Becton-Sand-Formation

Die Becton-Sand-Formation ist eine sedimentäre Formation im südenglischen Hampshire-Becken. Sie ist die oberste Formation der Barton-Gruppe und wurde im ausgehenden Oberen Mitteleozän (Bartonium) abgelagert.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung und Typlokalität

Die Becton-Sand-Formation erhielt ihre Bezeichnung vom Becton Bunny, einen kleinen Bach, der etwa 1 Kilometer östlich von Barton-on-Sea in den Ärmelkanal mündet. Das Wort Becton leitet sich vom engl. beacon (Leuchtfeuer, Leuchtturm) ab. Der Küstenabschnitt östlich von Barton-on-Sea stellt die Typlokalität der Becton-Sand-Formation. Er bildet einen Steilabbruch, der relativ starker Erosion mit treppenartig angeordneten Hangrutschungen ausgesetzt ist. Die Küste weicht hier durchschnittlich um 1 Meter/Jahr zurück.

Geschichte

Die Becton-Sand-Formation, oder kurz Becton Sands, wurde vormals auch noch als Barton Sand oder Upper Barton Beds bezeichnet.

Stratigraphie

Die Küste östlich von Barton-on-Sea. Das Tal des Becton Bunny im Vordergrund. Die Becton-Sand-Formation liegt oberhalb der Chama-Sand-Formation

Die etwa 23 Meter mächtig werdende Becton-Sand-Formation legt sich konkordant auf die unterlagernde Chama-Sand-Formation. Sie schließt mit einem tonigen Paläoboden und wird dann ihrerseits konkordant von der Headon-Hill-Formation der Solent-Gruppe überlagert.

Die generell sandige Formation wurde im inneren neritischen und im sandbeherrschten Küstenbereich abgelagert. Sie besteht lithologisch vorwiegend aus fein- bis grobkörnigen Sanden und sandigen Tonen. Im oberen Abschnitt zeigt sie Verflachung des Ablagerungsmilieus und brackische Tendenzen.

Die Becton-Sand-Formation lässt sich wie folgt gliedern (von jung nach alt):

  • Bed L
  • Batillaria Shell Bed
  • Bed K
  • Becton Bunny Bed
  • Bed J

Die Formation wird vom markanten, 7,90 Meter mächtigen Becton Bunny Bed, einer schalenführenden Tonlage, unterteilt.

Die 7,90 Meter mächtige Sandlage unter dem Becton Bunny Bed trägt die Bezeichnung Bed J. Es handelt sich hier um glimmerreiche, graue bis gelbe Sande, die interstitiell von Ton verkittet werden. Sie sind recht fossilarm, können jedoch in ihrem oberen Abschnitt Schalenabdrücke enthalten.

Das Becton Bunny Bed, nach dem reichlich vorkommenden Gastropoden Olivella branderi auch als Olivella Branderi Bed bezeichnet, besteht generell aus graubraunen, sandigen, recht fossilreichen, impermeablen Tonen (Grundwasserstauer). Die anfänglichen 1,80 Meter sind noch rein grau, die restlichen 6 Meter zeigen dann eine leicht grünliche Färbung und verwittern aufgrund ihres Eisengehalts verwaschen rosa. Zirka 3 Meter oberhalb der Basis befindet sich ein Horizont mit runden, bis zu 10 Zentimeter großen, Siderit-Konkretionen (mit Callianassa). Gegen ihr Hangendes wird das Becton Bunny Bed mergelig mit Brackwasserfossilien des ästuarinen Bereichs (Bayania, Corbicula, Cyrena, Dreissensia, Erodona und Potamides). Marine Taxa im Becton Bunny Bed sind Glans oblonga, Olivella, Pollia, Nucula und Pitar (teilweise mit originaler Aragoniterhaltung).

Die weiße bis blassgelbe, recht fossilreiche, Pyrit-führende Sandlage oberhalb des Becton Bunny Bed ist das Bed K oder auch Long Mead End Bed. Die Sande sind mittelkörnig und sehr reich an Quarz. Das Bed K enthält neben den Brackwassertaxa Olivella branderi, Bayania fasciata und Corbicula die Taxa Lucina gibbosula und Batillaria pleurotomoides.

Über dem 6 Meter mächtigen Bed K folgt die nur 25 Zentimeter dicke Schalenlage des Batillaria Shell Bed mit zerbrochenen Schalen von Batillaria pleurotomoides. Die Schichtfolge wird von dem 1 Meter mächtigen, zwei Doppelhorizonte von Lignit enthaltenden Bed L oder Lignite Bed abgeschlossen. Es besteht aus grünen Tonen, wird von Wurzelrhizomen durchsetzt und folglich als Paläoboden interpretiert.

Fossilinhalt

Neben den bereits angeführten Bivalvia und Gastropoden wurde in der Becton-Sand-Formation auch Nautilus aufgefunden. Überreste von Schildkröten werden aus dem Hangenden des Long Mead End Bed berichtet.

Alter

Absolutalter für die Becton-Sand-Formation sind nicht bekannt. An ihrer Obergrenze zur Headon-Hill-Formation beginnt NP 18, sie dürfte somit zum obersten Abschnitt von NP 17 gehören, d. h. sie wurde vor rund 37 Millionen Jahren BP an der Wende Bartonium/Priabonium abgelagert.


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