Abdämmungsdepression

Eine Senke im Sinne der Geomorphologie – im Rahmen dieser Wissenschaft auch Depression genannt – ist ein Gebiet auf dem Festland, das tiefer liegt als der Meeresspiegel.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen und Bedingungen

Die Depression oder geomorphologische Senke ist ein Spezialfall der geografischen Senke, deren Grund zwar immer niedriger als die gesamte Umgebung liegt, aber auch höher als der Spiegel des Weltmeeres liegen kann. Geomorphologische wie auch andere geografische Senken sind von Niederungen zu unterscheiden, die nur teilweise von höherem Gelände umgeben sind, so dass ihr Boden überwiegend über dem Abflusshorizont liegt. Nur in Klimaregionen, wo die Niederschlagsmenge geringer ist als die Verdunstung, können Depressionen als natürlicherweise begehbares Land unter Meeresniveau oberflächlich erkennbar sein. An der tiefsten Stelle haben sie einen Salzsumpf oder Salzsee, dessen Wasserspiegel nicht selten starken jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Befindet sich dagegen tiefer als der Meeresspiegel gelegener Boden unter dem Wasser eines Sees, nennt man das eine Kryptodepression, also verborgene Depression. Begehbare Depressionen gibt es in feuchten Klimaregionen nur durch menschliche Eingriffe. Flächenmäßig am bedeutendsten ist knapp unter dem mittleren Meeresspiegel gelegenes dauernd entwässertes Marschland, Abdämmungsdepressionen wie die niederländischen Polder. Die tiefreichendsten Depressionen in feuchten Regionen sind Tagebaue, die entweder zurzeit ausgebeutet und entwässert werden, oder nach ihrem Auflassen noch nicht vollständig verfüllt oder gewässert worden sind.

Bedeutende natürliche Depressionen

Die tiefsten Depressionen sind das Jordantal mit dem Toten Meer (Spiegel derzeit -420 m, Boden bis -800 m) an tiefster Stelle und dem See Genezareth (Süßwasser, Spiegel bei -212 m), die zentralasiatische Turfan-Senke mit dem Aydingkolsee (Spiegel bei -155 m), das amerikanische Death Valley (Badwater -85,5 m) das ägyptische Fayyum-Becken mit dem Qarun-See (Spiegel -42 bis -45 m), das Kaspische Meer (Spiegel derzeit bei -28 m, Boden bis -1.023 m) und der australische Eyre-See, Spiegel -11 m (9500 km²) bis -17 m (leer).

Kryptodepressionen

In feuchtem Klima werden Hohlformen bis zum Überlaufen mit Seen ausgefüllt. Daher gibt es hier außer bei künstlicher Entwässerung nur Kryptodepressionen. Diese entstanden besonders häufig als Folge eiszeitlicher Vergletscherung wie rund um die Ostsee und bei den Randseen der Hochgebirge. Bei solchen Fjordseen haben Gletscher die Täler bis unter den Meeresspiegel ausgeschürft. Endmoränen oder Felsriegel oder viele hundert Kilometer Landmasse halten die Seespiegel hoch und Meerwasser fern.

Die tiefsten Kryptodepressionen sind der Baikalsee (Spiegel 456 über, tiefster Punkt 1.181 m unter dem Meeresspiegel) und der Tanganjikasee (Spiegel 782 m über, tiefster Punkt 688 m unter dem Meeresspiegel). Zu den Kryptodepressionen im Alpenraum zählen der Gardasee (tiefste Stelle -281 m s.l.m.), der Comer See (-228 m s.l.m.), der Lago Maggiore (179 m unter M.), der Iseosee (-66 m s.l.m.) und der Luganersee (17 m unter M.). Kryptodepressionen in Norddeutschland sind die Böden vom Arendsee (-27 m), Plöner See, Hemmelsdorfer See (-39,50 m) in Ostholstein, Ratzeburger See, Schaalsee (-36,5 ), Schweriner See, Malchiner See, Kummerower See, Großem Stechlinsee und Tollensesee.

Abdämmungsdepression

An flachen Meeresküsten und in manchen Flussmündungen wird durch die Eindeichung und ständige Entwässerung wenig unter dem Meeresspiegel liegendes Land künstlich von Meerwasser frei gehalten und als Kulturland genutzt – hier spricht man von der Abdämmungsdepression. So liegt mehr als ein Viertel der Niederlande tiefer als der Meeresspiegel bei Mittelwasser. Die mit 3,54 m unter NN tiefste Abdämmungsdepression in Deutschland befindet sich in Neuendorf-Sachsenbande im Kreis Steinburg.

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