Abd as-Salam Arif
Arif (links) mit Qasim (1958)

Abd as-Salam Muhammad Arif (arabisch ‏عبد السلام محمد عارف‎, DMG ʿAbd as-Salām Muḥammad ʿĀrif; * 1921; † 13. April 1966) war Staatspräsident des Irak vom 8. Februar 1963 bis zum 13. April 1966 und kurzzeitig auch Regierungschef des Landes.

Politische Karriere

Als Oberst der zum Jordanien-Einsatz bestimmten 20. Brigade der irakischen Armee war er am 14. Juli 1958 zusammen mit Generalmajor Abd al-Karim Qasim am Sturz der Haschimiten-Monarchie und der Ausrufung der Republik beteiligt. In der Revolutionsregierung wurde der unter Premier- und Verteidigungsminister Qasim zunächst Vizepremier- und Innenminister. Im Streit um die Ausrichtung der Revolution stellte sich Arif aber bald auf die Seite konservativer panarabischer Nationalisten, die den raschen Anschluss an die Vereinigte Arabische Republik (VAR) forderten, während irakische Regionalpatrioten und Kommunisten ebenso wie Qasim eine Vorherrschaft Gamal Abdel Nassers ablehnten und bestenfalls eine lockere Föderation propagierten.

Meuternde Militärs bestärkten Arif in dem Bestreben, Qasim ebenso zu entmachten, wie einst Nasser es 1954 mit General Naguib (Machthaber seit 1952) vorgemacht hatte. Bei Reisen durch die Provinzen bereitete er einen Putsch vor, dem Qasim allerdings mit der Entlassung Arifs als stellvertretender Armeechef am 10. September und als Minister am 30. September 1958 zuvorkam. Arif wurde als Botschafter nach Bonn abgeschoben, weigerte sich aber, diesen Posten anzutreten, bedrohte Qasim im Oktober mit dem Revolver und tauchte unter. Bei seiner Rückkehr nach Bagdad wurde er im November 1958 zum Tode verurteilt, im Februar 1959 aber von seinem einstigen Kampfgefährten Qasim begnadigt und nach dem Zusammenbruch der VAR im Oktober 1961 sogar freigelassen.

Arif nahm sofort Kontakt zur oppositionellen Baath-Partei auf, die die Revolution noch 1958 unterstützt, doch 1959 Qasim zu ermorden versucht hatten. Während Qasims Truppen in Irakisch-Kurdistan kämpften, putschten nationalistische Offiziere unter Arif und baathistische Milizen am 8. Februar 1963 in Bagdad. Qasim wurde getötet und der Widerstand seiner Anhänger in zweitägigen Straßenkämpfen gebrochen. Neuer Präsident wurde Arif, neuer Premierminister Ahmad Hasan al-Bakr, Vizepremier und Innenminister Ali Salih as-Saʿdi. Arif ließ zunächst as-Saʿdis baathistische Nationalgarde die Kommunisten erbittert verfolgen und nach einem weiteren baathistischen Putsch auch in Syrien (8. März 1963) im April 1963 Verhandlungen über eine syrisch-irakisch-ägyptische Union führen.

Nach dem Scheitern der Union und dem Ausbrechen offener Kämpfe zwischen dem rechten Baath-Flügel (as-Saʿdi) und dem linken Baath-Flügel (al-Bakr) griff er jedoch auf Drängen der Militärs ein, setzte al-Bakr ab, ernannte sich zum Marschall und übernahm selbst die Regierungsgewalt (Ramadan-Revolte).

1964 bestimmte er den ehemaligen Baathisten und Neu-Nasseristen Tahir Yahya zum Premier, auch der Ex-Baathist und Neu-Nasserist Fuad ar-Rikabi schloss sich an. Mit Nasser selbst beschloss Arif die allmähliche Vereinigung Ägyptens und Iraks, seitdem ist der ägyptische Adler Wappentier Iraks. Alle politischen Parteien wurden aufgelöst und nach ägyptischem Vorbild die Arabische Sozialistische Union als alleinige Einheitspartei geschaffen, die jedoch ein Papiertiger blieb und die fehlende Massenbasis des Regimes nicht ersetzen konnte. Auch der Versuch Arifs, die ausländischen Ölkonzerne (Iraqi Petroleum Company) stärker zu kontrollieren, scheiterte 1965, und kaum hatte er Premier Yahya durch den Nasseristen Arif Abd ar-Razzaq ersetzt, unternahm dieser neue Premier einen Putschversuch, der die Beziehungen zu Ägypten fortan belastete.

Arif löste den Revolutionären Kommandorat auf und ernannte den Zivilisten Abd ar-Rahman al-Bazzaz zu Razzaqs Nachfolger als Regierungschef. Wichtigste Stützen seines Regimes waren fortan sein älterer Bruder und Generalstabschef Abd ar-Rahman Arif, Oberst Sa'id Slaibi sowie die Republikanische Garde, die sich aus der 20. Brigade bzw. Soldaten aus Arifs Heimat-Clan in al-Jumaila zusammensetzte.

Noch bevor Ex-Premier ar-Razzaq im Juli 1966 einen erneuten Putschversuch unternehmen konnte, kam Arif bei einem Hubschrauberabsturz während eines Sandsturms in der Wüste ums Leben. Sein Bruder Abd ar-Rahman wurde neuer Präsident.

Literatur

  • Marion und Peter Sluglett: Der Irak seit 1958 - Von der Revolution zur Diktatur. Suhrkamp Frankfurt 1991

Weblinks

 Commons: Abd as-Salam Arif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Abd as-Sallam Arif — Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und… …   Deutsch Wikipedia

  • Abd as-Salam — is the transliteration of a Theophoric Arabic given name. EtymologyThe name is built on the Arabic words Abd , al and Salam . The name means servant of the peaceful , As Salam being one of the 99 names of God.Other tranliterations include Abdul… …   Wikipedia

  • Abd ar-Rahman Arif — Kairo, 1968, v …   Deutsch Wikipedia

  • Abdul Salam Arif — Aljumaily عبد السلام محمد عارف الجميلي President of Iraq In office 8 February 1963 – 13 April 1966 Prime Minister Ahmed …   Wikipedia

  • Abdul Salam Arif — 2o Presidente de Iraq 8 de febrero de 1963 – 13 de abril de 1966 Predecesor …   Wikipedia Español

  • Abd ar-Rahman al-Bazzaz — Abd al Rahman al Bazzaz Acting President of Iraq In office April 13, 1966 – April 16, 1966 Prime Minister Himself Preceded by …   Wikipedia

  • Abd ar-Rahman Muhammad Arif — Abd ar Rahman Arif Abd ar Rahman Muhammad Arif (arabisch ‏عبد الرحمن عارف‎, DMG ʿAbd ar Raḥman ʿĀrif, englisch: Abdul Rahman Arif, * 1916 in Bagdad; † 24. August 2007 in Amman) war Staatspräsident …   Deutsch Wikipedia

  • Abd al-Karim Qasim — Arif mit Qasim (rechts), 1958 Abd al Karim …   Deutsch Wikipedia

  • Arif — (arabisch ‏عارف‎) ist ein männlicher Vorname arabischer Herkunft[1] mit der Bedeutung „Der Wissende“, „Der Erfahrene“.[2] Der Name kommt im arabischen und persischen Sprachraum, in der Türkei, in Aserbaidschan und auf dem Balkan vor[3] und… …   Deutsch Wikipedia

  • Abd al-Karim Farhan — Abdul Karim Farhan (links, mit Karl Günther von Hase) in Bonn, Mai 1964 Sayyid Abd al Karim Farhan (Arabisch عبد الكريم فرحان) auch Abdul Karim Farhan (* 1922 im Irak) ist ein ehemaliger irakischer G …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”