Byzantion
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Geschichte Istanbuls

Byzantion (altgriechisch Βυζάντιο[ν], latinisiert Byzantium, modern Byzanz, türkisch Bizans) ist eine um 660 v. Chr. gegründete Koloniestadt dorischer Griechen aus Megara, Argos und Korinth. Sie lag am südwestlichen Ausgang des Bosporus, auf der östlichen Spitze einer Halbinsel zwischen Marmarameer und Goldenem Horn. Aufgrund seiner ausgezeichneten Lage wurde Byzantion 326 bis 330 vom römischen Kaiser Konstantin I. zur neuen Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) ausgebaut.

Geschichte

Funde aus der Jungsteinzeit nahe dem heutigen Istanbuler Stadtteil Kadıköy und aus der Bronzezeit im Stadtteil Sultanahmed belegen, dass die Ufer des Bosporus schon sehr früh besiedelt waren. Bereits für die Griechen war diese Meerenge von entscheidender Bedeutung. Hier fuhren die Schiffe entlang, die Athen und andere Poleis mit Getreide aus der heutigen Ukraine versorgten. Zur Sicherung dieses strategisch wichtigen Punktes, der gleichzeitig Schlüsselstelle der Landverbindung von Europa nach Asien sowie des Seewegs von der Ägäis ins Schwarze Meer ist, gründeten megarische Siedler um 685 v. Chr. die erste Kolonie auf der asiatischen Seite des Bosporus: Kalchedon (griechisch Καλχηδών), an der Stelle des heutigen Kadıköy.

In der bereits von Thrakern besiedelten Gegend auf der europäischen Seite kam es 17 Jahre nach der Gründung von Kalchedon zu einer zweiten Stadtgründung durch die Megarer, zusammen mit Kolonisten aus Argos und Korinth. Der thrakische Name der neuen Siedlung, Byzantion, wurde später als der eines der legendären Anführer, Byzas aus Megara, gedeutet. Die Neugründung, deren Gebiet etwa dem des Topkapı-Palastes im heutigen Istanbuler Stadtteil Eminönü entsprach, lag auf der östlichen Spitze einer nördlich an das Goldene Horn und südlich an das Marmarameer angrenzenden Halbinsel. Da dieser Ort sehr viel geeigneter für eine Stadtgründung war, galt Kalchedon von da an als „Stadt der Blinden“, weil ihre Bewohner den hässlicheren Platz einem schöneren vorgezogenen hatten.

Aufgrund ihrer Lage waren die beiden Städte von nahezu allen Kriegen betroffen, die sich in den folgenden Jahrhunderten im griechisch-kleinasiatischen Raum abspielten. Während des Ionischen Aufstands wurden beide Städte von den Persern belagert und eingenommen, woraufhin Teile der Bevölkerung auf andere griechische Schwarzmeerkolonien wie Mesambria auswichen. Nach den (aus persischer Sicht) erfolglosen Feldzügen gegen Griechenland wurde Byzantion oligarchisch. 478 v. Chr. wurde es vom Spartaner Pausanias eingenommen.[1] Dieser herrschte dort zwei Jahre, wurde dann aber von der Bevölkerung vertrieben. Seit 476 v. Chr. hatte Byzantion eine Demokratie als Regierungsform.

Sowohl Kalchedon als auch Byzantion (ab 476 bis 405 v. Chr.) waren Mitglieder im Attisch-Delischen Seebund, letzteres dabei mit sehr hohem Tribut. 411 v. Chr. traten beide nach einem Konflikt mit Samos zum Peloponnesischen Bund über, doch schon 409 v. Chr. wurden beide Städte durch Alkibiades für den Attischen Seebund zurückerobert. Ab 387 v. Chr. stand Kalchedon unter persischer Oberherrschaft, 357 v. Chr. wurde es jedoch von Byzantion aus von den Persern befreit. Im Jahr darauf trat Byzantion aus dem mittlerweile geschwächten attischen Seebund aus. 340/339 v. Chr. belagerte der Makedonenkönig Philipp II. Byzantion vergeblich. Dieses behauptete auch unter Alexander seine Selbständigkeit.

Kalchedon wurde 315 v. Chr. durch Zipoites belagert, jedoch löste Antigonos die Belagerung auf. 302/301 v. Chr. war die Belagerung erfolgreich, auf Vermittlung von Byzantion kam es zum Frieden. 281 v. Chr. traten beide Städte in die antiseleukidische Allianz ein. 220 v. Chr. kam es zu einem Wirtschaftskrieg Byzantions gegen Rhodos. In den Kriegen gegen Philipp V., Antiochos III. und Perseus standen beide Städte auf Seiten der Römer, 202 v. Chr. wurde Kalchedon aber von Philipp V. erobert. 196 v. Chr. verkündete Titus Quinctius Flamininus die Freiheit der Griechen, Byzantion wurde civitas libera et foederata.

Unter Kaiser Vespasian (9-79) wurde Byzantion (latinisiert Byzantium) als Teil der Provinz Bithynia et Pontus in das Römische Reich eingegliedert.

Nachdem die Stadt seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. durch die Kontrolle des Seehandels eine wirtschaftliche Blüte erlebt hatte, wurde ihr Wachstum durch die Steuerpflicht gegenüber dem römischen Statthalter gebremst. Septimius Severus ließ die Stadt 196 n. Chr. zur Bestrafung für die Unterstützung seines Rivalen Pescennius Niger zerstören, auf Fürsprache Caracallas wurde sie jedoch wieder aufgebaut. 258 wurden Byzantion und Kalchedon von den Goten geplündert und zerstört.

Literatur

  • Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion – Konstantinupolis – Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Tübingen 1977, ISBN 3-8030-1022-5.

Anmerkungen

  1. Thukydides 1,94.
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