Multipler Substanzgebrauch
Klassifikation nach ICD-10
F19.- Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen
F19.0 Akute Intoxikation (akuter Rausch)
F19.1 Schädlicher Gebrauch
F19.2 Abhängigkeitssyndrom
F19.3 Entzugssyndrom
F19.4 Entzugssyndrom mit Delir
F19.5 Psychotische Störung
F19.6 Amnestisches Syndrom
F19.7 Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
F19.8 Sonstige psychotische und Verhaltungsstörungen
F19.9 Nicht näher bezeichnet psychotische und Verhaltungsstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Multipler Substanzgebrauch ist laut ICD-10 eine Form des Drogenkonsums, bei welcher zwei oder drei psychotrope Substanzen zu sich genommen werden und keine Substanz für sich allein den Konsum dominiert bzw. nur eine oder keine der Substanzen bekannt ist. Gleichzeitig wird damit noch keine Aussage über das Vorhandensein oder das Ausmaß gesundheitlicher Störungen bzw. ein spezifisches klinisches Erscheinungsbild getroffen. Bezüglich Klassifizierung der möglichen Störungen nach ICD-10, siehe Infobox.

"Multipler Substanzgebrauch liegt dann vor, wenn die Substanzaufnahme chaotisch und wahllos erfolgt , ohne dass ein bestimmter Stoff oder eine bestimmte Substanzgruppe vorherrscht."[1]

Mit negativer Konnotation und stigmatisierend wird mitunter von Polytoxikomanie (v. griech.: μανία manía = die Raserei) und auch multiplem Substanzmissbrauch gesprochen. Demgegenüber wird mit Mehrfachabhängigkeit ein bestehendes Abhängigkeitssyndrom bei Einnahme mehrerer psychotroper Substanzen bezeichnet. Das DSM-IV fordert hier (für die Diagnose polysubstance dependence) den wiederholten Gebrauch von Substanzen aus mindestens drei Substanzgruppen (unter Ausschluss von Koffein und Nikotin) über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten, wobei die Abhängigkeitskriterien für die Gesamtheit der Substanzen, nicht aber für eine spezifische Gruppe, erfüllt sein müssen. Eine Umbenennung in Polysubstance Use-Disorder wird derzeit diskutiert.[2]

Mischkonsum unter Beteiligung von Alkohol

Der Mischkonsum von Alkohol und einer illegalen Droge ist weit mehr verbreitet als der Mischkonsum von zwei oder gar drei oder mehr illegalen Drogen ohne Beteiligung von Alkohol. Am weitesten verbreitet ist die Kombination von Alkohol und Cannabis. Fast 90 % der Konsumenten von Cannabis haben schon Erfahrungen mit dieser Kombination gemacht, wobei die Bewertungen der Erfahrungen ambivalent (teils gut, teils schlecht) ausfallen. Dies gilt auch für die Kombination von Alkohol und Ecstasy. Die Kombinationen von Alkohol mit Kokain als auch mit Amphetamin werden überwiegend positiv, die mit LSD, Psilocybin und Heroin eher negativ oder überwiegend negativ bewertet. [3] [4]

Einzelnachweise

  1. Berger, Mathias (Hrsg): Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie, S. 382; Elsevier, 3. Aufl. 2009
  2. American Psychiatric Association, DSM-5 Development, 2010: Polysubstance-Use Disorder
  3. Joachim Eul, Gundula Barsch, Tibor Harrach: Prävalenzen und Konsumbewertungen – Drogenmischkonsum anders verstehen, in: Wiener Zeitschrift für Suchtforschung, Jg. 27 2004 Nr. 4, S. 49–60
  4. Michael Pießkalla: Aktuelle Fragen zur Fahreignung gelegentlicher Cannabiskonsumenten unter besonderer Berücksichtigung des Mischkonsums mit Alkohol, in: Neue Zeitschrift für Verkehrsrecht 2008, S. 542 ff.

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