Bihl & Woltz

Bihl & Woltz war eine deutsche Architektensozietät mit Sitz in Stuttgart, die von Ende der 1880er- bis in die 1930er-Jahre bestand und in ganz Württemberg sowie vor allem in der Landeshauptstadt Stuttgart tätig war. Die Sozietät zählte Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Architektenbüros von Stuttgart und Württemberg und trug wesentlich zur Überwindung des Historismus in Württemberg bei. Ein Großteil der erhaltenen Gebäude von Bihl & Woltz steht unter Denkmalschutz[1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Empfangsgebäude des Bahnhofs Stuttgart-Feuerbach (Fassadengestaltung; Bj. 1909)
Geschäfts- und Mietshaus mit Restaurant/Café „Reichshof“ in Stuttgart-Mitte, Tübinger Straße 17A u. 17B (Bj. 1897)
Ehemaliges Hotel Victoria in Stuttgart-Mitte (Bj. 1894 / nicht erhalten)
Doppelmietshaus in Stuttgart-Mitte, Hohenheimer Straße 85 u. 87 (Bj. 1891)

Die Sozietät wurde 1891 von den Architekten Georg Friedrich Bihl (1847–1935) und Alfred Woltz (1861–1935) in Stuttgart gegründet.[2] Bihl und Woltz wurden jeweils später mit dem Ehrentitel Baurat ausgezeichnet.

Bihl & Woltz entwarfen und realisierten vor allem zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser, sowie außerdem Gewerbe-, Krankenhaus-, Rathaus-, Schul- und Sakralbauten etc. Das Büro betätigte sich auch im Industriebau und stand damit unter anderem in Konkurrenz zu den Stuttgarter Architektenbüros Manz und Eisenloh & Weigle, trat jedoch nicht als „spezialisiertes Büro“ auf.[3] Das Büro beteiligte sich mehrmals erfolgreich an Architektenwettbewerben und wurde außerdem zu beschränkten Wettbewerben eingeladen; so ging zum Beispiel der Auftrag für den 1913 fertiggestellten Neubau des Rathauses in Schramberg auf einen Wettbewerbserfolg zurück.[4]

Die Sozietät war bis in die 1930er-Jahre aktiv. Bihl & Woltz werden zu den Architekten gerechnet, „die zur Überwindung des Historismus in Württemberg wesentliche Beiträge geleistet haben“.[5] Zu den herausragenden (erhaltenen) Bauten von Bihl & Woltz werden vom „Dehio-Handbuch“ unter anderem in Stuttgart die ehemalige Hofbuchdruckerei Greiner & Pfeiffer, das ehemalige Verwaltungsgebäude des Allgemeinen Deutschen Versicherungsvereins und die ehemalige Brauerei Bachner gezählt (siehe Literatur).

Mehrere Bauten des Büros fanden Aufnahme in das zeitgenössische Mappenwerk Moderne Neubauten, das vom Stuttgarter Architekten Wilhelm Kick von 1894 bis 1898 herausgegeben wurde und das in dessem Stuttgarter Architektur-Verlag Kick erschien (siehe Literatur). Gemäß Angabe auf den Buchtiteln war es Kicks Anspruch, eine „Auswahl der besten Architektur der bedeutendsten Architekten“ vorzustellen, wobei er sich ursprünglich auf Neubauten aus Süd- und Mitteldeutschland begrenzte und ab dem zweiten Jahrgang beispielhafte Neubauten aus ganz Deutschland vorstellte.[6]

Kicks Mappenwerk Moderne Neubauten gehört heute unter anderem zum Bestand und Online-Datenbank-Angebot des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin; darunter befinden sich auch vier verschiedene Bauten des Büros Bihl & Woltz.[7]

Die Unterlagen der Sozietät Bihl & Woltz wurden im Jahr 1992 vom Urenkel des Architekten Georg Friedrich Bihl dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart angeboten und überlassen. Es handelt sich dabei um Zeichnungen und Akten für Bauten in Stuttgart und ganz Württemberg, die einen Zeitraum von etwa 1889 bis 1935 umfassen. Das Archivgut von etwa 35 lfd. m wird derzeit im Hauptstaatsarchiv archivarisch erschlossen.[8]

In dem 1993 erschienenen Dehio-Handbuch für Baden-Württemberg, Teil I, werden Bihl & Woltz mehrmals namentlich erwähnt und mehrere ihrer noch erhaltenen Gebäude beschrieben (siehe Literatur).

Bauten (Auswahl)

gemeinsam mit dem Stuttgarter Architekten Georg Eser
des Büros Bihl & Woltz

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Angaben für ganz Stuttgart in: Liste der Kulturdenkmale. Unbewegliche Bau- und Kunstdenkmale. Hrsg: Landeshauptstadt Stuttgart, Stand: 25. April 2008; PDF-Datei, 490 KB, abgerufen am 17. Mai 2011.
  2. Landeshauptstadt Stuttgart (Hrsg.), Titus Häussermann (Bearb.): Die Stuttgarter Straßennamen. Silberburg-Verlag, Tübingen 2003, ISBN 3-87407-549-4, S. 91 (online bei Google Bücher).
  3. Kerstin Renz: Industriearchitektur im frühen 20. Jahrhundert. Das Büro von Philipp Jakob Manz. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005, ISBN 3-421-03492-3, S. 39 (zugleich Dissertation, Universität Stuttgart 2003).
  4. a b Franz Fehrenbacher (Stadtarchivar von Schramberg): Rathausbau 1907–1913. Auf: Website der Stadt Schramberg; abgerufen am 17. Mai 2011.
  5. Stadtarchiv Schwäbisch Hall: Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schwäbisch Hall. Stadt Schwäbisch Hall, S. 202 (zitiert in: Gebäudeverzeichnis. Gymnasiumstraße 4 – Ehem. Gewerbeschule → Beschreibungen; abgerufen am 17. Mai 2011).
  6. Zitiert nach: Rolf Fuhlrott: Deutschsprachige Architektur-Zeitschriften. Entstehung und Entwicklung der Fachzeitschriften für Architektur in der Zeit von 1789–1918. Mit Titelverzeichnis und Bestandsnachweisen. Verlag Dokumentation, München 1975, ISBN 3-7940-3653-0, S. 136.
  7. Bihl & Woltz: Projekte. In: Bestandsübersicht auf der Website des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin; abgerufen am 17. Mai 2011.
  8. Architekturbüro Bihl & Woltz, Stuttgart. In: Beständeübersicht des Landesarchivs Baden-Württemberg, Bestands-Nr. Q 3/41; abgerufen am 17. Mai 2011.
  9. Linden-Museum Stuttgart – Staatl. Museum für Völkerkunde. Auf: www.stuttgart.de; abgerufen am 17. Mai 2011.
  10. Gymnasiumstraße 4 - Ehem. Gewerbeschule. Auf: Gebäudeverzeichnis der Stadt Schwäbisch Hall; abgerufen am 17. Mai 2011.
  11. Unbewegliche Bau- und Kunstdenkmale im Stadtbezirk Feuerbach → Bahnhof 1. In: Liste der Kulturdenkmale, Landeshauptstadt Stuttgart; abgerufen am 17. Mai 2011.
  12. Klaus J. Loderer: Christian Gottfried Hämmerle (1843 bis 1916) und die Backnanger Friedhofkapelle. In: Stadtarchiv Backnang (Hrsg.): Backnanger Jahrbuch 2009. Band 17. Stadt Backnang, Backnang 2009, S. 135 (online).
  13. Wilhelm Kick (Hrsg.): Moderne Neubauten. Fortlaufend erscheinende illustrierte Blätter für Architektur. 4. Jahrgang. Stuttgarter Architektur-Verlag Kick, Stuttgart 1898, Tafeln: 7, 8, 14, 20 (u. a.: Der Reichshof in Stuttgart).
  14. Olgastraße 18–20. Auf: www.schoenes-stuttgart.de; abgerufen am 17. Mai 2011.
  15. Wilhelm Kick (Hrsg.): Moderne Neubauten. Fortlaufend erscheinende illustrierte Blätter für Architektur. 2. Jahrgang. Stuttgarter Architektur-Verlag Kick, Stuttgart 1895, Tafel 26 (Hotel Viktoria in Stuttgart).
  16. Bopserstraße 18. Auf: www.schoenes-stuttgart.de; abgerufen am 17. Mai 2011.

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