Burgweiler (Ostrach)
Burgweiler
Gemeinde Ostrach
Ehemaliges Gemeindewappen von Burgweiler
Koordinaten: 47° 55′ N, 9° 21′ O47.9158333333339.3522222222222624Koordinaten: 47° 54′ 57″ N, 9° 21′ 8″ O
Höhe: 624 m
Fläche: 2,474 km²
Einwohner: 1.004 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 88356
Vorwahl: 07585

Burgweiler ist ein Ortsteil der Gemeinde Ostrach mit 1004 Einwohnern (Stand: 31. Dez. 2010[1]) im Landkreis Sigmaringen (Baden-Württemberg).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Burgweiler liegt rund 4,5 Kilometer südwestlich vom Hauptort Ostrach und grenzt an das Naturschutzgebiet Burgweiler-Pfrunger Ried. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 2474 Hektar (Stand: 31. Dez. 2010[2]).

Gliederung

Zu dem Ortsteil Burgweiler gehören die Teilorte Burgweiler, Waldbeuren, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Egelreute, Ulzhausen, Hahnennest und Mettenbuch.

Geschichte

Bereits in vor- und frühgeschichtliche Zeit war das Gebiet um Burgweiler besiedelt. Um 1900 wurden bei Mettenbuch und Burgweiler römische Siedlungsspuren (Villa rustica) und eine Straßenstück einer Römerstraße neuaufgefunden[3][4][5], nachdem bereits in den 1840er Jahren eine nerotische Münze gefunde wurden[6]. Die Siedlungsspuren wurden mit Mitteln des Fürsten von Fürstenberg ergraben[7] und vom fürstenbergische Archivar Georg Tumbült beschrieben[8]. Des Weiteren fanden sich bei Burgweilen alamannische Siedlungsspuren.[9]

Waldbeuren wurde 1209/10 erstmals in den Akten des Klosters Salem urkundlich erwähnt.[10] Ein Ulricius von Waldbeuren war Zeuge einer Rechtshandlung.[11] Schätzungsweise besteht der Ort aber schon weitaus länger, seit dem 7. oder 8. Jahrhundert, was aufgrund der Namensgebung angenommen werden kann.[12]

Im Jahr 1272 wurde Burgweiler, alter Besitz der Herren von Gundelfingen, sowie Güter bei Ostrach, Ochsenbach und Waldbeuern an das Kloster Salem verkauft. Die Pfarrei wurde 1324 Salem inkorporiert. 1637 kamen Burgweiler, Dichtenhausen und Ochsenbach durch Verkauf an die fürstenbergische Grafschaft Heiligenberg. Das Burgweiler Amt umfasste Burgweiler mit Rothenbühl, Dichtenhausen, Hahnennest, Mettenbuch, Ochsenbach mit Freudenberg, Ulzhausen und Zoznegg mit Sturmberg.[13]

Das Amt kam 1806 zum Großherzogtum Baden und gehörte ab 1936 zum Landkreis Überlingen.

Im Jahr 1924[14] wurde die seinerzeit selbstständige Gemeinde Waldbeuren in freiwilligem Zwang nach Burgweiler eingemeindet.[15]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Burgweiler Personenzüge bombardiert und beschossen.[16]

Bereits am 1. Januar 1969 wurde die frühere badische Exklave Dichtenhausen von Burgweiler nach Ostrach (Landkreis Sigmaringen) umgemeindet. Im Zuge der Kreisreform vom 1. Januar 1973 kam Burgweiler zum Landkreis Sigmaringen. Am 1. Januar 1975 schlossen sich Ostrach, Burgweiler (mit Hahnennest, Mettenbuch, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Waldbeuren, Ulzhausen, Egelreute), Jettkofen und Kalkreute zur neuen Gemeinde Ostrach zusammen.

Politik

Ortsvorsteher

Ortsvorsteher von Burgweiler ist Wolfgang Richter (Stand: März 2010).

Wappen

Das ehemalige Gemeindewappen von Burgweiler zeigt in Silber ein kreisförmig gebogener grüner Lindenzweig mit fünf Blättern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Grenzsteinmuseum bei Burgweiler

Museen

  • Östlich von Burgweiler wurden ein Grenzsteinmuseum und ein Vermessungslehrpfad angelegt (47° 55′ 8″ N, 9° 21′ 34″ O47.9190139.359466). Das Grenzsteinmuseum erinnert an die bis ins Mittelalter zurückreichenden, höchst komplizierten Grenzverhältnisse in Oberschwaben. In der 4000 Quadratmeter großen Freianlage kann anschaulich die Grenzlage der Ortschaften im Dreiländereck Württemberg-Hohenzollern-Baden abgeschritten werden. Der 13 Kilometer lange Vermessungslehrpfad dokumentiert die Geschichte der Vermessungstechnik von der Triangulation bis zum Satellitensystem GPS.[17]

Bauwerke

  • Rund 500 Meter östlich von Burgweiler stand auf einer Erhebung eine aus der Mitte des 11. Jahrhunderts stammende Burg, die heute so genannte Burg bei Burgweiler. Außer dem Turmhügel und den aufgefüllten Gräben erinnert nichts mehr an die einstige Burganlage. Seine Erbauer waren die Edlen zu Wilare (Weiler). Spätere Besitzer waren die Freiherren zu Gundelfingen. Seit 1969 pflegt und nutzt der Musikverein Burgweiler den Burghügel. Traditionell einmal jährlich findet dort das so genannte Burgfest statt.
  • Die Vereinsscheuer ist eine 1874 erbaute Scheune die 2011 als Treffpunkt für jung und alt eingeweiht wurde.[18]
  • Im Ortsteil Waldbeuren befindet sich die Alte Mühle. Sie wurde 1501 erbaut und anfangs als Säge-, Leinöl- und Getreidemühle genutzt. Heute ist sie ein Gasthaus mit Holtelbetrieb.[12] Die Kapelle St. Mauritius ist eine der ältesten des Linzgaus; sie wurde zu romanischer Zeit erbaut und zeichnet sich durch ihre wertvollen Wandfresken aus.[12] Zudem gibt es eine seit 1840 bestehende Huf- und Wagenschmiede.[10]

Regelmäßige Veranstaltungen

Bildung

Burgweiler verfügt über einen Kindergarten und über eine Grundschule.

Einzelnachweise

  1. Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 4. Februar 2011.
  2. Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 11. Januar 2011.
  3. Neu aufgefundene römische Ansiedelungen auf den Gemarkungen Mettenbuch und Burgweiler. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 109-110. 1902. Seite 344
  4. Neu aufgefundene römische Ansiedelungen auf den Gemarkungen Mettenbuch und Burgweiler. In: Deutsches Archäologisches Institut (Hrsg.): Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts, Ausgabe 16. 1901. Seite 232
  5. Neu aufgefundene römische Ansiedelungen auf den Gemarkungen Mettenbuch und Burgweiler. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. 1901.
  6. Funde römischer Münzen im Grossherzogtum Baden, Band 1. Seite 48
  7. Verein für Geschichte des Bodensees und Seiner Umgebung (Hrsg.): Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, Band 29-30. 1900. Seite 227
  8. Georg Tumbült: Neu aufgefundene römische Ansiedlungen auf den Gemarkungen Mettenbuch und Burgweiler. In: Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst. XX. Nr. 9. S. 129-133
  9. Josef Durm, Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden: beschreibende Statistik, Band 1. im Auftrag des Ministerium des Kultus und Unterrichts Baden. 1887. Seite 446
  10. a b Josef Unger (ugr): Alte Schmiede wird schön gemacht. In: Südkurier vom 1. März 2010
  11. Karlheinz Fahlbusch (kf): 800 Jahre Waldbeuren. Ein Dorf lädt ein. In: Südkurier vom 14. Mai 2010
  12. a b c Sabine Hug (hug): Feierauftakt mit Dorfrundgang. 800 Jahre Waldbeuren: Ortsvorsteher Wolfgang Richter führt Interessierte. In: Südkurier vom 17. Mai 2010
  13. Adam Ignaz Valentin Heunisch, Joseph Bader: Das Großherzogthum Baden, historisch-geographisch-statistisch-topographisch beschrieben. Heidelberg 1857. Seite 660
  14. Nach anderer Angabe 1926
  15. Josef Unger (ugr): Waldbeuren jubelt über sein neues Heimatbuch. In: Schwäbische Zeitung vom 3. Dezember 2009
  16. Josef Unger (ugr): Rätsel um die Ostrach-Brücke. In: Südkurier vom 12. März 2005
  17. Vom Grenzsteinmuseum ins Ried. S. 30f. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch
  18. Nicole Rauscher: Neuer Treffpunkt für alle. In: Südkurier vom 31. Mai 2011

Literatur

  • Max Hornstein: Chronik der ehemaligen Gemeinde Waldbeuren und der damaligen Gemeinde Burgweiler mit ihren zugehörenden Orten Hahnennest, Ulzhausen, Egelreute, Sturmberg, Zoznegg-Oberochsenbach, Ochsenbach, Freudenberg, Mettenbuch und Judentenberg. Die Geschichte einer Landschaft im oberen Linzgau von der Vorgeschichte bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Schmidt Verlag. Pfullendorf, 1996.
  • Josef Rumpel, Lilli Rumpel: Waldbeuren: Geschichte von Waldbeuren in Bildern und Texten. hrsg. von der Dorfgemeinschaft Waldbeuren. Zsgest. von Lilli und Josef Rumpel jun. Geiger Verlag. Horb am Neckar, 2009. ISBN 978-3-86595-342-1

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