Abd al-Aziz ar-Rantisi

Abd al-Aziz ar-Rantisi (* 23. Oktober 1947 in Yubna nahe Jawne; † 17. April 2004), arabisch ‏عبد العزيز الرنتيسي‎, DMG ʿAbd al-ʿAzīz ar-Rantīsī), war Kinderarzt und „Generalkommandant“ der Hamas.

Rantisi wurde in Yubna in der Nähe der Stadt Yavne geboren, die heute auf israelischem Staatsgebiet liegt. Während des Krieges 1948 musste er mit seiner Familie in den Gazastreifen fliehen. An der Universität Alexandria studierte er Medizin.

1976 kehrte er nach Gaza zurück. Er war verheiratet mit Dschamila Abdallah Taha asch-Schanti und Vater von sechs Kindern[1].

Am 24. März 2004 wurde der 57-jährige Mediziner in Gaza zum neuen „Generalkommandanten“ der Hamas bestimmt. Zwei Tage vorher war deren Gründer und Chefideologe Ahmad Yasin bei einem gezielten Raketenangriff durch israelische Kampfhubschrauber getötet worden. Ar-Rantisi verbrachte neun Jahre seines Lebens in Haft, davon zwei Jahre wegen Volksaufhetzung in Haft der PA.

Ar-Rantisi zählte innerhalb der Hamas-Führung zum militant-radikalen Flügel. Er sah, ebenso wie Yasin, dessen Stellvertreter er war, Terroranschläge auch gegen die israelische Zivilbevölkerung als ein legitimes Mittel im Kampf gegen die Besetzung von Palästina, wobei er zu Palästina auch das israelische Staatsgebiet zählte. Im Gegensatz zu Yasin war er kein religiös ausgebildeter Führer und hat im Sommer 2003 den damaligen WaffenstillstandHudna“ abgelehnt. In Reden und Interviews rechtfertigte er jedoch immer wieder auch gewaltsame Hamas-Aktionen unter Berufung auf den "Willen Gottes" und verlangte die Zerstörung des Staates Israel.

Rantisi behauptete, dass es im Zusammenhang mit dem Holocaust nicht darum geht, was die Deutschen den Juden angetan haben, sondern darum, was die Juden den Deutschen antaten, eine Wiederholung der Verdrehung von Opfern und Tätern beim NS-Massenmord, wie sie schon die Propagandisten des Nationalsozialismus vorgenommen hatten.[2]

Bekannt wurde er als Sprecher von 400 nach Libanon deportierten Kämpfern und durch seine Kontakte zur Hisbollah bzw. zum Iran. Nach einiger Zeit im Gefängnis war er seit der zweiten Intifada (September 2000) dauerhaft auf freiem Fuß, tauchte aber kurz vor seinem Tod in den Untergrund ab.

Am 17. April 2004 starb ar-Rantisi – wie sein Vorgänger Yasin auch – durch eine "gezielte Tötung" der israelischen Armee. Schon am 10. Juni 2003 war ar-Rantisi nur knapp einem Anschlag der israelischen Armee entkommen, bei dem eine Frau und ein Mädchen getötet wurden.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Abd al-Aziz Rantissi. Jewishvirtuallibrary.org. Abgerufen am 3. Juli 2010.
  2. in einer Rezension von Matthias Küntzel zu Jeffrey Herf The jewish enemy.

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