Internationales Artistenmuseum
Artistenmuseum

Das Internationale Artistenmuseum präsentiert seit 1997 eine Sammlung von Gegenständen aus der Welt der Artisten- und Unterhaltungskunst sowie der Zirkusgeschichte. Das privat betriebene Museum befindet sich in der Straße Liebenwalder Damm im brandenburgischen Klosterfelde, einem Ortsteil der Gemeinde Wandlitz im Landkreis Barnim. Es ist weltweit das einzige Museum zum Thema Artistik und Unterhaltungskunst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Internationale Artistenmuseum wurde am 5. September 1997 gegründet. Den Grundstock bildete die umfangreiche Privatsammlung von Museumsgründer Roland Weise, der in den 1950er Jahren als Journalist und Direktor des Büros für künstlerische Festivals tätig war.[1] Das Interesse an der Sammlung von Materialien aus Artistenkreisen wurde durch die Begegnung mit einer Persönlichkeit der Unterhaltungskunst angestoßen: Durch Weises Tätigkeit bei der sowjetischen Militärzeitung für Deutschland Tägliche Rundschau war er mit dem sowjetischen Magier Emil Kio in Kontakt gekommen. Das geschenkte Foto war das erste Stück seiner Sammlung.

Wasserminna-Brunnen

Aufgrund des stetigen Publikumsinteresses an seinen Ausstellungen, die er seit den 1960er Jahren an verschiedenen Orten in Deutschland und im Ausland zeigte, hatte sich Weise bereits Ende der 1970er Jahre um die Gründung eines Artistenmuseums bemüht. 1980 wurde sein Antrag von der DDR-Führung abgelehnt. Nach der Wende kam er auf das Ansinnen zurück, gründete gemeinsam mit 23 Kunstschaffenden einen Museums-Förderverein[1] und baute das Museum auf seinem Grundstück in Klosterfelde mit privaten Mitteln auf. Für den ständigen Betrieb des Museums sind etwa 180.000 Euro jährlich erforderlich, es konnten 4 feste Arbeitsplätze geschaffen werden.[2]

Sammlung und Angebote

Das Modell des Zirkus Sarrasani ist im Museum zu sehen.

Aufgrund des Umfangs der Sammlung wurde das Internationale Artistenmuseum 2001 in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.[3] Die Exponate werden in regelmäßig wechselnden Ausstellungen gezeigt und natürlich ständig vermehrt. Zum Bestand gehören mittlerweile unter anderem 12.000 historische und aktuelle Fachbücher über Artistik, Kabarett, Magie, Musik, Tanz, Pantomime, Zirkus und Schaustellerwesen. Die ältesten Bücher stammen aus dem Jahr 1800. Im Museumsbesitz befinden sich auch 1300 Plakate, 35.000 Programmhefte von Varietés, Zirkussen, Kabaretts aus der ganzen Welt sowie 1500 Schallplatten, Musikkassetten, Tonbänder und Videos. Der Fundus beinhaltet weiterhin 60.000 Fotografien, 12.000 Fachzeitschriften, 350 Clownfiguren, 70 Medaillen, 350 Briefmarken mit Motiven der Artistik und 60 Artisten- und Zirkusfilme (Stand Mitte 2009). Erwähnenswert sind der Originalfilm über den Aufbau des vietnamesischen Staatszirkus' sowie Ausschnitte aus den DEFA-Wochenschauen der DDR über Artisten, Varietés und Zirkusse. Weitere Bestandteile der Sammlung sind Kraftakrobatikrequisiten des mehrfachen Kraftsport-Weltmeisters Milo Barus, eine historische Glockenorgel aus dem Jahr 1901[4] sowie Originalkostüme der russisch-sowjetischen Clowns Karandasch und Oleg Popow, des Entertainers Freddy Quinn sowie zahlreicher weiterer Künstler. Auch ein präparierter Eisbär aus der Eisbärengruppe der Dompteuse Ursula Böttcher aus dem Staatszirkus der DDR gehört zur Sammlung. Gezeigt wird außerdem ein maßstabsgetreues Modell des festen Zirkusbaus des Zirkus Sarrasani in Dresden um 1936 sowie ein originales Winchester-Gewehr des amerikanischen Kunstschützen Buffalo Bill, das er bei der Präsentation seiner Wildwest-Show 1889/1890 in Deutschland benutzte.

Bereits im Vorgarten weist der Brunnen Wasserminna, gestiftet vom Zirkus Busch-Roland, auf eine abwechslungsreiche Darbietung hin. Zunächst war eine Aufstellung auf dem Berliner Alexanderplatz vorgesehen.[2]

Zusätzlich zu der ständigen Exponateschau werden regelmäßig Sonderausstellungen anderer Sammler sowie Veranstaltungen organisiert, so gab es 2009 die Ausstellung Artisten, Varieté und Zirkus in der Filmwelt[5], bei welcher das jüdisch-ukrainische Ensemble des Volkskünstlers Alexander Schwarz musizierte.[6] Einmal jährlich finden Internationale Artistentage statt, bei der namhafte Künstler aus aller Welt auftreten. Schirmherr dieses Events ist der Brandenburgische Ministerpräsident.[7] Die Internationalen Artistentage sind einerseits ein Publikumsmagnet, andererseits treten aus diesem Anlass auch Sänger, Musiker oder Artisten aus verschiedenen Einrichtungen auf. Die Besucher und eine kleine Jury vergeben gemeinsam einen Publikumspreis, den Grand Prix artistique, der im Jahr 2007 an Regina Thoss, James W. Pulley , die Berliner Artistenschule contraire, das Heeresmusikkorps der 14. Panzergrenadierdivision, die Break Dance-Gruppe Batte Beasts aus Russland und an das Deutsche Clown-Theater vergeben wurde.[8]

Bis zum Jahr 2007 kamen 175.000 Besucher[1] in das „weltweit einzige Artistenmuseum“ (eigene Darstellung).

Der Museumsverein veranstaltete im Sommer 2009 mithilfe von Fördermitteln der Gemeinden Wandlitz, Bernau, Panketal und Eberswalde einen sechstägigen Workshop in einem eigens auf der Wiese vor dem Museum errichteten großen Zirkuszelt. Das Angebot richtete sich an Kinder zwischen 10 und 15 Jahren, bei dem Einrad-Fahren, Akrobatik, Balance, Jonglage, Zauberei und Clownerie erlernt werden konnten.[9]

Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, sich beim Tag der offenen Museumstür (Oktober) einen kleinen Überblick über die Exposition zu verschaffen.[10]

Ausstellungen (Auswahl)

  • Artisten, Varieté und Zirkus in der Filmwelt (2009)
  • Artistik und Zirkuskunst der DDR (2011)
  • Absurdes, Kurioses und Sensationelles aus Varieté und Zirkus (2011/2012)
  • Das Lachen großer Clowns (2012)[10]

Träger und Zukunft

Das Museum am Rande der Schorfheide wird seit 2005 vom Förderverein Internationales Artistenmuseum betrieben, deren Vorsitzende die Politikerin Dagmar Enkelmann ist.[8] Der eingetragene Verein arbeitet gemeinnützig und setzt sich aus Artisten, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie weiteren Unterstützern aus dem In- und Ausland zusammen. Eintrittsgelder und Zuschüsse des Landes Brandenburg sind jedoch keine sichere Existenzbasis.[11] Deshalb wird zur Sicherung des Standortes zwischen dem Eigentümer Roland Weise und dem Förderverein über den Abschluss eines Erbbaupachtvertrages verhandelt, der für Bank-Kreditgeschäfte eine wichtige Grundlage darstellt. Der Verein plant langfristig den Erwerb des Museums sowie Erweiterungsbauten für das Archiv und für Veranstaltungen.[7]

Soziales Engagement

Roland Weise, der Gründer und Leiter des IAK nimmt regen Anteil am Geschehen in seinem Heimatort. So sorgte er im Jahr 2009 dafür, dass der zu dieser Zeit stark beschädigte und ungepflegte Ehrenfriedhof für die am Ende des Zweiten Weltkriegs gefallenen Kämpfer der Roten Armee ordentlich wieder hergerichtet wurde. Gemeinsam mit Sergei Sedych, dem Attaché der Russischen Botschaft aus Berlin, und dem Wandlitzer Bürgermeister Udo Tiepelmann erfolgte am 8. Mai 2010, dem 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, eine Kranzniederlegung an diesem denkmalgeschützten Ehrenmal.[2]

Literatur

  • Roland Weise: Erstes Museumsjournal aus Klosterfelde. Selbstverlag, Klosterfelde 1997
  • Katja Nick, Roland Weise (Hrsg.): Durch Rückwärts vorwärts, Verlag Wiesjahn, 1997, ISBN 9783931610159

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Roland Weise: Start ins 81. Lebensjahr. Gründer und Geschäftsführer des Klosterfelder Artistenmuseums feierte Geburtstag. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 21. Juni 2008, S. 62
  2. a b c Museumszeitung des Internationalen Artistenmuseums Klosterfelde. Hrsg. Förderverein Internationales Artistenmuseum in Deutschland e.V., Ausgabe 8 2010;
  3. Guinness Buch der Rekorde 2001, Hamburg; Seite 241: Roland Weise aus Berlin eröffnete am 5. September 1997 das erste Internationale Artistenmuseum. Das private Museum umfasst mehr als 60.000 Fotos, 13.000 Plakate und 9.000 Fachbücher und ist täglich geöffnet.
  4. Glockenorgel, von einer Museumsmitarbeiterin präsentiert: Bild 11; abgerufen am 26. Januar 2010
  5. Kurzinfo Ausstellung 2009 im Heidekrautjournal; abgerufen am 1. Juni 2010
  6. Das Artistenmuseum informiert - Jüdisches Ensemble spielt internationale Hits. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz (5)2009, S. 20
  7. a b Info über eine Wanderausstellung und Überlegungen zur Zukunft des IAK; abgerufen am 10. Dezember 2009
  8. a b Roland Weise: Mega-Gala der Artistentage. Publikumspreis 'Grand Prix artistique' 2007 verliehen. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 23. Juni 2007, S. 21
  9. Zirkus-Camp. Noch freie Plätze, in: 'Der Blitz', Tageszeitung, Ausgabe für Bernau vom 18./19. Juli 2009
  10. a b Veranstaltungskalander Barnimer Land 2011
  11. Zaubern würde helfen - Artikel in der Zeitung Der Tagesspiegel vom 23. November 2008; abgerufen am 10. Dezember 2009
52.797513.478888888889

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