Abgarusbild
Das Mandylion von Edessa aus der Privatkapelle des Papstes im Vatikan. Fotografiert während der EXPO 2000 im Pavillon des Heiligen Stuhls.

Als Abgar-Bild, Mandylion oder Christusbild von Edessa bezeichnet man eine mit König Abgar V. von Edessa verbundene Darstellung von Jesus Christus; das Original war, nach der Legende, keine Ikone, sondern ein Tuch, von dem die Gesichtszüge mechanisch übertragen wurden.

Jesus Christus wird auf dem Tuch mit schulterlangen Haaren und göttlicher Herrlichkeit dargestellt. Die feine lange Nase akzentuiert das schmale Antlitz. Der spitze Bart fällt meist in drei Teile.

Das „Acheiropoieton“ (d. h. nicht von Menschenhand gemachte Bild) wurde oft auf Ikonen und Kreuzen kopiert. Wir finden das Tuch auch noch in einer anderen Darstellung: Zwei auf Wolken stehende Engel halten das Tuch empor, auf dem das Antlitz des bärtigen Jesus Christus abgedrückt ist.

Inhaltsverzeichnis

Legende

In Edessa (die heutige Stadt Urfa in der Türkei östlich des oberen Euphrat) im mesopotamischen Königreich Osrhoene, wird die Geschichte überliefert, dass König Abgar von Edessa einen Boten an Jesus aussandte, damit dieser ihn von einer schweren Krankheit heilen möge. Der König wandte sich, als er von dem berühmten Namen Jesus und von seinen allgemein beglaubigten Wundern hörte, in einem Brief hilfeflehend an ihn mit der Bitte, geheilt zu werden. Jesus antwortet ihm, erst nach seiner Auferstehung würde er einen seiner siebzig Jünger schicken. Eusebius schrieb, dass der heilige Thomas seinen Jünger Thaddäus zu König Abgar sendete, um ihn zu heilen. Er, Eusebius, habe diese zwei Briefe im Archiv von Edessa entdeckt und aus dem Syrischen übersetzt, Zitat:"Für diese Tatsache gibt es ein schriftliches Zeugnis, das den Archiven der damals königlichen Stadt Edessa entnommen ist. In den dortigen amtlichen Urkunden, welche über die früheren Ereignisse und auch über die Geschichte des Abgar berichten, ist auch die erwähnte Begebenheit bis auf den heutigen Tag aufbewahrt. Am besten ist es, die Briefe selbst zu hören, die wir dem Archiv entnommen und wörtlich aus dem Syrischen übersetzt haben. Sie lauten wie folgt:

"Abschrift des Briefes, welchen der Fürst Abgar an Jesus geschrieben und durch den Schnelläufer Ananias an ihn nach Jerusalem gesandt hatte: "Abgar Ukkama", der Fürst, entbietet Jesus, dem guten Heilande, der in Jerusalem erschienen ist, seinen Gruß. Ich habe von dir und deinen Heilungen Kunde erhalten und erfahren, daß diese ohne Arznei und Kräuter von dir gewirkt werden. Du machst nämlich, wie erzählt wird, Blinde sehend, Lahme gehend, Aussätzige rein, treibst unreine Geister und Dämonen aus, heilst die, welche schon lange von Krankheiten gequält werden, und erweckst Tote.' Auf alle diese Nachrichten hin sagte ich mir: entweder bist du Gott und wirkst diese Wunder, weil du vom Himmel herabgestiegen bist, oder du bist, weil du dieses wirkst, der Sohn Gottes. Daher wende ich mich in diesem Briefe an dich mit der Bitte, dich zu mir zu bemühen und mich von meinem Leiden zu heilen. Ich habe nämlich auch gehört, daß die Juden wider dich murren und dir Böses tun wollen. Ich habe eine sehr kleine, würdige Stadt, welche für uns beide ausreicht."

"Das Antwortschreiben Jesu, vermittelt durch Ananias, den Eilboten des Fürsten Abgar: "Selig bist du, weil du an mich glaubst, ohne mich gesehen zu haben. Es ist nämlich über mich geschrieben, daß die, welche mich gesehen haben, nicht an mich glauben, und daß die, welche mich nicht gesehen haben, glauben und leben sollen. Bezüglich deiner schriftlichen Einladung, zu dir zu kommen, mußt du wissen: es ist notwendig, daß ich zuerst all das, wozu ich auf Erden gesandt worden bin, erfülle und dann, wenn es erfüllt ist, wieder zu dem zurückkehre, der mich gesandt hat. Nach der Himmelfahrt werde ich dir einen meiner Jünger senden, damit er dich von deinem Leiden heile und dir und den Deinigen das Leben verleihe." (Eusebius, Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica) 1.Buch Kapitel 13). Die Legende besagt, dass Thaddäus zum König kam. Der König wurde von seiner Krankheit geheilt und er erteilte dann nach Eusebius Aussagen "den Befehl, die Bürger sollten sich am kommenden Morgen versammeln und die Predigt des Thaddäus anhören."

Historische Quellen

In der ältesten Überlieferung der Abgarlegende, dem legendären Briefwechsel zwischen Jesus und Abgar von Edessa, niedergeschrieben von Eusebius im Jahre 325, ist von einem Bild nicht die Rede.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts taucht erstmals in der "Lehre des Addai" die Geschichte des Eilboten Ananias (Hannan) auf, der den Brief an Jesus überbracht haben soll. Dieser Ananias soll gleichzeitig Maler gewesen sein und ein Portrait von Jesus angefertigt haben, welches er König Abgar mitbrachte. Eine spätere Version berichtet von einem direkten Gesichtkontakt, bei der sich das Abbild Jesu in ein Tuch eingeprägt hätte.

Nach dem Historiker Niaphoris verschwindet das Tuch im Jahre 359. Es wird behauptet, dass das Tuch in der Stadtmauer versteckt wurde, um es vor Hochwasser zu schützen. Danach geriet es in Vergessenheit.

Der Historiker Euagrios Scholastikos (vor 594) schreibt, dass die Bewohner der Stadt Edessa, im Zuge der Belagerung durch die Perser unter Chosrau I. im Jahre 544, vermutlich durch Befestigungsarbeiten auf dem höchsten Tor, einen Hohlraum in der Mauer entdeckten. Er enthält ein Tuch mit dem Abbild Jesu. Als Chosrau nach einem Feuer in seinem Feldlager mit seinem Heer abzieht, geraten die Einwohner Edessas in höchste Begeisterung. Euagrios bezeichnet es in seiner Kirchengeschichte als von Gott, aber nicht von Menschenhand gemacht.

Dagegen schreibt Prokopios von Caesarea (vor 565), das Bild sei im Jahre 525 bei Aufräumungsarbeiten in einem der Stadttore entdeckt worden, nachdem der Daisan, ein Nebenfluss des Euphrats, die Stadt Edessa überschwemmt hatte. Eine Silbervase aus Emesa aus diesen Jahren (jetzt im Louvre, Paris) zeigt das wahrscheinliche Kopfbild auf dem Tuch.

Das wundertätige Bild blieb auch während der islamischen Eroberungen im christlichen Edessa.

Es fällt auf, dass die Bild-Darstellungen von Christus genau seit dem 6. Jahrhundert eine einschneidende Veränderung erfahren. Wurde Jesus bisher in einem jugendlichen Typus dargestellt (Typ griechischer Gott Apoll, v. a. bartlos), ähneln die Bildnisse seitdem eher demjenigen auf dem Turiner Grabtuch.

Erst durch die Expansionspolitik im wiedererstarktem Byzanz musste Edessa das so genannte Abgar-Bild im Jahre 944 an Byzanz abtreten. In Konstantinopel wurde es in der Pharos-Kirche des Kaiserpalastes ausgestellt.

Während der Belagerung im 4. Kreuzzug wurde das Bild in die Blachernen-Kirche in Konstantinopel gebracht, aus der es nach der Eroberung und Plünderung der Stadt 1204 verschwindet. Danach verliert sich die Spur des Bildes im Westen in Rom oder Paris. Erst 150 Jahre später taucht es in Lirey bei Troyes in Frankreich wieder auf. Wo es währenddessen war, ist nicht klar, vermutlich hat es einer der Templer an sich genommen, bis es schließlich nach Meinung einiger Historiker in die Hände von Geoffroy de Charny, einem Verwandten von Geoffroy de Charnay, fiel.

Heute könnte sich eine der beiden Kopien dieses Bildes, die ebenfalls aus Edessa stammen, im Vatikan befinden, die andere Kopie - seit dem 14. Jahrhundert dokumentarisch belegt - in Genua.

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Wolf / Colette Dufour Bozzo / Anna Rosa Calderoni Masetti (Hrsg.): Mandylion: intorno al "Sacro Volto", da Bisanzio a Genova. Genua, Museo Diocesano, 18. April - 18. Juli 2004. Skira, Mailand 2004, ISBN 88-8491-824-3.
  • Daniel Spanke: Das Mandylion. Ikonographie, Legenden und Bildtheorie der "Nicht-von-Menschenhand-gemachten Christusbilder". Monographien des Ikonenmuseums Recklinghausen. Bd 5. Recklinghausen 2000. ISBN 3929040484
  • Hans Belting: Bild und Kult, eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Beck, München 1990, 2000. ISBN 3-406-37768-8
  • Heinrich W. Pfeiffer: Die römische Veronika. In: Grenzgebiete der Wissenschaft. Resch, Innsbruck 49.2000,3, 225–240. ISSN 1021-8130
  • Joseph Sauer: Die ältesten Christusbilder. Wasmuth, Berlin 1920.
  • Die Abgarlegende / Das Christusbild von Edessa, Fontes Christiani, Brepols Publishers, 2003 ISBN 2502521149

Weblinks


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