Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannstrost Halle

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Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannstrost Halle
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Trägerschaft Verein für berufsgenossenschaftliche Heilbehandlung Halle e. V.
freigemeinnützig
Ort Halle (Saale)
Bundesland Sachsen-Anhalt
Staat Deutschland
Koordinaten 37° 17′ 16,9″ N, 8° 26′ 4,7″ O37.2880228.434639Koordinaten: 37° 17′ 16,9″ N, 8° 26′ 4,7″ O
Ärztlicher Direktor Professor Dr. Dr. Gunther O. Hofmann
Versorgungsstufe Maximalversorgung
Betten 452
Ärzte 238
Fachgebiete 9
Zugehörigkeit Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Gründung 8. September 1894
Website www.bergmannstrost.com

Die Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost Halle sind Krankenhaus der Maximalversorgung in Halle (Saale) im Bundesland Sachsen-Anhalt und Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Unter einem Dach ist ein breites Spektrum medizinischer Fachbereiche etabliert.

Inhaltsverzeichnis

Schwerpunkte

Traumazentrum

Polytraumamanagement bedeutet die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit hochspezialisierter Fachkräfte. Durch den in einem der Schockräume im Bergmannstrost fest integrierten Computertomograph können diagnostische und lebensrettende therapeutische Maßnahmen gleichzeitig durchgeführt werden. Da bei der Erstversorgung von Polytraumatisierten jede Minute zählt, sogar über Leben und Tod entscheiden kann, wird so wertvolle Zeit gewonnen und die Sterbewahrscheinlichkeit erheblich gesenkt.
Die Klinik ist aktiv im Traumaregister, einem Arbeitskreis innerhalb der Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie DGU.[1]

Überregionales Brandverletztenzentrum

Das ausgedehnte thermische Trauma gehört zu den schwersten möglichen Verletzungen. Die tiefe, großflächige Zerstörung der Körperoberfläche führt nicht nur zu lokalen Schäden in Einheit mit dem Kollaps der schützenden Hautbarriere, sondern auch durch die Aktivierung bzw. überschießende Reaktion der zellulären und humoralen Kaskadensysteme[2] (Immunantwort) zu lebensbedrohlichen körperlichen Reaktionen (Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom).
Das Brandverletztenzentrum in Halle bietet als eines von drei Brandverletztenzentren in den neuen Bundesländern[3] alle Leistungen für die Behandlung von Schwerbrandverletzten an (Erstversorgung einschließlich Intensivmedizin und Rekonstruktion der verletzten Hautareale, Rehabilitation).

Zentrum für Rückenmarkverletzte

Hier werden Patienten mit Erkrankungen bzw. Fehlbildungen der Wirbelsäule und drohender bzw. eingetretener Querschnittlähmung versorgt. Darüber hinaus erfolgt die Sanierung von Weichteilschäden (Druckgeschwüren). Die Behandlung aufgetretener Komplikationen, gelenküberbrückender Verknöcherungen (Paraosteoarthropathie = POA), von Arm- oder Beinbrüchen sowie von lähmungsbedingten Kontrakturen und Spasmen wird durch das Ärzteteam des Querschnitt-Zentrums ebenso wie z.B. die Arthroskopie durchgeführt.[4]
Die umfassende Versorgung Querschnittgelähmter zielt darauf ab, erhaltene Funktionen zu stärken, neue Funktionen anzubahnen, sie für den Nutzen der täglichen Verrichtungen zu trainieren. Funktionsverluste werden möglichst mittels individuell angepasster Hilfsmittel kompensiert. Das Erreichen einer individuell größtmöglichen Selbständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen steht im Vordergrund. Spätestens nach Erstbehandlung und Rückkehr in den Alltag gewinnt die Frage nach Möglichkeiten, Sexualität auszuleben an Bedeutung und ist deshalb ebenfalls Teil der Beratung/Therapie.
Bei Querschnittgelähmten besteht stets die Gefahr lähmungsspezifischer Komplikationen, was die Notwendigkeit einer lebenslangen medizinischen Betreuung nach sich zieht.

Direktor Dr. med. Klaus Röhl, Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie, Rehabilitationswesen ist aktiv in der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die der Zusammenarbeit aller in der Behandlung und Rehabilitation Querschnittgelähmter beteiligten Berufsgruppen dient.

Fachübergreifende Frührehabilitation

Wichtiges Anliegen ist es, die Patienten des „Bergmannstrost“ schnellstmöglich wieder in das berufliche und soziale Leben einzugliedern. Die Behandlung beginnt bereits vor der Operation oder baldmöglichst danach am Patientenbett. Sie setzt sich fort in der stationären Früh-Rehabilitation, der BGSW (Berufsgenossenschaftliche Stationäre Weiterbehandlung) und in der EAP (Erweitere Ambulante Physiotherapie).

Fachabteilungen

Kliniken / Fachbereiche / Zentren / Abteilungen[5] Betten Leitung
Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie 108 Prof. Dr. Dr. Hofmann
Zentrum für Rückenmarkverletzte und Klinik für Orthopädie 60 Dr. med. Klaus Röhl
Klinik für Plastische und Handchirurgie, Brandverletztenzentrum 36 + 8 PD Dr. med. Steen
Klinik für Allgemein und Viszeralchirurgie 36 Dr. med. Zaage
Klinik für Neurochirurgie 36 Prof. Dr. med. Meisel
Klinik für Neurologie 36 PD Dr. med. Wohlfahrt
Klinik für Fachübergreifende Frührehabilitation 40 PD Dr. med. Wohlfahrt
Klinik für bildgebende Diagnostik und Interventionsradiologie - Dr. med. Braunschweig
Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin 20 PD Dr. med. Stuttmann
Medizinische Klinik 72 PD Dr. med. Barth
Abteilung Medizinische Psychologie 1 - Dr. Utz Ullmann
Sozialdienst -
Seelsorge -
Medizinisches Versorgungszentrum MVZ ambulant Dr. jur. Hubert Erhard


1 Hilfe bei der Bewältigung der neuen Lebenssituation, Therapien zur Annahme eines veränderten Körperbildes sowie psychologische Schmerztherapie, Therapie von reaktiver Depression oder posttraumatischen Belastungsstörungen stehen im Zentrum der Arbeit der Abteilung Medizinische Psychologie in enger Zusammenarbeit mit der Notfallaufnahme, allen Kliniken, dem Pflege- und Sozialdienst, der Physio-, Ergo- und Logotherapie, dem Servicezentrum Unfallversicherung sowie der Seelsorge. Teil des Tätigkeitsspektrums ist aber auch die Begleitung von Angehörigen sowie die Beratung, Supervision und bei Bedarf Krisenintervention der medizinischen Behandlungsteams.

Patientenaufkommen

Die Kliniken verfügen über eine Bettenzahl von 452.
Im Jahr 2007 zählte man 12255 und im Jahr 2008 12245 stationäre Behandlungsfälle.

Forschung (Beispiele)

  • Verbesserung der Wirbelsäulenchirurgietechnik und Entwicklung neuer Wirbelsäulenimplantate
  • Ursachenforschung der Degeneration sowie der Grundlagenforschung des regenerativen Potenzials von Bandscheiben
  • Entwicklung und biomechanische Testung neuer Implantate zur stabilen Versorgung von Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparates
  • Pathophysiologie und Behandlungsstrategien akuter und chronischer Knochen- und Gelenkinfektionen
  • Entwicklung neuer Methoden zur Behandlung ausgedehnter Knochendefekte
  • Optimierung der Behandlungsstrategie bei Polytraumata
  • Technischer und biologischer Gelenkersatz

Kooperation

  • Es besteht eine enge Kooperation mit der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Beide Unfallkliniken stehen unter gemeinsamer ärztlicher Leitung von Prof. Dr. Dr. Gunther O. Hofmann[6]. Dies ermöglicht eine Kompetenz-Netzwerkleistung für die Versorgung von Verletzten auf höchstem wissenschaftlichem Niveau.
  • Sport ist ein wichtiges Mittel zur Motivation und Anbahnung sozialer Integration/Inklusion von Querschnittlähmung betroffener Menschen. Deshalb kooperiert Bergmannstrost seit 2006 mit dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e.V. (BSSA), unterstützt das Integrationssportfest "Landessportspiele für Behinderte und ihre Freunde" und unterstützt in Kooperation mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) am Sportgymnasium Halle (Saale) das landesweite Projekt „Bewegung verbindet - Rollstuhlsport macht Schule“ unter der Schirmherrschaft von Sachsen-Anhalts Kultusministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff.[7]

Geschichte

Kaiser Wilhelm I. mahnte 1881 in der Kaiserlichen Botschaft die Notwendigkeit einer Absicherung gegen Unfall, Krankheit und die Risiken des Alters für die arbeitende Bevölkerung an. Daraufhin beschloss der Reichstag verschiedene Gesetze zur sozialen Sicherung, wie 1884 das Unfallversicherungsgesetz, welches 1885 in Kraft trat. Zugleich nahmen auch die ersten siebenundfünfzig Berufsgenossenschaften als Träger der Unfallversicherung ihre Arbeit auf. Zur Absicherung der medizinischen Versorgung der Bergarbeiter im Raum Halle bei Unfall und Krankheit initiierte Bergassessor Bernhard Leopold den Bau des Hospitals Bergmannstrost.

Anzahl der Betten

8. September 1894: Einweihung des Krankenhauses 132 Betten
bis 1900 Erweiterung auf 300 Betten
1997 Eröffnung des QZ (Zentrum für Querschnittgelähmte) 452 Betten

Klinikdirektoren

Baudenkmal

Der Krankenhauskomplex, "bestehend aus dreigeschossigem Ziegelbau über H-förmigem Grundriss, straßenseitig als Dreiflügelanlage, Mittelrisalit mit großen Rundbogenfenstern, Seitenrisalite mit Spitzgiebeln, ornamentales Ziegelmauerwerk, Segmentbogenfenster", steht unter Denkmalschutz.[8]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Traumaregister der DGU abgerufen am 4. April 2011
  2. Johannes C. Bruck, Fritz E. Müller und Michael Steen: Handbuch der Verbrennungstherapie. ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 2002, ISBN 3-60-951800-6 S. 93: Immunologische Reaktionen nach thermischem Trauma (online)
  3. Verbrennungszentren abgerufen am 4. April 2011
  4. Webseite des Zentrums für Rückenmarkverletzte abgerufen am 3. April 2011
  5. Bergmannstrost auf der Webseite der Vereinigung Berufsgenossenschaftlicher Kliniken VBGK abgerufen am 2. April 2011
  6. Klinikverbund Bergmannstrost/Jena auf der Seite der Uniklinik Jena abgerufen am 11. April 2011
  7. Bergmannstrost unterstützt Behindertensportler auf halleforum.de abgerufen am 9. April 2011
  8. Denkmale in Halle abgerufen am 4. April 2011

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