August Lammers (NLP)

August Lammers (* 23. August 1831 in Lüneburg; † 28. Dezember 1892 in Bremen) war ein Politiker, volkswirtschaftlicher Schriftsteller und Journalist.

Leben

Lammers war Sohn eines Kaufmanns und studierte ab 1850 in Göttingen Philologie und Geschichte. Durch die Ereignisse der Märzrevolution waren Lammers Sympathien für die liberale und nationale Bewegung erweckt und bereits während des Studiums begann er für die Weser-Zeitung politische Artikel zu schreiben. In diesen unterstützte er während der Reaktionsära die liberalen Politiker Johann Carl Bertram Stüve und Rudolf von Bennigsen gegen das Kabinett Borries. Ohne sein Studium abzuschließen wurde er 1852 Redakteur der Weser-Zeitung in Bremen. Dort arbeitete er bis 1853 und ging dann für einige Wochen als Korrespondent des Blattes nach Paris. Am Ende des Jahres kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm 1854 die Redaktion der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. In den folgenden Jahren war er in gleicher Eigenschaft an verschiedenen Zeitungen im norddeutschen Raum tätig (ab 1857 Zeitung für Norddeutschland in Hannover, ab 1859 Weser-Zeitung). Im Jahr 1861 begründete er in Frankfurt am Main die politische Zeitung die Zeit, die 1862 mit der Süddeutschen Zeitung verschmolz, aber 1864 einging. Der Hauptgrund für das Scheitern war die ausgeprägt preußisch-kleindeutsche Ausrichtung der Zeit, die daher im stark großdeutsch gesinnten Frankfurt und Süddeutschland nur eine geringe Verbreitung erreichte.

Lammers wurde 1864 Redakteur der Elberfelder Zeitung, 1866 des Bremer Handelsblatt, gründete 1878 die Wochenzeitschrift Nordwest. Monatsschrift für Gemeinnützigkeit und Unterhaltung. Dieses Blatt hat Lammers dann zusammen mit seiner Schwester, der Frauenrechtlerin Mathilde Lammers, bis zu seinem Tod geleitet. Außerdem hat er als Geschäftsführer des 1883 in Kassel gegründeten Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke (Temperenzler) dessen Zeitschrift Mäßigkeitsblätter verantwortet.

Neben der Publizistik beteiligte sich Lammers auch in politischer Hinsicht. So war er an der Vorbereitung des ersten volkswirtschaftlichen Kongresses, der 1858 zum ersten Mal in Gotha stattfand, beteiligt. An diesem nahmen zahlreiche führende Politiker aus dem liberalen Lager Teil wie Wilhelm Adolf Lette, Karl Mathy oder Carl Biedermann teil. Neben volkswirtschaftlichen Fragen im engeren Sinn war dieser Kongress, dem bis in die 1870er Jahre weitere Treffen folgten, ein politisches Forum der liberalen und nationalen Bewegung. Daneben war Lammers 1859 neben Bennigsen und Hermann Schulze-Delitzsch Mitbegründer des Deutschen Nationalvereins. Von 1873 bis 1879 war er als Vertreter des Wahlbezirks (heute Wuppertal) Elberfeld-Barmen, Mitglied des preußischen Landtages, wo er der national-liberalen Partei angehörte. Dort hat er sich als Abgeordneter für das frühindustrielle Wuppertal sozialpolitisch betätigt. So war er etwa Berichterstatter einer Kommission über einen Gesetzentwurf zur Unterbringung verwahrloster Kinder im Jahr 1878. Lammers gehörte in seiner Fraktion dem freihändlerischen Flügel an, der nach dem Rücktritt von Rudolph von Delbrück und der innenpolitischen Wende von Otto von Bismarck hin zur Schutzzollpolitik an Einfluss verlor.

Diese innenpolitische Wende, die zu einer Stärkung des konservativen Elements in der deutschen Innenpolitik wurde, war ein Grund dafür, dass sich Lammers in den folgenden Jahren eher gesellschaftlichen Themen und der bürgerlichen Sozialreform zuzuwenden. So wandte er sich gegen das Abbrennen der Moore zur landwirtschaftlichen Nutzbarmachung. Vor allem seine Erfahrungen im Wuppertal führten dazu, dass Lammers zusammen mit anderen liberalen Politikern bereits 1872 die Deutsche Gesellschaft zur Verbreitung der Volksbildung gründete. Noch bedeutender war die Rolle von Lammers bei der Gründung des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit in den Jahren 1878 bis 1880. Lammers hat zu einem großen Sammelwerk (Das Armenwesen und die Armengesetzgebung in den Europäischen Staaten (Berlin, 1879)) über das Elberfelder System der Armenpflege geschrieben.

Sozialpolitisch vertrat Lammers ganz die damalige Linie der Liberalismus. Nicht in staatlicher Sozialpolitik wie Bismarck oder in der kollektiven Selbsthilfte der Arbeiterbewegung, sondern in der individuellen Förderung der Benachteiligten sah er die Lösung der sozialen Frage. Wichtig waren für ihn: 1. Erziehung zur Arbeit und Schaffung von Arbeitsnachweisen, 2. Erziehung zum Sparen und zum Versichern (von Lebensrisiken), 3. Erziehung zur Mäßigkeit. Lammers gehörte daher 1882 zu den Mitbegründern des Deutschen Sparkassentages. In diesen Zusammenhang gehört auch die von ihm maßgeblich initiierte Gründung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke im Jahr 1883, dessen Geschäftsführer Lammers wurde. Daneben war er bei zahlreichen weiteren Vereinen teils Mitbegründer oder Förderer. Dazu etwa der Deutsche Verein zur Rettung Schiffbrüchiger, der Deutsche Verein für Gesundheitspflege, der Verein für die Massenverbreitung guter Schriften, sowie Vereine für Ferienkolonien, Knabenhorte, Arbeiterbildungs- und Frauenbildungsvereine, insbesondere des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Außerdem hat er die Einführung von Werkunterricht in den Schulen gefördert. Aktiv war Lammers auch in der evangelischen Kirche und hat zeitweise etwa die Zeitschrift des deutschen Protestantenvereins redigiert.

Zur Förderung seiner Ziel hat Lammers eine Reihe von Broschüren veröffentlicht (Hausfleiß, Armenpflege, Sonntagsfeier, Trunksucht u.s.w.) und zahlreiche Artikel verfasst.

Schriften (Auswahl)

  • Der Socialismus. Breslau : Koebner, 1878
  • Die Erziehung zur Arbeit. Gotha : F. A. Perthes, 1891
  • Ziele und Bahnen der deutschen Armenpflege. Berlin : Simion, 1882
  • Bekämpfung der Trunksucht. Berlin : Habel, 1881
  • Die Schutzzölle. (Als Manuscript gedruckt.) Breslau, 1876
  • Deutschland nach dem Kriege : Ideen zu einem Programm nationaler Politik. Leipzig : Duncker & Humblot, 1871
  • Die geschichtliche Entwicklung des Freihandels. Berlin : Lüderitz, 1869
  • Die deutsche Auswanderung unter Bundesschutz. Berlin : Herbig, 1869

Literatur


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