Aa (Orchideen)
Aa
Aa spec.

Aa spec.

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Cranichideae
Untertribus: Cranichidinae
Gattung: Aa
Wissenschaftlicher Name
Aa
Rchb.f.

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Die Gattung Aa aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae) umfasst 26 Pflanzenarten, die alle in Hochlagen der Anden vorkommen. Die kleinen, ausdauernden Pflanzen wachsen terrestrisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Alle Arten dieser Gattung bilden eine grundständige Rosette aus spiralig angeordneten Blättern. Die Blätter sind länglich-oval bis lanzettlich geformt, spitz endend, manchmal von dicker, fleischiger Textur. Die Blätter treiben meist erst nach der Blütezeit aus. Die Wurzeln sind dick und fleischig, manchmal behaart.

Der traubige Blütenstand erscheint seitlich des beblätterten Sprosses. Der Blüten tragende Spross ist mit lose den Stängel umfassenden, scheidigen, durchscheinenden Hochblättern besetzt, nicht aber mit Laubblättern. Unten ist er unbehaart, im oberen Bereich jedoch häufig drüsig behaart. Die kleinen Blüten sitzen dicht beieinander am Ende der Blütenstandsachse. Sie sind von papierartigen Hochblättern umgeben, die die Blüte an Größe meist übertreffen und zur Blütezeit zurückgeschlagen sind. Der Fruchtknoten ist nicht gestielt, unbehaart oder drüsig behaart. Die Blüten sind nicht resupiniert. Die Blütenblätter sind - im Gegensatz zu Altensteinia - kaum behaart. Die Sepalen gleichen einander, sie sind frei oder manchmal an der Basis für ein kurzes Stück miteinander verwachsen. Die Petalen sind schmaler geformt. Die Lippe ist halbkugelig und sitzt wie eine Haube über der Blüte, am Grund ist sie mit zwei Schwielen versehen, der Rand ist gefranst und nach innen geschlagen. Das Gynostemium ist ebenfalls unbehaart und sehr kurz. Das Klinandrium (ein Gewebe an der Spitze des Gynostemium, über der Anthere) ist stark reduziert. Das Rostellum (ein Trenngewebe zwischen Anthere und Stigma) ist kurz und liegt quer zur Säulenachse. Das Stigma selbst ist groß, breit und nierenförmig. Der Pollen ist in vier weiche Pollinien organisiert, sie sind linealisch geformt. Die Blüten verströmen einen unangenehmen Geruch, der mit der Anlockung von Fliegen als Bestäuber zusammenhängen könnte.[1]

Verbreitung

Die meisten Arten finden sich in den Hochlagen der Anden in Südamerika sowie in Costa Rica oberhalb der Baumgrenze in Höhen von 3000 - 4400 Metern. Sie kommen dort in den Páramo genannten Grasflächen, in Mooren, in Bambusdickichten, lichten Gebüschen und Weinmannia-Wäldern vor.

Systematik und Botanische Geschichte

Erste wissenschaftliche Beschreibungen dieser Orchideen lieferte Karl Sigismund Kunth, der eine Art 1815 zuerst Ophrys paleacea, später dann Altensteinia paleacea nannte. Heinrich Gustav Reichenbach unterteilte die Gattung Altensteinia im Jahre 1854 und beschrieb die Gattung Aa mit zwei Arten, Aa paleacea und Aa argyrolepis. In der Erstbeschreibung gibt Reichenbach keine Erklärung für den ungewöhnlichen Namen Aa.[2] Es gibt die Vermutung, er habe den Namen gewählt, um in alphabetisch sortierten Listen immer an erster Stelle aufzutauchen.[3] Es könnte aber auch eine Ehrung Pieter van der Aas sein, der Drucker von Paul Hermanns Paradisus Batavus.[4] Eine dritte Möglichkeit ist, dass sich der Name als Verkürzung von der nahe verwandten Gattung Altensteinia ableitet. Einige Jahre später machte Reichenbach seine Einteilung wieder rückgängig und stellte alle Arten wieder zu Altensteinia, Rudolf Schlechter stellte 1912 wiederum die Trennung her: inzwischen waren deutlich mehr Arten bekannt, die eine erneute Trennung sinnvoll erscheinen ließen.

Die meisten Arten scheinen sich überwiegend durch Selbstbestäubung fortzupflanzen. Innerhalb einzelner Populationen sehen die Pflanzen deshalb recht gleichförmig aus, zu benachbarten Populationen derselben Art können allerdings deutliche Abweichungen auftreten. Da die Beschreibungen der Arten nur auf sehr begrenzten Sammlungen beruhen, die nicht die ganze Variationsbreite umfassen, ist der taxonomische Status und die Abgrenzung der Arten unsicher.[5]

Es sind folgende 26 Arten bekannt:[6]

  • Aa achalensis Schltr., Zentral-Argentinien, San Luis, Córdoba
  • Aa argyrolepis (Rchb.f.) Rchb.f., Kolumbien bis Ecuador
  • Aa calceata (Rchb.f.) Schltr., Peru bis Bolivien
  • Aa colombiana Schltr., Kolumbien bis Ecuador
  • Aa denticulata Schltr., Kolumbien bis Ecuador
  • Aa erosa (Rchb.f.) Schltr., Peru
  • Aa fiebrigii (Schltr.) Schltr., Bolivien bis Nordwest-Argentinien
  • Aa gymnandra (Rchb.f.) Schltr., Bolivien
  • Aa hartwegii Garay, Nordwest-Venezuela bis Ecuador
  • Aa hieronymi (Cogn.) Schltr., Nordwest-Argentinien bis Córdoba
  • Aa inaequalis (Rchb.f.) Schltr., Peru bis Bolivien
  • Aa leucantha (Rchb.f.) Schltr., Kolumbien bis Ecuador
  • Aa lorentzii Schltr., Nordwest-Argentinien
  • Aa macra Schltr., Ecuador
  • Aa maderoi Schltr., Venezuela bis Ecuador
  • Aa mandonii (Rchb.f.) Schltr., Peru bis Bolivien
  • Aa matthewsii (Rchb.f.) Schltr., Peru
  • Aa microtidis Schltr., Bolivien
  • Aa nervosa (Kraenzl.) Schltr., nördliches Chile
  • Aa paleacea (Kunth) Rchb.f., Costa Rica bis Bolivien
  • Aa riobambae Schltr., Ecuador
  • Aa rosei Ames, Peru
  • Aa schickendanzii Schltr., Nordwest-Argentinien
  • Aa sphaeroglossa Schltr., Bolivien
  • Aa trilobulata Schltr., Bolivien
  • Aa weddeliana (Rchb.f.) Schltr., Peru bis Nordwest-Argentinien

Einzelnachweise

  1. W.E. Higgins: Selby Vignette, The Aa's of Orchids. 2006, abgerufen am 24. Aug. 2009.
  2. H.G. Reichenbach: Xenia Orchidacea. Bd 1. Brockhaus, Leipzig 1858, S.18.
  3. R.E. Schultes, A.S. Pease: Generic Names of Orchids. Their Origin and Meaning. New York, Academic Press 1963. zit. n. Barringer, 1984.
  4. European Orchid Congress - Paradisus Batavius
  5. C.H. Dodson, C.A. Luer; G. Harling, L. Andersson (Hrsg.): Flora of Ecuador. Bd. 76, Botanical Institute Göteborg University, Göteborg 2005, ISBN 91-88896-51-X, S. 6.
  6. World Checklist of Aa. In: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.

Siehe auch

Literatur

  • K. Barringer: Aa (Orchidaceae) in Costa Rica. In: Phytologia. 55, Nr. 6, New York 1984, ISSN 0031-9430, S. 443–446.
  • Leslie A. Garay: Orchidaceae (Cypripedioideae, Orchidoideae and Neottioideae). In: Gunnar Harling, Benkt Sparre (Hrsg.): Flora of Ecuador. Jg. 225, Bd. 9, Nr. 1, 1978, ISSN 0347-8742, S. 298.
  • Alec M. Pridgeon, Phillip Cribb, Mark W. Chase, Finn Rasmussen (Hrsg.): Genera Orchidacearum. Orchidoideae. Teil 2. Vanilloideae. Bd. 3/2, Oxford University Press, New York/Oxford 2003, ISBN 0-19-850711-9, S. 24–26.
  • Rudolf Schlechter: Repertorium specierum novarum regni vegetabilis. Bd. 32, Berlin 1912, S. 147ff..

Weblinks

 Commons: Aa – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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