Aaron Elias Seligmann

Aron Elias Seligmann (* 26. April 1747; † 11. Januar 1824 in München) aus Leimen (Baden) war ein jüdischer Hoffaktor. Er ließ sich später christlich taufen und wurde zum Freiherrn von Eichthal geadelt.

Im 18. Jahrhundert waren die Hoffaktoren die Finanziers der Fürsten und ihrer prachtliebenden Höfe. Eine merkantile Wirtschaftshaltung beherrschte die Regierungspolitik der Fürstenhöfe. Zu den größten Finanziers deutscher Fürstenhöfe zählte Aron Elias Seligmann, dem der Aufstieg vom kurpfälzischen Hoffaktor unter Carl Theodor zum bayerischen Oberhoffaktor und bayerisch-königlichen Bankier gelang. Im Jahre 1799 – also vor mehr als zweihundert Jahren – sah sich der Nachfolger von Carl Theodor Kurfürst Maximilian Joseph genötigt, den Hoffaktor Aron Elias Seligmann nach München zu beordern, um „unverzügliche Ökonomie in alle Zweige der Staatsverwaltung zu bringen“.

Am 16. Juni 1799 erklärte Maximilian Joseph öffentlich in einem Rescript, dass er „die bayrischen Finanzen in großer Unordnung, alle Staatskassen ausgeleert und selbe überdies noch mit unerschwinglichen Rückständen belastet angetroffen habe.“ In den bayerischen Regierungskreisen erinnerte man sich an den umtriebigen jüdischen Leimener Finanzier Aron Elias Seligmann. Ihm erteilte man schon am 28. Juni 1799 „und dessen sämtliche Kinder sowohl Söhne als Tochtermännern das vollkommene Bürgerrecht nebst der Befugnis, dass sie in Churpfalz allenthalben sich niederzulassen, liegende Güter an sich zu bringen und überhaupt alle Gewerbe, die sonst ein Christlicher Unterthan nur zu unternehmen befähiget , nach ihrem gutfinden ebenfalls zu treiben befugt und ermächtigt seyn sollen.“ Damit war die Voraussetzung geschaffen, dass der Hoffaktor auch in München das Bürgerrecht besaß. Einem Umzug von Leimen nach München stand nun nichts mehr im Wege. Seligmann rettete den bayerischen Staat vor dem Ruin und besorgte weitere Darlehensgeber; auch der rheinpfälzische Hausschatz samt Hof- und Kirchensilber wurde ihm 1799 zum Versatz und zur Vermünzung übergeben. Es gelang ihm, Bayerns Finanznöte zu mildern und die Regierung zu stabilisieren. Er wurde daher vom Bayerischen König Maximilian I. Joseph am 22. September 1814 in den Adelsstand zum Freiherrn von Eichthal erhoben.

Die Familie

Aus der Ehe des Aron Elias Seligmann mit der Hindele Levi, die aus einer bekannten Sigmaringer Hoffaktorenfamilie stammt, gingen fünf Töchter und fünf Söhne hervor. Die älteste Tochter Chaila heiratete 1785 den Mannheimer Hoffaktor Ignatz Mayer. Die jüngste Rachel Sophie feierte am 22. August 1815 mit großem Pomp in Leimen die Hochzeit und ehelichte den K. u. K. Hoffaktor Leopold von Lämel, Direktor der Österreichischen Nationalbank in Prag und Mitglied des Böhmischen Landtags. Die Söhne Seligmanns heirateten ebenfalls Töchter bekannter Hoffaktoren und schufen damit die Voraussetzung für die Abwicklung von Geldtransaktionen im ganzen Reich. Unter ihnen ragen besonders zwei heraus, die den unternehmerischen Geist des Vaters zeigen. Der ältere Sohn David und der jüngste Sohn Simon (Aron), der am 11. August 1787 in Leimen das Licht der Welt erblickte.

Der jüngste Sohn führte das vom Vater in München gegründete Bankhaus von Eichthal in der Theatinerstraße nach dessen Tod weiter. Er war es auch, der in Leimen 1832 das Palais „samt Orangerie und Gemälden“ für 9.000 Gulden an den Karlsruher Wirt Peter Mathäus Müller verkaufte.

David Freiherr von Eichthal zählt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den führenden Industriellen Badens. Als Hofagent gehörte er zum Kreis der Finanziers des Großherzogs. Zunächst Teilhaber, danach Eigentümer der ersten Maschinenfabrik Badens im Kloster zu St. Blasien, beschäftigte er zeitweise über 800 Arbeiter. In Grötzingen betrieb er 1836 bis 1844 eine Zuckerfabrik. Die badische Revolution brachte seinen Reichtum zu Fall. Sein Bruder Simon Freiherr von Eichthal betätigte sich von Anfang an im väterlichen Bankhaus zu München. 1832 übernahm er die Vermittlung einer Staatsanleihe von 60 Millionen Franken an Griechenland, das ihm den Titel eines königlichen griechischen Staatsrates einbrachte. Bekannt wurde er als Unternehmer und Mitbegründer der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank. Freiherr Simon von Eichthal wurde der erste Direktor der Bank, die gemäß den Statuten neben Kreditgeschäften auch Feuer- und Lebensmittelversicherungen abschloss. Sie ist die erste Bank in Deutschland, die in der Rechtsreform der Aktiengesellschaft betrieben wurde. Mit dieser Bankgründung wurde in Bayern erstmals eine kapitalkräftige Sammelstelle für Privatgelder geschaffen, die sich günstig auf Landbau, Handel und einsetzende Industrialisierung auswirkte. Sie wurde zum Vorbild einer ersten deutschen Bankgründungswelle in den Jahren 1848 und 1856. Sein Sohn Carl von Eichthal, ein Enkel des Aron Elias Seligmann, war Mitbegründer der Bayerischen Vereinsbank und schlägt damit nicht aus der Reihe der Eichthalschen Bankiers. Er gehörte dem Verwaltungsrat dieser Bank an. Nachdem 1998 die Bayerische Hypotheken und Wechselbank mit der Bayrischen Vereinsbank zur HypoVereinsbank fusionierte, könnte man meinen, dass sich die ehemaligen Gründungsgelder der Familie Eichthal wieder auf ihren ursprünglichen Besitz besonnen hätten.

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