Liri Belishova

Liri Belishova (* 1923 in Belishova, Skrapar[1]) ist eine ehemalige albanische Politikerin der Partia e Punës e Shqipërisë (PPSh).

Biografie

Liri Belishova absolvierte in Tirana ein Lehrerseminar und machte Ausbildung zur Krankenschwester.[1] Sie übernahm in der PPSh nach deren Gründung am 8. November 1941 führende Aufgaben wahr und studierte zeitweise in der Sowjetunion. Sie war im Partisanenkampf aktiv, wobei sie ein Auge verlor. Im Herbst 1944 wurde sie von den Alliierten zur medizinischen Pflege nach Bari in Italien gebracht.[1] Im Jahr 1945 heiratete sie den Wirtschaftsminister Nako Spiru, der im November 1947 Selbstmord beging.[1][2]

Nach der Gründung der Volksrepublik Albanien am 11. Januar 1946 wurde Belishova im Jahr 1948 Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der PPSh sowie Mitglied des Politbüros der PPSh. 1953 gehörte sie neben Vizeministerpräsident Spiro Koleka, General Beqir Balluku, dem langjährigen Finanzminister Abdyl Këllezi und dem Erziehungs- und Kulturminister Ramiz Alia zu der Delegation beim Staatsbegräbnis von Josef Stalin.[3]

Zwischen Juli 1954 und 1960 war sie darüber hinaus als Nachfolgerin von Josif Pashko Sekretärin des ZK[4] sowie von 1958 bis 1961 auch Sekretärin des Präsidiums der Volksversammlung (Kuvendi Popullor).

Am 9. September 1960 wurde sie von nach einer Denunzierung durch Hysni Kapo[5] von ihren Parteiämtern entbunden. Nachfolger als Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der PPSh wurde Ramiz Alia. Grund für ihren Sturz war, dass sie nach dem Bruch Albaniens mit der Sowjetunion und der Hinwendung zur Volksrepublik China[6][7][8][9] zusammen mit dem ehemaligen Botschafter in der UdSSR, Koço Tashko,[10] und ihrem zweiten Ehemann, Landwirtschaftsminister Maqo Çomo,[5][11][12] zu den Anhängern von Nikita Sergejewitsch Chruschtschow zählte.[13][14][15][16]

Am 8. September 1961 wurde sie von Enver Hoxha, dem Generalsekretär der PPSh auch als Sekretärin des Parlamentspräsidiums entlassen.

Zunächst wurde sie als Vertreterin des „pro-sowjetischen und revisionistischen Flügels der PPSh“ zum Tode verurteilt[17], war danach jedoch dreißig Jahre lang bis 1991 als politische Gefangene unter Hausarrest gestellt.

Nach dem Sturz des Kommunismus erhob sie 1991 den Vorwurf, Enver Hoxha habe ihren Mann getötet.[18]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d J.F. Brown: Background Notes to Albania's Party Congress – Special Report. In: Open Society Archives. 2. Februar 1961, abgerufen am 24. November 2010 (englisch).
  2. Profile: Liri Belishova
  3. Owen Pearson: Albania as dictatorship and democracy: from isolation to the Kosovo War 1946-1998, S. 573, ISBN 1845111052, 2006
  4. Owen Pearson, S. 482
  5. a b Owen Pearson, S. 573
  6. Idrit Idrizi: „Das Konzept des Neuen Menschen im kommunistischen Albanien (1961 - 1971)“, S. 26, Diplom-Arbeit, Universität Wien, 2010
  7. Roderick MacFarquhar: The Origins of the Cultural Revolution: The Coming of the Cataclysm, 1961-1966, S. 531, ISBN 0192149970, 1997
  8. Christian F. Ostermann: Der Warschauer Pakt: von der Gründung bis zum Zusammenbruch : 1955 bis 1991, S. 35 f., ISBN 3861535041, 2008
  9. Enver Hoxha: We Shall go to Moscow Not With Ten Banners, But With Only One, With the Banner of Marxism-Leninism (Speech at the 18th Plenum of the CC of the PLA Concerning Liri Belishova's Grave Mistakes in Line), 6. September 1960
  10. Harry Hanak: Soviet foreign policy since the death of Stalin, S. 212, ISBN 0710072155, 1972
  11. Borba Claims Terror Ruling in Albania (21. März 1961)
  12. Teki Gjonzeneli: An angel forbidden to spread her wings (4. Januar 2009)
  13. TIME-MAGAZINE: Albania: The Black Sheep (23. Juni 1961)
  14. Ana Lalaj, Christian F. Ostermann, Ryan Gage: “Albania is not Cuba.” Sino-Albanian Summits and the Sino-Soviet Split
  15. Enver Hoxha: The Defense of the Marxist-Leninist Line is Vital For Our Party and People and for International Communism (Contribution to the Discussion at the 18th Plenum of the CC of the PLA), 7. September 1960
  16. Die Zeit: Albanien: Ein Held und viele Schurken. Parteichef Hodscha rechnet mit seinen Gegnern ab - ein ZETF-Dokument (14. Januar 1983)
  17. Anita Niegelhell, Gabriele Ponisch: Wir sind immer im Feuer: Berichte ehemaliger politischer Gefangener im kommunistischen Albanien, S. 62, 144, ISBN 3205992903, 2001
  18. Owen Pearson, S. 306, 573; vgl. Enver Hoxhas Schilderung in: The Titoites. Tirana 1982, S. 373ff.

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