Aantjes

Willem Aantjes (* 16. Januar 1923 in Bleskensgraaf) ist ein niederländischer Politiker. Er war Fraktionsvorsitzender der ARP und des CDA. Er trat 1978 zurück, nachdem sein Verhalten während des Zweiten Weltkriegs in den Niederlanden großes Aufsehen erregt hatte.

Aantjes wurde als Sohn eines Postamtsleiters in Bleskensgraaf geboren und wuchs in einer reformierten Familie auf. Er absolvierte seine Schulbildung in Sliedrecht und Rotterdam.

Von Juli 1943 bis Oktober 1944 arbeitete Aantjes im Rahmen des Arbeitseinsatzes als Postbote in Güstrow (Mecklenburg). Dort meldete er sich zur Germanischen SS in den Niederlanden (offiziell ein Teil der NSB, aber tatsächlich eine eigenständige Organisation), um in die Niederlande zurückkehren zu können. Als er sich weigerte, eine Laufbahn bei der Waffen-SS einzuschlagen, wurde er mit anderen Verweigerern im Gefängnis Port Natal in Assen interniert, wo er Schützengräben ausheben musste. Nach dem Krieg hat er seine Mitgliedschaft in der Germanischen SS stets verschwiegen, beginnend bei seiner Immatrikulation an der Universität Utrecht im September 1945.

Aantjes wurde 1959 Abgeordneter der Zweiten Kammer für die orthodox-protestantische ARP). In 1971 übernahm er den Fraktionsvorsitz. 1967 wurde ihm das Ministerium für Wohnungsbau angeboten, welches er ablehnte, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, in Wirklichkeit aber wegen seiner verschwiegenen Rolle während des Kriegs. Dezember 1977 würde Aantjes Fraktionsvorsitzender des CDA, die neue, 1975 gegründete Fusionspartei aus ARP, KVP und CHU.

Seine Reputation wurde unwiderruflich beschädigt, als der Historiker Loe de Jong am 6. November 1978 während einer Live-Sendung des niederländischen Fernsehens erklärte, dass Aantjes Wachmann in Port Natal gewesen und Mitglied der Waffen-SS war. Hierauf trat er am 7. November 1978 als Fraktionsvorsitzender des CDA zurück. Sein Nachfolger wurde Ruud Lubbers. Am 24. November 1978 wurde eine Meinungsumfrage veröffentlicht, in der die Mehrheit der Befragten der Meinung war, dass Aantjes durch innerparteiliche Gegner zu Fall gebracht worden war. Ein halbes Jahr nach der Affäre zeigte eine Untersuchung, dass sich De Jong geirrt hatte und dass die von Aantjes gemachten Angaben der Wahrheit entsprachen.

Aantjes ist verheiratet mit Ineke Ludikhuize, nachdem seine erste Ehe mit Gisela Braun 1995 geschieden worden war.

Literatur

  • Roelof Bouwman, De val van een bergredenaar. Het politieke leven van Willem Aantjes, Amsterdam 2002. (Dissertation mit Zusammenfassung in englischer Sprache), ISBN 9053527176 [1]
  • Harald Fühner, Nachspiel. Die niederländische Politik und die Verfolgung van Kollaborateuren und NS-Verbrechern, 1945-1989, Münster 2005, ISBN 3830914644, [2]

Einzelnachweise

  1. Google Book Search: Roelof Bouwman: De val van een bergredenaar. Het politieke leven van Willem Aantjes
  2. Google Book Search: Nachspiel: Die niederländische Politik und die Verfolgung von Kollaborateuren und NS-Verbrechern

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