Abd el-Krim
Abd el-Krim

Mohammed Abd al-Karim, auch Abd el-Krim (arabisch ‏عبد الكريم الخطابي‎ Abd al-Karim al-Chattabi, DMG ʿAbdu l-Karīm al-Ḫaṭṭābī; * 1882 in Axdir (heute Ajdir), Provinz Alhucemas, Spanisch-Marokko; † 6. Februar 1963 in Kairo) war Anführer im Aufstand der Rifkabylen gegen spanische und französische Kolonialtruppen in der Atlas-Region Spanisch-Marokkos.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mohammed Abd al-Karim war Sohn von Abd el Krim el Khatabi, Vorbeter, Kadi, welcher in Madrid Bergbau studiert hatte, mit guten Beziehungen zu den Brüdern Mannesmann, welche Marokko etwa zu einem Achtel in Form von 2.027 Minenkonzessionen in Aussicht und Landtitel, besaßen. Von seinem Vater erhielt Mohammed Abd al-Karim eine religiöse Bildung. In Tétouan und Melilla machte er das in Spanien anerkannte Abitur. Anschließend studierte er die Schari'a im Altstadtviertel Adwat al-Qarawiyyin von Fès, danach studierte er an der Universität Salamanca. Ab 1906 arbeitete er als Sekretär im Büro für Eingeborenenangelegenheiten in Melilla, als Herausgeber der arabisch-sprachigen Beilage der Zeitung Rif-Telegramm danach als Richter für das Melilla-Gebiet, zwischen 1910 und 1913 als Lehrer.

Antikolonialismus

Wilhelm II. hatte am 31. März 1905, im Zusammenhang mit den Folgen der Entführung von Ion Perdicaris, die Unabhängigkeit des alawiden Sultans Abd al-Aziz in Französisch-Marokko herausgestellt, was zur ersten Marokkokrise führte. Im ersten Weltkrieg fachte Dr. Walter Zechlin, der Konsul des Deutschen Reichs in Tetuan, in französisch Marokko antikoloniale Bestrebungen an und verhandelte mit Mohammed Abd el Krim. Zechlin wurde 1917 nach Madrid versetzt und Abd el Krim kam von 1916 bis 1917 in spanische Haft. Ab Anfang 1919 warb Abd el Krim für die Bildung eines antikolonialen Stammesbündnis, dessen Ziel es war, dass sich die Spanier »nach Ceuta und Melilla zurückziehen, weil das Protektorat nur Elend und Armut, Grausamkeit und Unfähigkeit gebracht hat«. 1921 riefen sechs Stämme des Rif-Gebirges Mohammed Abd al-Karim zum Emir aus. Eine wechselnde Anzahl von Stämmen kollaborierte mit den spanischen Protektoratstruppen, aus diesen wurde die 1920 gegründete Fremdenlegionärstruppe Tercio de Extranjeros rekrutiert.[1] Als Präsident der Rif-Republik in Nordmarokko proklamierte er 1923 die Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft.

Antikolonialer Krieg

Bei der Schlacht von Annual am 22. Juli 1921 errangen die Truppen der Rifkabylen den eindrucksvollsten Sieg, jedoch versäumte es Abd el-Krim, nach eigener, späterer Einschätzung, die Schwäche der spanischen Besatzungsarmee zu nutzen und auch Melilla erstürmen zu lassen. Beim Rifkrieg (1921) traten Militärs aus Frankreich, Spanien und dem Deutschen Reich geschlossen gegen eine Emanzipation vom Kolonialsystem auf. Auf Initiative von Alfons XIII. (Spanien) wurde bei Hugo Stoltzenberg Senfgas (Lost) erworben, eine Lostbombenabfüllanlage in Melilla errichtet und der Chemiewaffeneinsatz im Rifkrieg nach einer Verseuchungsstrategie von Stoltzenberg durchgeführt. Zeitgleich mit der Räumung des Landesinneren von Spanisch-Marokko für die Anwendung des Kontaktgiftes Lost, besetzte die französische Armee unter Pétain die fruchtbaren Gebiete des Rifs in Französisch Marokko mit 250.000 Soldaten und unterband so die Lebensmittelversorgung der Rif-Republik. Im November 1925 bombardierte die Flugstaffel Escadrille Cheériffian unter der Leitung von Charles Sweeney, einem US-Piloten aus der Lafayette Escadrille Chefchaouen. Als die Bombardierung bekannt wurde, zog die französische Regierung unter Aristide Briand und Édouard Herriot, die Escadrille Cheériffian ab.[2][3] Die Position der Regierung Großbritanniens unter Stanley Baldwin wurde durch Walter Burton Harris vertreten, ein angebotenes Engagement des Deutschen Reichs auf Seiten der Rif-Republik hätte zum Auskundschaften des Waffenhandels des Deutschen Reichs genutzt werden können, das Scheitern der antikolonialen Bestrebungen sicherte auch das British Empire.

Verbannung

Abd al-Karim ergab sich am 27. Mai 1926 den französischen Militärs. Er wurde nach Réunion in die Verbannung verbracht. Obwohl 1947 aus der Verbannung entlassen, kehrte Abd al-Karim auch nach der Unabhängigkeit Marokkos (1956) nicht in seine Heimat zurück, sondern lebte bis zu seinem Tod am 6. Februar 1963 in Kairo.

Werke

  • J. Roger-Mathieu (Hrsg.): Mémoires d’Abd-el-Krim. 9. Aufl. Librairie des Champs-Élysées, Paris 1927.

Siehe auch

Literatur

  • Kurt Degenkolbe: Vom Schusterjungen zum Adjudanten Abd el Krims. Selbsterlebtes. Büttner, Berlin 1928.
  • Shannon E. Fleming: Primo de Rivera and Abd-el-Krim. The struggle in Spanish Morocco, 1923-27. University of Wisconsin, Madison 1974 (Dissertation)
  • Friedrich Jarschel: Abd el Krim. So kämpfte der Löwe des Atlas. Zeitbiographischer Verlag, Limburg/Lahn 1961 (ZbV-Zeitbiographien; 1).
  • Rudibert Kunz: Giftgas gegen Abd el Krim. Deutschland, Spanien und der Gaskrieg in Spanisch-Marokko 1922–1927. Rombach, Freiburg/B. 1990, ISBN 3-7930-0196-2 (Einzelschriften zur Militärgeschichte; 34)
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis, München 1972, ISBN 3-7608-0138-2.

Weblinks

 Commons: Abd el-Krim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rudibert Kunz, Rolf-Dieter Müller: Giftgas gegen Abd el Krim: Deutschland, Spanien und der Gaskrieg in Spanisch-Marokko 1922–1927. Rombach, 1990
  2. Weider History Group, Rif War
  3. Moroccan War. In: Time 20. Juli 1925

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