11. motorisierte Schützendivision
11. motorisierte Schützendivision
Aktiv 22. Oktober 1956–2. Oktober 1990
Land Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
Streitkräfte Nationale Volksarmee
Teilstreitkraft Landstreitkräfte der NVA
Truppengattung Mechanisierte Infanterie
Typ Mechanisierte Infanteriedivision
Grobgliederung Gliederung
Stärke Soll Krieg: 14.787

Soll Frieden: 10.996
Zuletzt: 11.015[1]

Hauptquartier Halle (Saale)
Ausrüstung Ausrüstung
Kommandeure
Liste der Kommandeure

Die 11. motorisierte Schützendivision (NVA), kurz 11. MSD, war ein Großverband der Nationalen Volksarmee der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die 11. motorisierte Schützendivision wurde im Oktober 1956 auf der Basis bestehender Kommandos, Einheiten und Einrichtungen der Volkspolizei-Bereitschaft Halle der KVP im Militärbezirk III aufgestellt. Strukturbestimmend waren die A-Kommandos Halle, Leipzig, Weißenfels, das B- Kommando Weißenfels und das C-Kommando Zeithain. Bereits bei Aufstellung der Kasernierten Volkspolizei wurde die 11. MSD in ihren Grundstrukturen aufgebaut. Die Truppenfahne wurde ihr am 22. Oktober 1956 übergeben.

Ihre Gliederung entsprach weitestgehend der von motorisierten Schützendivisionen der Sowjetarmee. Im Unterschied zu diesen hatten die Divisionen der NVA keine Kampfhubschrauber und eine verkleinerte Kampfpanzer-Komponente.[2]

Die Landstreitkräfte der DDR waren in zwei Militärbezirke unterteilt, V Nord und III Süd, die im Kriegsfall je eine Armee zu stellen hatten. Ab 1972 wurde daraus das Kommando Landstreitkräfte, das die Militärbezirke als Ausbildungskommando ablöste, so auch bei der 11. MSD.[3]

Prager Frühling

Auf Druck der Bevölkerung begann die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei unter Alexander Dubček im Frühjahr 1968 ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm (Prager Frühling) durchzusetzen, was eine Reaktion des Warschauer Paktes nach sich zog. Im Juni 1968, bei Zuspitzung der Lage in der Tschechoslowakei, stimmte Walter Ulbricht dem Vorschlag des Oberkommandierenden des Warschauer Paktes Marschall Jakubowski zu, auch NVA-Truppen an einer militärischen Intervention zu beteiligen.[4]

Am 28. Juli 1968 wurde die 11. MSD in die Nähe des Hermsdorfer Kreuzes verlegt und den Sowjettruppen unterstellt. Zusammen mit der 7. Panzerdivision sollte sie als Teil der Operation Donau von Nord-Westen her in die Tschechoslowakei vordringen.

Bis zum 20. August verblieb die Division in dieser Stellung, dann rückte sie in Marschkolonnen in die Bereitstellungsräume bei Oelsnitz und Plauen aus, dort verblieb sie als Reserve der 11. Gardearmee. Die 11. MSD wurde erst am 31. August wieder dem Kommando der NVA unterstellt. Ende Oktober 1968 wurden alle Einheiten der NVA wieder in ihre Kasernen zurückverlegt.[4]

Auflösung

Am 3. Oktober 1990 wurde die NVA in die Bundeswehr integriert und die einzelnen Truppenteile der 11. motorisierten Schützendivision unter den Befehl des Bundeswehrkommando Ost gestellt.

Die Einheiten des Militärbezirks III wurden im neu geschaffenen – seit 1991 als Division/Wehrbereichskommando VII bezeichneten – Wehrbereichskommando VII zusammengefasst; jedoch 1995 in WBK VII/13. Panzergrenadierdivision umbenannt.

Organisation

Einheit Ehrenname Stationierung
Mot.-Schützenregiment 16 Robert Uhrig Bad Frankenhausen
Mot.-Schützenregiment 17 Fritz Weineck Halle
Mot.-Schützenregiment 18 Otto Schlag Weißenfels
Panzerregiment 11 Otto Buchwitz Sondershausen
Artillerieregiment 11 Wilhelm Koenen Wolfen
Fla-Raketen Regiment 11 Georg Stöber Weißenfels
Raketenabteilung 11 Magnus Poser Hermsdorf
Geschosswerferabteilung 11 Wolfen
Aufklärungsbataillon 11 Heinrich Brandes Bad Frankenhausen
Pionierbataillon 11 Willi Gall Zeithain
Panzerjägerabteilung 11 Hermann Vogt Halle
Nachrichtenbataillon 11 Otto Brosowski Halle
Bataillon Materielle Sicherstellung 11 Bernhard Koenen Halle
Instandsetzungsbataillon 11 Albert Funk Halle
Bataillon Chemische Abwehr 11 Edwin Hörnle Bad Frankenhausen
Sanitätsbataillon 11 Halle
Ersatzregiment 11 Halle

Ausrüstung

T-55-Panzer der NVA
FROG-7B (Luna-M) der NVA

Die Division wurde bereits bei Aufstellung mit fabrikneuen T-54-Panzern, aber auch noch mit T-34-Panzern ausgestattet und hatte erst Ende/Mitte der 1960er Jahre den geplanten Ausrüstungsstand erreicht.

Als Schützenpanzer nutzte sie BTR-40, später dann BTR-60 sowie BTR-70. 1975 erhielt die 11. MSD, als erster Verband der NVA, die neuen BMP-1 aus der Sowjetunion.[5]

Der Istbestand 1990 umfasste:

  • 4 Startrampen FROG-7
  • 214 T-55
  • 139 BMP
  • 282 BTR
  • 126 Geschütze und Geschosswerfer
  • 13 Brückenlegepanzer MT-55 auf Basis T-55[1]

Kommandeure

Damaliger Rang Name Zeitraum
Oberst Hermann Vogt 11. Oktober 1956–15. August 1960
Oberst Hans Spallek 15. August 1960–31. August 1965
Oberst Erich Dirwelis 1. September 1965–30. Juni 1969
Generalmajor Heinz Handke 1. September 1969–31. August 1972
Generalmajor Rudolf Magnitzke 1. September 1972–31. Oktober 1974
Oberst Alfred Krause 1. November 1974–31. August 1977
Generalmajor Manfred Zeh 1. September 1977–30. April 1984
Generalmajor Klaus Wiegand 1. Mai 1984–31. Oktober 1986
Generalmajor Olivier Anders 1. Oktober 1986–31. Dezember 1989
Oberst Reinhard Panian 1. Februar 1990–2. Oktober 1990

Ehrungen

Literatur

  • Erinnerungen an die 11.Mot.-Schützendivision in Wort und Bild. 1 Bild-Textband.110 Seiten. Eigenverlag Gerold Möller, Halle März 2010 (2. Auflage. ebenda November 2010).
  • Guntram König: Das große Buch der Nationalen Volksarmee. Geschichte, Aufgaben, Ausrüstung. Das Neue Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01954-7.
  • Wilfried Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02297-4 (Motorbuch-Verlag spezial).
  • Gerold Möller: 11. Motorisierte Schützendivision Halle. Bad Frankenhausen, Hermsdorf, Sondershausen, Weißenfels, Wolfen, Zeithain. Geschichte und Tradition. Entwicklung und Dokumentation. 2. überarbeitete und ergänzte Auflage. Eigenverlag, Halle 2001.
  • Gerold Möller: Militär-historische Skizzen über eine preußisch-deutsche Garnisonsstadt. Garnisonsgeschichte der Stadt Halle. Eigenverlag, Halle 2005.
  • Klaus Naumann (Hrsg.): NVA. Anspruch und Wirklichkeit. Nach ausgewählten Dokumenten. 2. Auflage. Mittler, Hamburg u. a. 1996, ISBN 3-8132-0430-8 (Offene Worte).
  • Jörg Siegert: Typenkompass Panzer der NVA. 1956–1990. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02954-5 (Typenkompass. Basiswissen für Panzerfans).
  • Walter J. Spielberger, Jörg Siegert, Helmut Hanske: Die Kampfpanzer der NVA. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 3-613-01759-8 (Militärfahrzeuge 16).

Einzelnachweise

  1. a b Wilfried Kopenhagen: Die Landstreitkräfte der NVA. Motorbuch-Verlag. Stuttgart 2003. ISBN 3-613-02297-4. S. 177
  2. Wilfried Kopenhagen. S. 39
  3. Wilfried Kopenhagen. S. 41
  4. a b „Traditionsverein Fernmelde- /Elektronische Aufklärung Luftwaffe e. V. “Die Intervention der WP-Truppen in der Tschechoslowakei" 24. September 2008
  5. "pib-11.de: Die 11. Mot-Schützen-Division der NVA (11. MSD)". 25. September 2008
  6. Zeittafel zur Militärgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1984. 1. Auflage Militärverlag der DDR Berlin 1985. S. 344

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”