A midsummer night's dream
Study for The Quarrel of Oberon and Titania, Joseph Noel Paton, um 1849

Die Komödie Ein Sommernachtstraum (engl. A Midsummer Night's Dream, der korrekte deutsche Titel wäre also Ein Mittsommernachtstraum, auch um den Sinn nicht zu verfremden) wurde 1595 oder 1596 von William Shakespeare geschrieben und vor 1600 uraufgeführt.

Das Stück ist eines der meistgespielten Shakespeare-Stücke. In den englischsprachigen Ländern ist der Sommernachtstraum ein Klassiker für Schul- und Laientheaterinszenierungen. Auch im Film Club der toten Dichter wird dieses Stück von den Welton-Schülern gespielt.

Das Stück wird sehr oft auch als Ballett aufgeführt (z. B. im Januar/Februar 2004 in der Semperoper in Dresden). Es lieferte die Vorlage für verschiedene Opern, so The Fairy Queen (1692) von Henry Purcell, Le Songe d'une nuit d'été (1850) von Ambroise Thomas und A Midsummer Night's Dream (1960) von Benjamin Britten. Sehr bekannt wurde auch die Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch moderne Autoren haben sich auf den Sommernachtstraum bezogen, so etwa Botho Strauß in Der Park (1983) und Neil Gaiman in The Sandman – Dream Country (1991).

Inhaltsverzeichnis

Ein Sommernachtstraum - Die Handlung

Akt I, Szene 1

Die erste Szene spielt in Athen. Theseus, Herzog von Athen, und Hippolyta, Königin der Amazonen, wollen heiraten. Da erscheint Egeus, ein Athener, gefolgt von seiner Tochter Hermia und dem jungen Athener Lysander, die ein Liebespaar sind. Egeus jedoch hält Demetrius für die bessere Wahl. Dieser ist vernarrt in Hermias Schönheit und hat bei Egeus auch schon um ihre Hand angehalten. Davor hatte er sich aber bereits mit Helena, einer Freundin Hermias verlobt. Egeus verlangt, dass Hermia bestraft werde, wenn sie seiner Forderung, Demetrius zu heiraten, nicht entspreche. Theseus erklärt, sollte sich Hermia weiterhin nicht dem Willen des Vaters fügen, müsse sie entweder in ein Nonnenkloster oder sterben. Der Herzog setzt ihr eine Frist, in der sie sich entscheiden soll. Nachdem Egeus und Demetrius zu einem vertraulichen Gespräch mit Theseus gebeten wurden, entwickeln Lysander und Hermia einen Plan, um aus Athen zu fliehen. Als Helena, die Freundin Hermias, kommt, erzählen ihr die beiden, dass sie sich am Abend des nächsten Tages in einem Wald treffen und fliehen wollen. In der Hoffnung, dass der von ihr Geliebte sich dankbar zeigen möge, verrät Helena den Plan an Demetrius.

Akt I, Szene 2

Szenenwechsel: Unter der Leitung von Peter Squenz treffen sich sechs Athener Handwerker, die das Stück Pyramus und Thisbe (nach Ovid) auf der Feier bei der Hochzeit von Theseus und Hippolyta aufführen wollen. Sie verteilen die Rollen und verabreden sich für den folgenden Abend zur Probe im Wald.

Akt II,Szene 1

In eben diesem Wald streiten sich an besagtem Abend Oberon, König der Elfen, und Titania, Königin der Elfen, die einen jungen indischen Prinzen aufgenommen hat, den Oberon herausverlangt. Oberon will Titania einen Streich spielen. Er gibt seinem vertrauten Elf Puck, auch Robin Gutfreund (Robin Goodfellow) genannt, den Auftrag, eine bestimmte Blume zu holen, die einst von Cupidos Pfeil getroffen wurde. Der Nektar dieser Blume, kommt er in die Augen eines Schlafenden, sorgt dafür, dass dieser sich in die nächste lebende Kreatur verliebt, die er sieht. So soll es mit Titania geschehen. Während Puck unterwegs ist, kommen Demetrius, der Lysander und Hermia sucht, und Helena, die ihm gefolgt ist. Oberon beobachtet den Streit der beiden und gibt Puck, als er zurückkommt, den Auftrag, nach einem jungen Athener zu suchen, der von einer Frau verfolgt wird, und ihm etwas von dem Saft auf die Augenlider zu tun.

Akt II, Szene 2

Oberon findet wenig später die schlafende Titania und tropft ihr den Nektar der Blume in die Augen. Hermia und Lysander legen sich im Wald schlafen. Bald darauf erscheint Puck, hält Lysander für den gesuchten jungen Athener und verbreitet den Nektar auf seinen Augenlidern. Dann kommen Helena und Demetrius. Helena sieht den schlafenden Lysander und stolpert über ihn; er verliebt sich in sie und folgt ihr. Kurz darauf erwacht Hermia, stellt fest, dass Lysander verschwunden ist, und zieht alleine weiter.

Akt III, Szene 1

Mittlerweile haben sich die Handwerker zu ihrer Probe eingefunden. Puck kommt dazu und verwandelt den Kopf des Webers Niklaus Zettel (engl.: Nick Bottom) in den eines Esels. Daraufhin führt er ihn zu Titania, die aufwacht und sich in das Ungetüm verliebt.

Akt III, Szene 2

Oberon, der sich darüber köstlich amüsiert, entdeckt kurz darauf Pucks Fehler hinsichtlich Lysander. Er befiehlt Puck, Helena zu holen, und wendet selbst das Mittel bei Demetrius an. Als Helena erscheint, wacht Demetrius auf und verliebt sich in sie. Nun lieben beide, Lysander und Demetrius, Helena. Hermia tritt auf und fühlt sich von den Dreien aufs Übelste verspottet. Oberon erkennt das Chaos und befiehlt Puck, es rückgängig zu machen. Dieser sorgt dafür, dass die vier jungen Menschen aus Athen getrennt voneinander einschlafen und wendet nochmals den Nektar bei Lysander an.

Akt IV, Szene 1

Nachdem Titania sich bereit erklärt hat, den indischen Prinzen an Oberon herauszugeben, befreit dieser sie von der Wirkung des Liebesnektars. Puck spricht einen Zauber, so dass Zettel sein ursprüngliches Aussehen zurückerhält. Am nächsten Morgen finden Theseus, Hippolyta und Egeus die schlafenden Liebenden. Pucks Zauber wirkt: Lysander liebt Hermia so wie sie ihn, und auch Demetrius und Helena sind ein glückliches Paar. Theseus lädt sie ein, zum großen Hochzeitsfest zu kommen.

Akt IV, Szene 2

Die Handwerker finden Zettel und bereiten sich für das Vorspiel auf der Dreifachhochzeit vor.

Akt V, Szene 1

Die Handwerker spielen das Stück über Pyramus und Thisbe dem belustigten Publikum vor. Zum Schluss kommt noch einmal Puck auf die Bühne und spricht direkt zum Publikum. Er bittet sie, wenn ihnen das Stück nicht gefallen hat, es als einen Traum zu betrachten. Wenn es ihnen aber gefallen hat, sollen sie klatschen. In Shakespeares Worten: Give me your hands, if we be friends and Robin shall restore amends.

Datierung des Stücks

Die korrekte Datierung des Stücks ist nicht gesichert. Die am Anfang erwähnte mögliche Datierung des Stücks zwischen 1595 und 1596 basiert auf den folgenden Indizien:[1]

  • Beim Tauffest von Prince Henry am 30. August 1594, während König James anwesend war, wurde ein Wagen von einem Mohr gezogen. Dieser Wagen hätte von einem Löwen gezogen werden sollen. Da jedoch der Löwe den Anwesenden Angst hätte einjagen können oder da die Lichter und Lampen den Löwen aufregen hätten können, wurde entschieden, dass der Mohr den Platz des Löwen einnehmen sollte. Da im Theaterstück der Handwerker ein Löwe vorkommen sollte und besonders da die Handwerker bedenken, ob der Löwe nicht zuviel dramatische Illusion darstellt, obwohl er im Sommernachtstraum gerade nicht furchteinflößend ist, deutet auf einen eingebauten Scherz. Dies bedeutet, dass Herbst 1594 der früheste Zeitpunkt für den Sommernachtstraum darstellen kann.
  • Titania klagt Oberon an, dass das schlechte Wetter und alle Plagen nur von ihrem Streit herrühren. Bemerkenswert schlechtes Wetter herrschte von März 1594 an bis zum Jahresende, mit Ausnahme von August; gefolgt von schlechten, nassen Sommern in den Jahren 1595 und 1596. Die Uebereinstimmung mit der großen Rede von Titania, in welcher außerordentlich schlechtes Wetter und die Konfusion der Jahreszeiten beklagt wird, ist der zweite Hinweis für die Datierung des Stücks.
  • Im Sommernachtstraum fallen 2 Passagen auf, welche mit dem Stück Romeo und Julia eng verknüpft sind. Hermia ist Demetrius versprochen, liebt aber Lysander. Der Vater Egeus verstößt eher seine Tochter, als dass er in die Heirat mit Lysander einwilligt. Pyramus und Thisbe sterben wie Romeo und Julia. Shakespeare brauchte einen possenhaften Gegenpart zum Trotz von Hermia und Lysander bezüglich dem väterlichen Verdikt und muss auf Ovid zurückgegriffen haben. Somit ist der Sommernachtstraum zeitlich eng mit Romeo und Julia verknüpft.
  • Wahrscheinlich wurde der Sommernachtstraum für eine Hochzeit vorgesehen. Der Sommernachtstraum hat manche Charakteristiken eines Hochzeits-Stücks, da diese textlich eher kürzer waren und andererseits mit Songs und Tänzen "aufgefüllt" wurden. Die Songs und die Verfügbarkeit von Buben, welche die Elfen spielten und der verschwenderische Umgang mit Musik legt nahe, dass Shakespeare auf größere Ressourcen zählen konnte als normal im öffentlichen Theater. Es gibt wenig Zweifel, dass Shakespeare das Stück "The Merry Wifes of Windsor" für den Ritterschlag von Sir George (Lord Chamberlain of the Household) schrieb, wobei Shakespeare für eine Szene zusätzliche Buben brauchte, welche singen konnten. Solche Buben wurden auch beim Sommernachtstraum gebraucht. Sir George hielt in seinem Haushalt auch ein musisches Establishement woher diese Buben wahrscheinlich kamen. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Shakespeare auf diese Quelle für seinen Sommernachtstraum zurückgriff. Sir George war ein bedeutender Förderer von Musik und ließ Robert Johnson (später 10 Jahre lang Komponist der Shakespeare Company) eine musische Ausbildung zukommen.
  • Es ist wahrscheinlich, dass Queen Elisabeth I bei der Erstaufführung anwesend war. Diese Feststellung basiert auf zwei Komplimenten, welche im Stück eingebaut sind und auf die Queen zugeschnitten erscheinen. Es erscheint natürlich, dass Shakespeare diese Komplimente ins Stück einbaute, weil er wusste, dass die Queen erscheinen würde. Der Blick auf den Kalender der königlichen Hochzeiten in den Jahren 1594 bis 1598 suggeriert 2 Möglichkeiten. Die spätere und wahrscheinlichere Möglichkeit war die Heirat zwischen Elizabeth Carey und Thomas, Sohn von Henry, Lord Berkeley, am 19. Februar 1596. Allerdings sind keine Details bekannt und somit auch nicht, ob die Queen anwesend war. Jedoch war Elizabeth Carey eine Patentochter der Queen aber auch Enkelin von Henry, Lord Hunsdon, welcher der Lord des königlichen Haushaltes (Lord Chamberlain) und der Queen's Cousin war. Lord Hunsdons's Sohn (Sir George, der spätere Lord Chamberlain und der Vater von Elizabeth Carey) war von der Queen offenkundig geschätzt. Ein Theaterstück, bei welchem Musik ein integraler Bestandteil ist, wäre ja auch ideal um Sir George, den Vater der Braut und Sohn des Patrons der Shakespeare Company an der Hochzeit seiner Tochter zu erfreuen.

Die Hypothese, welche die meisten Tatsachen und Möglichkeiten vereint (und doch eine Hypothese bleibt), ist, dass der Sommernachtstraum im Winter 1595/ 1596 für die Heirat der Careys vom 19. Februar 1596 geschrieben wurde. Mit Vertrauen kann das Stück zwischen Herbst 1594 und Frühling 1596 datiert werden und mit Sicherheit vor 1598.

Quellen des Stücks

Besonders interessant an der Komödie Ein Sommernachtstraum sind die Quellen, da sich keine direkte Vorlage, wie beispielsweise zu Die Komödie der Irrungen, finden lässt. Der Plot besteht aus vier Handlungssträngen:

  • die Herrscherhochzeit geht auf Plutarchs Bíoi parálleloi und auf Chaucers Canterbury Tales (The Knight's Tale) zurück.
  • die aristokratischen Liebeswirren weisen Ähnlichkeiten mit Paaren aus Sidneys Arcadia auf.
  • die Handwerker versuchen sich an der Tragödie von Pyramus und Thisbe, welche die Elisabethaner vor allem aus Goldings Übersetzung von den Metamorphosen (Ovid) kannten und in welcher Shakespeare das hohle Pathos der Seneca-Übersetzer und -Nachahmer karikiert. Zettels Verwandlung in einen Esel dürfte aus Apuleius' Metamorphosen entnommen worden sein.
  • die Intrigen der Feenwelt ergeben sich aus Elementen aus Spensers Epos The Faerie Queene, Greenes Lustspiel James IV, der französischen Romanzendichtung (Huon de Bordeaux), Ovids Metamorphosen (Titania) und mündlich überlieferten Volkssagen, aus denen vor allem Puck und die Elfen entstammen.

Theater

Ein Sommernachtstraum war die Hauptproduktion des Liverpool Shakespeare Festival, welches vom 31. Juli bis 7. September 2008 in der Anglikanischen Kathedrale und im benachbarten historischen St. James Friedhof neu inszeniert wurde und das Glanzstück in Liverpools Jahr als Europäische Kulturhauptstadt darstellte. Zusätzlich präsentierte das Liverpool Shakespeare Festival auch eine Produktion des Globe Theater aus London, welches anlässlich der Feiern zum ersten Mal Liverpool besuchten.

Trivia

Der britische Fantasyautor Terry Pratchett hat das Drama in seinem Buch Lords & Ladies aus der Scheibenwelt-Reihe humorvoll eingeflochten.

Quellen

  1. Introduction" von The Arden Shakespeare, Edited by Harold F. Brooks

Literatur

  • Peter Holland (Hrsg.): A Midsummer Night's Dream. OUP, Oxford 1995, ISBN 0192814567
  • Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2000, ISBN 3520386046
  • Terry Pratchett: "Lords und Ladies. Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt (Taschenbuch)". Goldmann (2000). ISBN 3442446759

Weblinks

Vertont

Siehe auch

Wichtige Verfilmungen


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