Blue Peacock

Blue Peacock ist der Codename eines Atomwaffenprojekts, welches das britische Verteidigungsministerium während des Kalten Krieges in den 1950er Jahren durchführen ließ. Dieser Waffentyp kann zu den Atomic Demolition Munitions gezählt werden. Die Existenz dieses Waffenprojektes war jahrzehntelang geheim und wurde erst vor einigen Jahren durch den britischen Historiker David Hawkings öffentlich bekannt.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Geplanter Einsatz

Das britische Verteidigungsministerium plante den Einsatz von Blue Peacock als Verteidigungswaffe im Falle eines überlegenen Angriffs der Truppen des Warschauer Pakts mit konventionellen Waffen. In dem Planspiel der Briten wäre der Gegner über die Zonengrenzen nach Westdeutschland vorgedrungen, ohne gestoppt werden zu können. Um die Besetzung Westdeutschlands zu verhindern, wären taktische Atomwaffen zum Einsatz gekommen. Da dieses Szenario als realistisch galt, erhielten alliierte Truppen schon vorher Atomwaffen in Kleinformat, die nicht die Vernichtungskraft von strategischen Nuklearwaffen besaßen (z.B. Davy Crockett). Um eine Besetzung Deutschlands zu verhindern, sollte das Prinzip der "verbrannten Erde" angewendet werden. Nukleare Landminen sollten in der Nähe von Infrastrukturen wie z.B. Industrieanlagen, Bahnhöfen und Talsperren ausgebracht werden. Es wird davon ausgegangen, dass der Einsatz dieser Waffen tausende bis zehntausende Menschenleben gekostet hätte.

Aufbau und Sprengkraft

Der Entwurf von Blue Peacock basierte auf einem anderen, kleineren Waffentyp mit dem Codenamen Blue Danube, mit dem die Royal Air Force bereits ausgerüstet wurde. Kernstück von Blue Danube war eine Plutoniumkugel umschlossen von hochexplosiven Material, mit einem Gewicht von 4,5 Tonnen. Aufgrund seines massiven Stahlmantels wog Blue Peacock wesentlich mehr, nämlich 7 Tonnen. Mit einer Sprengkraft von zehn Kilotonnen TNT sollte er die Hälfte der Sprengkraft von Fat Man haben, der Bombe die im August 1945 über Nagasaki abgeworfen wurde.

Zündung

Die Minen wären vergraben, in Seen und Flüssen versenkt oder auf der Oberfläche platziert worden. Die Zündung hätte entweder mit einem Draht über Fernauslösung aus bis zu fünf Kilometer Entfernung oder per Zeitzündung nach 8 Tagen erfolgen sollen. Außerdem wurden verschiedene Einrichtungen vorgesehen, die bei Entschärfungsversuchen oder Beschuss zur Auslösung geführt hätten.

Ende des Projekts

Im Sommer 1957, kurz vor dem Ende der Entwicklungen, wurden noch zehn Exemplare von Blue Peacock vom britischen Militär geordert, doch schon drei Monate später wurde die Bestellung gestoppt. Bei der militärischen Führung entstanden Zweifel am Projekt. Es wurden bereits kleinere und leichtere Gefechtsköpfe entwickelt. Einen Fallout nach einer Zündung stufte man als "unangebracht" ein. Außerdem wurde diskutiert, ob das Ausbringen dieser Waffe auf dem Gebiet eines Verbündeten politisch angebracht sei. Im Frühjahr 1958 wurde das Projekt durch das britische Verteidigungsministerium beendet.

Ein Prototyp von Blue Peacock wurde wahrscheinlich bei einem Versuch zerstört. Ein anderer befindet sich in der historischen Sammlung des Atomic Weapons Establishment (AWE) in Aldermaston, Berkshire.

Einzelnachweise

  1. David Hawkings, Discovery: Artikel Blue Peacock the British Army’s Forgotten Weapon, (PDF 82 kB), The Science & Technology Journal of AWE (engl. eingesehen am 15. März 2011)
  2. Markus Becker, Spiegel, 21. Juli 2003, Artikel: Atom-Minen sollten Deutschland verwüsten (eingesehen am 15. März 2011)

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