Abessinien
የኢትዮጵያ ፌዴራላዊ ዲሞክራሲያዊ ሪፐብሊክ (Amharisch)

yä-Ityoṗṗya Fädäralawi Dimokrasiyawi Ripäblik (Transliteration)
Demokratische Bundesrepublik Äthiopien

Flagge Äthiopiens
Wappen Äthiopiens
Flagge Wappen
Amtssprache Amharisch
Hauptstadt Addis Abeba
Staatsform Demokratische Bundesrepublik
Staatsoberhaupt Präsident
Girma Woldegiorgis (seit 8. Okt. 2001)
Regierungschef Premierminister
Meles Zenawi (seit August 1995)
Fläche 1.127.127 km²
Einwohnerzahl 78.254.090 (Quelle: CIA 2008)
Bevölkerungsdichte 72 Einwohner pro km²
BIP/Einwohner 1346 US-Dollar (2008)[1]
HDI 0,503 (152.)
Währung 1 Äthiopischer Birr = 100 Santim
1 € = 14,17 ETB
100 ETB = 7,06 €
(Stand: 13. Februar 2009)
Inflation etwa 17,2% (2007 geschätzt)
Nationalhymne Wädäfit Gäsgeshi Wudd Ennate Ityop’ya
Zeitzone UTC+3
Kfz-Kennzeichen ETH
Internet-TLD .et
Telefonvorwahl +251

Äthiopien (griechisch Αιθιοπία, von altgriechisch αίθαλο, aíthalo – das sonnengebräunte und οψ, ops – das Gesicht, amharisch Ityop'ya) – zeitweise im Ausland auch als Abessinien bekannt (eigentlich ein kultur-geographischer Begriff, der nur das Hochland bezeichnet) – ist ein Staat im Nord-Osten Afrikas. Er grenzt an Eritrea, den Sudan, Kenia, Somalia und Dschibuti. Nationalfeiertag ist der 28. Mai, Tag der Niederlage des Mengistu-Regimes (1991).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Äthiopien ist das zehntgrößte Land in Afrika, es ist rund dreimal so groß wie Deutschland.

Politische Grenzen

Grenze insgesamt: 5.328 km

Zwischen 1952 und 1993 hatte Äthiopien einen Zugang zum Meer, der jedoch mit der Unabhängigkeit Eritreas verloren ging.

Geologie

Das Sämen-Gebirge

Die Landesnatur Äthiopiens nimmt im Rahmen Afrikas eine Sonderrolle ein. Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents: 50 % seiner Fläche liegen höher als 1200 Meter, mehr als 25 % über 1.800 Meter, über 5 % erreichen noch Höhen über 3.500 Meter. Dennoch hat der größte Teil des Hochlands Mittelgebirgscharakter. Hier herrscht gemäßigtes Klima vor. Die Hochlandsränder und die Einschnitte der Flüsse (Nil, Omo, Takaze) sind sehr steil ausgebildet.

Der Großteil Äthiopiens wird vom Hochland von Abessinien eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes: Addis Abeba (2.370 m ü. NN). Höchster Berg des Hochlandes ist der Ras Daschan Terara (4.545 m); weitere dortige Viertausender sind der Talo (4.413 m), der Guma Terara (4.231 m) und der Guge (4.203 m). Durch die Mitte des Staats zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der Große Afrikanische Grabenbruch (der hier auch Abessinischer Graben genannt wird). Auf dessen südöstlicher Seite schließt sich das Somali-Hochland mit dem Deemtu (4.377 m) an. Die tiefste Landesstelle befindet sich mit 116 m unter dem Meeresspiegel in der Koba-Senke westlich der Grenze zu Eritrea.

An Bodenschätzen bietet Äthiopien Mangan, Gold, Platin und Edelsteine.[2] Insbesondere in den Bundesstaaten Afar, Tigray und Amhara werden Ölvorkommen vermutet.[3]

Klima

Die klimatischen Unterschiede innerhalb von Äthiopien sind in erster Linie durch die Höhe bedingt, in den Tiefebenen ist es heiß, und in den Hochebenen relativ kühl.

Man kann drei Klimazonen unterscheiden: die tropisch-heißen Gebiete bis 1.800 m, die warm-gemäßigte Zone von 1.800 bis 2.500 m sowie die kühle Zone über 2.500 m. In der Hauptstadt Addis Abeba, die auf ca. 2.400 m Höhe liegt, liegt die durchschnittliche Tagestemperatur mittags zwischen 8 und 24 °C.

In der tropisch-heißen Zone (Qolla) ist es durchschnittlich 27 Grad warm bei einer jährlichen Regenmenge unter 500 mm Niederschlag. Die warm-gemäßigte Zone (Woyna Dega) ist 22 Grad warm bei 500 bis 1.500 mm Niederschlag pro Jahr. Im Berggebiet (Dega, über 2.500 m) werden nur 16 Grad gemessen und die Regenmenge steigt bis 1.800 mm Niederschlag. Die Hauptregenzeit ist zwischen Mitte Juni und September, eine kleine Regenzeit gibt es zwischen Februar und März.

Seen

Satellitenbild Äthiopiens

Der größte See ist der Tanasee. Im großen afrikanischen Grabenbruch gibt es viele meist vulkanische Seen. Der Shala ist der größte Kratersee und der tiefste des Landes. Der Langano ist wegen seines hohen Sodagehaltes einer der wenigen Seen, in denen man baden kann, da er frei von Bilharzioseerregern ist.

Flüsse

Die wichtigsten Flüsse in Äthiopien sind der Akobo, der Awash, der Blaue Nil, der Juba, der Genale, der Omo, der Tekeze und der Wabi Shebelle.

Nationalparks

Hauptartikel: Nationalparks in Äthiopien

In Äthiopien gibt es 9 Nationalparks (Stand Oktober 2005). Das Schutzgebietssystem wird durch etwa 100 weitere nationale Schutzgebiete mit unterschiedlichem Schutzstatus ergänzt. Der Simien-Nationalpark gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Flora und Fauna

Aufgrund seiner abwechslungsreichen Topographie, diversen geologischen Schichten und verschiedener klimatischer Verhältnisse ist Äthiopien die Heimat für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Von der Savanne über immergrüne Feuchtwälder bis hin zu Regionen mit alpinem Klima haben sich hier viele Lebensräume etabliert.

Äthiopisches Hochland

Äthiopien ist eines der acht Genzentren der Erde. Die äthiopische Flora umfasst ungefähr 7.000 höhere Pflanzenarten, von denen ungefähr zwölf Prozent endemisch sind. Äthiopien ist das Ursprungsland des Kaffee und verschiedener Getreidearten, wie Teff, sowie der Roten Zierbanane. Über 20 verschiedene Kulturpflanzen stammen aus diesem Land.

Die Schirmakazie, der Affenbrotbaum, Wacholder und der Maulbeerfeigenbaum sind typische Baumarten des Landes. Eines der großen Umweltprobleme Äthiopiens ist jedoch die Waldrodung, die dazu geführt hat, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts viele dieser Arten in ihrem Bestand erheblich geschwächt waren. Eine Aufforstung mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen im Jahre 1905 hat dazu geführt, dass diese heute den größten Teil der Bäume Äthiopiens ausmachen.

Unter den zahlreichen Tierarten sind 30 Säugetierarten (12 %) (unter anderem der äthiopische Wolf, die Sömmerringgazelle, der Dschelada und das Bergnyala), 23 Vogelarten (2,6 %) (unter anderem die Blauflügelgans, die Rougets Ralle und der Klunkeribis), 3 Reptilarten (3,9 %) und 17 amphibische Arten (31,5 %) endemisch.

Städte

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Addis Abeba 2.757.807 Einwohner, Dire Dawa 252.347 Einwohner, Nazret 214.034 Einwohner, Bahir Dar 168.929 Einwohner, Gonder 153.942 Einwohner und Mek'ele 151.752 Einwohner.

Siehe auch: Liste der Städte in Äthiopien

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung 1961–2003

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung setzt sich aus ungefähr 80 ethnischen Gruppen zusammen, die zwischen mehreren Millionen und nur wenigen Hundert Menschen umfassen können. Obwohl geographisch dem südlich der Sahara gelegenen Afrika zugerechnet, ist das Land in seiner historischen und kulturellen Entwicklung stark von Einflüssen aus dem Nahen Osten geprägt.

Ethnien

Arbeiter aus Agame (um 1845)

Im 20. Jahrhundert galten die Amharen als Staatsvolk. Obwohl sie nur zwischen 20 und 30 % der Bevölkerung stellen, hat sich Amharisch als Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von der Stadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt. Zusammen mit den Tigray, die ca. 10 % der äthiopischen Bevölkerung ausmachen, siedelten sie traditionell als Bauern in den nördlichen Hochländern, dem Kernland des historischen äthiopischen Kaiserreichs. Amharen und Tigray können unter dem äthio-semitischen Begriff Habesha ('Abessinier') zusammengefasst werden. Zum überwiegenden Teil sind sie Anhänger der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche. Die Hälfte der Bevölkerung sind Muslime, jedoch wird der Alltag von der äthiopisch orthodoxen Kirche geprägt. Eine kleine Minderheit sind Protestanten und Katholiken, die Minderheit jüdischen Glaubens (Falascha) ist mittlerweile fast komplett nach Israel ausgewandert.

Speerträger aus Tigre (um 1845)

Die zahlenmäßig größte Ethnie bilden allerdings die Oromo, was auf Oromiffa ‚die Starken‘ bedeutet. Früher waren die Oromo und andere kuschitische und omotische Völker unter der Bezeichnung Galla bekannt, was in Amharisch auch heidnisch bzw. nicht-christlich bedeute.[4] Galla gilt heute als abwertend und sollte vermieden werden. Sie stellen über 40 % der Bevölkerung Äthiopiens und hängen oft dem Islam, aber auch der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über den Süden, Osten und Westen des Landes. Die muslimische Bevölkerung der Stadt Harar wird Aderi genannt und hat aus historischen Gründen eine eigene linguistisch-kulturelle Identität. Die bedeutsamsten anderen ethnischen Gruppen Äthiopiens sind die Wolaita (10 %), Somali (6 %), Gumuz (der alte Name Shankella gilt als ausgesprochen beleidigend, da damit die negriden Gruppen des Landes gemeint sind; 6 %) Afar (4 %), Gurage (3 %), Sidama (7 %) und Agaw (1 %). In den Regionen im Westen und Südwesten des Landes leben noch zahlreiche nilotische und omotische Ethnien, die zum Teil einen sehr ursprünglichen Lebensstil bewahrt haben. Die bekanntesten unter ihnen sind die Mursi, Hamar, Ometo und Nuer.

Siehe auch: Majangir

Sprachen

In Äthiopien werden über 80 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache auf der Bundesebene ist Amharisch, das zum (süd-)semitischen Zweig des Afroasiatischen gehört und als Muttersprache von etwa 17 Mio. Menschen gesprochen wird, als Zweitsprache von weiteren 4 Mio. Äthiopiern. Das kuschitische Oromo ist mit 24-25 Mio. Sprechern die Sprache mit den meisten Sprechern. Allerdings ist die Sprecherzahl einzelner Sprachen oft ein Politikum und Angaben dazu daher mit Vorsicht zu genießen. Englisch ist Bildungssprache und wird in den Oberschulen als Unterrichtssprache verwendet. In einzelnen Bundesstaaten, deren Grenzen entlang Sprachgrenzen gezogen wurden, werden in Grundschulen und in örtlichen Verwaltungen regionale Sprachen wie Oromo, Harari, Somali, Afar, Kafficho u. a., aber auch Amharisch verwendet.

Die Sprachen Äthiopiens gehören – sehr ungleich verteilt – zwei großen Sprachfamilien an: dem Afroasiatischen (früher Semito-Hamitisch genannt) und dem Nilo-Saharanischen. Dabei entfallen 99 % (55 Mio.) auf das Afroasiatische, das in Äthiopien mit seinen Zweigen Semitisch (vorwiegend in der nördlichen Hälfte des Landes), Omotisch (im Südwesten) und Kuschitisch (im Süden, Westen und Osten) vertreten ist. Die Nilo-Saharanischen Sprachen (im Westen Äthiopiens) machen nur 1 % oder etwa 500.000 Sprecher aus.

Siehe auch: Alphabetische Liste der Sprachen von Äthiopien

Religionen

Das Kreuz von Tewodros II. (um 1870)

So heterogen wie die ethnische Zugehörigkeit ist auch die religiöse: Die wichtigsten Glaubensgemeinschaften sind die äthiopisch-orthodoxen Christen und die sunnitischen Muslime. Dazu kommen Katholiken, Siebenten-Tags-Adventisten, Neuapostolische Kirche, Anhänger von Naturreligionen, Angehörige der äthiopisch-evangelischen Kirchen, Hindus und Sikhs.

Zur religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung in Äthiopien gibt es widersprüchliche Angaben.

So gibt der Fischer Weltalmanach 2008[5] folgendes an:

  • Rund 40-50 % sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 30-45 % der Äthiopier sind Muslime und ca. 10 % sind Protestanten, die übrigen sind Animisten bzw. gehören indigenen Religionen an. In der Version von 2007[6] sind 45 % Muslime, 40 % Orthodoxe, 10 % Protestanten und 5 % Sonstige erwähnt.

Das Jahrbuch "Aktuell 2008" von Harenberg [7]schätzt

  • 45-50 % Muslime gegenüber 35-40 % orthodoxen Christen, 12 % Animisten und 3-8 % Sonstige.

Ebenso sieht es das gemeinsame Jahrbuch von dtv und Spiegel-Buchverlag[8]

  • 45-50 % Muslime, 35-40 % orthodoxe Christen und 10 % traditionelle Religionen

Faktisch alle mehrbändigen Brockhaus-Ausgaben geben an,

  • dass in Äthiopien der Islam heute über 50 % der Gesamtbevölkerung ausmacht[9], während alle einbändigen Brockhaus-Ausgaben von insgesamt 50 % Christen (Orthodoxe und Protestanten) gegenüber 40-45 % Muslimen ausgehen. Der Brockhaus Atlas zur Geschichte nennt 50 % Muslime.[10]

Das CIA World Fact Book (Erhebung 1994)[11]:

  • 60,8 % Christen (50.6 % Äthiopisch-Orthodoxe, 10.2 % Protestanten), 32,8 % Muslime, 4,6 % traditionelle Religion und 1,8 % andere Religionen.

Dagegen gibt das US-Außenministerium (Stand August 2007) an[12]

  • 45-50 % Muslime, 40 % Äthiopisch-Orthodoxe und 5 % Protestanten.

Ähnlich schätzt es das Auswärtige Amt (Stand Oktober 2007)[13] ein:

  • Rund 45 % der Äthiopier sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 45 % Muslime, ca. 7 % evangelische und katholische Christen und ca. 3 % gehören Naturreligionen an.

Umgedreht geben die Botschaften Äthiopiens in London und Wien folgende Zahlen an[14]:

  • 45 % Äthiopisch-Orthodoxe, 35-38 % Muslime, 9 % sonstige Christen (Katholiken und Protestanten) sowie bis zu 11 % Sonstige.

Eine Sonderrolle spielen die Falascha – diese Gemeinschaft äthiopischer Juden ist älter als der Talmud. Mit einer geheimen Luftbrücke hatte Israel 1984 und 1991 mehr als 25.000 Falascha aus den Bergtälern zwischen Gonder und Aksum nach Israel ausgeflogen. Heute leben nur noch 3.800 Falascha in Äthiopien

Äthiopisch-Orthodoxe Kirche

Äthiopischer Priester mit typischen äthiopischen Kreuzen

Anfang des 4. Jahrhunderts verbreitete sich das Christentum in Äthiopien. Das Äthiopisch-Orthodoxe Christentum, das vor allem unter den Amharen und Tigray verbreitet ist, ist die historisch bedeutsamste Religion des Landes. Äthiopien zählt mit Armenien und Georgien zu den ältesten stark durch das Christentum geprägten Staaten der Erde.

Die äthiopische Kirche ist im Unterschied z. B. zu den griechisch-Orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen miaphysitisch, d. h., dass ihre Abspaltung vom westlichen Christentum auf dem Konzil von Chalcedon stattfand, und sie somit nicht als eine orthodoxe Kirche im Sinne der dyophysitischen russisch- oder griechisch-orthodoxen Kirche gesehen werden kann. Sie steht somit den indischen Thomaschristen, den Armeniern, den Aramäern oder auch den ägyptischen Kopten nahe. Die religiöse Spaltung geht auf die Definition der Natur Christi zurück. Die miaphysitischen Kirchen vertreten die Lehre, dass Jesus nur eine göttlich-menschliche Natur hatte, während die Dyophysiten glauben, dass er je eine göttliche und eine menschliche hatte. Für diese Konfession sind die äthiopischen Rundkirchen typisch.

Protestantische und katholische Kirchen

Kloster Debre Damo in Nordäthiopien

Rund 6 bis 10 Prozent der Äthiopier sind protestantisch oder katholisch.[15] Seit 1830 sind evangelische Missionare in Äthiopien unterwegs; von 1855-68 war die St. Chrischona Pilgermission aus Basel in Zusammenarbeit mit dem anglikanischen Bischof Jerusalems mit meist deutschen Missionaren in Äthiopien tätig. Auf diese geht u. a. eine protestantische Bewegung unter den jüdischen Beta Isra'el (sog. „schwarze Juden“) zurück. Die Hermannsburger Mission bemüht sich 1853 bis 1857 um die Missionierung der Oromo, wird aber erst im Jahre 1927 wirklich aktiv; eine erste deutsch-schweizerische Mission unter den Oromo gab es schon 1840 (in Shewa), später 1867 (Beni Shangul / Gubbe) und für längere Zeit mit einem gewissen Erfolg auf der Missionsstation in Balli, südlich Shewa, von 1872 bis 1886, geleitet von deutschen Missionaren der St. Chrischona Pilgermission aus Basel. Weiter gibt es Missionen aus Schweden, Norwegen, den USA und Dänemark. Der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten gehören etwa 145.000 Personen an.[16]

Zur Zeit gibt es folgende protestantische Kirchen in Äthiopien:

Die Äthiopisch-Katholische Kirche ist eine mit der Römisch-Katholischen Kirche unierte Ostkirche. Sie wurde 1622 zur Staatskirche erhoben und 1636 wieder verboten, weil der von Rom entsandte Patriarch Alfonso Mendez den einheimischen Ritus durch den lateinischen ersetzte. Seit 1961 existiert wieder ein äthiopisch-katholisches Erzbistum Addis Abeba. Die Messe wird im alexandrinischen Ritus und in amharischer Sprache zelebriert.

Islam

Eine Oromo-Handschrift in arabischer Schrift aus Wollo

Der Islam hat in Äthiopien eine mehr als tausend Jahre alte Geschichte und seine kulturelle und historische Bedeutung ist der des Christentums vergleichbar (siehe dazu bspw.[17] und[18]). Der erste Kontakt des Islam mit Äthiopien fand schon zu Lebzeiten des Propheten Mohammed statt, als eine Gruppe von Muslimen, darunter die Ehefrau des Propheten, nach Äthiopien floh und dort freundlich aufgenommen wurde. Der damalige christliche Negus (König) von Äthiopien weigerte sich die Verfolgten nach Mekka auszuliefern, weil er keinen grossen Unterschied zwischen dem orthodoxen Christentum und dem Islam feststellen konnte. Ein paar dieser arabischen Muslime sind nicht nach Mekka zurückgekehrt, sondern blieben mit ihren Familien in Äthiopien. In Äthiopien bildet sich demnach die erste muslimische Gemeinde der Welt außerhalb Mekkas. Dies soll den Propheten dazu veranlasst haben, das Gebot auszusprechen, die christlichen Äthiopier als einzige Nicht-Muslime vom Jihad zu verschonen. Dieses Ereignis hat bis heute für die muslimischen Äthiopier eine identitätsstiftende Bedeutung. Ab dem 9. Jahrhundert entstanden eine Reihe islamischer Fürstentümer und Staaten, vor allem im Osten und Südosten des Landes. Durch die Eroberungen unter Menelik II. Ende des 19. Jahrhunderts wurden weite Regionen, die vornehmlich islamisch geprägt sind, Teil des modernen äthiopischen Staates.

Eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des äthiopischen Islams spielten Sufibruderschaften (Tariqas), die vor allem in Harar, Wollo und Jimma Zentren islamischer Gelehrsamkeit gründeten. Waren Muslime im modernen Äthiopien unter Haile Selassie lange Zeit unterdrückt, so erlangten sie ab der Derg-Periode die Gleichberechtigung. Seitdem werden beispielsweise die wichtigen islamischen Feste als nationale Feiertage gefeiert.

Heute sind weite Teile des Landes islamisch geprägt, so die Regionen Ogaden, die Afar-Region (auch Danakil genannt), Bali, Arsi, Teile der Gurage-Region, das östliche Wollo, die Harar Region, die Jimma Region, Ilubabor und Bani-Shangul. Zwischen 45 % und 50 % der Äthiopier sind Muslime, vor allem die Völker der Afar, Gurage, Oromos und Somali.

Juden

Die äthiopischen Juden, auch Falascha, Beta Isra'el (Haus Israel), ethnische Bezeichnung früher Kayla, sind eine vom israelischen Oberrabbinat als durch Zwang christianisierte Afrikaner ursprünglich jüdischen Glaubens definierte Gruppe. 1975 wurden sie von den Rabbinern in Israel endgültig als Juden anerkannt.

Historisch haben sie sich im Mittelalter aus politisch-religiös verfolgten Agaw-Gruppen entwickelt, u. a. durch Rekonversion christlicher Mönche zu einem aus dem Alten Testament künstlich abgeleiteten Judentum. Ethnisch gehören sie zu einer alteingesessenen Bevölkerung Äthiopiens; ob es vor der Konversion der Kayla zu einer judaisierenden Religion (der aber wesentliche Elemente des Judentums fehlen) eine möglicherweise ältere, versprengte jüdische Gruppe gegeben hat, ist aufgrund gegenläufiger historischer Indizien zunehmend umstritten.

Rastafari

Für die Glaubensgemeinschaft der Rastafari sind Kaiser Haile Selassie und das Land an sich von zentraler Bedeutung. Eine sehr kleine Gruppe Anhänger dieser religiösen Bewegung lebt in Shashemene südlich von Addis Abeba (in Oromiyaa), seitdem sich dort afrikanische Heimkehrer erst aus den USA, später aus Jamaika und dann aus der ganzen Welt niedergelassen haben.

Geschichte

Äthiopien in Ge'ez-Schrift

Hauptartikel: Geschichte Äthiopiens

Das Skelett Lucy, ein Australopithecus afarensis

Das östliche Afrika wird von der überwiegenden Mehrheit aller Paläanthropologen als die Wiege der Menschheit bezeichnet. Lange bevor es Schrift gab oder eine Überlieferung, auf die wir uns heute beziehen können, gab es auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens Menschen und Vormenschen. Zahlreiche Überreste solcher Vormenschen (zum Beispiel Australopithecus afarensis) wurden in Äthiopien gefunden („Lucy“ 1974 in Hadar; DIK 1-1 (genannt „Selam“) 2000 in Dikika).

Als eines der bedeutenden „Weltreiche“ (so der Prophet Mani) in der Zeit der Spätantike gilt das nordäthiopische Reich von Axum (auch Aksum), das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war. Es beherrschte (allerdings nur kurzzeitig) auch Teile der südlichen arabischen Halbinsel und des Nordsudans, nicht aber Teile des heutigen Südäthiopien. Wie lange auch Teile des heutigen Sudan südlich von Atbara unter axumitischer Herrschaft standen, ist umstritten; wahrscheinlich beschränkte sich diese kurzzeitig im 4. Jahrhundert etablierte Herrschaft auf zeitweilige Tributzahlungen. Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert (Islamische Expansion) wurde die äthiopische Christenheit vollständig vom Einfluss der europäischen Kirche abgeschnitten.

1493 erreichte der Portugiese Pedro de Covilhão den Hof des Negus. Er sollte für ein portugiesisch-äthiopisches Bündnis werben, da Portugal zu dieser Zeit begann seine Herrschaft im Indischen Ozean aufzubauen. 1543 unterstützten portugiesische Hilfstruppen unter dem Sohn von Vasco da Gama, Cristovão da Gama, die Äthiopier auf Hilferuf des Negus gegen die Truppen Ahmed Graññ's (Sultanat Adal), denen sie eine vernichtende Niederlage beibrachten. Ihre Strategie einer Bekehrung des gesamten Landes zum katholischen Glauben scheiterte jedoch.

Karte um 1891: Nubien und Abessinien

Im Zuge des Kolonialismus hatte sich Äthiopien immer wieder der Einflussnahme europäischer Mächte zu erwehren, zunächst unter Kaiser Tewodros der Britischen Äthiopienexpedition von 1868, dann am Ende des 19. Jahrhunderts des Einflusses der Italiener und ihrer Kolonie Eritrea. Trotz der technisch überlegenen, modernen Waffen der italienischen Armee schlugen die Äthiopier 1896 unter Kaiser Menelik II. mit Hilfe Großbritanniens die italienischen Invasoren zurück (Schlacht von Adua). Dieses Ergebnis gilt bis in die Gegenwart als wichtiger Sieg einer afrikanischen gegen eine europäische Armee und wurde in der Folgezeit fester Bestandteil des äthiopischen Nationalbewusstseins.

Auf die Sicherung der Unabhängigkeit folgte die Eroberung im Süden des heutigen Staatsgebietes. Diese neueroberten Gebiete fallen unter ein archaisch-feudales System der Landnahme. 1935 kam es zu einem weiteren italienischen Angriff unter Mussolini (Italienisch-Äthiopischer Krieg bis 1936). Nur mit massivem Einsatz von Giftgas auch gegen die Zivilbevölkerung, gegen Krankenhäuser usw. gelang es den Italienern, bis zur Hauptstadt Addis Abeba vorzustoßen. Obwohl die italienische Armee die Oberschicht des Landes mit Massenerschießungen zu vernichten versuchte, gelang es ihr zu keinem Zeitpunkt, das ganze Land zu kontrollieren. Kaiser Haile Selassie wurde vorübergehend vertrieben, kehrte aber 1941 mit britischer Hilfe zurück. Insgesamt fielen dem völkermordartigen Vorgehen der Italiener rund 700.000 Äthiopier zum Opfer, das waren knapp zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Während ihrer kurzen Herrschaft in Äthiopien führten die Italiener ein System der Rassentrennung ein, das in der Folge von Südafrika unter der Bezeichnung Apartheid übernommen wurde. Anfang der 1970er Jahre geriet das Kaiserreich in eine schwere Krise. Die verarmten Bauern litten unter den Abgaben an die Großgrundbesitzer, das aufstrebende Bürgertum Addis Abebas sah sich in seinen politischen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation in Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löste in Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus. Schließlich revoltierten zu Beginn des Jahres 1974 ebenfalls Teile der äthiopischen Armee. Kaiser Haile Selassie wurde am 12. September 1974 gestürzt. Das Militär bemächtigte sich schnell der Revolution, ein Militärverwaltungsrat übernahm unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam die Macht. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und das Land zu einer sozialistischen Volksrepublik.

Es folgten bald militärische Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten. So wurde 1977/1978 im Ogadenkrieg mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas eine Invasion des von den USA unterstützten Somalia abgewehrt. Aufgrund der übermäßigen Repression gegen die Zivilbevölkerung erhielten eritreische Separatisten immer mehr Zuspruch.

1984 gelangte Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führten in zwanzig afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges und der überstürzten Einführung des Sozialismus durch Mengistu Haile Mariam war Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen. Die Hungersnot in Äthiopien 1984–1985 forderte insgesamt etwa eine Million Opfer.

1991 kollabierte das Regime schließlich. Unter der neuen Interimsregierung Meles Zenawis erlangte Eritrea im Mai 1993 nach fast dreißig Jahren Krieg die Unabhängigkeit. Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führten 1998 jedoch erneut zum Krieg der beiden Länder. Nach Bombardements der äthiopischen Luftwaffe auf die eritreische Hauptstadt Asmara und einer Invasion äthiopischer Bodentruppen zogen sich die äthiopischen Bodentruppen kurz vor Asmara stehend zurück. Somit ging aus dem Krieg keine Partei siegreich hervor. Der Konflikt wurde durch den Friedensvertrag von Algier im Dezember 2000 beendet, dem zufolge die Blauhelm-Soldaten der United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea (UNMEE)[1] den (fragilen) Frieden überwachen. Am 13. April 2002 gab die unabhängige Grenzkommission eine endgültige Empfehlung zur Beilegung der Streitigkeiten ab (Eritrea Ethiopia Boundary Commission, EEBC)[2]. Ein Jahr nach der Bekanntmachung lehnte Äthiopien diese jedoch mit der Begründung ab, die Stadt Badme, die auslösender Streitpunkt des Krieges gewesen war, solle anders als von der Kommission vorgeschlagen auch weiterhin zu Äthiopien gehören. Seitdem herrscht zwischen beiden Kriegsparteien ein unruhiger Frieden, der sich jederzeit wieder in einen Krieg verwandeln kann.

Siehe auch: Liste der Kaiser von Äthiopien

Politik

Politisches System

Vor 1974

Vor 1974 war Äthiopien eine absolute Monarchie. Der letzte Monarch war Haile Selassie.

1974 bis 1991

Nach dem Sturz des Kaisers bemächtigt sich das Militär der Revolution, ein Militärverwaltungsrat, der sog. Derg, übernimmt unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam die Macht. 1975 wird die Monarchie abgeschafft und das Land, mit sowjetischer Hilfe, zur sozialistischen Volksrepublik umgebaut. Im monoparlamentarischen Äthiopien wurden politische Gegner und religiöse Gemeinschaften verfolgt.

Ab 1991

Äthiopien ist seit 1991 eine föderale Republik (1995 durch die Verfassung bestätigt). Das Staatsoberhaupt wird vom Parlament als Staatspräsident gewählt und hat vorwiegend repräsentative Aufgaben. Der Chef der Regierung ist der Ministerpräsident, der die Mitglieder des Kabinetts ernennt und normalerweise Vertreter der stärksten Partei im Parlament ist. Das Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Bundeshaus (House of Federation) mit 198 Sitzen und dem Volksrepräsentantenhaus (House of People’s Representatives, kurz genannt Parlama) mit 548 Sitzen (die Mitglieder werden direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt). Die höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Addis Abeba.

Siehe auch: Liste der politischen Parteien in Äthiopien

Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Äthiopiens

Äthiopien ist seit 1998 nach ethnischen Kriterien in neun Bundesstaaten, die Hauptstadt Addis Abeba (Ziffer 1 auf der Karte) sowie die Stadt Dire Dawa(5) (von Oromiyaa und der Region Somali beansprucht) gegliedert. Die folgende Liste führt die Namen der einzelnen Bundesstaaten mit Angabe der Titularnation(en) auf.

Verwaltungsgliederung

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen

Äthiopien ist in verschiedenen internationalen Organisationen und Gruppierungen Mitglied. Zu den wichtigsten zählen die Mitgliedschaften in den Vereinten Nationen (Gründungsmitglied 1945) und seinen Unter- und Sonderorganisationen, wobei die ECA (VN-Wirtschaftskommission für Afrika) ihren Sitz in Addis Abeba hat, der Afrikanische Union (bis 2002 Organisation der Afrikanischen Einheit, deren Gründungsmitglied das Land 1963 war; Sitz Addis Abeba) und in der Weltbankgruppe, und IWF. Weiterhin in Regionalorganisationen wie der IGAD (Intergovernmental Authority on Development), der COMESA (Gemeinsamer Markt süd- und ostafrikanischer Staaten), und der Cotonou-Abkommen (Partnerschaftsabkommen der Europäischen Union mit den afrikanischen, karibischen und pazifischen Ländern). Das Land hat Beobachterstatus in der WTO.[19]

Infrastruktur

Familie Alfred Ilg vor einer Lokomotive der Firma SLM, Winterthur, in Dire Dawa etwa 1902–1906

Die Verkehrsinfrastruktur kann nach wie vor als ungenügend bezeichnet werden. Insgesamt gibt es 26.053 Kilometer Überlandstraßen, davon jedoch nur 3.656 Kilometer befestigte Straßen, die sich durch die zerklüftete Landschaft ziehen. Allerdings wird derzeit massiv in den Ausbau der Straßen investiert, so etwa in die West-Ost Verbindung zwischen dem Tana-See und der Stadt Weldiya. Daran beteiligt sind unter anderem chinesische Firmen.

Eine einzige 681 km lange meterspurige Eisenbahnlinie besteht, welche Addis Abeba mit Dschibuti verbindet. Die Bahnlinie ist in einem schlechten Zustand, deshalb hat die Europäische Kommission im Jahr 2003 einen Kredit von 40 Millionen Euro zur Instandstellung verabschiedet. Dieser Kredit wurde 2006, im Hinblick auf steigende Preise für Treibstoff und Stahl, auf 50 Millionen erhöht. Es besteht die Absicht (2006-Oktober), bald eine Bauunternehmung mit den Arbeiten zu betrauen, so dass die Arbeiten Anfang 2007 aufgenommen werden können. In Zukunft soll die Bahnlinie von einem privaten Betreiber übernommen werden. Der Binnenhandel wird durch die schlechten Verbindungen stark eingeschränkt. In der Regenzeit werden die kaum asphaltierten Transportwege unpassierbar und die Menschen oft wochenlang von den Märkten und von medizinischen Einrichtungen abgeschnitten. Die Straße, die den für Äthiopien wichtigen Seehafen in Dschibuti mit der Hauptstadt Addis Abeba verbindet, ist häufig überlastet.

Nur schrittweise kommt die Elektrifizierung voran. Nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung hat Anschluss an das Stromnetz. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) setzen die äthiopischen Behörden unter anderem auf den vermehrten Einsatz von Wasserkraft.[20]

Das Telekommunikationsnetz in Äthiopien ist inzwischen gut ausgebaut. In allen regionalen Zentren gibt es öffentliche Telefone und oft auch Internetcafés, Cafes und Telefon-Shops. Die Preise für Telekommunikation, insbesondere für Anrufe ins Ausland, sind allerdings sehr hoch und liegen etwa bei 15 Birr/Minute für einen Anruf nach Deutschland. Internetverbindungen sind oftmals sehr langsam, so dass eine Nutzung kaum oder nur mit sehr, sehr viel Geduld möglich ist. Inzwischen gibt es in einigen Teilen des Landes auch ein Mobilfunknetz. Bisher gibt es Roaming-Abkommen nur mit dem Betreiber E-Plus. Eine Äthiopische SIM-Karte kostet ca. 370 Birr (Stand Juli 2006), kann aber nur von Bürgern des Landes, oder unter großem bürokratischem Aufwand gekauft werden. Die Vorwahl äthiopischer Mobilfunknummern besteht aus den Ziffern 091 gefolgt von einer weiteren Nummer, die je nach Region unterschiedlich ist.

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft Äthiopiens

Der Außenhandel Äthiopiens besteht im Wesentlichen aus dem Export von Kaffee. Deutschland ist der größte Importeur von äthiopischem Kaffee. Äthiopien wurde als einem der afrikanischen Länder von dem Gruppe der Acht-Treffen im Jahre 2005 ein Großteil seiner Schulden erlassen.

Basisdaten

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf lag im Jahr 2000 bei 100 US-Dollar, kaufkraftbereinigt bei 660 PPP-$. Die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf zwischen 1999 und 2000 lag bei 3,0 %.

Landwirtschaft

Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt liegt bei 52 % (Stand: 2000). Durch die ökologische Verschiedenartigkeit gibt es in Äthiopien unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungssysteme.

  • Nomadismus: Er existiert in allen Wüsten und Halbwüsten in den tieferen Lagen. Meistens treiben die Familien saisonal bedingt ihre Viehherden zwischen verschiedenen Weidegebieten hin und her. Ein Nomadismus, bei dem über Jahre weite Strecken zurückgelegt werden, ist selten. Inzwischen werden die Weideflächen knapper. Das liegt einmal an der zunehmenden Bevölkerung, aber auch an der Ausbreitung von kommerziellen Farmen wie beispielsweise in der Danakilebene. Dort verloren die Afar in den 1950/60ern ihre besten Weidegebiete entlang des Awash. Diese Farmen wurden 1975 verstaatlicht und teilweise vergrößert. Viele Afar arbeiten heute auf diesen Farmen oder betreiben selber Ackerbau.
  • Semi-Nomadismus oder Transhumanz: Diese Landnutzung war früher bei vielen Oromovölkern weit verbreitet. Dabei werden mit einer Handhacke Felder bearbeitet, um Getreide anzubauen. Heute kommt diese Form der Landnutzung noch in einigen Teilen von Bale vor. Besonders in den letzten 100 Jahren wanderten vermehrt Menschen aus dem Norden in den Süden, nachdem Menelik II. den Süden erobert hatte. Der Pflug setzte sich immer mehr durch, da er eine intensivere Landnutzung möglich machte.
  • Brandrodung: Diese Art der Landnutzung kommt in den Grenzgebieten zum Sudan vor. Der Busch wird gerodet und/oder abgebrannt. Große Bäume bleiben meist stehen. Der Boden wird dann gepflügt oder mit einer Hacke bearbeitet. Das Land wird so für drei bis fünf Jahre genutzt. Ist die natürliche Bodenfruchtbarkeit erschöpft, folgt eine Ruhezeit von 15 bis 25 Jahren, in der der Boden wieder von natürlicher Vegetation überwachsen wird. Die zunehmende Landknappheit zwingt die Bevölkerung ihre Felder in immer kürzeren Intervallen zu bestellen. Ohne die notwendigen Maßnahmen zum Ressourcenschutz ist eine langfristige Nutzung nicht mehr gewährleistet. In vielen Gebieten findet heute ein ähnlicher Prozess wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten im Norden Äthiopiens statt, der zu einer gewaltigen Zerstörung der Ökologie führte.
  • Pflugbau: Im nördlichen Hochland begann der Mensch vor 7000 bis 8000 Jahren mit sesshaftem Ackerbau. Der Boden wird mit dem meist von Ochsen gezogenen Pflug bearbeitet. Die Saat wird breit ausgesät und mit dem Pflug eingearbeitet. Typisch sind Pflanzen, die sich generativ vermehren. Dazu gehören Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten. Die wichtigsten Anbaufrüchte sind Teff (dient nur in Äthiopien, Eritrea und Dschibuti der menschlichen Ernährung), Sorghum, Mais, Weizen, Gerste, Fingerhirse, Raps, Sesam, und Nuug (eine Ölpflanze, die nur in Indien und Äthiopien kultiviert wird). Die Bodenfruchtbarkeit wird durch Fruchtwechsel mit Leguminosen und einer mehrjährigen Brache erhalten. Auf hofnahen Feldern wird mit Tierdung gedüngt.

Staatsausgaben für Gesundheit, Bildung und Verteidigung

Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben[21] für

Tourismus

Reisen hat in Äthiopien eine lange Tradition, daher gibt es überall im Land, egal wie klein der Ort ist, sog. Hotels. Deren Standard ist, besonders in abgelegenen Gebieten, gewöhnungsbedürftig. In Nordäthiopien gibt es die Historische Route. Dort gibt es in jeder Stadt ein Hotel der staatlichen Hotelkette, die westlichen Standards gerecht wird. Alle Städte werden von der Ethiopian Airlines angeflogen. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem Bahir Dar am Tanasee, (Blauer) Nil-Fall, Gondar/Gonder (barocke Schlossanlage), Simien-Nationalpark, Axum (Kathedrale, Stelenfelder), Lalibela (Felsenkirchen), Awash Nationalpark (mit Awash-Wasserfall), Langano-See, Dire Dawa (französisches Flair) Sehens- und erlebenswert ist auch Harar (90 Moscheen, Rimbaud-Haus, Weltkulturerbe).

Kultur

Die Felsenkirche Bet Gyiorgis bei Lalibela

Äthiopien blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Es gilt nicht nur als die Wiege der Menschheit, sondern auch als Ursprungsland des Kaffees. Durch seine christlichen Traditionen und die historische Isolation unterscheidet es sich kulturell deutlich von den Staaten Schwarzafrikas. Dies äußert sich unter anderem in der Äthopischen Küche.

Kunst

Religiöse äthiopische Malerei

Äthiopien ist bekannt für seine Malerei, die den Betrachter schnell gefangen nimmt und ihn in eine andere Welt entführt. Diese ganz eigentümliche Kunstform hat eine lange Tradition und ist eng mit der bewegten Geschichte des Landes verknüpft. Die für Schwarzafrika untypische Malerei und die Anfertigung feiner Kunsthandwerksarbeiten haben ihre Wurzeln im alten nordafrikanisch-vorderasiatischen Kulturbereich. Sie hielten sich, eingebettet in der ungebrochen christlichen Tradition des Landes, bis heute. Mit Blick auf die rund zweieinhalb Jahrtausende alte Hochkultur-Geschichte darf Äthiopien als der einzige heute noch lebendige und deutlich sichtbare „Ausläufer“ der alten Mittelmeerzivilisation in Afrika bezeichnet werden.

Künstler Äthiopiens:

  • Afewerk Tekle (auch: Afework Tekle, * 22. September 1932 in Ankober)
  • Gebre Kristos Desta

Musik

Traditionelle Musik

Schon beim ersten Hinhören fasziniert die „andere afrikanische Musik“ aus Äthiopien, die sich so sehr von den bekannten Rhythmen Westafrikas unterscheidet. Gespielt wird sie von den Azmari genannten Sänger-Poeten, die durch das Land wandern und ihre musikalische Kultur erhalten und verbreiten.

Moderne äthiopische Musik

Neben den traditionellen Musikformen entwickelte sich ab den 1950ern vor allem in den Großstädten eine vitale Populärmusik, die verschiedene westliche und einheimische Stile miteinander verknüpfte. Als Grundlage dienten dabei neben den traditionellen Musikformen die Militärmusik der seit den 1920er Jahren sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden Militärorchester, zu den bekanntesten und erfolgreichsten zählten die der Armee, der Polizei und der Kaiserlichen Leibwache. Neben diesen gab es allerdings auch Solisten wie den Saxophonisten Getatchew Mekurya, der traditionelle Gesangsstile auf sein Saxophonspiel anwandte und häufig mit Free Jazz-Saxophonisten wie Ornette Coleman und Albert Ayler verglichen wurde.

Diese bereits ungewöhnliche Kombinationen erhielt in den 1960ern eine weitere Wendung, als durch Musiker wie Bizunesh Bekele westliche Stile wie Rhythm'n'Blues und Soul integriert wurden oder durch Mulatu Astatke Jazz und lateinamerikanische Musik. Von herausragender Bedeutung ist auch Tilahun Gesesse, der bis heute als „Stimme Äthiopiens“ gilt und in den 1960er Jahren vom Orchester der Kaiserlichen Leibwache begleitet wurde.

Auch in den 1970er Jahren setzte sich diese Entwicklung noch fort, Orchester wie die Wallias Band entwickelten in dieser Zeit Analogien zum frühen Funk eines James Brown. Mit dem Sturz des Kaisers und der beginnenden Militärdiktatur allerdings flüchtete die Mehrzahl der etablierten Künstler, durch diesen Aderlass und die restriktiven Bedingungen der Diktatur verlor die äthiopische Populärmusik ihr hohes Niveau. Bekannte Künstler dieser Zeit waren Ethio Stars, Roha Band und der Sänger Neway Debebe. Im Ausland zu großem Erfolg kam Aster Aweke, die ihre ersten Aufnahmen noch Mitte der 1970er in Addis Abeba machte, danach allerdings in die USA ging. Sie ist heute Äthiopiens international bekannteste Musikerin.

Weitere wichtige Künstler der sogenannten "Goldenen Jahre der äthiopischen Musik" sind Mahmoud Ahmed, Alemayehu Eshete, Hirut Bekele, Ali Birra, Ayalew Mesfin, Kiros Alemayehu und Muluken Mellesse.

Seit 1994 hat das französische Label Buda Musique vor allem im Rahmen seiner Serie Ethiopiques rund 20 CDs klassischer äthiopischer Populärmusik veröffentlicht und damit zahlreiche Künstler erstmals im Westen vorgestellt.[22]

Spiele

Die ältesten Spielbretter (6.-8. Jahrhundert n. Chr.) des Spieles Mancala wurden im Nordwesten Äthiopiens, in Matara und Yeha, gefunden. Richard Pankhurst beschrieb 1971 insgesamt 103 Varianten dieses Spieles in Äthiopien. Eine ist beispielsweise Lamlameta und wird von den Konso gespielt. Äthiopien hat auch eine eigene Variante des Schachs hervorgebracht, Senterej. Dieses Spiel wird mindestens seit fünfhundert Jahren gespielt. Der wohl größte Unterschied zum bekannten Schach ist die Werera genannte Eröffnung, bei der die Spieler so schnell oder so langsam ziehen, wie sie wollen, ohne auf den Gegner zu warten.

Sport

Äthiopien hat eine lange Tradition von ausgezeichneten Langstreckenläufern und Läuferinnen. 20 Sportler aus Äthiopien gewannen 31 olympische Medaillen (14 Gold, 5 Silber, 12 Bronze; Stand 2004). Fußball und Volleyball zählen zu den beliebtesten Sportarten. Die äthiopische Fußballnationalmannschaft konnte allerdings nur in den 1960ern vorzeigbare Erfolge verbuchen (Gewinn der Afrikameisterschaft 1962 im eigenen Land) und gilt inzwischen als eine der schwächsten Mannschaften des afrikanischen Fußballverbandes.

Siehe auch: Liste der olympischen Medaillengewinner aus Äthiopien und Fußball in Äthiopien

Traditionelle Sportarten

Typische äthiopische Sportarten sind Genna, eine Form des Hockeyspiels, welches traditionell um die Zeit der äthiopischen Weihnacht (7. Januar) gespielt wird und Gugs, ein Reiterspiel.

Bekannte Sportler

Probleme des Landes

Kriminalität

Während viele afrikanische Länder mit einer sehr hohen Rate an gewaltsamer Kriminalität (wie z. B. Mord, Raubmord oder Vergewaltigung) zu kämpfen haben, ist dies in Äthiopien eher unüblich. Zwar sollten bestimmte Gebiete des Landes, so zum Beispiel die Somali- und die Afar-Region, nicht unbedingt von Touristen bereist werden, aber ansonsten kann man sich im ganzen Land frei und ohne Gefahr für Leib und Leben bewegen.

Ein anderes Bild zeigt sich allerdings, wenn es um Kleinkriminalität geht. Taschendiebstahl ist besonders in der Hauptstadt verbreitet. Auch Trickbetrügereien sind an der Tagesordnung. Nicht selten werden Touristen z. B. von „netten Studenten“ angesprochen und etwa zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Solchen „Einladungen“ folgt nicht selten eine Rechnung von zum Teil über 100 US-Dollar. Trickbetrüger und Taschendiebe konzentrieren sich vor allem auf unsicher wirkende Neuankömmlinge. In Addis Abeba sind darum vor allem die Gebiete um die großen Hotels (Churchill Road, Masqual Square) und der Mercato betroffen. Aber auch sonst überall sollte man ein Auge auf sein Geld haben.

Ethnische und politische Konflikte

Zwischen den sehr zahlreichen ethnischen Gruppen Äthiopiens kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten um Landnutzungsrechte und Rechtsstreitigkeiten. Fördernd wirkt sich hier vor allem die weite Verbreitung von Schusswaffen im ganzen Land aus, die ihre Ursprünge im Bürgerkrieg hat. Besonders hervorzuheben sind hier die Konflikte der Afar mit den Äthio-Somali, namentlich den Issa, die maßgeblich zur Herabsetzung der Widerstandsfähigkeit der Afar gegen Dürrekatastrophen beigetragen haben.

Nach den Parlamentswahlen im Juni 2005 kam es in Addis Abeba zu gewaltsamen Unruhen, in deren Verlauf bis zu 96 Menschen getötet wurden. Des Weiteren wurden laut Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch viele oppositionelle Politiker und Journalisten inhaftiert. Im Juli 2006 hatte sich die Lage wieder beruhigt; die verhafteten Oppositionspolitiker wurden 2007 begnadigt und freigelassen. Dennoch sollten Besucher des Landes darauf achten, sich von Demonstrationen fernzuhalten.[23]

2007 intensivierten sich in der Somali-Region die Konflikte zwischen der separatistischen Ogaden National Liberation Front (ONLF) und der äthiopischen Armee. Der äthiopischen Regierung wurde vorgeworfen, zeitweise Handel und humanitäre Hilfe für die Region „blockiert“ zu haben. Laut einem Bericht von Human Rights Watch habe die äthiopische Armee Zivilisten getötet, misshandelt und vergewaltigt und Dörfer zerstört, und die gesamte Bevölkerung in Rebellengebieten werde einer Kollektivbestrafung unterzogen.[24] Die äthiopische Regierung wies diese Vorwürfe als Propaganda der ONLF zurück.

Grenzkonflikte

Äthiopien ist in zwei bilaterale Konflikte mit Nachbarstaaten verwickelt. Zum einen gibt es mit Eritrea Uneinigkeiten über den Grenzverlauf im Nordwesten der Provinz Tigray, die 1998 zum Eritrea-Äthiopien-Krieg geführt haben. Zum anderen kam es immer wieder zu Konflikten mit Somalia, da somalische Nationalisten die Somali-Region (Ogaden) im Osten Äthiopiens an ein Groß-Somalia angliedern möchten. Auch die Union islamischer Gerichte, die Mitte 2006 die Kontrolle über große Teile Somalias errang, verfolgte dieses Ziel. Weil Äthiopien die Einnahme seines Ostens und die islamistische Vereinnahmung seiner eigenen muslimischen Bevölkerung fürchtete, erklärte es der Union am 24. Dezember 2006 offiziell den Krieg. Seither sind äthiopische Truppen in Somalia stationiert und haben gemeinsam mit der Übergangsregierung Somalias die Union islamischer Gerichte zurückgedrängt. Hinweise, wonach Eritrea Waffen an Gegner der somalischen Übergangsregierung liefere und damit in Somalia ein eritreisch-äthiopischer „Stellvertreterkrieg“ ausgetragen würde, wurden von eritreischer Seite dementiert.

Hunger und Armut

Um eine Wasserstelle zu erreichen, müssen Frauen und Mädchen oft stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen

Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Schätzungsweise 49 % der Bevölkerung sind unterernährt[25], auch in „guten“ Erntejahren bleiben Millionen Äthiopier auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Ursachen des Hungers sind Dürre und Überschwemmungen – verschärft durch verbreitete Entwaldung und Erosion –, ein Bevölkerungswachstum um 2 Millionen jährlich in den letzten 10 Jahren, aber auch der Verfall der Kaffeepreise führte 2003 zu einem Anstieg des Hungers in manchen Landesteilen. Während Dürreperioden früher in Abständen von 25 bis 30 Jahren auftraten, kommt es mittlerweile in Abständen von vier bis fünf Jahren zu Dürren.

Die Nahrungsmittelhilfe wird zumeist aus dem Ausland eingeführt, während der Transport von Nahrungsmitteln aus Gebieten mit Überschüssen in Äthiopien selbst in hungerbetroffene Landesteile durch die mangelhafte Infrastruktur erschwert wird. Die Abhängigkeit von internationaler Hilfe und ihre problematischen Folgen tragen ebenfalls ihren Teil zum Hungerproblem bei und sollen mit längerfristig angelegten Entwicklungsstrategien der äthiopischen Regierung und internationaler Hilfsorganisationen verringert werden.[26][27]

Krankheiten und Epidemien

Die Infektionsrate von AIDS lag 2006 bei ca. 6,6 % bei der erwachsenen Bevölkerung. Damit sind in Äthiopien etwa drei Millionen Menschen infiziert. Die Infektionsrate ist in urbanen Gebieten mit 13,7 % deutlich höher als in ländlichen mit 3,7 %. Am stärksten betroffen sind die 15- bis 24-Jährigen. Etwa 1,2 Millionen Kinder sind in Folge der Krankheit verwaist (siehe auch: AIDS in Afrika).[28]

Kalender

Äthiopien hat eine eigene Zeitrechnung, den Äthiopischen Kalender. Er ähnelt dem Koptischen Kalender, ist ihm aber 276 Jahre voraus. Äthiopien ist das Land der 13 Monate („13 months of sunshine“), zwölf Monate zu je 30 Tagen und ein Monat mit fünf bzw. sechs Tagen (Schaltjahrsausgleich). Der Kalender ist gegenüber dem unter anderem in Europa gültigen Gregorianischen Kalender um knapp acht Jahre zurück. Das äthiopische Neue Jahr beginnt immer am 11. September. Da Äthiopien international unter anderem durch Bankwesen, Flugverkehr etc. verknüpft ist, besteht ein „Nebeneinander“ beider Kalender. Überall im Land sind Kalender erhältlich, die gleichzeitig beide aktuell gültigen Daten auflisten, beispielsweise entspricht der 7. August 2005 dem 1. Dezember 1997 E. C. (Ethiopian Calendar). Äthiopien rechnet auch die jeweilige Tageszeit anders: der Tag beginnt um 6 Uhr (europäische Rechnung), somit ist in Äthiopien morgens um 7 Uhr „die erste Stunde des Tages“ vorbei (1 Uhr in äthiopischer Zählweise), Mittagszeit ist somit um 6 Uhr äthiopischer Zählweise, 12 Uhr nach äthiopischer Zählweise ist 18 Uhr nach europäischer Rechnung (wegen der Zeitverschiebung aber schon um 15 Uhr MEZ).

Amharisch Oromo Koptisch Anfang
Mäskäräm Fulbaana Tut 11. September
Ṭəqəmt Onkoloolessa Babah 11. Oktober
Həhdar Sadassa Hatur 10. November
Tahsas Mudde Kiyahk 10. Dezember
Ṭər Amajjii Tubah 9. Januar
Yäkatit Guraandhala Amshir 8. Februar
Mägabit Bitootessa Baramhat 10. März
Miyazəya Ebla Baramundah 9. April
Gənbot Caamsaa Bashans 9. Mai
Sane Waxabajjii Ba'unah 8. Juni
Hamle Adoolessa Abib 8. Juli
Nähase Hagayya Misra 7. August
Pagumen Qammee Nasi 6. September

Feiertage

Als Feiertage werden in Äthiopien das Neujahrsfest (11. September), die christlich-orthodoxen Feiertage zu Ostern und Weihnachten sowie die islamischen Feiertage zum Ende des Ramadan und zum Opferfest gefeiert.

Datum Deutsche Bezeichnung Einheimische Bezeichnung Bemerkungen
7. Januar Orthodoxer Weihnachtsfeiertag Genna  
Islamisches Opferfest 'Īd ul-Adha veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung
19. Januar Erscheinung des Herrn Timket  
2. März Tag der Schlacht von Adwa Ye'adowa B'al  
Geburtstag des Propheten Mohammed Mawlid an-Nabi veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung
Orthodoxer Karfreitag Siqlet (Kreuzigung) veränderlicher Feiertag
Orthodoxes Osterfest Fasika veränderlicher Feiertag
Ostermontag (öffentlicher Feiertag)   veränderlicher Feiertag
1. Mai Tag der Arbeit    
5. Mai Patriotentag Arbegnoch Qen  
28. Mai Nationalfeiertag   Ende des Derg-Regimes
18. August   Buhe  
11. September Äthiopisches Neujahrsfest Inqut'at'ash  
27. September Auffindung des Kreuzes Meskel Gedenken an die Christianisierung Äthiopiens
Ende des Ramadan 'Īd al-Fitr veränderlicher Feiertag nach islamischer Zeitrechnung

Filme

  • Äthiopien, Kaiserreich zwischen Gestern und Morgen Ein Film von Manfred Purzer und Makonnen Desta, BRD 1956
  • Alfred Ilg – Der weiße Abessinier Ein Film von Christoph Kühn, Schweiz 2003
  • Kezkaza Wolafen Ein Film von Tewodros Teshome, 2003, in amharischer Sprache mit engl. Untertiteln
  • Adwa: An African Victory Ein Film von Haile Gerima, 1999, in englischer Sprache

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. IMF 2008
  2. dpa v. 03. Oktober 2007
  3. "The Reporter" v. 23. Februar 2008, S.2.
  4. Kane, Thomas Leiper. 1990. Amharic - English Dictionary. S. 1878
  5. Fischer Weltalmanach 2008, S. 64.
  6. Harenberg 2007, Seite 64
  7. Harenberg 2008, Seite 540
  8. Jahrbuch 2004, Seite 72
  9. z.B. Der Brockhaus in drei Bänden, Band 1, Seite 162. Leipzig 2006... ebenso aber auch die Ausgabe in 24 Bänden usw.
  10. Atlas zur Geschichte, Seite 317. Leipzig/Mannheim 2007.
  11. CIA World Fact Book zu den Ethnien
  12. Ethiopia (11/07)
  13. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Äthiopien
  14. Während die äthiopische Botschaft in Großbritannien (ethioembassy.org.uk) von 45 % Orthodoxen und 35 % Muslimen spricht, gibt die Botschaft in Österreich (ethiopianembassy.at) 38 % Muslime an und zählt unter den übrigen 62 % alle Christen und Sonstigen zusammen. Die Botschaften in den USA (ethiopianembassy.org) und Deutschland (aethiopien-botschaft.de) erwähnen statt dessen nur allgemein, dass es sowohl Christen als auch Muslime gibt, während die Vertretung in der Schweiz (ethiopianmission.ch) überhaupt keinerlei Angaben zur Religion macht.
  15. Länderinformationen des Auswärtigen Amtes zu Äthiopien
  16. 145.806 Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten laut Adventist Yearbook 2007, Seite 38
  17. Islam in Ethiopia
  18. Islamic History and Culture in Southern Ethiopia
  19. Der Fischer Weltalmanach 2008, Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-72008-8
  20. The Reporter v. 23. Februar 2008, S. 9.
  21. Fischer Weltgeschichte 2003
  22. Begleitheft zur Veröffentlichung Ethiopian Groove - The Golden Seventies, Paris, 1994, Buda Musique
  23. Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes 30. Juli 2006
  24. Human Rights Watch: Collective Punishment – War Crimes and Crimes against Humanity in the Ogaden area of Ethiopia’s Somali Region (englisch)
  25. FAO 2001, bei WFP
  26. Jean Ziegler: Das Imperium der Schande, Teil III: Äthiopien – die Erschöpfung und die Solidarität
  27. BBC News: Ethiopia's food aid addiction
  28. Gateway to Development Information, Juli 2006

Literatur

  • Ulrich Braukämper: Islamic History and Culture in Southern Ethiopia. Collected Essays. Lit Verlag, Münster 2002. ISBN 3-8258-5671-2
  • Martin Fitzenreiter, Katrin Hildemann: Äthiopien. Handbuch für individuelles Entdecken. Reise-Know-How-Verlag, Bielefeld 2007. ISBN 978-3-8317-1544-2
  • Alain Gascon: La Grande Éthiopie, une utopie africaine. CNRS éditions, Paris 1995. ISBN 2-271-05235-1
  • Gerd Gräber, Angelika Gräber, Berhanu Berhe: Äthiopien, ein Reiseführer. Kasparek, Heidelberg 1997. ISBN 3-925064-21-4
  • Adolph Freiherr Knigge: Benjamin Noldmann's Geschichte der Aufklärung in Abyssinien oder Nachricht von seinem und seines Herrn Vetters Aufenthalte an dem Hofe des großen Negus, oder Priesters Johannes. Göttingen 1791. ISBN 3-598-51468-9 (microform)
  • Dieter H. Kollmer, Andreas Mückusch (Hrsg.): Horn von Afrika. Wegweiser zur Geschichte. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2007. ISBN 3-506-76397-0
  • Aram Mattioli: Experimentierfeld der Gewalt. Der Abessinienkrieg und seine internationale Bedeutung 1935-1941. Orell Füssli, Zürich 2005. ISBN 3-280-06062-1
  • Gerhard Rohlfs: Meine Mission nach Abessinien, auf Befehl Sr. Maj. d. Dt. Kaisers im Winter 1880/81. Brockhaus, Leipzig 1883, Time Life Books, Amsterdam 1983, 1984 (Faks.). ISBN 90-6182-759-0
  • Walter Raunig (Hrsg.): Das christliche Äthiopien. Geschichte, Architektur, Kunst. Schnell & Steiner, Regensburg 2005. ISBN 3-7954-1541-1
  • Ulrich Schmid: Aschemenschen. Eichborn, Berlin 2006. ISBN 3-8218-0768-7
  • Xavier vand der Stapen: Éthiopie, au pays des hommes libres. La Renaissance du Livre, Tournai 2004. ISBN 2-8046-0828-X
  • John Spencer Trimingham: Islam in Ethiopia. Oxford University Press, London 1952.
  • Siegbert Uhlig (Hrsg.): Encyclopaedia Aethiopica. Bd 1-3ff. Harrassowitz, Wiesbaden 2003-2007ff. ISBN 3-447-04746-1
  • Edward Ullendorff: The Ethiopians. An Introduction to Country and People. Oxford University Press, Oxford 1960. ISBN 0-19-285061-X
  • Friedrich Heyer: Äthiopien. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Bd 1. de Gruyter, Berlin/New York 1977, S.572–596. ISBN 3-11-006944-X

Weblinks

8.339.1166666666677Koordinaten: 8° N, 39° O


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