Abbé Vogler
Georg Joseph Vogler

Georg Joseph Vogler, auch Abbé Vogler oder Abt Vogler (* 15. Juni 1749 in Würzburg; † 6. Mai 1814 in Darmstadt) war ein deutscher Komponist, Organist, Kapellmeister, Priester, Musikpädagoge und Musiktheoretiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er studierte Jura und Theologie in Bamberg. Im Alter von 22 Jahren trat er die Stelle des Kaplans am Hof des Kurfürsten zu Mannheim an. Durch diesen gefördert schloss er seine Studien der Musik (bei Vallotti) und Theologie in Italien ab; im Jahre 1775 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Danach kehrte er nach Mannheim an seine alte Wirkungsstätte zurück. Als Kapellmeister am Mannheimer Hof regte er die Gründung der Mannheimer Tonschule an. Hier bearbeitete er unter anderem HändelsMessias“ und führte das Oratorium 1777/78 in Mannheim auf.

In den Folgejahren hielt er sich in Paris auf, wo er für die Aufführung von Opern verantwortlich zeichnete. Im Jahre 1784 kam er als Kapellmeister nach Mannheim zurück, wo Karl Theodor und sein Hof inzwischen nach München übersiedelt war. Zwei Jahre später verließ er die Stadt wieder, um die Stelle des Kapellmeisters am schwedischen Hof in Stockholm wahrzunehmen. Hier übernahm er darüber hinaus die musikalische Unterrichtung des dortigen Thronfolgers. In Stockholm war Vogler mit Unterbrechungen bis 1799 tätig. Es folgen Reisen zu Vorlesungen sowie Konzertreisen als Organist.

Erst im Jahre 1807 sollte Vogler wieder eine feste Anstellung annehmen, diesmal in Darmstadt, wo er als Hofkapellmeister wirkte. Er verstarb 1814 in Darmstadt.

Wirken

Sein kompositorisches Schaffen ist umfangreich. Es umfasst hauptsächlich Sinfonien, Opern, Singspiele, Ballette, Messen, Psalmen, Requiems, Te Deums, Kantaten, Motetten, Orgelwerke sowie Bühnenmusiken (u.a. zu Shakespeares Hamlet). Besonders umfangreich sind seine Kompositionen für Orgel; hier sind vor allem seine etwa 150 Präludien zu erwähnen. Als Musikpädagoge machte er sich vorrangig durch die Gründung zahlreicher Musik- und Tonschulen einen Namen. Als seine bekanntesten Schüler gelten Franz Danzi, Bernhard Anselm Weber, Carl Maria von Weber sowie Giacomo Meyerbeer. Stilistisch bereitete er die Romantik vor. Weiterhin ist er den Mitgliedern der Mannheimer Schule zuzurechnen.

Sein Ruhm als Musiktheoretiker besteht vor allem in der Verwendung von Ziffern zur Beschreibung von Harmoniestufen, die später von Gottfried Weber und Simon Sechter übernommen wurden und den Anfang der Stufentheorie bildeten. Im Jahr 1776 veröffentlichte er als erster den oft nach ihm benannten Tonkreis.

Vogler hat auch den Orgelbau im 19. Jahrhundert beeinflusst: Von der „Mannheimer Schule“ und der Wiener Klassik ausgehend, führte er mit seinem „Simplifikationssystem“ weg von der Werkorgel des Barock. Er teilte die Manuale in reine Farbelemente auf, setzte die Aliquoten zur akustischen Erzeugung von Kombinationstönen ein und stellte die ganze Orgel in einen Schwellkasten.

Ganz unumstritten waren Voglers Werk und sein Wirken jedoch nicht. So urteilte Wolfgang Amadeus Mozart seinerzeit über ihn, er sei ein „musikalischer Spaßmacher. Ein Mensch, der sich viel einbildet und nicht viel kann“. Ob Voglers Zeitgenossen diese Meinung teilten, sei dahingestellt.

Werke (Auswahl)

Kompositionen

  • 6 Klaviertrios op. 1
  • 6 leichte Violinsonaten op. 3
  • 6 Klavierkonzerte op. 5
  • 12 Divertissements für Klavier op. 7
  • Hornkonzert
  • Flötenquartett
  • Requiem Es-Dur
  • Castore e Polluce
  • Ballettmusik zu einem komischen Ballett
  • Schauspielmusik zu Shakespeares Hamlet

Schriften

  • Kurpfälzische Tonschule
  • Stimmbildungskunst
  • Handbuch der Harmonielehre und für den Generalbass
  • System für den Fugenbau

Literatur

  • Thomas Betzwieser, Silke Leopold (Hrsg.): Abbé Vogler - ein Mannheimer im europäischen Kontext. Internationales Colloquium Heidelberg 1999. (= Quellen und Studien zur Geschichte der Mannheimer Hofkapelle; Bd. 7). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2003, ISBN 3-631-50095-5
  • Robert Browning: Abt Vogler. Gedicht, 1864 (E-Text)
  • J. Fröhlich: Abbatis Vogler missa pro defunctis (Rezension). In: Caecilia. Band 1 (1824), Heft 1 und 2; Digitalisate: Teil 1, Teil 2
  • Hertha Schweizer: Abbé G. J. Vogler’s Orgellehre. Ein Beitrag zur Klanggeschichte der frühromantischen Orgel. Kmoch, Wien 1938 (zugl. Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau 1934)
  • Christina Wagner: Abbé Vogler in Darmstadt. Letzte Station auf der Lebensreise eines Geistlichen, eines Musikers, eines Lehrers und Forschers. Beiheft zur Ausstellung Darmstadt 1999. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt 1999, ISBN 3-933112-08-7

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