Ausbesserungswerk Dessau
DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH Werk Dessau

Das Ausbesserungswerk Dessau ist ein Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn in der sachsen-anhaltischen Stadt Dessau-Roßlau. Es gehört unternehmensorganisatorisch zur DB-Fahrzeuginstandhaltung und ist innerhalb des DB-Konzerns für die sogenannte schwere Instandhaltung von Elektrolokomotiven und deren Komponenten zuständig.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Instandhaltungswerk liegt im Stadtteil Dessau-Süd an dem gleichnamigen Eisenbahnhaltepunkt Dessau Süd der Bahnstrecke Dessau–Leipzig. Im südlichen Gleisfeld des Hauptbahnhofs Dessau zweigt ein Anschlussgleis zum Ausbesserungswerk ab. Dieses verläuft südwärts bis in Höhe der Ludwigshafener Straße parallel zur Bahnstrecke nach Leipzig, wo es dann in das Werksgelände einbiegt und sich in einer Gleisharfe aufgliedert.

Geschichte

Anfang des 20. Jahrhunderts rückte neben der Dampflokomotive eine neue Traktionsvariante in das Blickfeld der Eisenbahntechnik – die elektrische Traktion. Der preußische Staat entschied sich zur Erprobung dieser Technologie für zwei Eisenbahnstrecken – eine Gebirgs- und eine Flachlandstrecke. Die Wahl fiel einmal auf die Strecke Lauban – Königszelt und einige abzweigende Nebenstrecken – eine Eisenbahnstrecke im niederschlesischen Bergland und auf die Strecke von Dessau nach Bitterfeld. Für die Instandhaltung der elektrischen Fahrzeuge benötigte man ein Ausbesserungswerk für eben diese elektrischen Fahrzeuge und da Untersuchungen erkennen ließen, dass sich im mitteldeutschen Gebiet kein vorhandenes Ausbesserungswerk fand, dessen Kapazitäten für die zusätzliche Instandhaltung von Elektrolokomotiven ausreichten, begannen Planungen für ein neues Werk.

Bau

1922 waren die Planungen abgeschlossen und die Entscheidung auf die Stadt Dessau gefallen, da die Stadt am elektrifizierten Streckennetz der Reichsbahn lag und die Grundstückspreise in der Stadt niedrig waren. Projektiert wurde das Reichsbahnausbesserungswerk von Prof. Wilhelm Sorger Regierungsbaurat der Reichsbahndirektion Halle. Es sollte ein Werk nach den modernsten Anforderungen entstehen, dazu zählte unter anderem: die spätere Erweiterbarkeit des Werkes, möglichst kurze Förderwege und die Anordnung der Werkstätten nach dem technologischen Fluss. Im März des nächsten Jahres begannen dann die Bauarbeiten im Auftrag der Stadt, aber auf Rechnung der Reichsbahn. Als erstes entstand der Haltepunkt Dessau Süd. Im gleichen Atemzug wurde der Haltepunkt Haideburg geschlossen. Zwischen 1924 und 1925 entstanden unter anderem die Schiebebühnengrube, die Achssenke und das Kellergeschoss für das Kesselhaus. Auch die Fundamente für die Stahlkonstruktion wurden fertiggestellt. In der nächsten Zeit wuchs die Werkhalle 1 in die Höhe. Die Werkhalle 1 ist in sieben Längs- und zwei Querhallenschiffe untergliedert, hat eine Grundfläche von 30.385 m² und ist 19 m hoch. Die Hallenhöhe ermöglichte die Anordnung von mehreren Kranbahnen übereinander und das Heben von Lokkästen über andere Loks hinweg. Mit den Lokhebekränen war es möglich Lokkästen bis zu 160 Tonnen anzuheben. Die Länge der Arbeitsstände für Lokomotiven betrug 26 m. Im Hallenschiff V fährt eine Schiebebühne und ermöglicht den Wechsel zwischen den nördlich und südlich der Schiebebühne gelegenen Lokständen. Unter der Schiebebühne befindet sich eine Grube, die in vier gleich große Räume unterteilt ist und bis heute als Lager genutzt wird. Der gesamte Bau samt maschineller Ausrüstung kostete 30 Millionen Reichsmark.[DB 1]

Inbetriebnahme

Baureihe E 71
Baureihe E 77

Am 2. Dezember 1929 wurde nach ungefähr sechs Jahren Bauzeit das Ausbesserungswerk in Betrieb genommen. Das Werk war damals eine Betriebsabteilung des Reichsbahnausbesserungswerkes (Raw) Halle und besaß eine Belegschaft von 180 Personen. Die erste auszubessernden Lokomotive war die, am 20. November 1929 im Bahnhof Dessau verunglückte E 50 50. Die Deutsche Reichsbahn teilte dem Werk zuerst die Elektrolokomotivbaureihen E 01, E 06, E 30, E 71 sowie die E 77. Anfang der 1930er Jahre folgten kleine Verbrennungsmotorlokomotiven (bis 100 PS), Verbrennungsmotortriebwagen, Omnibusse und deren Anhänger sowie andere Personenkraftwagen.[DB 2]

Selbstständigkeit

Wandrelief am Verwaltungsgebäude 1 mit dem Schriftzug Reichsbahnausbesserungswerk

Am 1. August 1933 wurde das Werk nach einem Beschluss der Deutschen Reichsbahn ein eigenständiges Reichsbahnausbesserungswerk. Die Anzahl der Mitarbeiter war über 400 gestiegen. Im Herbst des gleichen Jahres musste das Werk mehr als die Hälfte seiner Hallenflächen für einen Pachtzins in Höhe von 100.000 Reichsmark an die Junkerswerke vermieten. Die anfallenden Instandhaltungsarbeiten mussten nun auf einer deutlich geringeren Grundfläche erledigt werden, das wiederum führte bei der Verwaltung dazu, dass man dem Werk 1,5 Millionen Reichsmark zur Erweiterung des Werkes bewilligte. Man nutzte diese Gelder zum Bau zweier Verwaltungsgebäude, einer Kantine und einer Werkhalle für Triebwagen (heute Halle 2). Bis 1936 folgten ein Verbrennungsmotorprüfstand, Prüffeld für Triebwagen sowie eine Außenschiebebühne.[DB 3]

Zweiter Weltkrieg

Der Kriegsausbruch 1939 veränderte an den prinzipiellen Aufgaben des Werkes nichts, da die elektrische Zugbeförderung im Krieg keinen höheren Stellenwert im Vergleich zu den Vorkriegsjahren besaß. Den ersten Bombenangriff, der vermeintlich dem Werk galt, gab es am 16. Januar 1945. Drei Sprengbomben trafen beim Angriff das Werk, weitere 27 fielen in 50 bis 200 Metern Entfernung. Die schwersten Zerstörungen erfuhr das Werk jedoch beim Bombardement auf die Stadt Dessau am 7. März 1945. Die Stadt wurde dabei zu großen Teilen zerstört und das Werk war zu 60 Prozent schwer beschädigt. Das Kriegsende erlebte das Ausbesserungswerk nach achttägiger Belagerung am 21. April 1945 – amerikanische Truppen besetzten die Stadt und auch das Raw Dessau. Die Amerikaner fanden die Halle 1 nach Bombardement, Belagerung und Brand stark beschädigt vor. Die Oberlichter, Fenster und die Büros am Ostgiebel waren zerstört. Die Halle 2 und die Kantine waren komplett ausgebrannt. Bereits durch die Kriegshandlungen waren zahlreiche technische Unterlagen, Maschinen und Messmittel verbrannt oder zerstört. Die kritische Lage wurde mit dem Abtransport erhaltener, technischer Unterlagen durch die amerikanischen Besatzer noch verstärkt. Erst in den Anfangsjahren der DDR – 1954 konnte die Deutsche Reichsbahn die Unterlagen zurückkaufen. Am 9. Juli 1945 fand der verabredete Gebietsaustausch zwischen den Siegermächten statt. Die anhaltischen Gebiete kamen zur sowjetischen Besatzungszone unter deren Militäradministratur.[DB 4]

Am 31. August 1945 befahl die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (kurz: SMAD) dem Präsidenten der Zentralverwaltung des Verkehrswesen die Reparatur von Lokomotiven und Wagen zu organisieren. Allein in der sowjetisch besetzten Zone gab es knapp 5.000 Lokomotiven und 33.000 Waggons. Dies war der Startschuss für die Wiederaufnahme des Betriebes im Ausbesserungswerk. Im Werk arbeiteten im Oktober 1945 bereits wieder 845 Mitarbeiter, aber die Zahl der Mitarbeiter war immer noch niedriger als die während des Krieges. So arbeiteten beispielsweise im Januar 1945 1.066 Personen im gesamten Werk. Die Wiederaufnahme des Betriebes war auf Grund fehlender oder unzuordenbarer Ersatzteile, fehlender Zeichnungsunterlagen und kaputten Maschinenpark sehr schwierig. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass einige Mitarbeiter des Technischen Büros während der letzten Kriegstage Zeichnungen versteckt oder Skizzen angefertigt hatten.[DB 5]

Die ersten Ausbesserungsarbeiten fanden an Verbrennungstriebwagen, Steuer- und Beiwagen sowie Güter- und Kleinbahnwagen statt. Später folgten auch Dampfkessel und Schlepptender, sogar zwei Dampflokomotiven (38 1713 und 38 2958) wurden aufgearbeitet bzw. ausgebessert.[DB 6]

Demontage

Nach dem Potsdamer Abkommen, das besagte, dass alle Kriegsbetriebe zu demontieren sind, fiel auch das Ausbesserungswerk Dessau unter diese Bestimmung, da im Werk Teile für die Junkersflugzeuge gefertigt wurden. 1946 begann die Demontage im Werk mit dem Abbau der elektrischen Zugbeförderung. Die im Werk eingerichtete Demontageaufsicht ließ 85 Prozent der Ausrüstung abbauen und gen Sowjetunion versenden. Darunter fielen unter anderem Lokhebekräne, Radsatzdrehmaschinen und Stromerzeugungsanlagen. Zu guter letzt wurden auch die verbliebenen Elektrolokomotiven gesammelt und zu Lokzügen zusammengestellt und ebenfalls abtransportiert. Die Demontage endete nach 9 Monaten am 31. Dezember.[DB 6]

Neubeginn und DDR-Zeit

Eine E 44 auf dem Werksgelände

Erst Ende 1952 mit der Rückführung beschlagnahmter Elektrolokomotiven, Anlagen, Ersatzteilen und Fahrzeugen der elektrischen Zugförderung aus der Sowjetunion wurde die Instandhaltung von Elektrolokomotiven im Werk Dessau wieder aufgenommen. Das Werk war nun ein Werk im Instandhaltungskonzept der Deutschen Reichsbahn der DDR. Auch wurden die Werkhalle 2, die Verwaltungsgebäude und der Speisesaal wieder aufgebaut, weil man in das Werk wieder Arbeiten für die Flugzeugindustrie einlagern wollte. Die Episode Flugzeugbau war nach dem 17. Juni 1953 beendet. Man konzentrierte sich wieder auf die Instandhaltung von Triebwagen und E-Loks der Baureihe E 44. Es wurden jedoch auch Stangen für Dampf- und teilweise auch Elektrolokomotiven gefertigt. Die ausgebesserten Elektrolokomotiven mussten jedoch wegen des demontierten Fahrdrahtes auf dem Bahnstrecke östlich des Werkes zur Probefahrt bis in den März 1958 nach Köthen geschleppt werden. Auf der Bahnstrecke Köthen–Halle stand der Fahrdraht schon seit 1955 wieder unter Strom, die Hausstrecke vor dem Werk folgte erst am 17. März 1958. Bereits am 26. Juli 1957 konnte Dank der weiter ausgebauten Infrastruktur innerhalb des Werkes die 50. instandgesetzte E-Lok übergeben dem Betrieb werden.[DB 7]

Eine E 18 vor der Werkhalle 1

Am 1. Oktober 1960 erhielten die ersten drei Fahrzeuge bei der Abnahmeprüfung die Qualitätsnote 1, darunter eine E-Lok E 18, eine Kleinlok und ein Triebwagen. Das Werk konnte nun erstmals Garantiefristen übernehmen. Neben der Instandhaltung kam im Jahr 1960 eine weitere Aufgabe hinzu; man übernahm den Auftrag zum Neubau von 30 Kleinlokomotiven (Kö) der Leistungsgruppe II. In den Loks wurden Getriebe und Motore aus DDR-Produktion verbaut.[DB 8]

Baureihe 254 (ehem. E 94)

In den 1960er Jahren stieg der Fahrzeugbedarf bei der Deutschen Reichsbahn so stark, dass man neue Fahrzeuge beschaffen musste. Nach der Erprobung der im LEW Hennigsdorf gebauten E 11 001 und E 11 002 wurden die ersten 20 Loks der Baureihen E 11 und E 42 in Dessau in Dienst gestellt. Außerdem wurde das Raw zur Kundendienstvertragswerkstatt für die, aus der Tschechoslowakei importierten Diesellok V 75. Im Werk Dessau waren im Jahr 1962 105 Elektrolokomotiven beheimatet, darunter in verschiedensten Stückzahlen die Baureihen E 04, E 05, E 17, E 18, E 21, E 44, E 77, E 94 und E 95. Des Weiteren waren im Instandhaltungsportfolio auch die Verbrennungstriebwagen VT 135 und VT 137 sowie der elektrische Triebwagen ET 25, der ausgebrannte Triebwagen wurde 1959 im Werk wieder aufgebaut.[DB 9]

Die genannten Diesel- und Elektrotriebwagen blieben nur bis zu einer Umordnung der Werke 1965 in Dessau beheimatet. Nach der Neuordnung wurden sie in die Werke Berlin-Schöneweide und Wittenberge ausgegliedert. Dafür erhielt das Raw Dessau die 15 Gleichrichterlokomotiven der BR 251 auch aus dem Hause Hennigsdorf, die auf der Rübelandbahn zwischen Blankenburg und Königshütte im Harz eingesetzt wurden.[DB 10]

Mitte der 1960er Jahre relativierte die Deutsche Reichsbahn ihr Vorhaben der Ablösung der Dampflok durch Elektrolokomotiven. Der Verdieselungsbeschluss von 1965 beinhaltete das Ziel bis zum Jahr 1978 einen Dieseltraktionsanteil von 72 % zu erreichen. Gründe für einer höher geplanten Dieselanteil waren vermutlich die Fertigstellung der Erdölleitung Freundschaft in die Sowjetunion und damit eine sicherere Versorgung mit Dieselkraftstoff sowie die hohen Kosten der Streckenelektrifizierung. Für die neubeschafften Diesellokomotiven benötigte die Reichsbahn einen Indienststeller bzw. Instandhalter, daraus ergab sich für das Werk eine komplett neue Perspektive. Das Werk Dessau wurde gewählt, da es bereits Kompetenzen bei der Aufarbeitung von Verbrennungsmotoren besaß. Die ersten beiden indienstgestellten Diesellokomotiven der Baureihe V 200 verließen das Raw Otto Grotewohl, wie das Werk seit 11. Juni 1966 hieß, am 7. November des gleichen Jahres.[DB 10]

1968 begannen die ersten Ausbesserungsarbeiten an den importierten Diesellokomotiven. Die Aufarbeitung von einzelnen Baugruppen und Komponenten der Diesellokomotiven, wie z. B. Drehgestelle, Radsätze und elektrische Fahrmotore übernahm dabei das Reichsbahnausbesserungswerk Stendal, da dafür die Kapazitäten in Dessau nicht ausreichend waren. Vier Jahre nach der Indienststellung der V 200 erfolgt in der ersten Jahreshälfte 1970 die Indienststellung der ersten sowjetischen Diesellokomotiven der Baureihe 130. Die erste Probezerlegung eines elektrischen Fahrmotors der BR 130 fand im Jahr 1972 statt. Im Juni des gleichen Jahres wurde auch die erste ausgebesserte 130er (130 006) der Reichsbahn übergeben.Um der weiter steigenden Stückzahl von Diesellokomotiven gerecht zu bleiben wurde das Werk grundlegend umstrukturiert und erweitert. So wurden beispielsweise Großmeistereien gebildet, die einem Meister 60 bis 70 Mitarbeiter unterordnete sowie neue Sozialräume, Lagerbereiche und Werkstätten errichtet.[DB 11]

250 164 auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1982

In Folge der Ölkrise wurde seitens der Reichsbahn Abstand von dem Verdieselungsvorhaben genommen und die Elektrotraktion rückte wieder in den Mittelpunkt. Mit der Indienststellung der neuen Hennigsdorfer E-Lokbaureihe 250, die über einen ungleich höheren Leistungs- und Steuerelektronikanteil im Vergleich zu den älteren E-Lokbaureihen verfügte, wurde die Instandsetzung der BR 130 - 132 an das Raw Cottbus übergeben. Im Leistungsspektrum verblieb bis Anfang 1984 die BR 120 (ex V 200) und einige Komponenten der BR 130 - 132.[DB 12]

Prototyp 212 001 auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1982

1982 folgte neben der Baureihe 250 eine weitere Hennigsdorfer Lokomotive in das Instandhaltungsportfolio des Werkes – die 212 001 wurde nach einer Probezerlegung in die 243 001 umgebaut. In den folgenden Jahren werden die ersten 243er in Dienst gestellt. Bis 1986 fielen auch die letzten Diesellokkomponenten aus dem Aufarbeitungsprogramm des Werkes hinaus. Das Werk war ab nun wieder ein reines Elektrolokomotivenwerk.[DB 13]

Seit 1989 stand fest, das auch die insgesamt 20 Zweisystemlokomotiven der Baureihe 230 anders als vorher geplant nicht im Werk Cottbus, sondern in Dessau instandgehalten werden sollen. Die erste Probezerlegung an der Vorserienlok 230 001 fand jedoch erst 1990 statt. Im gleichen Jahr erreichte auch die Mitarbeiterzahl mit 2.059 ihren Höchststand.[DB 14]

Nach der Wende

Seit dem 16. Januar 1990 besserte das Werke die Baureihe 150 als Ausbesserungshilfe für die Bundesbahn aus, auch die Revisionen dieser Baureihe sollten von da an in Dessau durchgeführt werden. Die ersten drei revisionierten Bundesbahnelektrolokomotiven waren jedoch 110 114-6, 140 033-2, 140 037-3. Sie verließen im November 1990 das in Reichsbahnausbesserungswerk Dessau umbenannte Ausbesserungswerk. Aber das Hauptaugenmerk lag weiter auf den E-Lokbaureihen der Reichsbahn – so wurde 1990 die 1000. Revision der Baureihe 242 bei der 242 115-4 durchgeführt, die letzte Lok der Baureihe 243 wurde in Dienst gestellt und die letzten Lokomotiven der Baureihe 254 (ehem. E 94) wurden abgelöst. 1990 wurde ebenso der Rohbau für das neue Komplexgebäude direkt am Haltepunkt Dessau Süd fertiggestellt. Mit der zunehmenden Anzahl von Elektronikkomponenten in den Fahrzeugen wurden zusätzliche Kapazitäten für deren Aufarbeitung benötigt. Hierzu wurde der ehemalige Dieselmotorprüfstand zur Elektronikwerkstatt umgebaut.[DB 15] Der Bau entstand in Plattenbauweise.[DB 15]

Nach der Wende ändert sich auch der Status der Lehrwerkstatt und des Berufschulsektors. Der Berufschulsektor geht auf die Kommune über und die Lehrwerkstatt wird zur Ausbildungswerkstätte für die Aus- und Weiterbildung der Werksangestellten.[DB 15]

Das Werk seit 1994

Seit dem 1. Januar 1994 – dem Gründungsdatum der Deutschen Bahn – gehört das Werk zur Instandhaltungslandschaft des neugegründeten, nun bundesweit tätigen, deutschen Eisenbahnunternehmens. Dessau war nun Stammhaus des Regionalbereiches Dessau, zu dem noch das Ausbesserungswerk Halle und die Niederlassung Wittenberg gehörte. Der Regionalbereich hatte 1994 2.201 Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel am Stammsitz. Die abfallende Entwicklung des Personalstammes setzte sich somit seit 1990 fort. Das Werk bekam zwischen 1994 und 1995 durch eine Beraterfirma Projekte aufgezeigt, die seine Effizienz steigern und es somit fit für die Zukunft machen sollten. Im Rahmen des Prozesses Werk 2000 – schlankes Werk kam es zur Segmentierung des Werkes. Innerhalb des Werkes wurde 1995 in die folgenden fünf Segmente untergliedert:[DB 16]

  • Lokfertigung
  • Lokfertigung 2 in Wittenberg
  • Drehgestell-, Fahrmotor- und Radsatzwerkstatt
  • Trafowerkstatt, elektronische Schaltgeräte und Hilfselemente
  • Elektronikwerkstatt

1996 wird die Regionalstruktur bereits im Rahmen der Langfristigen Werkeordnung (LWO) wieder aufgegeben. Das Werk Halle wurde wieder eigenständig. Die Niederlassung Wittenberg hingegen wurde 1997 samt den Wagenausbesserungsstellen für Güterwagen in Wittenberg und Roßlau fest in die Werksstruktur als Fertigungssegment 5 eingegliedert. Das Werk hatte 1997 nur noch 1.184 Mitarbeiter.[DB 17]

Die nächste Umordnungsphase der Instandhaltungswerke 1998 erfolgte im Rahmen der Vorbereitung zu Ausgründung der Geschäftsbereiche Nah-, Fern- und Güterverkehrs zu eigenständigen Unternehmen unter dem Dach der Deutschen Bahn als Holdinggesellschaft im Jahr 1999. Jedem Werk wurden die Lokomotiven eines Geschäftsbereiches zugeordnet. Die Folge dieser Umordnung war eine generelle Umbeheimatung zahlreicher Lokomotiven erforderlich. Die Baureihe 150 und 155 des Geschäftsbereiches DB Cargo wurden dem Werk Cottbus zugeordnet. Die Baureihen 110 und 111 der DB-Regio wurden hingegen aus dem Werk Opladen nach Dessau umbeheimatet. In das Instandhaltungsprogramm des Werkes gehörten nun die Elektrolokomotiven der DB-Regio, darunter die Baureihen 110, 111, 112.0, 112.1, 113, 143 und 171. Nach der vollzogenen Ausgründung der DB-Regio als Tochtergesellschaft wurde das Werk 1999 der DB-Regio zugeschlagen. Damit ist das Dessauer Werk das einzige Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn für Elektrolokomotiven. Für den Produktbereich Verbrennungsmotorlokomotiven ist von nun an das Werk Cottbus zuständig.[DB 18]

Aber auch diese Werkezuordnung sollte nicht von langer Dauer sein. 2001 wurden sämtliche Instandhaltungswerke in den neugegründeten Bereich Fahrzeuginstandhaltung innerhalb des Vorstandressorts Technik der Deutschen Bahn eingegliedert. Dessau übernimmt innerhalb der Fahrzeuginstandhaltung ab nun den Bereich Elektrolokomotiven. Im gleichen Jahr kommen die ersten drei sogenannten Neubaulokomotiven in das Werk – die Siemens Eurosprinterlok 127 zur vereinfachten Revision sowie die 101 104-8 und die 145 009-7 zur Unfallinstandsetzung. 2002 statten die Baureihen 152, 185 und die Siemens ES64U2 der Firma HUPAC dem Werk einen Besuch ab. Ebenso wird 2002 die erste planmäßige Revision an der Baureihe 101 und die Probezerlegung an der Baureihe 146 durchgeführt. Da die Neubaulokomotiven über Drehstromantriebe verfügen, wird 2002 auch das Projekt Antriebswerkstatt für moderne Drehstromantriebe angestoßen, um im Werk auch die Aufarbeitung für die Antriebe der neuen Baureihen zu ermöglichen. 2003 übernimmt das Werk Dessau die Güterverkehrslokomotiven der Baureihen 139, 141, 151 und 181.2 aus dem geschlossenen Werk Opladen sowie die Baureihe 155 (ehem. Reichsbahnbaureihe 250) aus Cottbus.[DB 19]

Seit dem 1. Januar 2004 gehört die Tochterfirma DB-Fahrzeuginstandhaltung und somit auch das Werk zum Unternehmensbereich Dienstleistungen. Innerhalb der Fahrzeuginstandhaltung wird das Werk in den Produktbereich Lok (E- und V-Lok) eingeordnet.[DB 20] Das Aufgabenfeld bleibt jedoch das gleiche – die Instandhaltung des Elektrolokomotivfuhrparkes der Deutschen Bahn. Neben der Deutschen Bahn als Hauptauftraggeber lassen seit den 2000er Jahren auch verstärkt dritte Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre Fahrzeuge in Dessau warten bzw. instandsetzen.

Aufgabenbereiche

Baureihe 485 der Berliner S-Bahn

Das Hauptaufgabenfeld ist trotz der Zunahme der Leistungen für Dritte die Instandsetzung von Elektrolokomotiven aller Unternehmensbereiche der Deutschen Bahn. Dazu gehören Fahrzeuge des Fern-, Regional- und Güterverkehrs sowie Bahndienstfahrzeuge und Fahrzeuge aus dem historischen Fuhrpark. Zu dem Aufgabenbereich der Instandsetzung gehören Revisionen sowie teils auch Fristen und Nachschauen an Lokomotiven und deren Komponenten. Für die Aufarbeitung der Komponenten stehen im Werk zahlreiche Werkstätten bereit, darunter die für elektrische Fahrmotore, Radsätze von Alt- und Neubaureihen, Drehgestelle, Transformatoren und Schaltwerke, Stromabnehmersysteme, Hauptluftverdichteranlagen sowie für Hauptschalter und Leistungselektronik. Die Aufarbeitung von Komponenten nahm 2009 etwa zwei Drittel der Leistung des Werkes in Anspruch und nimmt seit dem Jahr 2000 stetig zu.[DB 21] Das bedeutet, dass teilweise keine kompletten Lokomotiven mehr in das Werk kommen, sondern nur noch deren Komponenten (z. B. Radsätze), die ihre Kilometerlaufleistung oder ihren Zeitpunkt für eine Untersuchung oder Instandsetzung (z. B. Revision) erreicht haben und im Heimatbetriebswerk aus der Lok ausgebaut und in das Werk geschickt wurden.

Revisionen nahmen 2009 immerhin noch ungefähr ein Fünftel, Bedarfsausbesserungen fünf Prozent und Leistungen für Dritte vier Prozent der Leistungsverteilung ein.[DB 21]

Seit 2004 werden in Dessau auch Triebdrehgestelle des ICE 1 und 2 hauptinstandgesetzt.[DB 20] Auch S-Bahn-Viertelzüge der Baureihe 485, die 2005 bzw. 2006 von der Berliner S-Bahn abgestellt wurden, wurden zur Verstärkung der Stadtbahnflotte der Hauptstadt im Werk aufgearbeitet, da das Werk Schöneweide bereits mit der Baureihe 481 voll ausgelastet war. Der erste reaktivierte Viertelzug der Baureihe 485 konnte am 4. März 2011 wieder den Betrieb aufnehmen.[1]

Werksloks

Nach Ausmusterung bei der DB-Regio übernahm das Ausbesserungswerk Dessau im Oktober 2005 110 511-3 (ehemals 139 134-1) als Überführungslok in seinen Bestand. Im Zuge der fälligen Hauptuntersuchung wurde die Lok mit einer weißen Farbgebung mit roten Zierlinien und der Aufschrift „DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH Werk Dessau“ versehen. Gelegentlich wird die Lok auch an Dritte als Kundenersatzlokomotive vermietet.[DB 22]

Neben der weißen 110er gehören auch noch zwei Kleindieselloks (335 161 und 381 018) und drei Akkuschleppfahrzeuge bezeichnet als „das Gelbe“, „das Blaue“ und „das Rote“ zum Fuhrpark des Werkes.

Weblinks

 Commons: DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH Werk Dessau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. S-Bahn Berlin GmbH - News - 2011: Hier kommt Verstärkung!. Abgerufen am 13. April 2011.
  • DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH Werk Dessau (Hrsg.): 80 Jahre Werk Dessau. Druckhaus Dessau GmbH, Dessau-Roßlau 2009.
  1. S. 4ff
  2. S. 6
  3. S. 7
  4. S. 8f
  5. S. 9
  6. a b S. 10f
  7. S. 11ff
  8. S. 14
  9. S. 15
  10. a b S. 16
  11. S. 16f
  12. S. 18, 20
  13. S. 19, 21
  14. S. 22, 25
  15. a b c S. 24
  16. S. 26
  17. S. 27f
  18. S. 28f
  19. S. 32ff
  20. a b S. 35
  21. a b S. 37
  22. S. 36
51.80358412.233575

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