Alte Bibliothek (Berlin)
Alte Bibliothek am Bebelplatz in Berlin („Kommode“)

Die Alte Bibliothek ist ein Gebäude in Berlin. Es liegt im Ortsteil Mitte an der Straße Unter den Linden und befindet sich dort auf der Westseite des angrenzenden Bebelplatzes, des einstigen Forum Fridericianum. Das Haus wurde von 1775 bis 1780 im Stil des Barock erbaut. Aufgrund ihrer geschwungenen Form wird die Alte Bibliothek seither im Berliner Volksmund als „Kommode“ bezeichnet.

Geschichte

Auftraggeber zur Errichtung der damaligen Königlichen Bibliothek war Friedrich der Große. Die Pläne fertigten Michael Philipp Boumann und Georg Christian Unger.[1] Der König machte mit dieser Bibliothek die Literatur, die zuvor nur dem Adel, Ministern, Wissenschaftlern und höheren Staatsbeamten vorbehalten war, dem Bürgertum zugänglich. So steht bis zum heutigen Tage über dem Portal der lateinische Spruch: „nutrimentum spiritus“ (dt.: „geistige Nahrung“). Von den Berlinern soll das wie folgt frei übersetzt worden sein: „Spiritus is ooch 'n Nahrungsmittel“.[1]

Das Gebäude entstand zwischen 1775 und 1780 und nahm ab 1884 die 150.000 Bände der durch Friedrich Wilhelm gegründeten Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree auf. Diese war seit 1661 im nur für angemeldete Benutzer zugänglichen Apothekenflügel des Berliner Stadtschlosses untergebracht und hieß ab 1701 Königliche Bibliothek zu Berlin. Sie sammelte die wichtigsten Werke der Aufklärung, so zum Beispiel Schriften von Kant, Leibniz, Diderot, Rousseau und Voltaire. Die Einrichtung entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts zur nach Bestand und Benutzung größten und leistungsfähigsten Bibliothek des deutschen Sprachraums. Die stetig wachsende Anzahl an Büchern und Zeitschriften umfasste 1905 etwa 1,2 Millionen Bände und machte daher einen Neubau erforderlich. So zog die Bibliothek 1914 in das von Ernst von Ihne errichtete Gebäude Unter den Linden 8 und trug ab 1918 den Namen Preußische Staatsbibliothek. Seit 1990 gehören sämtliche Werke zur Nachfolgeeinrichtung, der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (mit zehn Millionen Bänden die größte Universalbibliothek Deutschlands). Zur besseren Unterscheidung wird das zuerst errichtete Gebäude seitdem Alte Bibliothek genannt.

Rudolf Smend spricht bei der Reichsgründungsfeier am 18. Januar 1933 in der 1910 eingebauten Aula der Berliner Universität
Lenin-Lesesaal, 1970

Im Herbst 1895 zählte auch Lenin zu den Nutzern der Bibliothek; zur Erinnerung daran hatte die DDR den entsprechenden Raum Lenin-Lesesal genannt (siehe Bild). Die Alte Bibliothek ähnelt stark dem Michaelertrakt (Winterreitschule) der Wiener Hofburg, da Friedrich der Große seinen Baumeister Unger angewiesen hatte, die fünfzig Jahre älteren Entwürfe des österreichischen Baumeisters Joseph Emanuel Fischer von Erlach für die Hofburg zu verwenden. In Wien wurde der Plan allerdings erst zwischen 1889 und 1893 in veränderter Form realisiert. Somit wurde als Kuriosität der Geschichte die Berliner Kopie mehr als hundert Jahre früher fertiggestellt als das Wiener Original.

Nach dem Auszug der Bibliothek 1910 umgebaut, beherbergte das Gebäude Hörsäle sowie die mit dem Monumentalgemälde Arthur Kampfs Fichtes Rede An die deutsche Nation geschmückte Aula der Friedrich-Wilhelms-Universität. Standbilder Fichtes und Savignys von Hugo Lederer flankierten das Portal.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bomben den südlichen Eckrisalit schwer und 1945 brannte das Haus bis auf die Umfassungsmauern aus. Unter der Leitung von Werner Kötteritzsch wurde zwischen 1963 und 1969 die Platzfassade rekonstruiert, wobei die noch vorhandenen Hoheitszeichen der Monarchie – Adler und Kronen – abgenommen und, wie auch Lederers Rektorenstandbilder, magaziniert wurden. Das Innere entstand mit nachgearbeiteten Figuren und Wandschmuck neu.[1] Es wird seit seiner Fertigstellung als Sitz der juristischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt.

Weblinks

 Commons: Alte Bibliothek (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis

  1. a b c Kommode; ein undatierter Ausschnitt einer Ost-Berliner Tageszeitung; verm. 1980er Jahre
52.51638888888913.393333333333

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