Andreas Schulte (Forstwissenschaftler)

Andreas Schulte (* 1958) ist ein deutscher Forstwissenschaftler.

Bekannt ist er für die unter seiner Leitung entstandenen Cluster-Studien zu dem Sektor Forstwirtschaft und Holzwirtschaft.

Seit Oktober 2003 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und zugleich Vorstandsvorsitzender des an die Universität angeschlossenen Internationalen Instituts für Wald und Holz NRW.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Andreas Schulte studierte Forstwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Wageningen. Von 1985 bis 1988 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Göttinger Forschungszentrum Waldökosysteme tätig und promovierte 1988 bei Bernhard Ulrich mit der bodenkundlichen Dissertationsschrift Adsorption von Schwermetallen in repräsentativen Böden Israels und Nordwestdeutschlands in Abhängigkeit von der spezifischen Oberfläche zum Doktor der Forstwissenschaften (Dr. forest.).

Anschließend ging Schulte nach Bolivien, wo er von 1988 bis 1992 für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) als Dozent für Waldökologie an der Universidad Mayor de San Simón in Cochabamba lehrte und als Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in der Provinz Ayopaya tätig war. Von 1993 bis 1996 war er für die GTZ dann Projektleiter des deutsch-indonesischen Forstprojektes „Aufbau der forst- und holzwirtschaftlichen Fakultät an der Mulawarman University“.[1], Danach kehrte er nach Europa zurück und habilitierte sich 1996 mit Schwermetalle in Waldökosystemen an der Universität für Bodenkultur Wien. Er erhielt eine Professur für Waldökologie am Fachbereich Landschaftsarchitektur an der Universität-GH Paderborn, die er von 1996 bis 2003 innehatte.[1]

Im August 2003 nahm er den Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft im Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster an. Mit der C4-Professur verbunden ist das Amt des Vorstandsvorsitzenden des Internationalen Instituts für Wald und Holz NRW e.V. an der Westfälischen Wilhelms-Universität.[2]

Seit 2001 ist Schulte außerdem Vorstandsmitglied des Landesverbands Nordrhein-Westfalen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.[3]

Schulte ist Verfasser und Herausgeber mehrerer Buchpublikationen zu forstlichen und bodenkundlichen Themen und veröffentlicht regelmäßig in den verschiedensten nationalen und internationalen forstlichen und forstwissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Leistungen

Neben seinen bodenkundlichen Untersuchungen, die in den 1980er Jahren noch ganz im Zeichen der Debatte um das so genannte „Waldsterben“ standen, beschäftigt sich Andreas Schulte auch mit Fragen der Weltforstwirtschaft und ihrer künftigen Entwicklung angesichts einer angenommenen weltweiten Erwärmung. Hierzu legte er gemeinsam mit Klaus Böswald und Rainer Joosten das Buch Weltforstwirtschaft nach Kyoto. Wald und Holz als Kohlenstoffspeicher und regenerativer Energieträger (2001) vor.

Einer breiteren Öffentlichkeit machte ihn jedoch seine Arbeit in Nordrhein-Westfalen bekannt, zunächst vor allem die umfassende zweibändige Landesmonografie Wald in Nordrhein-Westfalen, die 2003 erschien. Diese entstand aus einem von 1999 bis 2001 gelaufenen Projekt des Landes. Es hatte zum Ziel, ein auf aktuellen Forschungsergebnissen beruhendes Nachfolgewerk für die 1958 von Herbert Hesmer herausgegebene Forstmonografie Wald und Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Umgesetzt wurde es unter Schultes Leitung von der Universität-Gesamthochschule Paderborn in Zusammenarbeit mit dem Landesverband NRW der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. An dem interdisziplinär angelegten Buchprojekt wirkten mehr als 70 Autoren aus Wissenschaft und Politik, Forst- und Jagdverwaltung, Forst-, Naturschutz- und Umweltverbänden sowie der Holzindustrie mit.[4]

Für bundesweites Aufsehen sorgten die unter Schultes Leitung erarbeiteten Cluster-Studien zu dem Sektor Forstwirtschaft und Holzwirtschaft, die für diesen Cluster jeweils erheblich größere arbeitsmarktpolitische und wirtschaftliche Bedeutung ergaben, als bis dato stets vermutet.

Für das Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte die damalige rot-grüne Landesregierung ein Forschungsteam unter Leitung von Andreas Schulte mit der Erarbeitung einer grundlegenden Struktur- und Marktanalyse der Forstwirtschaft und der Holz verbrauchenden Industrie, kurz Cluster-Studie Forst & Holz NRW genannt, beauftragt. Dafür wurde fast 1 Million Euro bereitgestellt.[5] Die Ergebnisse wurden 2003 veröffentlicht. Demnach ergab sich für das Cluster Forst und Holz in NRW ein Umsatz von mehr als 36 Milliarden Euro im Jahr 2001. In der Branche arbeiteten zudem rund 260.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Die Studie zeigte somit die ganz erhebliche arbeitsmarktpolitische und wirtschaftliche Bedeutung der Forst- und Holzbranche im Industrieland NRW auf.[6][7] Aufgrund der besonderen ökologischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung des Clusters Forst & Holz in NRW entschloss sich die Landesregierung daraufhin zum Aufbau eines Kompetenzzentrums Forst & Holz an der Universität Münster.

In der Folge gab auch Mecklenburg-Vorpommern eine derartige Cluster-Studie in Auftrag. 2005 legte das Wald-Zentrum in Münster zudem die Clusterstudie Forst und Holz Deutschland 2005 als erste Phase des unter Schultes Leitung bis 2007 laufenden Projekts Clusterstudie Forst- und Holzwirtschaft Bundesrepublik Deutschland vor. Die entsprechende Definition der Europäischen Union zugrundegelegt, umfasst die deutsche Forst- und Holzwirtschaft demnach rund 2 Millionen Waldbesitzer, etwa 185.000 Betriebe, mehr als 1,3 Millionen Beschäftigte und einen Umsatz von ungefähr 181 Milliarden Euro. Im Cluster Forst und Holz finden sich somit mehr Beschäftigte und ein größerer Umsatz als in vielen, landläufig als wichtig erachteten Wirtschaftsbereichen, wie etwa Maschinenbau, Elektroindustrie oder Chemische Industrie. Sie nimmt demnach eine deutlich größere volkswirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Bedeutung ein als bisher auch von der eigenen Branche angenommen.[8]

Daneben forscht Andreas Schulte zum Kohlenstoffhaushalt von Waldökosystemen und sucht nach Wegen, Holz unter Wahrung des forstlichen Nachhaltigkeitsprinzips noch stärker in seiner Eigenschaft als regenerativer Energieträger zu erzeugen und zu mobilisieren, etwa durch verstärkte Aufforstungen oder Energiewälder. Ein Beispiel dafür ist das von ihm betreute INTERREG IVa-Projekt „Stoken op Streekhout – Energiequelle Wallhecke“, das die bisherigen Erfahrungen und Verfahren zur energetischen Nutzung von Holz aus der Pflege von Wallhecken grenzübergreifend zusammenführen und weiterentwickeln soll. Bezugsregion hierfür ist ein Großteil der EUREGIO.[9] Zudem untersucht und entwickelt er Methoden zur Abschätzung von regionalen Dendromasse-Bilanzen.

Schriften

  • Adsorption von Schwermetallen in repräsentativen Böden Israels und Nordwestdeutschlands in Abhängigkeit von der spezifischen Oberfläche, Dissertationsschrift, Universität Göttingen 1988 (im Druck als Teil der Reihe Berichte des Forschungszentrums Waldökosysteme, Reihe A, Band 46, Göttingen 1988)
  • Schwermetalle in Waldökosystemen, Habilitationsschrift, Universität für Bodenkultur Wien, Wien 1995
  • als Herausgeber zusammen mit Dieter Schöne: Dipterocarp Forest Ecosystems. Towards Sustainable Management, World Scientific, Singapur und River Edge (N. J.) 1996 (ISBN 9-81022729-9)
  • als Herausgeber zusammen mit Daddy Ruhiyat: Soils of Tropical Forest Ecosystems. Characteristics, Ecology and Management, Springer, Berlin, Heidelberg, Singapur, Tokyo, New York, Barcelona, Budapest, Hong Kong, London, Mailand, Paris und Santa Clara 1998 (ISBN 3-540-63607-2)
  • als Mitverfasser und Herausgeber zusammen mit Klaus Böswald und Rainer Joosten: Weltforstwirtschaft nach Kyoto. Wald und Holz als Kohlenstoffspeicher und regenerativer Energieträger, Reihe Berichte aus der Holz- und Forstwirtschaft, Shaker, Aachen 2001 (ISBN 3-8265-8641-7)
  • Rainforestation Farming. Option for Rural Development and Biodiversity Conservation in the Humid Tropics of Southeast Asia. A Review of Major Issues on Community Based Rehabilitation Silviculture and Guide to Recommended Native Tree Species for the Visayas/Philippines, Reihe Berichte aus der Holz- und Forstwirtschaft, Shaker, Aachen 2002
  • als Herausgeber und Mitverfasser: Wald in Nordrhein-Westfalen , 2 Bände, Aschendorff, Münster 2003 (ISBN 3-402-06481-2)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Kurzbiografie beim Internationalen Institut für Wald und Holz NRW
  2. Anonymus: Kompetenzzentrum für Wald, Forst- und Holzwirtschaft an Uni Münster. In: AFZ/DerWald, 58. Jahrgang, Heft 24/2003, S. 1273, ISSN 1430-2713
  3. N.N.: Nordrhein-Westfalen zieht Bilanz für Forst und Holz. Cluster-Studie weist unerwartete volkswirtschaftliche Größe der Forst- und Holzwirtschaft aus, Angaben der SDW NRW; abgerufen am 28. November 2010
  4. Informationen zur Landesmonographie „Wald in NRW“; abgerufen am 28. November 2010
  5. N.N.: Holzwirtschaft in Deutschland größer als allgemein angenommen. Haben Statistik-Fehler Deutschland viele Millionen EU-Fördergelder gekostet?. In: ParkettMagazin 01/05, zitiert nach www.raumausstattung.de
  6. vgl. Andreas Schulte: Nordrhein-Westfalen zieht Bilanz für Forst und Holz. Cluster-Studie weist unerwartete volkswirtschaftliche Größe der Forst- und Holzwirtschaft aus, Zusammenfassung bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Nordrhein-Westfalen; abgerufen am 11. Dezember 2010
  7. Gesamte Studie beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW
  8. vgl. Ergebnisse der Clusterstudie Forst- und Holzwirtschaft Bundesrepublik Deutschland des Internationalen Instituts für Wald und Holz NRW; abgerufen am 11. Dezember 2010
  9. Informationen zum Projekt „Stoken op Streekhout – Energiequelle Wallhecke“; abgerufen am 28. November 2010

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