Boetersmühle
Die Boetersmühle vom Bahnsteig Hasserode aus gesehen
Die Boetersmühle, Eingangsseite in der Amtsgasse
1955 waren die Lüftungsluken noch vorhanden

Das heute als Wohnhaus genutzte Gebäude in der Amtsgasse 1 im Ortsteil Hasserode der Stadt Wernigerode am Harz war ursprünglich eine Papiermühle. Der Volksmund nennt sie nach ihren Erbauern Boetersmühle. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Die steinerne Tafel über dem Eingang

Eine steinerne Tafel über dem Eingang in der Amtsgasse 1 nennt die Erbauer:

ERBAUET VON HEINR. CONR. BOETERS UND VON SOPHIE CHRISTIANE BOETERS GEBORNE HORN. IM JAHR 1808.

Vorher stand an gleicher Stelle schon eine Mühle, in der Papier gefertigt wurde. Belegt ist, dass am 16. November 1723 Johann Caspar Ludwig die Papiermühle an Johann Michael Räuper und dieser sie am 3. Oktober 1743 an Johann Heinrich Märtens verkaufte. Nach dessen Tod am 20. Januar 1783 übernahm sein Sohn Conrad die Mühle und verkaufte sie schließlich am 31. Januar 1805 für 5.275 Reichstaler an den Erbauer des heutigen Gebäudes, Heinrich Conrad Boeters.[1]

Die Mühle trug verschiedene Bezeichnungen: Mühle hinter der Burg, Mühle bei dem Amtshause oder Blaufarben Papiermühle. Diese Namen beschreiben ihre Lage zwischen der ehemaligen Burg Hasserode – das Amt residierte in der Burg – und dem Blaufarbenwerk. Das im letzteren produzierte Kobaltblau wurde auch zum Färben von Papier und den "blauen Aktendeckeln" verwendet. Unter den Papiermachern Anfang des 19. Jahrhunderts hieß sie einfach die Neue Mühle.

Heinrich Conrad Boeters hatte keine Kinder. So ging die Mühle an seinen jüngeren Bruder Heinrich Christoph Ernst. Dessen Ehefrau brachte neun Kinder zur Welt. Der Älteste studierte Theologie, diente dem Grafen Henrich zu Stolberg-Wernigerode einige Jahre als Hofkaplan und betreute von 1847 bis 1860 als zweiter Pfarrer die Gemeinde St. Sylvestri in Wernigerode. Der zweite Sohn, Konrad Eduard Friederich, übernahm nach dem Tod seines Vaters am 15. Oktober 1834 19-jährig die Mühle. Anfangs betrieb er sie noch mit Erfolg, dann aber mit zunehmenden Schwierigkeiten. Die Zeit des handgeschöpften und aus Lumpen hergestellten Papiers war vorbei.
Die neue Technik, Papier aus Holzfasern und maschinell als endloses Band zu erzeugen, erforderte größeren Kapitaleinsatz, den Eduard, wie auch die meisten anderen Papiermüller nicht aufbringen konnte oder mochte. Sein Sohn Ernst Boeters verkaufte schließlich 1917 das ganze Anwesen an Ferdinand Karnatzky, der 1916 auf dem benachbarten Gelände der ehemaligen Burgmühle eine Schokoladenfabrik errichtete. Die Mühle war nun Wohnstätte für Arbeiter und Werkstatt zur Herstellung von Versandkisten für Schokolade. Als nach dem Zweiten Weltkrieg Wohnraum knapp war, wurden auch im Werkstattteil der Mühle Wohnungen eingerichtet. Einer Renovierung vor der Wende 1989 fiel das ursprüngliche Dach mit den Lüftungsklappen zum Opfer.

Literatur

  • Georg Gynz-Rekowski: Die alten Mühlen in Hasserode, Manuskript, Harzbücherei Wernigerode 1992
  • Ernst Boeters: Erinnerungen aus meiner Kindheit, Görlitz-Biesnitz 1930.
  • Heinrich Ernst Boeters: Die Boeters und ihre Papiermühlen, Seevetal 2009.

Einzelnachweise

  1. LHASA, MD, Rep. A 19a IX, Nr. 78 Bl. 23-26.
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