Abderrahmane Soukhane

Abderrahmane Soukhane (* 13. September 1936 in El Biar) ist ein ehemaliger algerisch-französischer Fußballspieler. Zur Unterscheidung von seinem älteren Bruder Mohamed wurde er auch als Soukhane II bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Vereinskarriere

Abderrahmane Soukhane spielte als Jugendlicher bei der JS El Biar in seiner damals noch zu Frankreich gehörenden Heimat. Als noch nicht ganz 20-Jähriger wechselte er 1956 zum Zweitdivisionär Le Havre AC, in dessen Ligamannschaft er meist als Halbstürmer eingesetzt wurde. Die Nordfranzosen beendeten diese und die folgende Saison jeweils im vorderen Tabellendrittel, ohne jedoch einen Aufstiegsplatz zu erreichen. Im Sommer 1958 kam es zu einer abrupten Unterbrechung seiner Karriere im französischen Fußball: Soukhane hatte sich wie etliche andere algerische Berufsfußballer entschieden, für die Auswahlmannschaft der Unabhängigkeitsbewegung Algeriens (FLN) zu spielen, um so für die Selbständigkeit der französischen Kolonie zu werben. Ein Jahr später gehörte er, wie sein Bruder, zur Stammformation dieser inoffiziellen algerischen Nationalmannschaft, mit der er insbesondere auf zwei ausgedehnte Tourneen nach Ostasien und Osteuropa ging.[1]

Nach Erlangung der algerischen Unabhängigkeit (1962) kehrte er nach Frankreich zurück und wurde bei Le Havre, das gerade wieder in die Division 2 abgestiegen war, mit offenen Armen aufgenommen. In der Saison 1963/64 war Soukhane sogar der erfolgreichste Ligatorjäger, aber zum Aufstieg reichten seine 21 Treffer dennoch nicht. Deshalb nahm er ein Angebot des Erstdivisionärs Toulouse FC an, bei dem er unter anderem mit den Algeriern Kader Firoud (als Trainer) und Mahi Khennane im Aufgebot stand. Besonders erfolgreich verlief die Spielzeit 1965/66: der TFC wurde Vierter in der Meisterschaft und erreichte im Landespokal das Halbfinale. In dieser Partie erzielte Soukhane früh den Führungstreffer, musste aber noch vor der Halbzeitpause für seinen des Feldes verwiesenen Torwart den Platz zwischen den Pfosten einnehmen und konnte den Ausgleich in der Schlussminute nicht verhindern; in der Verlängerung überwanden ihn die elsässischen Angreifer dann noch zwei weitere Male.[2] Auch auf dieser ungewohnten Position wurde ihm eine gute Leistung attestiert, zumal es ihm nicht an Einsatzbereitschaft gemangelt hatte: er beendete die hitzige, umkämpfte Begegnung mit aufgeplatzten Lippen und dem Verlust von vier Zähnen.[3]

1966/67 nahm Abderrahmane Soukhane mit dem TFC am Messepokal teil, wo der TFC nach einem Freilos für die erste Runde mit 3:0 und 1:5 an Dinamo Pitești scheiterte; Soukhane erzielte zwei der vier Treffer seines Teams.[4] Nachdem Toulouse im Sommer 1967 seine Profiabteilung aufgelöst und seinen Platz in der Division 1 an Red Star Paris verkauft hatte, wechselte auch Soukhane zu diesem Klub, blieb dort aber nur eine Saison lang.[5] Anschließend ging er nach Algerien zu USM Bel-Abbès.[6] Informationen über das weitere Leben Soukhanes liegen bisher nicht vor.

Stationen

  • Jeunesse Sportive d'El Biar (bis 1956)
  • Le Havre Athletic Club (1956-1958, in D2)
  • FLN-Auswahl (August 1958-1962)
  • Le Havre Athletic Club (1962-1964, in D2)
  • Toulouse Football Club (1964-1967)
  • Red Star Football Club (1967/68)
  • Union Sportive Musulmane de Bel-Abbès

In der Nationalmannschaft

Abderrahmane Soukhane hat nicht nur für die Fußballauswahl des FLN, sondern ab 1963 auch für die offiziell anerkannte A-Elf gespielt. Für diese stand er bis 1965 insgesamt sechsmal auf dem Rasen, darunter bei allen vier frühen Höhepunkten der Fennecs („Wüstenfüchse“ ist die geläufige Bezeichnung für Algeriens Nationalmannschaft): im Februar 1963 beim 4:0 gegen die Tschechoslowakei, wobei Soukhane das erste Tor erzielte,[7] am Neujahrstag 1964 beim 2:0 gegen Deutschland, im November des gleichen Jahres gegen die UdSSR (2:2) und im Juni 1965 beim 0:3 gegen Brasilien. In beiden Mannschaften spielte er mit einigen der besten algerischen Profifußballer jener Zeit zusammen, darunter Mekhloufi, Zitouni, Ben Tifour, Kermali, Maouche und Oudjani.

Palmarès

  • Französischer Meister: Fehlanzeige
  • Französischer Pokalsieger: Fehlanzeige (aber Halbfinalist 1966)
  • 6 A-Länderspiele (1 Treffer) für Algerien[8]
  • 120 Spiele und 20 Tore in der Division 1, davon 88/17 für Toulouse, 32/3 für Red Star[9]
  • 110 Spiele und 58 Tore in der Division 2[6]
  • D2-Torschützenkönig 1963/64 (21 Treffer)

Literatur

  • Marc Barreaud: Dictionnaire des footballeurs étrangers du championnat professionnel français (1932-1997). L'Harmattan, Paris 1998 ISBN 2-7384-6608-7
  • Michel Nait-Challal: Dribbleurs de l'indépendance. L'incroyable histoire de l'équipe de football du FLN algérien. Éd. Prolongations, o.O. 2008 ISBN 978-2-9164-0032-7

Anmerkungen

  1. Nait-Challal, S. 159
  2. Hubert Beaudet: La Coupe de France. Ses vainqueurs, ses surprises. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2003 ISBN 2-84253-958-3, S. 98; L'Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915-53562-4, S. 382
  3. Jean-Philippe Rethacker/Jacques Thibert: La fabuleuse histoire du football. Minerva, Genève 1996, 20032 ISBN 978-2-8307-0661-1, S. 386/387
  4. L'Équipe/Gérard Ejnès: 50 ans de Coupes d'Europe. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2005 ISBN 2-951-96059-X, S. 325 und 342; nur ein Treffer laut Matthias Weinrich: Der Europapokal. 1955 bis 1974. AGON, Kassel o.J. [2007] ISBN 978-3-89784-252-6, S. 243
  5. François de Montvalon/Frédéric Lombard/Joël Simon: Red Star. Histoires d'un siècle. Club du Red Star, Paris 1999 ISBN 2-95125-620-5, S. 282
  6. a b Barreaud, S. 81
  7. http://www.dzfoot.com/fiche-2662.php
  8. http://www.dzfoot.com/equipe_nationale/matchs.php?plout=2008&compet=1 für 1963 bis 1971 ausgewertet
  9. nach Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o.J.

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