die ersten Verfilmungen stammen noch aus der Stummfilmzeit. A Study of Scarlet war 1914 die erste britische Sherlock-Holmes-Verfilmung überhaupt. Der Hauptdarsteller James Bragington, der Sherlock Holmes spielte, war kein Schauspieler, sondern Buchhalter, er bekam die Rolle, weil er den Zeichnungen von Alfred Gilbert aus dem Strand Magazine ähnlich sah. Es blieb sein einziger Auftritt vor einer Filmkamera. Von diesem Film existieren heute keine Kopien mehr.[3]

Im gleichen Jahr wurde die Geschichte auch in den USA von Francis Ford verfilmt, der als Regisseur und Holmes-Darsteller agierte. Die Rolle des Dr. Watson spielte sein Bruder John Ford, der später einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods werden sollte. Obwohl noch zu seinen Lebzeiten gedreht verdiente Doyle mit beiden Verfilmungen kein Geld, da er für die £25 sämtliche Rechte an den Verlag abgetreten hatte.

Die bekannteste Verfilmung ist Eine Studie in Scharlachrot von 1933, der Film übernahm aber vor allem den Titel, während die Handlung kaum eine Ähnlichkeit mit dem Roman aufweist.

Am engsten an die Vorlage hält sich Sherlock Holmes and a Study in Scarlet von 1983, der allerdings kein Realfilm, sondern ein Trickfilm ist. Peter O’Toole lieh Sherlock Holmes seine Stimme.

Ausgaben

Deutschsprachige Erstausgabe

  • Späte Rache. Übersetzt von Margarete Jacobi. Lutz, Stuttgart 1894.

Weitere Ausgaben

  • Eine Studie in Scharlachrot. Übersetzt von Gisbert Haefs. Kein & Aber, 2005. ISBN 3-03695-143-1

Hörbücher

  • Eine Studie in Scharlachrot, Naxos. ISBN 3-89816-151-X

Literatur

  • Samuel Rosenberg: Naked Is the Best Disguise: Death and Resurrection of Sherlock Holmes, Arlington Books Publishers Ltd, 1975. ISBN 0-85140-237-2

Siehe auch

Quellen

  1. Beeton's Christmas Annual 1887: An Annotated Checklist and Census
  2. Russell, Richard and Elaine Gross Russell, Antique Trader Vintage Magazines Price Guide, Iola, Wisconsin, kp books, 2005
  3. imdb.com

Weblinks


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