Aarenau

Alexander von Brosch-Aarenau (* 8. Oktober 1870 in Temesvár; † 7. September 1914 in Galizien) war ein österreichisch-ungarischer Offizier und Politiker. Brosch-Aarenau erlangte vor allem Bedeutung als Leiter der Militärkanzlei des Erzherzogs Franz Ferdinand, einer Art Regierung im Wartestand, die die Zeit nach der Thronbesteigung des Kronprinzen vorbereitete.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Brosch-Aarenau, dessen Bruder der General Theodor Brosch-Aarenau (1869-1944) war, absolvierte die Technisch-Militärische Akademie und wurde 1890 Genieleutnant. 1895 kam er zum Generalstab, wurde 1897 Pionierhauptmann und 1899 ins Kriegsministerium berufen. 1906 bis 1911 war er als Major und Oberstleutnant Flügeladjutant des Erzherzogs Franz Ferdinands. 1911 wurde er zum Kommandanten des 2. Regiments der Tiroler Kaiserjäger bestellt. [1]

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges führte Brosch sein Regiment als Oberst ins Feld und fiel, an dessen Spitze kämpfend, in einem Gefecht bei Hujcze-Rawa Ruska in Galizien.

Gordon Brooke-Shepard, Maximilan Polatschek und andere Biografen des Erzherzogs machen dabei glaubhaft, dass Brosch nach der Ermordung Franz Ferdinands - dessen Thronbesteigung er als die letzte Chance zur Rettung des Donaumonarchie gesehen habe - im Juni 1914 im Zuge des Attentats von Sarajewo innerlich resigniert sei und gezielt und aus Verzweiflung über die „unabwendbar düstere Zukunft“ des Habsburgerreiches - die er nicht habe miterleben wollen - bewusst den Tod an der Front gesucht habe.

Politisches Wirken

Brosch-Aarenau zählte zu den einflussreichsten und bedeutendsten Persönlichkeiten in der Umgebung Franz Ferdinands dessen vollstes Vertrauen er genoss. Der Thronfolger schätze seine Offenheit und Geradlinigkeit und dass er sich nicht davor zurückscheute - wenn auch mit dem nötigen Respekt und Takt - zu widersprechen, da Franz Ferdinand nichts mehr verabscheute als Kriechertum und Liebdienerei. Umso mehr wusste er die Ratschläge und Ansichten seines Flügeladjutanten zu schätzen, der sogar die ungeliebten Audienzen des Thronfolgers zu übernehmen hatte. Dies konnte Brosch-Aarenau nur übernehmen, weil er ein ausgezeichneter Menschenkenner war und sich seine politischen Ansichten vollkommen mit seinem Herrn deckten. Er war der Schöpfer der Militärkanzlei des Erzherzogs, einer Art Schattenregierung die sich darauf vorbereitete nach dessen Thronbesteigung zur „richtigen“ Regierung des Habsburgerreiches aufzusteigen. In dieser Eigenschaft baute er mit großem diplomatischen Geschick die militärische und politische Machtstellung des Erzherzogs aus und traf Vorkehrungen für die Zeit nach einem Thronwechsel.[2]

Literatur

  • Gustav Franz: Erzherzog Franz Ferdinand und die Pläne zur Reform der Habsburgermonarchie. 1943.
  • Martha Sitte: Alexander Brosch, der Flügeladjutant und Vorstand der Militärkanzlei des Thronfolgers, Wien 1961. (Dissertation)
  • Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand - Der verhinderte Herrscher. 1983

Einzelnachweise

  1. Weissensteiner vermerkt in seiner Biografie des Erzherzogs im Kapitel „Der Kaiser und sein Thronfolger", dass nicht zuletzt der Kaiser selbst an einer Ablösung Broschs interessiert gewesen sei, da dessen Arbeit in der Militärkanzlei ihm ein „Dorn im Auge“ gewesen sei und ihm anlässlich seiner Ernennung milde darauf hingewiesen habe, dass er, Brosch, lange genug „gegen ihn gekämpft“ habe.
  2. Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand - Der verhinderte Herrscher. Öst.Bundesverlag. Copyr.1983, Kap. Persönliche Doppelmonarchie: Der Kaiser und sein Thronfolger

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