Berufsoberschule (Bayern)

Die Berufsoberschule (BOS) ist eine Möglichkeit für Schüler mit mittlerem Schulabschluss (z. B. Mittlere Reife, Fachschulreife in Bayern bzw. der Fachoberschulreife in anderen Bundesländern) und einer abgeschlossenen Berufsausbildung die Fachhochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife und die allgemeine Hochschulreife (mit zweiter Fremdsprache) zu erwerben.[1] In Bayern ist sie seit 2008 [2] Teil der BOB. [3] Seit dem Schuljahr 2006/2007 werden analog zur Kollegstufe des Gymnasiums bei den Leistungsfeststellungen Punkte (0 bis 15) statt Noten (1 bis 6) vergeben. Im Zwischen- und Abschlusszeugnis werden neben den erreichten Punkten auch die entsprechende Noten im Wortlaut angegeben.

Inhaltsverzeichnis

Klassen

Vorklasse oder BOS 11

Die Vorklasse dient Schülern, die ihren mittleren Bildungsabschluss über die Berufsschule erworben haben, als Vorbereitung auf die 12. Klasse; wobei oft auch Schüler, die einen mittleren Schulabschluss über Wirtschafts- bzw. Realschule erworben haben oder deren Realschulabschluss lange zurückliegt, zugelassen werden.

Jedoch ist der Zugang auch für Schüler, die keinen mittleren Schulabschluss vorweisen können (Hauptschule + Berufsausbildung ohne Quabi), möglich. In diesem Fall muss Ende Juli eine Aufnahmeprüfung in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch absolviert werden, die sich auf dem Niveau der 9. Klasse Hauptschule (Bayern) bewegt, wobei keine Note schlechter als 4 sein darf und der Schnitt mindestens 2,5 sein muss[4]. Diese Schüler erwerben durch den erfolgreichen Besuch der Vorklasse (keine Note schlechter als 4 bzw. 4 Punkte), automatisch, d. h. ohne gesonderte Prüfung, den mittleren Bildungsabschluss (mittlere Reife).

Die Anzahl bzw. die Auswahl der Fächer, die unterrichtet werden, variiert von BOS zu BOS bzw. von Jahr zu Jahr, je nachdem welche Mittel bzw. wie viele Lehrer jeweils zur Verfügung stehen. Schwerpunkte mit meist 7 bis 10 Wochenstunden sind Deutsch, Englisch und Mathematik.

Vorkurs

Der Vorkurs ist freiwillig und nur für Schüler vorgesehen, die ihren mittleren Bildungsabschluss bereits vor der Berufsausbildung vorweisen konnten (meistens Realschüler) und ihre bereits erworbenen Kenntnisse auffrischen wollen. Der Vorkurs ist berufsbegleitend (entweder samstags oder unter der Woche abends). Unterrichtet werden die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Besucht werden kann der Vorkurs bereits im letzten Ausbildungsjahr, damit der Schüler unmittelbar nach Ende der Berufsausbildung die 12. Klasse der BOS besuchen kann. Der Vorkurs gilt als bestanden, wenn man in jedem Fach mindestens die Note 4 erreicht hat.

BOS 12

Die 12. Klasse der BOS führt zur Fachhochschulreife. Wer weder die Vorklasse noch den Vorkurs mit mindestens der Note 3 in allen Fächern abgeschlossen hat, unterliegt einer Probezeit bis zum 15. Dezember. Die Probezeit gilt als bestanden, wenn man maximal eine Fünf und keine Sechs im aktuellen Notenstand vorweisen kann. Wird am Jahresende (freiwillig) die Fachabiturprüfung abgelegt, wird die Gesamtnote in den Prüfungsfächern aus Prüfungsnote und Jahresfortgangsnote gleichberechtigt zusammengesetzt. In den anderen Fächern gilt die Jahresfortgangsnote als Gesamtnote. Mit höchstens einer Fünf erlangt man die Fachhochschulreife. Berechtigen die Jahresfortgangnoten zum Aufsteigen, wird aber die Fachabiturprüfung nicht abgelegt oder nicht bestanden, kann gleichwohl die 13. Klasse besucht werden.

BOS 13

Die 13. Klasse der BOS führt zur fachgebundenen Hochschulreife. Schüler, die in die 13. Klasse vorrücken möchten, müssen zusätzlich noch ein Seminar belegen, in dem sie eine Seminararbeit schreiben. Diese bezieht sich auf ein Fach bzw. eine Fächerverbindung und gleicht der Facharbeit am Gymnasium. Das Seminar findet meist nach den Fachhochschulreifeprüfungen statt und endet am Schuljahresanfang der 13. Klasse. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. drei Monate. Seiteneinsteiger müssen bis nach den Weihnachtsferien die Seminararbeit ohne Seminarunterricht anfertigen.

Zweite Fremdsprache

Hat der Schüler bereits in der 12. Klasse ein Wahlfach über eine zweite Fremdsprache belegt und führt dieses in der 13. Klasse fort oder weist er ausreichende Kenntnisse über eine zweite Fremdsprache aus dem Gymnasium (mindestens 4 Jahre, abgeschlossen mit der Note 4 oder Oberstufenberechtigung) oder der Realschule (Zwei IIIF) nach, so führt die 13. Klasse zur allgemeinen Hochschulreife. Als zweite Fremdsprachen werden anerkannt:

  • Französisch
  • Spanisch
  • Italienisch
  • Russisch
  • Latein


Es werden allerdings in nicht allen BOSn alle aufgeführten Fremdsprachen angeboten, oft nur Französisch. Ansonsten besteht nach dem erfolgreichen Bestehen der BOS 13 die Möglichkeit, Kenntnisse über eine zweite Fremdsprache durch eine Zusatzprüfung nachzuweisen. Hierbei ist es egal, wie lange der (ehemalige) Schüler schon nicht mehr auf der BOS ist.

Der Nachweis über eine zweite Fremdsprache kann auch über eine Berufsfachschule erbracht werden. Zum Beispiel eine Sprachschule mit staatlicher Prüfung. (Fremdsprachenkorrespondent etc.)

Ausbildungsrichtungen

Die Berufsoberschule bietet folgende Zweige (offiziell Ausbildungsrichtungen) an:

Technik

  • für Schüler mit technischer Berufsausbildung (z. B. Informatik-, Metall- und Elektroindustrie) oder die 5 Jahre in einem technischen Beruf tätig waren.
  • Unterrichtsfächer: Religionslehre/Ethik, Deutsch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde, Geschichte oder Betriebswirtschaftslehre (abhängig von der Schule), Physik, Chemie, Technologie/Informatik
  • Abschlussprüfungsfächer: Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik oder Technologie/Informatik (abhängig von der Schule)

Wirtschaft

  • für Schüler, die eine kaufmännischer Berufsausbildung haben (z. B. Bankkaufleute, Industriekaufleute, Angestellte und Beamte etc.) oder 5 Jahre in einem wirtschaftlichen Beruf tätig waren.
  • Unterrichtsfächer: Religionslehre/Ethik, Deutsch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde, BWR, Technologie, Geschichte, VWL, Wirtschaftsinformatik oder Französisch, Italienisch, Spanisch usw.
  • Abschlussprüfungsfächer: Deutsch, Englisch, Mathematik, BWR

Sozialwesen

  • für Schüler mit Berufsausbildung im sozialen Bereich (z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger(-in), Erzieher(-in)
  • Unterrichtsfächer: Religionslehre/Ethik, Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte, Sozialkunde, Pädagogik/Psychologie, Chemie, Biologie, Wirtschaftslehre, Rechtslehre
  • Abschlussprüfungsfächer: Deutsch, Englisch, Mathematik, Pädagogik und Psychologie

Agrarwirtschaft

  • für Schüler mit Berufsausbildung im Bereich Agrar (z. B. Bäcker)
  • Unterrichtsfächer: Religionslehre/Ethik, Deutsch, Englisch, Geschichte, Sozialkunde, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Wirtschaftslehre, Technologie/Informatik
  • Abschlussprüfungsfächer: Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie

Gemäß § 28 Abs. 3 der Schulordnung für die Berufliche Oberschule - Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOBOSO) muss die berufliche Vorbildung grundsätzlich der jeweiligen Ausbildungsrichtung entsprechen. In eine der beruflichen Vorbildung nicht entsprechende Ausbildungsrichtung kann nur aufgenommen werden, wer zusätzlich eine für die angestrebte Ausbildungsrichtung einschlägige Berufstätigkeit oder das erfolgreiche Durchlaufen einer einschlägigen fachpraktischen Ausbildung der Fachoberschule nachweist; die Berufstätigkeit muss bei Vollzeitbeschäftigung ein Jahr, bei Teilzeitbeschäftigung einen entsprechend längeren Zeitraum umfassen. In Zweifelsfällen hinsichtlich der Berufsausbildung, der Berufserfahrung und der Berufstätigkeit oder ihrer Zuordnung zu einer Ausbildungsrichtung entscheidet der Ministerialbeauftragte.

Durch die geplante Neufassung der Schulordnung für die Berufliche Oberschule - Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOBOSO), die voraussichtlich zum 1. August 2011 in Kraft treten wird, werden die Möglichkeiten erweitert, eine nicht der Berufsausbildung entsprechende Ausbildungsrichtung an der Berufsoberschule besuchen zu können. Dabei kann die in diesem Fall zusätzlich zur abgeschlossenen Berufsausbildung geforderte einschlägige Berufspraxis künftig auch - über die bereits bestehenden Möglichkeiten hinaus - durch ein mindestens sechsmonatiges einschlägiges betreutes Berufspraktikum in Vollzeit erbracht werden. Im Vorgriff auf die künftige Änderung der Schulordnung können die Schulen zur Aufnahme in die Berufsoberschule zum September 2011 bereits nach o.g. Regelungen verfahren.

Online-Angebot einer staatlichen Berufsoberschule (Alternative)

Zusätzlich zu dem normalen Besuch einer Berufsoberschule, bietet die Berufsoberschule in Erlangen die Möglichkeit, die Fachhochschulreife über die "Vibos" zu erlangen. Den Lernstoff bekommt man hier über die Webseiten, LearnLink-Sitzungen (Sprachchat), Mailkontakt zu den Lehrern und den (nahezu) monatlich stattfinden Seminartagen vermittelt.

Dieses Angebot wurde speziell für Berufstätige entwickelt. Deshalb wurde der Lernstoff von einem auf zwei Jahre aufgeteilt, es besteht aber die Möglichkeit, dies auf ein Jahr zu reduzieren. Die Teilnahme an LearnLink-Sitzungen und Seminartagen ist freiwillig, d. h. im laufenden Jahr werden auch keine Noten vergeben. Die Noten erhält man über eine schriftliche Prüfung pro Nebenfach und über die schriftlichen Prüfungen, die auch die "normalen" BOS-Schüler absolvieren, für die Hauptfächer.

Die Vibos ist zwar staatlich gefördert aber dennoch, aufgrund des Mehraufwands, gebührenpflichtig. Einschreiben kann man sich auch, wenn man nicht in Bayern wohnt (Anreise und evtl. Übernachtung während der Prüfungen nötig), allerdings müssen die Zugangsvoraussetzungen (siehe oben) für die BOS erfüllt sein. Auch bietet die Vibos nur die Ausbildungszweige Wirtschaft, Sozialwesen und Technik an, das Fach Religion bzw. Ethik wird nicht unterrichtet.

Über die Vibos kann man die Vorklasse und die 12. Klasse (aufgeteilt auf 12-1 und 12-2) besuchen. Geplant ist auch eine 13. Klasse, dieses wurde allerdings bisher aufgrund der geringen Teilnehmerzahl noch nicht realisiert.

Unterschiede zur FOS (Fachoberschule)

Wesentliche Unterschiede zwischen BOS und FOS bestehen darin,

  • dass man die BOS nur mit Mittlerer Reife und Berufsausbildung bzw. mindestens fünfjähriger Berufserfahrung besuchen darf, während für die FOS die Mittlere Reife reicht; allerdings muss in der 11. Klasse der FOS eine fachpraktische Ausbildung absolviert werden.
  • dass in der 12. Klasse BOS der Stoff der 11. und der 12. Klasse FOS unterrichtet wird; in der 13. Jahrgangsstufe hingegen ist der Stoff von FOS/BOS weitgehend identisch, auch die Abschlussprüfungen sind in der 12. und 13. Klasse für BOS und FOS gleich.
  • dass man in der BOS nach der 12. Klasse keine Prüfung machen muss, um in die 13. Klasse zu kommen; an der FOS dagegen ist die erfolgreiche Prüfung zur Erlangung der Fachhochschulreife (Schnitt 2,8) grundlegende Voraussetzung für den Eintritt in die 13. Klasse.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Homepage Kultusministerkonferenz
  2. http://www.km.bayern.de/km/schule/schularten/berufliche/berufsoberschule/
  3. http://www.km.bayern.de/km/schule/schularten/berufliche/berufliche_oberschule/
  4. http://www.mbnord.de/allgemeines/aufnahme/aufnahmep.htm#Aufnahmeprüfung_

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