Hausen (Bad Kissingen)
Hausen
Koordinaten: 50° 14′ N, 10° 4′ O50.22944444444410.068333333333205Koordinaten: 50° 13′ 46″ N, 10° 4′ 6″ O
Höhe: 205–236 m ü. NN
Fläche: 4,67 km²
Einwohner: 1.704 (1. Jan. 2011)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 97688
Vorwahl: 0971

Hausen ist ein Stadtteil des im bayerischen Unterfranken gelegenen Kurortes Bad Kissingen, der Großen Kreisstadt des Landkreises Bad Kissingen.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Hausen liegt nördlich von Bad Kissingen in Nachbarschaft zum Bad Kissinger Ortsteil Kleinbrach. Die Durchfahrtsstraße des Stadtteils führt nach dem Hausener Ortsausgang u. a. nach Kleinbrach, Bad Bocklet und Steinach. Das an der Fränkischen Saale gelegene Hausen wird vom Nudelbach durchflossen, der in die Saale mündet.

Geschichte

Anfänge

Bereits für das Jahr 823 sind zwei Salinen bei Kissingen verbürgt (ein Bericht des römischen Geschichtsschreibers Tacitus über einen 58. n. Chr. stattgefundenen Kampf zweier Germanenstämme bezieht sich möglicherweise auf die im heutigen Hausen gelegenen Salzquellen). Mit dieser fons ebulliens (aufwallende Quelle) könnte der Runde Brunnen in der ehemaligen Heinz-Kalk-Klinik gemeint sein, vielleicht aber auch der Anfang des 19. Jahrhunderts versiegte Reiche Brunnen. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Gemarkung Hausen datiert auf den 16. November 1150, als Papst Eugen III. dem Kloster Aura einige Besitzungen in Hausen bestätigte. Die erste Erwähnung Hausens als Dorf fällt in das Jahr 1380; zum ersten Mal als Gemeinde ist Hausen für das Jahr 1556 bezeugt.

Mittelalter

Der Würzburger Bischof Heinrich II. von Stühlingen kauft einem Heinrich von Henneberg den Ort mit Namen „Husen“ ab. In diesem Zusammenhang schenkt Heinrich von Henneberg dem Bistum Würzburg auch ein selbst errichtetes Prämonstratenserinnen-Kloster, das Kloster Hausen, das berechtigt war, im Dorf Hausen die Niedergerichtsbarkeit auszuüben. Im Jahr 1250 erfolgte auch die Schenkung einer der beiden Hausener Salinen; in dieses Jahr fällt auch eine größere Schenkung von Grundbesitz an das Kloster, wodurch dieses zu den größten Grundbesitzern in Hausen zählte.

Neuzeit

Im Jahr 1563 entstand die Untere Saline; deren Verpachtung durch Fürstbischof Friedrich von Wirsberg an die Handelskaufleute Kaspar Seiler (Augsburg) und Berthold Holzschuhmacher (Nürnberg)[1] schlug jedoch fehl, da der gewünschte Profit ausblieb. Mehr Erfolg hatte die Verpachtung durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn an den Münnerstädter Bürger Jobst Deichmann[2] ab dem 6. Dezember 1575, die dem Hochstift Würzburg auch nach Deichmanns Tod Wohlstand brachte.

Die Pestkreuze von Hausen.

Zwischen Kiliani 1568 und Lichtmess 1569 forderte die Pest insgesamt 245 Todesopfer aus Kissingen. Unter ihnen befanden sich auch die Pestopfer aus Hausen, die gemeinsam mit den Toten aus Kissingen auf dem Kapellenfriedhof bestattet wurden (in der zum Kapellenfriedhof gehörenden Marienkapelle wurden bis zum Jahr 1900 Gottesdienste für due Pestopfer abgehalten). Der Legende nach rührt der Standort der am Ortseingang von Hausen gelegenen Pestkreuze daher, dass an dieser Stelle beim Leichentransport ein Leichnam vom Karren fiel (Im Jahre 1970 erfolgte eine Restaurierung der Pestkreuze). Bis zum Jahr 1961 bestand eine Tradition der Hausener, jedes Jahr nach Lichtmess eine Wallfahrt nach Kissingen zu unternehmen.

Bischof Julius Echter von Mespelbrunn teilte Hausen, das vorher wahrscheinlich zu Aschach gehörte, im Jahr 1588 der Pfarrei Kissingen zu. Nach erfolglosen Versuchen in den Jahren 1594, 1630 und 1923 wurde Hausen erst am 14. Oktober 1941 unter Bischof Matthias Ehrenfried selbstständige Pfarrei.

Der Dreißigjährige Krieg äußerte sich in Hausen durch Pest, Hungersnot (die nach einem Bericht des Pfarrers Pistorius soweit führte, dass Hunde und Katzen geschlachtet wurden) und Plünderungen. In den Jahren 1641 und 1645 fiel Hausen Brandkatastrophen zum Opfer. Einwohner von Oberthulba und Burkardroth flohen 1640 nach Hausen; 1647 wiederum suchten Hausener Zuflucht in Aschach.

Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges machten eine erneute Belebung der Salzgewinnung in Hausen erforderlich, diesmal unter dem Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn. Im Rahmen der durch Schönborn veranlassten Maßnahmen wurde ein neues Brunnenhaus namens Schönbornturm errichtet, das sich neben dem 1831 ebenfalls nach dem Fürstbischof genannten Schönbornsprudel befand.

Laut Hausener Leichhofbuch des damaligen Hausener Bürgermeisters Michael Joseph Meder von 1896 grassierte Mitte des 17. Jahrhunderts eine im Tagebuch eines Hausener Bürgers als „Nervenfieber“ bezeichnete Typhus abdominalis-Epidemie (eine weitere Typhus-Epidemie erfolgte laut Leichhofbuch im Jahr 1813 und war der Auslöser für die Anlage des Hausener Friedhofs). Im Gegensatz zur Unteren Saline, die an eine Quelle beim Klaushof angeschlossen war, verfügte Hausen zu dieser Zeit selbst über keine zentrale Wasserversorgung, sondern, neben einigen privaten Brunnen, lediglich über zumindest drei öffentliche Gemeindebrunnen, den Rasenbrunnen, den Stangenbrunnen, den Hammel(s)brunnen sowie möglicherweise einen Dorfbrunnen. Von diesen Brunnen ist nur noch der Rasenbrunnen erhalten.

Die Obere Saline während der Bad Kissinger Theatertage.

Von 1767 bis 1772 erbaute Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim die Obere Saline (die spätere Bismarck-Wohnung) (bereits drei Jahre vorher hatte der Fürstbischof zwischen Hausen und dem Wildpark Klaushof das Kaskadental errichten lassen, indem der in dem dortigen Tal fließende Bach um künstliche Kaskaden ergänzt wurde). In dem Anwesen richtete der Fürstbischof auch die Salinenkirche ein, in der er während seiner Kuraufenthalte Gottesdienste abhielt. Nach dem Krieg von 1866 musste Bayern dem Norddeutschen Bund beitreten und seine Schutzzölle auf Salz aufgeben. Die Gradierwerke zwischen Hausen und der Oberen Saline wurden wegen der daraus resultierenden Unrentabilität 1868 abgerissen. Durch diese Entwicklungen bedingt, wurde auch die Salinenkirche nicht mehr gebraucht; ihr Altar wurde nach Trimberg verkauft.

Bayerisches Königreich

Bis zur Anlage des ersten Friedhofs in Hausen im Jahre 1813 aus Anlass einer im Leichhofbuch bezeugten Typhus-Epidemie wurden die Verstorbenen des Ortes auf dem Kissinger Kapellenfriedhof bestattet. 1837 wurde dem Hausener Friedhof ein Kreuzweg gestiftet, der anfangs allerdings noch außerhalb des Friedhofsgeländes lag. In den Jahren 1853, 1889 und 1985 wurde der Friedhof flächenmäßig erweitert.

1805 kam Hausen unter dem Großherzog von Würzburg Ferdinand III. in den Besitz des Großherzogtums Würzburg, neun Jahre später an das Königreich Bayern. Unter der Verwaltung des Großherzogs von 1805 bis 1814 begann das Salzwerk zu florieren. In diese Zeit fällt eine Bohrung des Schönbornsprudels im Jahr 1831, die jedoch nach 23-jähriger Bohrung im Jahr 1854 abgebrochen wurde, als das Bohrgestänge bei einer Tiefe von 584,22 Metern brach. Das Jahr 1867 bedeutete durch die Aufhebung des Salzmonopols eine Wende für den Salzhandel, da Bayern keine Schutzzölle für Salz mehr erheben konnte. Hergestellt wurde nur noch Salz für die Bitterwasserherstellung und 1968 endgültig eingestellt.

Als Hausen noch über keine eigene Schule verfügte, wurden die Hausener Kinder im Privathaus des Lehrers unterrichtet; die Kinder der Salinenarbeiter durften die Salinenschule besuchen. Die ersten Bemühungen um ein eigenes Schulgebäude reichen bereits in das Jahr 1807 zurück; nach Meinung der großherzoglichen Landesdirektion waren die Salinenpächter nicht verpflichtet, eine allgemeine Schule für Hausen zu unterhalten. 1835 wurden erneut Anstrengungen zur Einrichtung einer eigenen Schule für Hausen unternommen, doch konnte der Schulhausbau an keinem der vier vorgesehenen, in Privatbesitz befindlichen Standorte verwirklicht werden. Am 9. Mai 1845 fasste die Gemeinde den Beschluss zu einem Schulneubau, der am 6. Juli 1846 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt wurde.

Am 19. August 1858 fasste das Kgl. Landgericht Kissingen einen Beschluss zur Errichtung einer Wasenmeisterei (zum Zweck des Entfernens und Vergrabens der Kadaver verendeter Tiere) in Hausen. Vorher waren verendete Tiere auf einem auf dem Flurstück 1994 gelegenen Platz namens Schindeller-Brunnen vergraben worden. Der einzige Bewerber für die Stelle des Wasenmeisters war der aus Kleinsteinach bei Haßfurt stammende Christian Kretzler, der sich mit seiner Ehefrau Cäcilia in Hausen niederließ. Kretzler erwarb ein Grundstück auf der in Kleinbrach gelegenen Markung Steigswiese, Plan Nr. 1418 (Kleinbrach hatte hier kurz zuvor die Erreichtung einer Wasenmeisterei verweigert). Eine im Jahr 1880 geplante Fusion der Wasenmeistereien von Hausen und Münnerstadt scheiterte an den Protesten der Bürgermeister und Bauern aus den um Münnerstadt gelegenen Ortschaften. Nach Christian Kretzlers Tod um das Jahr 1882 wurde das Unternehmen von Cäcilia Kretzler weitergeführt; Betriebsleiter wurde ihr Vetter Franz Feser. Cäcilia Kretzler bekam nicht nur durch den Todesfall ihres Mannes, sondern auch dadurch finanzielle Probleme, dass die Schäfer ihre verendeten Tiere illegalerweise selbst wegschafften. Cäcilia Kretzlers Appelle an das Kgl. Bezirksamt scheiterten jedoch an gesetzlichen Bestimmungen, so dass sie im Jahr 1886 Konkurs anmelden musste und am 8. Mai die Zwangsversteigerung folgte. Die Wasenmeisterei wurde von Franz Feser weitergeführt, nach seinem Tod im Jahr 1904 (oder 1906) von seiner Frau Elisabeth Feser gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn Johann Petsch, dem Ehemann ihrer Tochter Ida. Nach einer Auseinandersetzung zwischen 1915 und 1918 mit dem Distrikt Kissingen um die Instandhaltung des Weges zur Wasenmeisterei unterschrieb Johann Petsch am 2. April 1918 aus unbekannten Gründen einen Vertrag, der von ihm ein kostenfreie Abholung verendeter Tiere sowie Rückgabe der Haut eines gesunden Großtieres an den Viehhalter erwartete. Nach dem Tod von Johann Petsch am 29. April 1931 führte Ida Petsch die Wasenmeisterei mit ihrem Schwiegersohn Michael Tucher weiter. Die Zeit der Hausener Wasenmeisterei endete zwischen Herbst und Ende 1941 durch den Bau einer modernen Tierkörperbeseitigungsanstalt im Landkreis Bad Kissingen.

Begräbnismonument des Hauptmanns Eduard Schlagintweit an der Gefallenengedenkstätte für 1866.

Während der „Schlacht bei Kissingen“ am 10. Juli 1866 im Rahmen des Deutschen Krieges floh ein Großteil der Hausener ins Geheg, nach Nüdlingen sowie nach Windheim. Verschiedene Soldatengräber um Hausen herum sowie ein Soldatenfriedhof zwischen Oberer Saline und Unterer Saline erinnern an die Schlacht, der Robert Delius sowie Hauptmann Eduard Schlagintweit zum Opfer fielen (Delius und Schlagintweit bekamen nahe der Oberen Saline eine Begräbnisstätte, die am 28. November 1866 von König Ludwig II. besucht wurde. Im Jahr 1867 errichtete Bildhauer Michael Arnold an dieser Stelle eine Gedenkstätte).

Mit dem Bestreben, sowohl die preußische als auch die bayerische Seite möglichst neutral darzustellen, berichtete Schriftsteller Theodor Fontane in seinem 1871 in Berlin erschienenen Buch Der deutsche Krieg von 1866 auch von den Gefechten in Hausen unter dem preußischen General Edwin von Manteuffel (nach dem im Jahr 1937 die Bad Kissinger Kaserne benannt wurde) und dem bayerischen Generalleutnant Oskar von Zoller. In der Heimattreue Nr. 22/23 von 1933 veröffentlichte der Hausener Oberlehrer Thomas Heusinger (1862-1937) mit Das Gefecht bei Hausen am 10. Juli 1866 eine Schilderung, die seinen eigenen Augenzeugenbericht und die Eindrücke anderer Hausener Bürger kombinierte.

Auswirkungen auf Hausen hatte auch der Krieg von 1870/71 durch die Teilnahme von 44 Einwohnern des Ortes, an die ein Denkmal Ecke Klosterweg/Staatsstraße erinnert. Zum Gedenken an die Kriegsteilnehmer wurden der Krieger- und Kampfgenossenverein Hausen (1877) sowie der Militärverein Klosterhausen (1906) gegründet; beide Vereine vereinigten sich im Jahr 1926 zur Krieger- und Militärvereinigung. Zwischenzeitlich wurde im Jahr 1907 das von Valentin Weidner geschaffene Kriegerdenkmal eingeweiht.

Am 27. November 1876 fasste die Gemeinde Hausen den Beschluss, ab dem 1. Januar 1877 von jedem Hinzugezogenen eine einmalige Abgabe von 10 M (nach heutiger Kaufkraft mindestens 200 €) für die Benutzung des Dorfbrunnens zu verlangen, musste diesen Beschluss aber auf Druck des Kgl. Bezirksamtes Kissingen wieder zurücknehmen. 1884 wurde eine Sanierung des Hammelbrunnens und des Dorfbrunnens angedacht, die aber auch nichts an der schlechten Qualität des Wassers geändert hätte.

Das 1877 errichtete Hausener Bismarck-Denkmal.

Nachdem der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck während seiner Kur in Bad Kissingen im Jahr 1874 ein Attentat durch den Böttchergesellen Eduard Franz Ludwig Kullmann überlebte, verlegte er seine Kuraufenthalte nach Hausen, wo er zwischen 1876 und 1893 14mal kurte. Für Bismarck war dies eine bewusste Geste der Versöhnung, nachdem das Königreich Preußen im Deutschen Krieg von 1866 unter seiner Führung als Sieger über Bayern hervorgegangen war. Für Hausen bedeuteten die Kuraufenthalte des Reichskanzlers eine unermessliche Werbewirkung. Bismarck selbst zog die Ruhe des Ortes sowie die stillen Spaziergänge im nahe gelegenen Klauswald dem lebhaften Kissinger Kurbetrieb vor. Bismarck pflegte gute Kontakte zum besiegten König Ludwig II. und gewährte ihm finanzielle Unterstützung; der König wiederum stellte dem Reichskanzler Personal, das dieser für die Tätigung von Amtsgeschäften benötigte. Im Rahmen seiner Hausener Amtsgeschäfte empfing Bismarck – zur gesichtswahrenden Beendigung des Kulturkampfes – u. a. den vatikanischen Nuntius Gaetano Aloisi Masella sowie Kardinal Edward Henry Howard.

Pächter der Oberen Saline und damit auch Bismarcks Gastgeber war der gebürtige Münnerstädter Karl Streit. Karl Streit war – ebenso wie Bismarck – in der Landwirtschaft tätig gewesen; dies bildete die Grundlage für eine tiefe Freundschaft zwischen beiden Männern. Im Lauf der Jahre legte Karl Streit in der Oberen Saline eine umfangreiche Sammlung an Werken des Bildhauers Tilman Riemenschneider an, von denen er 1890 einen Großteil an das Bayerische Nationalmuseum in München verkaufte.

Im Jahr 1893 entstand der Bildband Unser Bismarck des Hamburger Zeichners Christian Wilhelm Allers, als dieser den Reichskanzler mehrere Wochen lang auf seiner Kur begleitete. Der Bildband enthält etwa 80 Zeichnungen, die sowohl den Bismarckaufenthalt als auch Bad Kissingen und Hausen charakterisieren.

Als Bismarck im Jahr 1889 wegen dringender Amtsgeschäfte in Berlin nicht zur Kur nach Hausen kommen konnte, nutzte Kaiserin Auguste Viktoria seine Abwesenheit für einen eigenen Kuraufenthalt. Ihr Verhältnis zu dem Reichskanzler war gespannt, nachdem dieser im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 über Dänemark gesiegt hatte und die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen gingen; deren Herzog Friedrich VIII., Auguste Viktorias Vater, musste abdanken. Unter großer Berichterstattung der lokalen Saale-Zeitung traf die Kaiserin im Juni 1889 in Hausen ein. Ihr Ehemann Wilhelm II. hatte sie bis zum Bahnhof Ebenhausen begleitet. Ihre vier Söhne kamen einige Tage später nach. Hier machte die Familie einen Ausflug zur Burgruine Botenlauben und feierte die Geburtstage der Prinzen Eitel Friedrich von Preußen sowie Adalbert von Preußen. Auguste Viktoria selbst unternahm Einkäufe in Bad Kissingen; am 16. Juli besuchte sie das Mädchen-Fürsorgeerziehungsheim von Hausen und ließ ihm eine Spende von 300 Mark (= 5.000 €) zukommen.

Am 13. Januar 1893 bot die Berliner Firma Siemens&Halske dem Bad Kissinger Magistrat an, in der Stadt eine elektrische Straßenbahn zu bauen, die über die heutige Prinzregentenstraße sowie die Salinenstraße nach Hausen führen sollte. Das Magistrat wollte am 7. Februar 1893 das Konzept um eine elektrische Straßenbeleuchtung erweitert sehen. Die Bayerische Landeszeitung reagierte darauf am 1. Februar mit der Schlagzeile „Bad Kissingen soll verschandelt werden“. Die Nürnberger Firma Schuckert & Co. überbot das Angebot ihrer Berliner Konkurrenten mit einer Straßenbahn mit mehr Passagierplätzen und einer höheren Geschwindigkeit und verbesserte am 31. Mai 1893 ihr Angebot. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurden alle Planungen für eine elektrische Straßenbahn gegenstandslos.

Im Jahr 1904 nahm das Veteranenkurheim für die Teilnehmer des Krieges von 18071/71 im Zwischentrakt der Oberen Saline seinen Betrieb auf. In dem vom Roten Kreuz betriebenen Kurheim war Friedrich Hessing für Freibäder und Verpflegung für die Veteranen zuständig. Nach Hessing, der im Jahr 1917 Bad Kissinger Ehrenbürger wurde (siehe auch Liste der Ehrenbürger von Bad Kissingen), ist in Bad Kissingen eine Straße benannt. Im Zwischentrakt der Oberen Saline befinden sich heute Wohnungen.

Am 31. Januar 1904 baten zwölf Hausener Bürger unter Leitung von Joseph Häfner zwecks Wasserversorgung um die Errichtung eines Brunnens im Hof des Klosters. Ihr Antrag auf Hilfe durch das Kgl. Bezirksamt wurde von der Gemeinde abschlägig beschieden. Am 15. August 1906 wiederholten mehrere Hausener Bürger eine Bitte an das Kgl. Bezirksamt um Errichtung eines Brunnens im Klosterhof. In den Jahren 1905 und 1906 wurden erste Maßnahmen eingeleitet, die Quellen am Sulzberg nutzbar zu machen. Als sich jedoch das Gefälle der Quelle am Sulzberg als zu gering herausstellte, um das Hausener Ortsnetz versorgen zu können, wurden die Quellen an der Ilgenwiese ins Auge gefasst. Dies scheiterte zunächst am Widerstand von deren Besitzer Ludwig Ringler, dem Besitzer des Gasthauses „Altenburger Haus“. Als im vorgeworfen wurde, für sein Gasthaus unhygienisches Wasser zu benutzen, erklärte er sich gegenüber dem Bezirksamt bereit, die Wasserversorgung seines Gasthauses in Stand zu setzen und die Quelle zu verkaufen, doch war der Gemeinde der verlangte Kaufpreis von 15.000 bis 20.000 M zu hoch.

Am 26. August 1913 wurde in Hausen der spätere Kardinal Julius Döpfner geboren. Am 7. Juli 1940 konnte Döpfner in Hausen seine Heimatprimiz feiern.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Im Ersten Weltkrieg fanden 27 Hausener Bürger den Tod. Zu ihnen zählte auch der am 9. Juli 1896 geborene August Mantel, der als Ulan in den Krieg gezogen war und in Russland – nach dem Friedensschluss von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 – am 16. März 1918 durch Folter (ob durch Zivilisten oder durch russische Soldaten, ist unklar) zu Tode kam. An die Hausener Opfer des Krieges erinnerte ein heute nicht mehr existentes Denkmal auf dem Hausener Friedhof. Das Denkmal wurde vom Bildhauer Bruno (I) Brand nach Auftrag des damaligen Krieger- und Kampfgenossenvereins vom 29. Dezember 1921 angefertigt und befand sich bis etwa 1968 auf der heutigen Wasserstelle des Friedhofs.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das von Bayern seinerzeit vernachlässigte Rhönbahn-Projekt wieder aktuell, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Eisenbahnlinie von Neustadt über Bischofsheim an der Rhön durch die Rhön nach Gersfeld und Fulda führen sollte. Oberhalb des heutigen Jack-Steinberger-Gymnasiums wäre ein Bahnhof errichtet worden; an diesem entlang hätte über den heutigen Ostring eine Eisenbahnlinie durch Hausen geführt. Nun suchte die Stadt Bad Kissingen bis nach Meiningen Verstärkung durch gleichgesinnte Gemeinden. Kritiker sahen in der geplanten Eisenbahnlinie eine Zerstörung des Hausener Ortsbilds und eine Gefährdung des Schönbornsprudels und leisteten erbitterten Widerstand. Im April 1920 antwortete das Bayerische Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten, dass man die angesprochenen Probleme bereits bedacht habe und für die angedachte Bahnlinie daher ein günstigerer Verlauf sowie eine Ausführung „in schlanker Linie“ geplant war. Letztendlich scheiterte das Projekt nicht an diesen Problemen, sondern an den fehlenden finanziellen Mitteln der Eisenbahngesellschaft auf Grund der durch den Krieg fälligen Reparationszahlungen.

In der Zeit vor und auch nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten sich immer mehr Hausener Bürger mit eigenen Brunnen als Selbstversorger. Die Gemeinde selbst konnte aus Geldmangel kein eigenes Brunnenprojekt anvisieren; dementsprechend wurde auch ein Angebot der Gemeinde Nüdlingen, Hausen an die Gruppen-Wasserversorgungsanlage Nüdlingen anzuschließen, abgelehnt. Im Oktober 1919 bat die Gemeinde Hausen das (inzwischen nicht mehr königliche) Bezirksamt um Hilfe, da der Stangenbrunnen nicht mehr funktionsfähig war. Bezirksbaumeister Gerlinger empfahl, wie es schon vor dem Krieg geplant war, Hausen an die Quellen an der Ilgenwiese anzuschließen, die nach einem Gutachten des Bayerischen Landesamtes für Wasserversorgung ein Mehrfaches der benötigten Wassermenge liefern konnten. Am 10. Juli 1921 schloss die Gemeinde mit deren neuen Eigentümer einen Vertrag um ihre Abtretung. Doch als die Gemeinde Hausen im Februar 1926 noch immer keine Wasserleitung gebaut hatte, wurde sie vom Bezirksamtmann Freiherr Alexander von Moreau aufgefordert, sich der Wasserversorgungsgruppe „Aschacher Gruppe“ anzuschließen, aber auch dies scheiterte an Geldmangel.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Begünstigt durch die Kommandostruktur des Dritten Reiches bis hin in die Gemeindeverwaltung beschloss am 7. Januar 1935 der Gemeinderat einstimmig und unverzüglich, zwecks Wasserversorgung des Ortes dem Zweckverband Rhön-Maintal-Gruppe beizutreten. Dieser Beitritt wurde mit Genehmigungsentschließung der Regierung von Unterfranken vom 11. Mai 1936 rechtskräftig.

Am 18. März 1933 fiel der Gemeinderatsbeschluss zur Pflanzung einer Adolf-Hitler-Eiche; diese wurde im Jahr 1934 am Sonntag nach Adolf Hitlers Geburtstag am 20. April als Hitler-Linde eingeweiht. Der an der Einmündung zur Schafgasse befindliche Baum wurde im Jahr 1945, da sie den Autoverkehr behinderte, gefällt.

Ab dem Jahr 1941 gab es mindestens eine Einquartierungsaktion von Soldaten der deutschen Wehrmacht. In diesem Zusammenhang sind Ausgaben der Krieger- und Militärvereinigung Hausen in Höhe von 29,98 RM für einen Generalappell unter Teilnahme der Wehrmacht bekannt. Ein Schild am Eingang des Gasthauses Mantel mit der Aufschrift „Geschäftszimmer Einheit Feldpost Nr. 37426“ lässt die Einquartierung aus dem sächsischen Raum vermuten; mindestens genauso wahrscheinlich ist es, dass diese Aufschrift die Wachmannschaft bezeichnet, die die französischen Kriegsgefangenen zu bewachen hatte, die in einem Anbau beim Gasthaus „Zum Löwen“ und der Bäckerei Mantel untergebracht waren und vom über 70 Jahre alten Wirt Georg Mantel bewacht wurden (fünf in der Folgezeit geborene Hausener Bürger sollen französische Väter haben). Einer Legende nach soll im Rahmen dieser Einquartierung ein Soldat auf die Hausener Statue des Hl. Nepomuk geschossen und diese am Hinterkopf getroffen haben; dieser Soldat soll im Russlandfeldzug einen tödlichen Kopfschuss erlitten haben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 3. April 1945, verurteilte ein Standgericht an der Straße zwischen Hausen und Bad Kissingen den 18jährigen Soldaten Helmuth Spanke (laut Sterbeeintrag beim Standesamt Bardenberg/Kreis Aachen hieß der Verurteilte Anton Fundament) zum Tode durch Erhängen. Er wurde am Ort der Exekution bestattet (jedoch erst nach Einmarsch der Amerikaner, da Erhängte zur Abschreckung an Ort und Stelle belassen wurden; eine Entfernung des Leichnams zum Zweck der ordentlichen Bestattung galt als „Wehrkraftzersetzung“ und war strafbar) und später auf einen Soldatenfriedhof umgebettet. Am 7. April wurden die Saalebrücke sowie die Brücke zwischen Hausen und Kleinbrach gesprengt sowie Hausen von den Amerikanern besetzt; am selben Tag fiel nahe des Hausener Friedhofs der Bremer Soldat Werner Badier. Der Zweite Weltkrieg bedeutete für Hausen 51 Tote sowie 13 Vermisste.

Hausen nach 1945

Kardinal Döpfner im Juli 1964 im Alter von 50 Jahren.

Als neu geweihter Bischof von Würzburg besuchte Dr. Kardinal Döpfner am 7. und 8. Dezember 1948 seinen Geburtsort. Am 4. November 1951 weihte Döpfner die neuen Glocken der Hausener Kirche; ein Jahr später wurde Döpfner wegen seines Einsatzes für den Wohnungsbau Ehrenbürger der Stadt Bad Kissingen (siehe auch Liste der Ehrenbürger von Bad Kissingen). Am Ostermontag des Jahres 1956 (24. April) erfolgte durch ihn die Weihe der neuen Orgel der Hausener Pfarrkirche. Im Jahr 1958 wurde Döpfner Ehrenbürger von Hausen; vom 10. bis zum 18. Dezember des selben Jahres weilte eine Abordnung Hausener Bürger anlässlich seiner Kreierung zum Kardinal in Rom. Ein letzter Besuch des Kardinals in seinem Geburtsort Hausen erfolgte 1976, wobei er Firmungen vornahm.

Mahnmal am Hausener Friedhof zum Gedenken an die Opfer beider Weltkriege.

Am Volkstrauertag 1965 fand auf dem Friedhof von Hausen die Einweihung eines vom Kirchheimer Bildhauer Willi Väth geschaffenen und neben dem Leichenhaus gelegenen Gedenksteines für die Opfer beider Weltkriege statt. Auf drei Tafeln an der Wand des Leichenhauses stehen die Namen der Hausener Einwohner, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben verloren. Der Gedenkstein ist ausdrücklich nicht als „Helden-“, sondern als Friedensmahnmal gedacht.

Am 1. Juli 1972 wurde Hausen im Zuge der Gemeindegebietsreform ein Stadtteil von Bad Kissingen.[3] Dem war am 23. Dezember 1971 ein Beschluss der Gemeinde Hausen mit einem Ergebnis von 10:0 Stimmen zugunsten der Eingemeindung vorausgegangen. Der Zusammenschluss von Hausen und Bad Kissingen verlief auf Grund der Verflechtungen beider Orte problemlos; diese rührten daher, dass der Schönbornsprudel und der Runde Brunnen das für Bad Kissingen wichtige Heilwasser lieferten und dass das Bad Kissinger Kurwesen Arbeitgeber für viele Hausener war. Zudem ermöglichte die Gebietsreform u. a. eine Verbesserung der Infrastruktur in Hausen (Verbesserung des Straßennetzes, Anschluss an die Bad Kissinger Kläranlage).[4]

Am 21. Juni 1971 wurde für die Gemarkung Hausen das Flurbereinigungsverfahren angeordnet, um der Zersplitterung des Grundbesitzes ein Ende zu bereiten. Am 29. Juli 1971 wurde der Vorstand der Teilnehmergesellschaft gewählt, der am 30. November 1971 zu einer ersten Vorstandssitzung zusammenkam. Zwischen 1973 und 1974 fand in mehreren Begehungen eine Neubewertung der betroffenen Flächen statt. In diesem Zusammenhang auftretende Bedenken von Grundflächenbesitzern konnten ausgeräumt werden, so dass am 9. Februar 1977 die Wirksamkeit des Flurbereinigungsplanes festgestellt werden konnte. Am 18. Januar 1980 fand die Besitzeinweisung der neuen Grundstücksflächen statt. Das danach übrig gebliebene Masseland konnte für 50 Deutsche Mark/m² an das Straßenbauamt Schweinfurt verkauft werden; mit dem Erlös konnte die Teilnehmergemeinschaft in erheblichem Umfang ihre Eigenleistung finanzieren. Die Flurbereinigung hat in Hausen u. a. zum Hochwasserschutz, zum Bau der Franz-von-Prümmer-Schule am Küttlersrain und eines Aussiedlerhofes beigetragen. Der Zustand nach der Flurbereinigung bekam am 15. November 1982 seine Gültigkeit. Sie betraf in Hausen eine Fläche von 752 Hektar und im Zusammenhang mit den Besitzständen 591 Teilnehmer. Die Gesamtkosten betrugen 1.920.000 DM bei einer Eigenleistung von 335.000 DM. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten gab es in Hausen für die Flurbereinigung keinen Gedenkstein.

Salzgewinnung

Detail aus dem Fresko „Kampf der Hermunduren und Katten um die Salzquellen bei Kissingen 58 nach Christo“ von Johann Georg Hiltensperger.

Eine Salzgewinnung an der Fränkischen Saale ist schon für die Zeit lange vor der Entstehung der Hausener Salinen verbürgt. So berichtet der römische Geschichtsschreiber Tacitus, dass im Jahr 58 n. Chr. zwei germanische Stämme um einen für die Produktion von Salz bedeutungsvollen Grenzfluss kämpften; allerdings ist nicht eindeutig erwiesen, ob sich dieser Bericht auf die Region von Hausen bezieht.

Für das Jahr 823 sind mehrere Schenkungen von Quellen und Salzhütten durch private Grundherren an das Kloster Fulda nachgewiesen. In diesem Zusammenhang weiß man von der Existenz zweier „salinae“ bei Kissingen. Die eine dieser Quellen befand sich in der Nähe der Rakoczy- und Pandur-Quellen, geriet im 16. Jahrhundert in Vergessenheit und wurde Bestandteil des Flusses der Saale. Die andere Quelle, als „fons ebulliens“ (lat.: „aufwallende Quelle“) bezeichnet, war, nahe des Runden Brunnens, an der Hausener Saline gelegen (nach 823 ist diese Saline nur noch für das Jahr 1250 als Schenkung an das Kloster Hausen verbürgt und war um 1555, dem Jahr der Auflösung des Klosters, nicht mehr besonders ertragreich). Diese Quelle versiegte Anfang des 19. Jahrhundert.

Im Jahr 1559 beschloss Fürstbischof Friedrich von Wirsberg die Errichtung einer Salzsiedeanlage in Hausen und nahm Kontakt mit den Handelsleuten Kaspar Seiler (Augsburg) und Berthold Holzschuhmacher (Nürnberg) auf. Am 30. September 1562 wurde ein Vertrag geschlossen, der beide Geschäftsleute für die nächsten 40 Jahren als Pächter der Salzhütte vorsah, deren Bau im Jahr 1563 an der heutigen Unteren Saline in Hausen begann.[1] Doch trotz Einsatzes der damals innovativen Strohgradierung (sie kam hier zum ersten Mal überhaupt zum Einsatz[5]) warf die Salzhütte nicht den gewünschten Profit ab, so dass Kaspar Seiler und Berthold Holzschuhmacher im Jahr 1570 den Pachtvertrag wieder kündigten; die im Rahmen dieses Projektes geplante Wohnsiedlung für die Arbeitskräfte der Salzhütte war gar nicht erst zustande gekommen.

Im Herbst 1575 strebte unter Julius Echter von Mespelbrunn, Wirsings Nachfolger als Fürstbischof, der wohlhabende Bürger Jobst Deichmann aus Münnerstadt an, Pächter der Salzhütte zu werden.[2] Er plante, den unteren sowie den oberen Salzbrunnen bei Hausen gewinnbringend zu nutzen. Der zwischen Deichmann und dem Hochstift Würzburg geschlossene Vertrag vom 6. Dezember 1575 gestand dem Münnerstädter den unteren Salzbrunnen zu und sah eine Jahrespacht von 50 fl. vor. Durch Deichmanns Streben nach einer technischen Optimierung des Salzsiedeertrages wurde das Projekt ein Erfolg. Auch nach Deichmanns Tod am 15. März 1593 in Münnerstadt brachte das Salzsieden dem Hochstift Würzburg Wohlstand, so dass im Jahr 1606 der gestiegene Ertrag zu einer Erhöhung der Jahrespacht für die Salzhütte auf 180 fl. führte.

Durch den Dreißigjährigen Krieg kam das Salzsiedewesen in Hausen zum Erliegen. Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn beschloss, dieses wiederzubeleben und ließ 1655 das heruntergekommene Brunnenhaus abreißen und die Quelle reinigen. Das neu errichtete Brunnenhaus bekam den Namen Schönborn (in dieser Form hatte das Hüttenwerk bis zum Jahr 1738 Bestand); der dazugehörige, ebenfalls nach dem Fürstbischof benannte Schönbornsprudel diente bereits während des Dreißigjährigen Krieges der Salzgewinnung. Im Jahr 1725 zerstörte ein Blitz das Hüttenwerk der Saline; an seiner Stelle befindet sich heute das Gasthaus Zum Adler.

Als im Jahr 1738 die Rákóczi- und die Pandur-Quelle neu gefasst wurden, brachte dies auch neuen Schub für die Untere Saline, was sich beispielsweise seit 1740 durch die Nutzung eines modernen Wasserrades zur Schöpfung von Salzwasser aus der Saale äußerte. Am 7. Januar 1757 wurde der fürstbischöfliche Rat Johann Michael Schambach neuer Pächter des florierenden Salinenwerkes. Als jedoch der jährliche Ertrag von 13.000 bis 14.000 Zentner nicht ausreichte, um die Nachfrage zu decken, sandte Schambach auf der Suche nach Ideen zur Verbesserung des Hausener Salinenwerkes eine Abordnung zu den Salinen in Offenau am Neckar.

Detailaufnahme des Gradierwerkes

Die Hausener Saline florierte erneut, als Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, aufbauend auf Plänen seines Vorgängers als Fürstbischof und Onkels Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim, sie wieder instand setzte. Zudem beschloss Seinsheim am 18. Juni 1763 den Bau einer neuen Salinenhütte beim Kloster Hausen; Baubeginn war am 1. März 1764. Am 6. Juni 1764 begann die Niedertreibung des Schönbornsprudels, den Seinsheim aus Stolz über die Familienzugehörigkeit nach seinem Onkel benannt hatte. Bis zum 15. September 1764 erreichte man eine Tiefe von 50,5 Fuß; am 12. Dezember des Jahres konnte der Schönbornsprudel mehr als 10.500 Zentner Salz pro Jahr liefern. Zeitgleich entstanden unterhalb vom Kloster Hausen zwei neue Gradierwerke und es wurde ein Kanal angelegt und ausgebaut; dieser begann zwischen Kleinbrach und Großenbrach und endete auf Höhe der Oberen Saline in der Saale. Die Generalsalinenkasse einer mit 40 Aktionären gegründeten Salinensozietät erbrachte bis zum 25. April 1768 180.000 fl. Der Salzbedarf des Hochstifts von bis zu 80.000 Zentnern pro Jahr konnte jedoch nicht mit dem Ertrag des Schönbornsprudels gedeckt werden. Eine Misswirtschaft der Bischöfe und zu hohe Salzpreise verschlechterten die Situation für Hausen zusätzlich, so dass im Jahr 1769 ein Handelsabkommen zustande kam, das es dem Kurfürstentum Bayern ermöglichte, Salz zu importieren und von Würzburg Wein zu beziehen. Doch die Maßnahme erwies sich als Fehlschlag, so dass man mit einem Ertrag von 16.000 Gulden pro Jahr wieder zum Mittel der Verpachtung zurückkehrte.

Ab dem Jahr 1767 entstanden an der Oberen Saline (die zu Ehren von Fürstbischof Seinsheim auch Friedrichshall genannt wurde) massive Steinwohnungen. Zu den neuen Bauwerken gehörte auch die am 15. September 1767 eingeweihte Hauskapelle von Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, die spätere Bismarck-Wohnung (nähere Informationen siehe Kapitel „Bauwerke und Anlagen“). In dieser Zeit bekam die Oberen Saline eine eigene Trinkwasserversorgung, eine eigene Schule sowie einen eigenen Priester. Auf Anordnung des Fürstbischofs entstand von 1770 bis 1772 eine Erweiterung an den Mittelbau der „Oberen Saline“ in Form eines Pavillons.

Eine Konferenz an der Oberen Saline am 17. August 1776 leitete für die nächsten zwei Jahre Maßnahmen ein, um der Konkurrenz durch »schlechteres Salz«, die dem Salz aus Hausen Absatzschwierigkeiten bereitete, zu begegnen. Als im Jahr 1777 die verfügbaren Quellen die Gradierwerke nicht mehr mit genügend Salz versorgen konnten, bediente man sich zusätzlich des Wasserüberflusses an der Unteren Saline. Im Jahr 1788 entstanden an der Unteren Saline weitere Wohnungen für die stetig steigende Anzahl an benötigten Arbeitskräften.

Durch die Säkularisation fiel Kissingen zunächst an Bayern (1803), dann an das Großherzogtum Würzburg (1805), das zu dieser Zeit unter der Herrschaft von Großherzog Ferdinand von Toskana stand, und schließlich endgültig an das Königreich Bayern (1814). Großherzog Ferdinand verschaffte der bayerischen Regierung durch Ankauf der Pacht für das Hausener Salzwerk eine wichtige Einnahmequelle, zumal man in den Quellen neben dem bisher bekannten Steinsalz zusätzlich hochgradiges Salzwasser entdeckt hatte. Bei der daraufhin erfolgten Tieferbohrung des Runden Brunnens versiegte der Reiche Brunnen.

Auch die seit 1767 erste Bohrung des „Schönbornbrunnens“ im Jahr 1831 (in diesem Jahr kam der Brunnen zu seinem Namen) erbrachte durch ihr Scheitern nicht das gewünschte Salzwasser. Bohrmeister Christian Wachtel zeichnete den Verlauf der Arbeiten in zwei Notizbüchern auf. Da man das Bohrgestänge noch nicht, wie heutzutage, drehen, sondern nur stoßen konnte, lag die tägliche Bohrleistung bei lediglich acht Zentimetern. Nach jedem Stoß wurde das Bohrgestänge bei gleichzeitiger Zerlegung in seine Einzelteile hochgezogen, um den Erdauffangbehälter am Ende der Stange zu leeren; bei jedem weiteren Stoß musste das Gestänge erneut zusammengesetzt werden. So erreichte man nach einer Tiefe von 362 Metern im Jahr 1846 und 490,50 Metern im Jahr 1848 schließlich (im Jahr 1854) eine Tiefe von 584,22 Metern, bei der das Bohrgestänge schließlich brach.

In den 1830er Jahren begann Hofrat Dr. Franz Anton von Balling, die Sole von Hausen für Bäder einzusetzen. Das erste Solebad entstand 1841 über dem Solesprudel der Unteren Saline. Das Solebad erfreute sich großer Beliebtheit, so dass es 1862 erweitert werden musste. In den Jahren 1868/69 entstand eine Soleleitung, die vom Schönbornsprudel bis zum Kissinger Aktienbad führte.

Die Aufhebung des Salzmonopols am 8. Mai 1867 führte zum fast vollständigen Abriss der an der Oberen Saline befindlichen Gradierwerke, deren vergleichsweise kleine Überreste sich heute an der Unteren Saline befinden. Im Mai 1963 wurde der Schönbornturm abgerissen, nachdem im Winter zuvor der Schönbornsprudel versiegt war. Im Jahr 1982 wurde an der jetzigen Durchfahrtsstraße von Hausen, wenige Meter neben der Position des alten Schönbornturms, ein Brunnenpavillon mit einer Brunnenplastik errichtet.

Aktuell finden wieder Bohrungen zu einer Neufassung des Schönbornsprudels statt, da dieser wieder Sole zutage fördert. Ferner wurde im Winter 2010 ein Bauprojekt zur Erneuerung der Wasserleitungen zwischen Schönbornsprudel und KissSalis-Therme begonnen; die Bauarbeiten sollen 2012 beendet sein.[6]

Bauwerke und Anlagen

Kloster Hausen

Das in Hausen gelegene Kloster wurde 1161 von Graf Heinrich von Henneberg gegründet. Er verschenkte es an das Bistum Würzburg, als er den Ort Hausen an den Würzburger Bischof Heinrich II. von Stühlingen veräußerte. In das Jahr 1250 fällt die erste urkundliche Erwähnung der Klosterkirche.

Das Kloster Hausen unterstand zunächst dem Kloster Oberzell, dann dem Kloster Veßra. Im Lauf der Zeit war es u. a. in Besitz der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, des Staates, des Distriktes Kissingen und der Augsburger Maria-Stern-Schwestern.

Ab 1860 wurden im Klostergebäude nacheinander eine „Distriktsrettungsanstalt für Mädchen“, ein Kinderheim, eine Kinderbewahranstalt und ein Altenheim eingerichtet; heute dient es als Dienststelle des Bad Kissinger Landratsamtes.

Das Kloster wurde nach Verwüstungen im Bauernaufstand von 1525, im Zweiten Markgrafenkrieg, in den Grumbachschen Händeln und im Dreißigjährigen Krieg mehrfach wieder aufgebaut.

Kaskadental

Impression aus dem Kaskadental.

Im Jahr 1767 entstand in einem Tal zwischen Hausen und dem Bad Kissinger Wildpark Klaushof das Kaskadental. Fürstbischof Seinsheim, der eine solche Anlage auch gern in seiner Residenz in Würzburg gehabt hätte, ließ im Verlauf des durch das Tal fließenden Ilgenbachs künstliche Kaskaden anlegen. Das Kaskadental wurde mit Skulpturen versehen. Der Verbleib der Skulpturen, die möglicherweise vom Bad Bockleter Hofbildhauer Ferdinand Tietz, dem Schöpfer der Figuren im Kurpark von Bad Bocklet, gefertigt wurden, ist aber inzwischen zum Großteil unbekannt; der Torso einer der Skulpturen befindet sich heute im nahe des Klaushofs befindlichen „Altenburger Haus“.

Nach der Vorstellung des Fürstbischofs war es der Zweck der Anlage, die Kurgäste zu erfreuen.

Im Jahr 1776 ließ Hofkammerrat Geigel in seiner Funktion als Salinenkommissar das mörtellose Mauerwerk durch Kalkmauern ersetzen, da im vorherigen Winter Schäden durch Eis und Hochwasser entstanden waren. Im Jahr 1778 pflanzte Hof-Brunnenmeister Anton Timmler 20 Fichten im Kaskadental, nachdem die Deiche durch Frost entzweigetrieben worden waren. In den Folgejahren wurden im Kaskadental Bleirohre installiert. Da sich durch die Schneeschmelze zu viel Erde im Wasserbehälter befand, wurde dieser im Jahr 1790 unter Hofkammerrat Geigel vertieft sowie die Mauern mit Kalkmörtel aufgeführt; ferner wurden die Beschädigungen und Diebstählen zum Opfer gefallenen Zäune durch Dornenhecken sowie neue Zäune ergänzt.

Obere Saline

Bismarck-Museum in der Oberen Saline

Das Anwesen Obere Saline 20 hat neben der Salzgewinnung mehrere Nutzungen erfahren. Im Jahr 1767 richtete Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim für seine Kuraufenthalte hier die Salinenkirche ein; zwischen 1876 und 1893 absolvierte Reichskanzler Otto von Bismarck in der Oberen Saline mehrere Kuraufenthalte in der eigens für ihn eingerichteten Bismarck-Wohnung; dort befindet sich heute das Bismarck-Museum.

Die Obere Saline wurde zu Ehren von Fürstbischof Seinsheim auch Friedrichshall genannt; Der Wortbestandteil „-hall“ bezeichnet hierbei – wie beispielsweise auch im Namen des Ortes Bad Reichenhall – eine Salzerzeugungsstätte.

Ein wichtiger Pächter der Oberen Saline war von 1875 bis 1900 der in Münnerstadt geborene Jurist Karl Streit (* 31. März 1833, † Februar 1902). Er wurde in dieser Funktion von seinem Bruder Ignaz Streit bevollmächtigt; dieser konnte die Pacht nicht selber ausüben, weil er sonst seine Würzburger Anwaltskanzlei hätte aufgeben müssen.

Während der vierzehn Kuraufenthalte Otto von Bismarcks in der Bismarck-Wohnung wurde Karl Streit zum Gastgeber des Reichskanzlers. Streits und Bismarcks ehemalige Tätigkeit in der Landwirtschaft bildete die Basis für eine tiefe Freundschaft zwischen beiden Männern.

Im Lauf der Jahre legte Karl Streit mit Hilfe seiner Frau Elise in der Oberen Saline eine umfangreiche Sammlung von mindestens zwölf Werken des zu jener Zeit unbekannten Tilman Riemenschneider an. Im Jahr 1888 veröffentlichte Streit unter dem Titel »Tylmann Riemenschneider – 1460-1531 – Leben und Kunstwerke des Fränkischen Bildschnitzers – Mit 93 Abbildungen von Karl Streit – Kgl. Oekonomierath zu Bad Kissingen, obere Saline« zwei buchartige Schatullen mit – allerdings seitenverkehrten – Abbildungen der Riemenschneider-Exponate.

Im Jahr 1889 stattete Streit die Salinenkirche für den Kuraufenthalt von Kaiserin Auguste Viktoria mit Figuren aus seiner Sammlung aus (Während der Kuraufenthalte von Bismarck, dem Initiator des „Kulturkampfes“, war dies nicht nötig gewesen).

Aus unbekannten Gründen verkaufte Streit 1890 einen Großteil seiner Sammlung; elf Riemenschneider-Werke aus der Sammlung gingen an das Bayerische Nationalmuseum in München. Zu Streits Ehren wurde im Jahr 1950 die in Winkels (heute Stadtteil von Bad Kissingen) befindliche „Karl-Streit-Straße“ nach ihm benannt; das Grab des Ehepaars Streit auf dem Bad Kissinger Kapellenfriedhof existiert allerdings nicht mehr.

Salinenkirche

Die Umgestaltungspläne für Kurresidenz und Salinenkirche für Fürstbischof Seinsheim stammen von Architekt Johann Philipp Geigel, die Innenausstattung von Johann Peter Wagner. Die Einweihung der Salinenkirche erfolgte am 15. September 1767.

Die Salinenkirche bestand auch nach dem Tod des Fürstbischofs im Jahr 1779; es fanden weitere Anschaffungen statt. Die Kirche blieb von der Säkularisation unberührt, da sie sich als Teil der Saline bereits in Staatseigentum befand. Am 31. Dezember 1825 erklärte die Generalbergwerks- und Salinenadministration die Kirche zur Pfarrkirche einer Lokalkaplanei.

Nachdem durch den Eintritt Bayerns in den Norddeutschen Zollverein im Jahr 1866 die Saline bedeutungslos geworden war, stand auch die Salinenkirche leer. Im Jahr 1877 verkaufte die Finanzverwaltung den Altar nach Trimberg. Nachdem der Trimberger Altar – vermutlich durch Unachtsamkeit der Ministranten – abgebrannt war, wurde der Kauf des Hausener Altars (wahrscheinlich durch Spenden) finanziert. Einige Unstimmigkeiten, wie zum Beispiel das fehlende Wappen des Bauherrn, liegt in der mit 6,40 Meter niedrigeren Höhe der Trimberger Kirche im Vergleich zu der der Salinenkirche (6,70 Meter) begründet. Lange Zeit hielt sich die Annahme, die Figur links vom Altar stelle Nikolaus von Bari dar. Diese Annahme stützte sich auf die Darstellung der Altarfigur mit einem Anker, einem Insignium des Nikolaus. Kreisheimatpfleger Werner Eberth konnte diese Ansicht aber widerlegen, als er darauf hinwies, dass das „Inventarium über die vorfindlichen Kirchen Paramenten und Kapellen Mobilien“ die Figur als Darstellung des Hl. Clemens auswies. Gestützt wird diese Entdeckung durch die Tatsache, dass Clemens – neben der Hl. Barbara – der Patron des Bergbaus war, zu dessen Ressorts auch die Salzgewinnung zählte; zudem hatte der der Clemens auch eine Quelle entdeckt.

Als im Jahr 1922 die Kanzel an die Pfarrei St.Laurentius Bocklet ging, wurde die Kirche zur Scheune umfunktioniert. Bei der Einrichtung des Bismarck-Museums entschied man sich, die Schablonenmalereien wiederherzustellen, wie sie während des Kuraufenthaltes von Kaiserin Auguste Viktoria vorhanden waren.

Bismarck-Wohnung

Als Bismarck im Jahr 1876 seine erste Kur in Hausen verbrachte, wurde die Obere Saline als seine neue Unterkunft ausgewählt. Für diese Wahl war nach dem Attentat von 1874 in Kissingen (in der heutigen Bismarckstraße) ausschlaggebend, dass die Obere Saline bessere Wachmöglichkeiten bot und damit sicherer war. Karl Streit richtete die leer stehenden Räume des aufgelösten Hauptsalzamtes mit antiken Möbeln zur Bismarck-Wohnung ein. Bismarck bekam für seine Amtsgeschäfte Personal gestellt; ferner wurden eine Telegraphen- und eine Gendarmeriestation eingerichtet, die jedoch im Jahr 1997 im Rahmen des Umbaus der Saline zum Bismarck-Museum wieder entfernt wurden.

Im Jahr 1998 fanden im Bismarck-Museum Restaurierungsarbeiten statt. Dabei fanden sich in Bismarcks Schränken zahlreiche Glückwunschtelegramme aus Anlass seines 76. Geburtstages im Jahre 1891, die der Reichskanzler versehentlich in Hausen hatte liegen lassen.[7]

Gefallenengedenkstätte für 1866

Porträt des Hauptmanns Eduard Schlagintweit an der Gefallenengedenkstätte.

An der Unteren Saline errichtete Bildhauer Michael Arnold im Jahr 1867 eine Gefallenengedenkstätte mit Massengrab. Die aus mehreren Grabmälern und Gedenksteinen bestehende Anlage erinnert an die Militärangehörigen Robert Delius sowie Hauptmann Eduard Schlagintweit, die während der „Schlacht bei Kissingen“ im Rahmen des „Deutsches Krieges“ von 1866 fielen. Schlagintweit war zu Tode gekommen, als er Verstärkung holen sollte und auf dem Rückweg er und sein Pferd nahe der Oberen Saline von preußischen Kugeln getroffen wurden.

An der Stelle des Massengrabes wurde ein Kreuz errichtet.

Die Ausführung des Denkmals stimmt weitgehend mit Arnolds Entwurf überein. Es fehlte lediglich (möglicherweise aus Kostengründen) der bayerische Raupenhelm auf der Delius-Säule; es besteht auch die Möglichkeit, dass der Helm gestohlen wurde. Die Staatliche Kurgärtnerei in Bad Kissingen ersetzte den Helm durch einen griechischen Hoplitenhelm.

Bismarck-Denkmal

Nahaufnahme des Bismarck-Denkmals

1877 beauftragte das 1875 entstandene Comité für die Aufstellung einer Statue des deutschen Reichskanzlers Fürst Bismarck in Kissingen den Künstler Heinrich Manger, ein Bismarck-Denkmal aufzustellen. Auf Anweisung des bayerischen Königs Ludwig II. wurde es »nicht da errichtet [...], wo von ruchloser Frevlerhand ein Attentat gegen den Reichskanzler verübt wurde«, sondern an der Unteren Saline im Parkgebiet an der Fränkischen Saale aufgestellt, also »an jener Stelle«, so der König, »wo derselbe Heilung suchte und fand in der Anlage des vom Fürsten täglich besuchten Salinenbades«.

Das Denkmal wurde unter ausführlicher Berichterstattung der lokalen „Saale-Zeitung“ am Sonntag, den 29. April 1877, um 10 Uhr eingeweiht. Noch während des Festdiners im „Englischen Hof“, in dessen Rahmen Baumeister Manger, Hofrat Dr. Stöhr und Bürgermeister Dr. Full Ehrenansprachen auf Kaiser Wilhelm I. und Bismarck hielten, traf ein Dankestelegramm des Reichskanzlers ein. Dennoch soll Bismarck trotz seiner zahlreichen Kuraufenhalte in Hausen das Denkmal nie in Augenschein genommen haben, denn er wäre, wie er es in einer Rede im Reichstag am 28. November 1881 selbst formulierte, »von der größten Verlegenheit, [...] mit welchem Gesicht ich an meiner Statue vorbeigehen sollte«. Zudem störe es ihn, »wenn ich gewissermaßen fossil neben mir dastehe«.

Das Denkmal, das beispielsweise die Gestaltung des Kölner Bismarck-Denkmals inspirierte, musste aus Gründen der Haltbarkeit kurz vor Bismarcks 100jährigem Geburtstag im Jahr 1915 galvanisch mit einer Bronzehaut versehen werden; ausgeführt wurde diese Arbeit von der Geislinger Württembergischen Metallwarenfabrik WMF.

Gefallenendenkmal für 1870-71

Die Errichtung der an der Hausener Durchfahrtsstraße befindlichen Muttergottes-Statue (Patrona Bavariae) wurde im Jahr 1904 vom damaligen Krieger- und Kampfgenossenverein initiiert. Die Statue war als „Dankmal“ für die aus den Kriegen von 1866 und 1871 heimgekehrten Hausener gedacht, deren Namen auf einer Gedenktafel an der Rückseite der Statue zu lesen sind. Im Jahr 1905 ging der Auftrag an den Bildhauer Valentin Weidner; bis 1907 hatte der Verein das nötige Geld zur Finanzierung des Projektes erworben, so dass die Statue am 2. September 1907 anlässlich des Sedanstages eingeweiht werden konnte.

Im Jahr 2010 erfolgte auf Anregung von Kreisheimatpfleger Werner Eberth eine Renovierung der Marienstatue, bei der diese von ihrer Veralgung befreit wurde. Im Zuge der Reinigungsarbeiten konnte der an der Statue angebrachte Text rekonstruiert werden.

Vereinsleben

„Krieger- und Kampfgenossenverein“ und „Militärverein Klosterhausen““

Nachdem Bayern im „Deutschen Krieg“ von 1866 gegen Preußen verloren hatte, dann aber an preußischer Seite den „Deutsch-Französischen Krieg von 1871“ gegen Frankreich gewonnen hatte, bedeutete dies einen Aufschwung für das Militärwesen, der am 3. März 1877 in Hausen in der zum 1. Januar 1877 rückwirkenden Gründung des Krieger- und Kampfgenossenvereins mündete. Als Mitglied aufgenommen wurde nur, wer nachweisen konnte, dass er Kriegsdienst geleistet hatte. Die Vereinsstatuten sahen u. a. im Todesfall eines Mitglieds eine finanzielle Unterstützung für die Hinterbliebenen vor. Mit dem Setansfest sollte alljährlich der siegreichen Schlacht von Sedan gedacht werden; weitere Anlässe, derer der Verein mit Feierlichkeiten gedachte, waren zum Beispiel der 70. Geburtstag von Prinzregent Luitpold und das 25jährige Bestehen des Deutschen Reiches. Im Jahr 1899 erfolgte die Anschaffung einer Fahne, die von Handarbeitslehrerin Ew. Schwester Berchmana Geier angefertigt wurde.

Im Jahr 1904 initiierte der Verein die Errichtung einer als „Dankmal“ für die Kriegsheimkehrer von 1866 und 1870/71 gedachten und an der heutigen Durchfahrtsstraße von Hausen befindlichen Muttergottes-Statue (Patrona Bavariae).

Im Jahr 1906 wurde der Militärverein Klosterhausen gegründet, der nicht für die Veteranen von 1870/71, sondern für die Reservisten gedacht war; seine Fahnenweihe fand 1909 statt. Auch der Militärverein Klosterhausen beging den Geburtstag des Prinzregenten sowie das Gedenken an die Schlacht von Sedan.

Nach einem Beschluss des Krieger- und Kampfgenossenvereins vom 29. Dezember 1921 wurde der Bildhauer Bruno (I) Brand mit der Ausführung eines Kriegerdenkmals auf dem Hausener Friedhof beauftragt. Weder das Ergebnis einer zur Finanzierung durchgeführten Haussammlung noch die Höhe der Kosten für das Denkmal noch der Termin der Einweihung lassen sich belegen; entsprechende Dokumente fehlen. Für den 21. Oktober 1926 ist ein Auftrag der Gemeinde an den Spengler Alfons Reder zur Umzäunung des Denkmals überliefert. Das Denkmal wird in einer Festschrift für das Gauturnfest im Jahr 1956 erwähnt; zudem belegt eine Rechnung des Steinmetzbetriebes Bruno Brand vom 29. November 1965 die Existenz des Denkmals zu dieser Zeit. Wie Gemeindearbeiter Bruno Weingärtner mitteilte, existierte das Denkmal noch um das Jahr 1968. Möglicherweise wurde es von der Firma Burger entfernt, die zu dieser Zeit den Friedhofsbrunnen mauerte.

Am 13. Februar 1926 schlossen sich der Krieger- und Kampfgenossenverein und der Militärverein Klosterhausen zur Krieger- und Militärvereinigung zusammen. Mitglied Heinrich Schreiner soll laut örtlicher Überlieferung aus Dankbarkeit für seine Heimkehr nach Teilnahme am Chinakrieg von 1901 (siehe auch Boxeraufstand) das Josef-Denkmal im Pfarrgarten von Hausen gestiftet haben.

„Turn- und Sportvereinigung 1900 e. V.“ und der „1. Fußballclub Hausen“

Am 21. Januar 1900 fand die Gründung der „Turn- und Sportvereinigung 1900 e. V.“ statt. Am 13. April 1902 wurde die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen und am 9. August 1902 von den Vereinsmitgliedern bestätigt; die Weihe der von Handarbeitslehrerin Ew. Schwester Berchmana Geier angefertigten Fahne fand vom 6. bis 8. September 1902 statt. Während des Ersten Weltkrieges kam der Vereinsbetrieb zum Erliegen; in der ersten Generalversammlung nach dem Krieg am 28. Dezember 1918 hatte man elf gefallene Vereinsmitglieder zu beklagen. Der Versuch, im Jahr 1922 eine Schwimmabteilung einzurichten, scheiterte.

Im Sommer 1920 entstand der „1. Fußballclub Hausen“, der sich später mit dem Turnverein zusammenschloss. Im Jahr 1929 konnte der Verein ein Wiesenstück pachten und dort am 19. Juli 1929 den Fußballplatz „In den Gärten“ einweihen; dieser musste jedoch im November 1931 wieder aufgegeben werden. Am 3. Februar 1932 entstand unter Garitzer, Hausener und Kissinger Beteiligung eine Schiedsrichtergruppe. Am 21. August 1932 konnte an der „Lehmgrube“ die Einweihung eines neuen Fußballplatzes stattfinden.

Am 2. September 1933 fand die Generalversammlung zur Fusion der „Turn- und Sportvereinigung 1900 e. V.“ und des „1. Fußballclub Hausen“ zur „Turn- und Sportvereinigung“ (TSVgg) statt. Diese wurde in der Fußballsaison 1933/34 Gruppenmeister in der Abteilung 3 Rhön. Ab 1936 wurden die ersten weiblichen Mitglieder in die TSVgg aufgenommen. Auch im Zweiten Weltkrieg fand kein Vereinsleben statt; die erste Generalversammlung nach Kriegsende wurde am 16. Februar 1946 abgehalten. Am 5. Mai 1947 erlangte der Verein die Meisterschaft in der Kreisklasse. Am 12. Juni 1948 erfolgte die Eintragung der TSVgg in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Bad Kissingen, am 21. August 1949 im Rahmen eines Turnfestes die Einweihung eines Sportplatzes in den „Sulzwiesen“. Ein großer Erfolg wurde das 50jährige Gründungsfest am 10. und 11. Juni 1950 unter Teilnahme von 538 aus 21 Vereinen. Im Jahr 1956 entstanden erste Pläne zum Bau einer Turnhalle, doch scheiterten in den Folgejahren mehrere diesbezügliche Anläufe der TSVgg; das Vorgaben wurde erst im Jahr 1970 mit dem Bau der Mehrzweckhalle durch die Gemeinde Hausen umgesetzt. Am 18. Mai 1975 wurde die neue Vereinsfahne der TSVgg geweiht. Das in den 1970er Jahren angedachte Sportheim konnte am 13. Mai 1984 eingeweiht werden.

Personen

Bürgermeister

Wirtshausschild am Traditionslokal „Gasthaus zum Adler“ in Hausen
Zuhause in Hausen: Vogelhaus und Kruzifix an einem Baumstamm in Hausen
Hausener Bürgermeister von 1828 bis 1972[8]
Name Amtszeit
Johann Schmitt Erste Erwähnung: 1828
Bonifaz Seller Erste Erwähnung: 1832
Adam Häfner Erste Erwähnung: 1836
Metz [Vorname unbekannt] Erste Erwähnung: 1842
Joseph Schneider Erste Erwähnung: 1845
Saar [Vorname unbekannt] Erste Erwähnung: 1855
Adam Häfner 1876 – 1881
Johann Schießer 1882 – 1885
Michael Weingärtner 1886 – 1886
Kaspar Weingärtner 1886 – 1887
Michael Götz 1888 – 1893
Michael Joseph Meder 1894 – 1899
Adam Häfner 1900 – 1917
Anton Weingärtner 1918 – 1919
Kilian Müller 1919 – 1933
Eduard Häfner 1933 – 1945
Josef Müller 1945 – 1972

In Hausen geborene Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Dr. Paul Gabriel Schmitt; Domvikar. Ernennung: 1888
  • Fritz Welz; Privatier. Ernennung: 1923
  • Dr. Julius Döpfner; Kardinal. Ernennung: 1958
  • Carl Hilbert; Pfarrer. Ernennung: 1961
  • Josef Müller; Bürgermeister. Ernennung: 1970

Literatur

  • Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 1. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2009 [Geschichte von Hausen und Kleinbrach]
  • Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 2. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2010 [Geschichte der Salinen und Quellen in Hausen]
  • Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011 [Kloster Hausen, Kriege von 1866, 1914 und 1939, u. a.]
  • Thomas Ahnert und Peter Weidisch (Hrsg.): 25 Jahre große Kreisstadt Bad Kissingen – Ein Stadtmagazin, Bad Kissingen, Verlag Stadt Bad Kissingen, 1997. ISBN 3-00-001787-9
  • Hausen, In: Denis A. Chevalley, Stefan Gerlach: Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998. ISBN 3-87490-577-2
  • Das erste Bismarck-Denkmal in Deutschland, in: Werner Eberth: Bismarck und Bad Kissingen. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 1998, S. 324-339

Weblink

 Commons: Hausen (Bad Kissingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Bayerisches Stadtarchiv Würzburg, WU 48/99a (1562 September 30)
  2. a b Bayerisches Staatsarchiv Würzburg, HV Ms.f.175 I.
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 426
  4. Thomas Ahnert und Peter Weidisch (Hrsg.): 25 Jahre große Kreisstadt Bad Kissingen – Ein Stadtmagazin, Bad Kissingen, Verlag Stadt Bad Kissingen, 1997. ISBN 3-00-001787-9, S. 141ff.
  5. Salz und Salzgewinnung, in der Reihe: Peter Weidisch (Hrsg.): Bad Kissinger Museumsinformationen, Heft 1, Bad Kissingen 2008, ISBN 3-934912-09-5
  6. „Wo der Freistaat Millionen verbuddelt“ – „Main-Post“-Artikel vom 7. November 2010
  7. Bismarck-Museum in Bad Kissingen, in: Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung. Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen. Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, S. 346f.
  8. Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 1, S. 15

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