Kompilation (Medien)

Eine Kompilation (auch englisch als Compilation [ˌkɒmpɪˈleɪʃn̩]) ist in der Musikindustrie die Zusammenstellung von Musiktiteln einzelner Interpreten bzw. Bands oder zu einem bestimmten Thema auf Tonträgern.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Das Wort stammt vom lateinischen Substantiv compilatio und bedeutet Zusammengerafftes, Ausbeute. Dieses wiederum hat seinen Ursprung im Verb compilare, das plündern, ausplündern, berauben, ausbeuten als Bedeutungen aufweist. Auf dieser lateinischen Grundlage ist auch die englische Bezeichnung Compilation hervorgegangen. Im englischsprachigen Raum spricht man von einem Compilation album, wenn eine LP die Voraussetzungen einer Kompilation erfüllt. Die Angaben zu den jeweils vertretenen Künstlern bzw. Bands lauten in der Regel Various Artists bzw. Diverse Interpreten.

Inhalt

Kompilationen sind gekennzeichnet durch Zusammenstellungen von Musiktiteln in der Wahrnehmung von Zweitverwertungsrechten, wenn also eine Erstverwertung bereits stattgefunden hat (möglicherweise durch andere Plattenlabels). Beispiele für derartige Kompilationen sind etwa regelmäßige Auskopplungen aktueller Hitparaden-Titel (Hitkopplung, Chart-Hits), das Zusammenstellen von Titeln eines bestimmten Musikgenres (Filmmusik), eines Interpreten (zum Beispiel Best-of- oder Greatest-Hits-Alben), einer Musikepoche (Evergreens) oder eines Plattenlabels bzw. einer Musikzeitschrift. Anlässe sind auch Jubiläen oder saisonale Schwerpunkte (Sommerhits) sowie Veröffentlichungen im Rahmen von Veranstaltungen wie Musikfestivals (Woodstock-Festival). Die Bezeichnung Sampler lässt sich von der Kompilation nicht scharf trennen und wird zumeist inhaltlich deckungsgleich verwendet. Tibor Kneif nutzt den Begriff „Sammelplatte (Sampler)“, auf die der beschriebene Inhalt einer Kompilation zutrifft.[1]

Erweiterte Begriffsverwendung

Der Begriff der Kompilationen wird heute auch im Video-DVD-Bereich oder auch Computerspielbereich analog zum Musikbereich verwendet. Beispielsweise gibt es DVD-Kompilationen ganzer Musikfestivals (wie die alljährliche Wacken-Open-Air-DVD oder Best-of einzelner Darsteller oder Kinofilm-Erfolge einer bestimmten Produktionsgesellschaft.

Nutzen

Die Zweitverwertung führt zunächst in der Musikindustrie zur Erhöhung der Tantiemen bei den beteiligten Komponisten, Textern, Musikverlagen, Plattenlabels und Künstlern, weil sie eine erneute Veröffentlichung bedeutet. Die Rendite einer Zweitverwertung ist bereits deswegen höher, weil keine Produktionskosten mehr anfallen.[2] Auch Walter Koch setzt im zitierten Werk Sampler und Kompilation als Bündelung von verschiedenen Titeln gleich. Zweitverwertung heißt jedoch auch, dass seit der Erstveröffentlichung bereits einige Zeit vergangen ist, möglicherweise sogar Jahrzehnte. Das erfordert eine spezifische Kampagnevermarktung mit intensiver Werbung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Auf der Nachfragerseite besteht der Nutzen darin, dass der Käufer nicht auf den Erwerb mehrerer Tonträger angewiesen ist, auf die der Inhalt der Kompilation verteilt ist. Zudem ist sie geeignet, einem Käufer lediglich den Querschnitt vom Schaffen eines Interpreten zu vermitteln oder die Gelegenheit zu bieten, nicht mehr im aktuellen Katalog angebotene Titel zu erwerben (Oldie-Sampler). In dieser Form ist die Kompilation immer eine Bündelung von Titeln, die in dieser Konstellation noch nie erschienen sind.

Einzelnachweise

  1. Tibor Kneif, Sachlexikon Rockmusik, April 1978, S. 177
  2. Walter Koch, Wertschöpfungstiefe von Unternehmen, 2006, S. 227

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